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„Gute Chancen für Ernährungsberater“

Person steht auf einer Waage.
Fettleibigkeit ist in den letzten Jahren zu einem wachsenden Gesundheitsproblem geworden.
Foto: Thomas F. Starke

Interview

„Gute Chancen für Ernährungsberater“

abi» sprach mit Dr. Ute Brehme, Leiterin des Referats Fortbildung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), über Ernährungstrends und Karrierechancen für Ernährungsexperten.

abi>> Was ist in Ihren Augen aktuell die größte Herausforderung in Sachen Ernährung und Gesundheit in Deutschland?

Ute Brehme: Die Häufigkeit von Übergewicht ist in den letzten 15 Jahren relativ konstant geblieben, die Häufigkeit von Adipositas, also Fettleibigkeit, steigt jedoch und gilt als das am schnellsten wachsende Gesundheitsproblem.

abi>> Woran liegt das?

Ute Brehme: Sogenannte „energiedichte“ Lebensmittel wie Schokolade und Chips, Pommes Frites und Bratwurst sind ständig verfügbar – die schmecken vielen und sind relativ günstig. Das macht es vielen Verbrauchern schwer, im Alltag dauerhaft eine Ernährung umzusetzen, die an ihren individuellen Energie- und Nährstoffbedarf angepasst ist. Und: Wir sind mit Überfluss konfrontiert. Im Supermarkt finden wir durchschnittlich zwischen 1.000 und 200.000 Produkte.

abi>> Zumindest das ist ja erst mal nichts Negatives.

Ein Porträt-Foto von Dr. Ute Brehme

Dr. Ute Brehme

Foto: Britt Schilling

Ute Brehme: Klar: Durch diese riesige Auswahl können wir auch eine Ernährung nach unserem persönlichen Lifestyle zusammenstellen – im Trend liegen zum Beispiel vegane Ernährung, Flexitarismus oder Clean Eating, bei dem man möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel zu sich nimmt. Wichtig ist dabei aber, dass der Gesundheitsaspekt nicht zu kurz kommt. Durch Kochshows, Lifestyle-Magazine, Food-Blogs oder Rezeptportale setzt sich fast jeder in irgendeiner Weise mit dem Thema Ernährung auseinander.

abi>> Welche Herausforderungen sehen Sie für die Lebensmittelproduktion und -entwicklung?

Ute Brehme: Eine Chance liegt darin, Lebensmittel besser zu kennzeichnen, aber auch ihre Nährwertprofile zu verbessern – also Rezepturen für Fertiggerichte und neue Produkte zu entwickeln, die noch stärker auf die Nährstoffzusammensetzung aus Fetten, Proteinen, Salz, Kohlenhydraten beziehungsweise Zucker achten.

abi>> Wie schätzen Sie die beruflichen Chancen für junge Menschen ein, die andere bei einer gesunden Ernährung unterstützen wollen?

Ute Brehme: Ich sehe da gute Chancen. Ein Praktikum bei einem/einer zertifizierten Ernährungsberater/in, in einer Klinik oder Rehaklinik, kann bei der Orientierung helfen. In Deutschland gibt es im Moment rund 5.000 Ernährungsberater mit einem von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannten Zertifikat. Das Zertifikat können Absolventen der Studiengänge im Bereich Ökotrophologie und Ernährungswissenschaften sowie Diätassistenten erwerben. Sie brauchen es zum Beispiel, um von den Krankenkassen Zuschüsse zu bekommen, wenn sie Ernährungskurse für gesunde Personen anbieten.

abi>> Kommen Ernährungsberater auch zum Einsatz, wenn Menschen erkrankt sind?

Ute Brehme: Ja, denn viele arbeiten auch in der Ernährungstherapie und beraten etwa bei Krankheiten wie Diabetes mellitus, Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Die Ausbildung zum Diätassistenten und der Bachelorstudiengang Diätetik bieten übrigens auch eine gute Voraussetzung für eine spätere Berufsausübung im Ausland.

abi>> 06.10.2015