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Vernetzter Verkehr

U-Bahn-Station in Berlin
Vor allem in bevölkerungsreichen Städten steigen die Anforderungen an öffentliche Verkehrsmittel.
Foto: Sonja Trabandt

Autonomes Fahren: Interview

Vernetzter Verkehr

Nils Nießen, Professor am Verkehrswissenschaftlichen Institut der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und Vorsitzender des Fachbereichs Bahntechnik beim Verein Deutscher Ingenieure, spricht mit abi>> über den aktuellen Forschungs- und Entwicklungsstand im Bereich des autonomen Fahrens.

abi>> Herr Prof. Nießen, immer mehr Pkws sind mit autonomen Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. Wie sieht es im Schienenverkehr aus?

Nils Nießen: Hier sind autonome Systeme schon länger gang und gäbe. In Nürnberg, Paris oder London sind beispielsweise bereits fahrerlose U-Bahnen unterwegs und auf der ICE-Strecke zwischen Köln und Frankfurt, auf der die Züge bis zu 300 Stundenkilometer fahren können, kommt ein System zum Einsatz, das den Zug selbstständig bremsen und beschleunigen kann.

abi>> Welche Vorteile bieten autonome Systeme?

Nils Nießen: Mit ihnen lässt sich das Fahren deutlich optimieren. Im Zugverkehr können zum Beispiel Verspätungen minimiert und der Energieverbrauch gesenkt werden, indem eine Fahrt vorausschauend geplant und häufiges Anfahren und Beschleunigen vermieden wird. Außerdem wird die Sicherheit erhöht.

abi>> Das klingt für den Laien im ersten Moment eher unverständlich – ein Auto oder ein Zug ohne Fahrer soll sicherer sein?

Nils Nießen: Der psychologische Effekt spielt in der Tat eine nicht zu unterschätzende Rolle, weshalb in manchen autonom fahrenden Bahnen vorne ein Mitarbeiter sitzt, um den Kunden ein besseres Gefühl zu geben. Faktisch kommen aber alle Untersuchungen zu dem Schluss: Der größte Risikofaktor im Verkehr ist der Mensch. Kommt es zu Unfällen, dann häufig aufgrund einer menschlichen Fehlentscheidung und nur selten, weil die Technik versagt. Dennoch brauchen wir natürlich gut ausgebildete Ingenieure, die diese sicheren Systeme konstruieren.

abi>> Wie sieht die Zukunft des autonomen Fahrens aus?

Ein Porträt-Foto von Nils Nießen

Nils Nießen

Foto: Privat

Nils Nießen: Mobilität wird künftig eine noch größere Rolle spielen. Bis wir mit vollständig autonom fahrenden Autos oder Zügen unterwegs sein werden, wird es noch eine ganze Weile dauern, aber in den nächsten fünf bis zehn Jahren wird es wichtige Entwicklungen in der Datenvernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel geben. Ziel ist es, durchgehende Reiseketten anzubieten, die alle Verkehrsmittel – egal ob Auto, U-Bahn, Zug oder Flugzeug – einbeziehen und so bessere Verbindungen schaffen.

abi>> Abgesehen von der Technik, wovon hängen künftige Fortschritte ab?

Nils Nießen: Unter anderem müssen die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein. Es müssen nicht nur autonome Fahrzeuge für den Straßenverkehr zugelassen werden, sondern auch die Straßen für den autonomen Verkehr. Bisher bewegen sich autonome Autos üblicherweise nur auf Sonderflächen. Im Schienenverkehr wird die Hürde nicht ganz so hoch sein, weil es hier bereits Strecken gibt, auf denen autonome Systeme zum Einsatz kommen.

abi>> Welche Rolle spielt die Datensicherheit?

Nils Nießen: Eine sehr große. Die Systeme müssen vor Angriffen von außen abgeschottet werden und wir brauchen gute Verschlüsselungsmethoden und Notfallstrategien für den Fall eines Hackerangriffs. Daran forschen Informatiker bereits intensiv.

abi>> Welche Möglichkeiten haben Abiturienten, die beruflich gerne etwas mit autonomem Fahren machen möchten?

Nils Nießen: Autonomes Fahren ist ein sehr interdisziplinäres Forschungsgebiet, deshalb kommen hier viele verschiedene Studiengänge infrage wie beispielsweise Verkehrsingenieurwesen, Bauingenieurwesen mit der Vertiefungsrichtung Verkehrswesen, Maschinenbau mit Schwerpunkt Konstruktions- oder Fahrzeugtechnik oder auch Elektrotechnik.

abi>> Was sollte man in jedem Fall mitbringen?

Nils Nießen: Wichtig ist ein technisches Grundverständnis. Viele meiner Studierenden hatten zum Beispiel Mathematik oder Physik im Abi oder ein anderes naturwissenschaftliches Fach. Und man sollte natürlich ein Interesse für Mobilität mitbringen.

abi>> 23.05.2016