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Viele Möglichkeiten im Handel

Förderbänder in einem Versandlager.
Wie kommt das Produkt zum Kunden? Die Vertriebswege im Handel haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt.
Foto: Martin Rehm

Berufe im Handel – Hintergrund

Viele Möglichkeiten im Handel

Handel ist Wandel, lautet ein Sprichwort. In der Tat verändert sich die Branche heutzutage rasant. Trends wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Onlineshopping prägen sie dabei. Nachwuchskräfte können diesen Prozess mitgestalten.

Als Tochter eines Dachdeckermeisters hatte Julia Ziegelmann bereits früh Kontakt zum Handwerk. Später sammelte sie im Rahmen eines Praktikums bei Bosch weitere Erfahrungen im technischen Bereich. Da sie sich darüber hinaus für wirtschaftsbezogene Themen interessiert, entschied sie sich für ein BWL-Studium an der Uni Mannheim. Den Schwerpunkt legte sie auf internationale Qualifikation, Marketing und Controlling.

Mit diesem Hintergrund passte die Stelle im Handelsmarketing, die die Hornbach Baumarkt AG in Bornheim bei Landau in der Pfalz ausgeschrieben hatte, perfekt zu Julia Ziegelmanns Lebenslauf. „Ich war unter anderem für die Kundenführung bei Projekten im Markt zuständig, optimierte also die Sonderflächen und Regale. Dadurch lernte ich die Märkte gut kennen“, erinnert sich die heute 35-Jährige.

Interne und externe Kommunikation

Ein Porträt-Foto von Julia Ziegelmann

Julia Ziegelmann

Foto: privat

Zwei Jahre nach ihrem Einstieg wechselte die Diplom-Kauffrau in die Markenkommunikation; mittlerweile leitet sie ein Team von fünf Mitarbeitern. „Unser Ziel ist es, für eine hohe Markenbekanntheit zu sorgen und ein positives Image für unser Unternehmen zu schaffen“, erklärt Julia Ziegelmann. „Meine Hauptaufgabe ist die Projektsteuerung: Ich sorge dafür, dass die Kommunikationskampagnen erfolgreich umgesetzt werden.“

Ihre Abteilung arbeitet oft mit externen Kreativ- und Mediaagenturen zusammen. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit internen Abteilungen, etwa Public Relations oder Verkaufsförderung. „Die Kampagnen laufen bei uns international in derzeit neun Ländern, in denen wir tätig sind. Hier muss ich auch ein Gespür für die unterschiedlichen Märkte mitbringen“, betont Julia Ziegelmann.

Wege in den Handel

Ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing ist ein möglicher Weg für diejenigen, die in der Handelsbranche Fuß fassen möchten. Studiengänge wie Handelsmanagement, Handelsmarketing, Internationales Management oder Wirtschaftsinformatik sind ebenfalls beliebte Einstiegswege für Abiturienten. „Je nachdem, in welchem Bereich man arbeiten will, kann sich auch ein Jura-, Architektur-, Logistik- oder E-Commerce-Studium anbieten“, sagt Katharina Weinert, Abteilungsleiterin für Bildungspolitik und Berufsbildung beim Handelsverband Deutschland (HDE). (Welche Aufgaben Absolventen eines E-Commerce-Studiums übernehmen können, erfährst du im Beitrag „Gute Einkaufserlebnisse schaffen“.)

Speziell für Abiturienten gibt es einige Ausbildungen, die zu verantwortungsvollen Positionen im Einzelhandel führen, etwa Handelsfachwirt oder Fachwirt für Vertrieb im Einzelhandel. Beide kombinieren die duale Ausbildung Kaufmann im Einzelhandel mit einer beruflichen Weiterbildung. „Die Absolventen übernehmen schnell Verantwortung“, betont Paul Stallmeister, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Münster. „Prinzipiell arbeiten Abiturienten und Absolventen eher in der Filialleitung oder in der Zentrale als im Verkauf.“ (Mehr über den beruflichen Alltag während der Ausbildung zum Handelsfachwirt erfährst du im Beitrag „Ziel: eine eigene Filiale“.)

Neuer Ausbildungsberuf

Der Wandel stellt Fachkräfte sowie Berufseinsteiger der Branche vor neue Herausforderungen. Um junge Menschen besser auf die Anforderungen im Handel vorzubereiten, hat der HDE in Zusammenarbeit mit Unternehmen und anderen Verbänden einen neuen Ausbildungsberuf initiiert: Kaufmann im E-Commerce. Zum ersten Mal soll die Ausbildung im August 2018 angeboten werden. Zu den geplanten Inhalten gehören etwa Onlinemarketing, Produktdarstellung, Sortimentsgestaltung, unterschiedliche Vertriebskanäle sowie die im Internet wichtigen rechtlichen Aspekte – etwa Daten- und Markenschutz oder Wettbewerbs- und Urheberrecht. „Die Bewerber müssen computeraffin sein und sollten sich für den Onlinehandel interessieren“, sagt Katharina Weinert.

Fair Trade und Digitalisierung

Sowohl für Absolventen einer Ausbildung als auch für diejenigen mit einem Studienabschluss ist der Berufsalltag durch aktuelle Trends geprägt. Beispielsweise boomt aktuell der Onlinehandel. Laut Institut für Handelsforschung in Köln wächst der Umsatz in diesem Bereich seit 2010 jährlich um rund vier Milliarden Euro. Mittlerweile werden nicht nur Kleidungsstücke, Bücher und Elektronikartikel online bestellt, sondern sogar Lebensmittel.

Ein weiterer Trend ist der sogenannte Cross-Channel-Vertrieb: „Die Vernetzung von Online- und stationärem Handel wird weiter fortschreiten“, erwartet HDE-Expertin Katharina Weinert. Ein Beispiel für dieses Modell: Der Kunde bestellt die gewünschte Ware online und kann sie am nächsten Tag auf dem Heimweg von der Arbeit selbst im Laden abholen.

Auch Nachhaltigkeit beim Sortiment, in der Logistik und bei der Herstellung ist ein wichtiges Thema. Stichworte sind hier zum Beispiel Bioprodukte, fairer Handel, umweltschonende Transportwege und Energiesparmaßnahmen im Laden. Laut dem Verein TransFair sind die Einnahmen im Bereich der fair gehandelten Produkte in den vergangenen Jahren um mehr als das Zehnfache gestiegen.

„Nicht zuletzt schreitet auch die Digitalisierung im Handel immer weiter voran“, ergänzt Katharina Weinert: Produktinformationen werden über Touchscreens präsentiert, Tablets unterstützen den Verkaufsprozess, Computerkassen machen den Bezahlprozess einfacher.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Sowohl im klassischen Einzelhandel als auch im Online- und Versandhandel stehen die Zeichen auf Wachstum: „Mitte 2016 gab es im Einzelhandel 2,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Binnen fünf Jahren hat sich die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel um sieben Prozent erhöht“, berichtet Ilona Mirtschin, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit. „Im Online- und Versandhandel arbeiteten Mitte 2016 insgesamt 106.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – 75 Prozent mehr als 2011.“

In der Branche gibt es verschiedene Einsatzbereiche: „Im Einzelhandel arbeitet die Hälfte der Beschäftigten im Verkauf, während im Versand- und Internethandel der Schwerpunkt auf den Bereichen Lagerwirtschaft und Post liegt“, erklärt Ilona Mirtschin. Aber auch Büro und Sekretariat, Unternehmensorganisation und -strategie, Werbung und Marketing sowie Einkauf und Vertrieb sind bedeutende Tätigkeitsfelder im Versand- und Onlinehandel.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: z.B. Handel)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: z.B. Handel)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Handelsverband Deutschland e.V. (HDE)

www.einzelhandel.de

Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVLH)

www.bvlh.net

Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh)

www.bevh.org

Bundesverband Onlinehandel e.V.

www.bvoh.de

Händlerbund e.V.

www.haendlerbund.de

abi>> 29.05.2017