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Schraubenschlüssel und Hightech

Kraftfahrzeugmechatroniker arbeitet an einem Auto.
Die Automobilbranche ist gerade auch bei Berufseinsteigern äußerst beliebt.
Foto: Thomas Lohnes

Berufe im Fahrzeugbau

Schraubenschlüssel und Hightech

Karosserie, Motor, Getriebe – an der Entwicklung und Konstruktion blechgewordener Fahrzeugträume beteiligt zu sein, ist für viele Abiturienten eine attraktive Vorstellung. Wer sich für ein Studium oder eine Ausbildung im Fahrzeugbau interessiert, hat viele verschiedene Aufgabenfelder zur Wahl. Doch die Anforderungen können mitunter sehr hoch sein.

Autos, Lkws, Motorräder, Nutz- und Schienenfahrzeuge –mit deren Produktion beschäftigt man sich im Fahrzeugbau. Auch Frieder von Ristok kann sich vorstellen, später einmal in diesem Bereich zu arbeiten. „Mich reizen die Aufgaben rund um die Konstruktion und Qualitätsanalyse von Motoren“, erzählt der 19-jährige Schüler, der bereits ein Praktikum bei einem Automobilhersteller absolviert hat. Den 18-jährigen Konstantin Wulle zieht es eher in die Produktentwicklung: „Mir macht es Spaß, neue, bessere Lösungen zu finden und diese umzusetzen. Daher ist es für mich durchaus eine Option, nach dem Abitur im Fahrzeugbau tätig zu werden.“

Der Fahrzeugbau gehört wie die Fahrzeugtechnik zum Maschinenbau. In der Fahrzeugtechnik allerdings geht es mehr um die elektronischen, elektrischen und mechatronischen Systeme, die in zunehmendem Maße verbaut werden. Das sind beispielsweise Fahrwerks- und Sicherheitstechnik, Fahrerassistenzsysteme oder innovative Bedienelemente in Pkw, Lkw und Co. – schließlich heißt der nächste Schritt „autonomes Fahren“.

„Das Interesse an Ausbildungs- und Studienplätzen im Bereich Fahrzeugbau und Fahrzeugtechnik ist seit Jahren konstant hoch“, berichtet Annette Geller, Beraterin für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Köln. „Die Automobilindustrie insgesamt zählt zu den beliebtesten Branchen für Berufseinsteiger.“ Neben den großen und namhaften Automobilherstellern bieten auch zahlreiche Automobilzulieferer, die Prüf- und Zulassungsstellen sowie die Schienen-, Spezialfahrzeug- und Zweiradindustrie Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten im Fahrzeugbau.

Hohe Technikaffinität gefragt

Ein Porträt-Foto von Annette Geller

Annette Geller

Foto: Privat

Wer sich für diesen Bereich interessiert, sollte zunächst überlegen, ob eine Ausbildung oder ein Studium in Frage kommt. Als Ausbildungsberufe bieten sich beispielsweise der Kraftfahrzeug- oder auch Zweiradmechatroniker an. Laut Annette Geller sind hier vor allem Abiturienten mit soliden naturwissenschaftlichen Kenntnissen gefragt, die auch körperliche und handwerkliche Arbeit nicht scheuen und Spaß am Umgang mit Werkstoffen haben. Als Technischer Produktdesigner oder Technischer Systemplaner kann man ebenfalls im Fahrzeugbau unterkommen. Ein Tipp der Berufsberaterin: „Die in der Ausbildung erworbenen praktischen Fähigkeiten in Kombination mit einem Studienabschluss werden von Arbeitgebern meist sehr geschätzt.“

Etliche Hochschulen bieten spezialisierte Bachelorstudiengänge im Fahrzeugbau, in der Fahrzeugtechnik, -informatik oder -elektronik an. Alternativ dazu kann man etwa Maschinenbau, Produktionstechnik, Mechatronik oder auch Industriedesign oder Wirtschaftsingenieurwesen studieren und während des Studiums einen entsprechenden Schwerpunkt setzen. Außerdem gibt es zahlreiche Masterangebote rund um die Fahrzeugbranche. In all diesen Studiengängen ist in der Regel nicht nur großes technisches Verständnis gefragt, sondern auch die Fähigkeit, sich in einem breiten Spektrum an Fachgebieten – von Werkstoffkunde über Elektrotechnik bis hin zu Mechanik und Informatik – fundiertes Wissen anzueignen.

Konstruktion, Qualitätssicherung oder Vertrieb

Nach dem Studium können Fahrzeugingenieure in unterschiedlichen Einsatzgebieten arbeiten: direkt in der Fahrzeugkonstruktion, aber ebenso in Produktionsplanung, Qualitätssicherung, Vertrieb, Einkauf oder auch als Sachverständiger in Prüfstellen. Wer später bei Audi, BMW, Daimler oder anderen Automobilherstellern unterkommen will, sollte das gesamte Studium auf die spätere Tätigkeit ausrichten, empfiehlt Annette Geller. „Die Automobilhersteller suchen für ihre Top-Positionen kreative, hochqualifizierte Kräfte. Die Branche arbeitet global, deshalb müssen beispielsweise Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen nachgewiesen werden.“ Meist sei ein Einstieg nur über anspruchsvolle Assessment-Center und Traineeprogramme möglich. „Es ist sehr wichtig, sich das schon vor der Wahl des Studiums bewusst zu machen und sich parallel über alternative Arbeitgeber zu informieren“, gibt die Beraterin zu bedenken.

Derzeit hat man mit einer Ausbildung oder einem Studium im Fahrzeugbau gute Karten: Dem Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit zufolge liegt die Arbeitslosenquote bei geringen zwei Prozent; bei den Ausbildungsberufen herrsche momentan ein erhöhtes Interesse an Arbeitskräften und auch eine steigende Zahl an Studienabsolventen könne momentan vom Arbeitsmarkt aufgenommen werden. Gute Nachrichten gibt es auch für alle Frauen, die sich für den Fahrzeugbau interessieren: Aktuell sind nur acht Prozent der in diesem Bereich Beschäftigten weiblich – bei steigender Nachfrage der Arbeitgeber. Ingenieurinnen haben also unter Umständen sogar die Chance, bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt zu werden.

Aktuelle Abgas-Problematik

Unklar ist zum Zeitpunkt noch, wie sich die Diskussionen um überhöhte Abgaswerte in der Automobilbranche auswirken werden. Nicht nur die Berufseinstiegschancen bei den in die Schlagzeilen geratenen Automobillherstellern (prominentestes Beispiel: Volkswagen), auch die Zukunftsfähigkeit der vor allem in Deutschland beliebten Dieselfahrzeuge im Allgemeinen sind seit September 2015 auf eine schwere Probe gestellt. Andererseits gilt: Mit der angestoßenen Novellierung der Abgasgesetzgebung in der EU, bei der - wie etwa der Verband der Automobilindustrie (VDA) berichtet - neben dem neuen Testverfahren "Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedures" (WLTP) auch "Real Driving Emissions" (RDE), also Alltagsemissionswerte, Berücksichtigung finden sollen, können sich auch neue Chancen für technische Innovationen zur Abgasreduktion und damit attraktive Aufgabenfelder ergeben. Es empfiehlt sich in jedem Fall, die Entwicklungen aufmerksam zu beobachten, wenn man beruflich in der Automobilbranche Fuß fassen will.

 

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Fahrzeug, Fahrzeugbau)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du nach schulischen Berufsausbildungen und Studiengängen suchen. (Suchwort: Fahrzeug)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und nach deinen Wünschen filtern. www.studienwahl.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie Internationale Kooperationen. www.hochschulkompass.de

Verband der Automobilindustrie e.V. (VDA)

www.vda.de

Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI)

www.vdi.de

Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik e.V. (ZKF)

Unter anderem findet sich hier eine Job- und Azubibörse.
www.zkf.de

abi>> 24.12.2015