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Die Mobilität der Zukunft

Mehrere Neuwagen stehen in einem Autohaus.
Neben der Elektromobilität sind Vernetzung und autonomes Fahren wichtige Zukunftsthemen der Automobilbranche.
Foto: Martin Rehm

Autonomes Fahren

Die Mobilität der Zukunft

U-Bahnen ohne Fahrer, automatisierte Lkw-Konvois und Autos, die sich selbst steuern – das autonome Fahren ist einer der Megatrends in der Automobilbranche. Auf dem Weg zu einer neuen Stufe der Mobilität braucht es gut ausgebildete Fachleute, die die Zukunft des Fahrens möglich machen. abi>> zeigt mögliche Zugangswege auf.

Auf den ersten Blick sieht er wie ein ferngesteuertes Modellauto eines ambitionierten Tüftlers aus. Doch der „Spatz“ hat es in sich. Entworfen wurde das autonom fahrende Modellfahrzeug von Studierenden der Universität Ulm. Ohne Fernsteuerung bewegt es sich vollkommen selbstständig auf der Rennstrecke, weicht Hindernissen aus und parkt sogar ein. Einmal im Jahr tritt das „Team Spatzenhirn“ beim Carolo-Cup an, einem Wettbewerb für autonome Modellfahrzeuge im Maßstab 1:10, der von der Technischen Universität Braunschweig veranstaltet wird.

Der „Spatz“ ist, ähnlich wie große autonome Fahrzeuge, mit einer Kamera und Sensoren ausgestattet, die die Strecke erfassen und die Daten an einen Rechner im Fahrzeug weiterleiten. Die Studierenden entwickeln die Soft- und Hardware selbst. Thomas Wodtko, der im vierten Bachelorsemester Informationssystemtechnik an der Uni Ulm studiert, war in den letzten zwei Jahren für die Sensorik des Autos zuständig. „Was die Technik betrifft, sind die Übergänge zu einem großen Auto fließend“, sagt der 19-Jährige, der schon in der Schule an Robotermeisterschaften teilgenommen hat. Das „Spatzenhirn“-Projekt hat sein Interesse am autonomen Fahren geweckt.

Spannender Mix aus Informatik und Elektrotechnik

Ein Porträt-Foto von Thomas Wodtko

Thomas Wodtko

Foto: Rebekka Schulz

Sein Studium beschreibt Thomas Wodtko als interessante Mischung aus Informatik und Elektrotechnik. Während in den ersten beiden Semestern vor allem Grundlagen und viel Mathematik auf dem Stundenplan standen, können die Studierenden ab dem vierten Semester entscheiden, wie viele Fächer aus der Informatik und wie viele E-Technik-Fächer sie belegen möchten. Nach dem sechssemestrigen Bachelor will Thomas Wodtko, der als Werkstudent bei einem Automobilhersteller arbeitet, voraussichtlich ein Masterstudium anschließen. Ob in Informationssystemtechnik, in Elektrotechnik oder Informatik, das hat er noch nicht entschieden.

Die beiden letztgenannten Disziplinen, die ohnehin eng miteinander verwoben sind, bieten viele Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel im Bereich des automatisierten Fahrens. Und sie sind nicht die einzigen Studiengänge, die den Einstieg in dieses Arbeitsfeld eröffnen können. „Es gibt zahlreiche Studienrichtungen von Maschinenbau, Automatisierungstechnik und Robotik über Wirtschaftsingenieurwesen bis hin zu Verkehrswissenschaften, mit denen man sich dem autonomen Fahren nähern kann“, sagt Berufsberaterin Dr. Birgit van Meegen von der Agentur für Arbeit Aachen-Düren.

„Um eine Auswahl zu treffen, sollte man sich die Module der einzelnen Studiengänge genau ansehen und prüfen, welche Inhalte einen konkret interessieren.“ Um herauszufinden, welche Hochschulen sich mit dem autonomen Fahren befassen, lohnt eine Recherche nach aktuellen Forschungsprojekten und -literatur. „Wer sich für einen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang entscheidet, sollte Erfindergeist mitbringen und die Lust, etwas zu konstruieren. Außerdem sollte man ein nachweisliches Interesse an Mathematik und Physik haben“, ergänzt die Beraterin.

Einblicke in das Berufsfeld

Ein Porträt-Foto von Dr. Birgit van Meegen

Dr. Birgit van Meegen

Foto: Privat

Wer sich im Bachelor lieber breit aufstellen und erst einmal herausfinden will, welche Bereiche ihn am meisten ansprechen, kann sich auch im Master noch spezialisieren. „Wichtig ist, dass man Praxissemester, Werkstudentenjobs und Praktika nutzt, um einen Einblick in das Berufsfeld zu erhalten“, rät Birgit van Meegen.

Auch für diejenigen, die sich für eine Ausbildung entscheiden, bietet der Bereich autonomes Fahren verschiedene Tätigkeitsmöglichkeiten – so kommen beispielsweise Techniker für die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen oder Fahrerassistenzsystemen zum Einsatz. Ob in der Forschung und Entwicklung, in der Produktion, dem Vertrieb, im Projekt- oder Qualitätsmanagement – die Arbeitsmöglichkeiten sind vielfältig. Nicht nur in der Industrie werden Experten für autonomes Fahren gesucht, sondern auch in Ministerien, bei Verbänden, Prüfstellen und in Ingenieurbüros.

Der aktuelle Stand der Forschung

Ein Porträt-Foto Klaus Bräunig

Klaus Bräunig

Foto: Privat

Moderne Autos – vor allem die leistungsstarken, teureren Modelle – sind schon heute mit Assistenzsystemen ausgestattet, die Fahrer beim Bremsen, Lenken und Einparken unterstützen. Mit Hilfe von Kameras und Sensoren wird die Umgebung des Fahrzeugs erfasst. „Es gibt also bereits viel künstliche Intelligenz im Auto. Diese Assistenzsysteme werden konsequent weiterentwickelt und halten nach und nach in allen Fahrzeugsegmenten Einzug“, erklärt Klaus Bräunig, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), und gibt einen Ausblick darauf, was diesen Bereich in den nächsten Jahren prägen wird: „Der Weg führt vom teilautomatisierten Fahren über das hochautomatisierte bis hin zum vollautomatisierten Fahren ohne aktive Mitwirkung des Fahrzeugführers. Bereits in einigen Jahren werden wir hochautomatisierte Fahrfunktionen sehen, die den Verkehr sicherer und effizienter und das Autofahren noch komfortabler machen sollen. Aber auch hier bleibt der Fahrer noch in der unmittelbaren Verantwortung.“

Angewiesen auf qualifizierten Nachwuchs

Rund 20.000 Entwickler in der deutschen Automobilindustrie sind derzeit vor allem mit dem vernetzten und automatisierten Fahren beschäftigt. In den nächsten drei bis vier Jahren werden deutsche Hersteller und Zulieferer laut VDA 16 bis 18 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet investieren. „Diese Zahlen zeigen, welch hohen Stellenwert die Branche dem vernetzten und automatisierten Fahren einräumt“, erklärt Klaus Bräunig.

Um die Entwicklung weiter voranzutreiben, ist sie auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen. Gefragt sind unter anderem Hardware- und Software-Entwickler, Sensorik- und Elektronikspezialisten. „Neue Erfindungen in der Motorsteuerung oder neue Funktionen wie Abstands-Warnradar, Surround View, Reifendrucksensoren oder das Head-up-Display, das wichtige Informationen ins Sichtfeld des Fahrers projiziert, führen zu einem besonderen Bedarf an Ingenieuren, die zusätzlich zu ihrem Fachgebiet entsprechende Kompetenzen besitzen“, sagt Klaus Bräunig.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit
http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

VDA

Verband der Automobilindustrie
www.vda.de

VDI

Verein Deutscher Ingenieure
www.vdi.de

Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM)

Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche
www.bitkom.org

abi>> 23.05.2016