Viele Möglichkeiten im Handel

Förderbänder in einem Versandlager.
Wie kommt das Produkt zum Kunden? Die Vertriebswege im Handel haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt.
Foto: Martin Rehm

Berufe im Handel

Viele Möglichkeiten im Handel

Handel ist Wandel, lautet ein Sprichwort. In der Tat verändert sich die Branche heutzutage rasant. Trends wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Onlineshopping prägen sie dabei. Nachwuchskräfte können diesen Prozess mitgestalten.

Als Tochter eines Dachdeckermeisters hatte Julia Ziegelmann bereits früh Kontakt zum Handwerk. Später sammelte sie im Rahmen eines Praktikums bei Bosch weitere Erfahrungen im technischen Bereich. Da sie sich darüber hinaus für wirtschaftsbezogene Themen interessiert, entschied sie sich für ein BWL-Studium an der Uni Mannheim. Den Schwerpunkt legte sie auf internationale Qualifikation, Marketing und Controlling.

Mit diesem Hintergrund passte die Stelle im Handelsmarketing, die die Hornbach Baumarkt AG in Bornheim bei Landau in der Pfalz ausgeschrieben hatte, perfekt zu Julia Ziegelmanns Lebenslauf. „Ich war unter anderem für die Kundenführung bei Projekten im Markt zuständig, optimierte also die Sonderflächen und Regale. Dadurch lernte ich die Märkte gut kennen“, erinnert sich die heute 35-Jährige.

Interne und externe Kommunikation

Ein Porträt-Foto von Julia Ziegelmann

Julia Ziegelmann

Foto: privat

Zwei Jahre nach ihrem Einstieg wechselte die Diplom-Kauffrau in die Markenkommunikation; mittlerweile leitet sie ein Team von fünf Mitarbeitern. „Unser Ziel ist es, für eine hohe Markenbekanntheit zu sorgen und ein positives Image für unser Unternehmen zu schaffen“, erklärt Julia Ziegelmann. „Meine Hauptaufgabe ist die Projektsteuerung: Ich sorge dafür, dass die Kommunikationskampagnen erfolgreich umgesetzt werden.“

Ihre Abteilung arbeitet oft mit externen Kreativ- und Mediaagenturen zusammen. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit internen Abteilungen, etwa Public Relations oder Verkaufsförderung. „Die Kampagnen laufen bei uns international in derzeit neun Ländern, in denen wir tätig sind. Hier muss ich auch ein Gespür für die unterschiedlichen Märkte mitbringen“, betont Julia Ziegelmann.

Wege in den Handel

Ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Marketing ist ein möglicher Weg für diejenigen, die in der Handelsbranche Fuß fassen möchten. Studiengänge wie Handelsmanagement, Handelsmarketing, Internationales Management oder Wirtschaftsinformatik sind ebenfalls beliebte Einstiegswege für Abiturienten. „Je nachdem, in welchem Bereich man arbeiten will, kann sich auch ein Jura-, Architektur-, Logistik- oder E-Commerce-Studium anbieten“, sagt Katharina Weinert, Abteilungsleiterin für Bildungspolitik und Berufsbildung beim Handelsverband Deutschland (HDE). (Welche Aufgaben Absolventen eines E-Commerce-Studiums übernehmen können, erfährst du im Beitrag „Gute Einkaufserlebnisse schaffen“.)

Speziell für Abiturienten gibt es einige Ausbildungen, die zu verantwortungsvollen Positionen im Einzelhandel führen, etwa Handelsfachwirt oder Fachwirt für Vertrieb im Einzelhandel. Beide kombinieren die duale Ausbildung Kaufmann im Einzelhandel mit einer beruflichen Weiterbildung. „Die Absolventen übernehmen schnell Verantwortung“, betont Paul Stallmeister, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Münster. „Prinzipiell arbeiten Abiturienten und Absolventen eher in der Filialleitung oder in der Zentrale als im Verkauf.“ (Mehr über den beruflichen Alltag während der Ausbildung zum Handelsfachwirt erfährst du im Beitrag „Ziel: eine eigene Filiale“.)

Neuer Ausbildungsberuf

Der Wandel stellt Fachkräfte sowie Berufseinsteiger der Branche vor neue Herausforderungen. Um junge Menschen besser auf die Anforderungen im Handel vorzubereiten, hat der HDE in Zusammenarbeit mit Unternehmen und anderen Verbänden einen neuen Ausbildungsberuf initiiert: Kaufmann im E-Commerce. Zum ersten Mal soll die Ausbildung im August 2018 angeboten werden. Zu den geplanten Inhalten gehören etwa Onlinemarketing, Produktdarstellung, Sortimentsgestaltung, unterschiedliche Vertriebskanäle sowie die im Internet wichtigen rechtlichen Aspekte – etwa Daten- und Markenschutz oder Wettbewerbs- und Urheberrecht. „Die Bewerber müssen computeraffin sein und sollten sich für den Onlinehandel interessieren“, sagt Katharina Weinert.

Fair Trade und Digitalisierung

Sowohl für Absolventen einer Ausbildung als auch für diejenigen mit einem Studienabschluss ist der Berufsalltag durch aktuelle Trends geprägt. Beispielsweise boomt aktuell der Onlinehandel. Laut Institut für Handelsforschung in Köln wächst der Umsatz in diesem Bereich seit 2010 jährlich um rund vier Milliarden Euro. Mittlerweile werden nicht nur Kleidungsstücke, Bücher und Elektronikartikel online bestellt, sondern sogar Lebensmittel.

Ein weiterer Trend ist der sogenannte Cross-Channel-Vertrieb: „Die Vernetzung von Online- und stationärem Handel wird weiter fortschreiten“, erwartet HDE-Expertin Katharina Weinert. Ein Beispiel für dieses Modell: Der Kunde bestellt die gewünschte Ware online und kann sie am nächsten Tag auf dem Heimweg von der Arbeit selbst im Laden abholen.

Auch Nachhaltigkeit beim Sortiment, in der Logistik und bei der Herstellung ist ein wichtiges Thema. Stichworte sind hier zum Beispiel Bioprodukte, fairer Handel, umweltschonende Transportwege und Energiesparmaßnahmen im Laden. Laut dem Verein TransFair sind die Einnahmen im Bereich der fair gehandelten Produkte in den vergangenen Jahren um mehr als das Zehnfache gestiegen.

„Nicht zuletzt schreitet auch die Digitalisierung im Handel immer weiter voran“, ergänzt Katharina Weinert: Produktinformationen werden über Touchscreens präsentiert, Tablets unterstützen den Verkaufsprozess, Computerkassen machen den Bezahlprozess einfacher.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Sowohl im klassischen Einzelhandel als auch im Online- und Versandhandel stehen die Zeichen auf Wachstum: „Mitte 2016 gab es im Einzelhandel 2,2 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Binnen fünf Jahren hat sich die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel um sieben Prozent erhöht“, berichtet Ilona Mirtschin, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit. „Im Online- und Versandhandel arbeiteten Mitte 2016 insgesamt 106.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – 75 Prozent mehr als 2011.“

In der Branche gibt es verschiedene Einsatzbereiche: „Im Einzelhandel arbeitet die Hälfte der Beschäftigten im Verkauf, während im Versand- und Internethandel der Schwerpunkt auf den Bereichen Lagerwirtschaft und Post liegt“, erklärt Ilona Mirtschin. Aber auch Büro und Sekretariat, Unternehmensorganisation und -strategie, Werbung und Marketing sowie Einkauf und Vertrieb sind bedeutende Tätigkeitsfelder im Versand- und Onlinehandel.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: z.B. Handel)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: z.B. Handel)
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

Handelsverband Deutschland e.V. (HDE)

www.einzelhandel.de

Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVLH)

www.bvlh.net

Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh)

www.bevh.org

Bundesverband Onlinehandel e.V.

www.bvoh.de

Händlerbund e.V.

www.haendlerbund.de

 

Handelsfachwirtin

Ziel: eine eigene Filiale

Kunden beraten, Bestellungen aufgeben, Personalpläne erstellen: Während ihrer Abiturientenausbildung beim Dänischen Bettenlager auf Sylt übernimmt Bianca Pohlmann (23) bereits viel Verantwortung. Für abi>> berichtet sie über ihren beruflichen Alltag.

Nach dem Abitur hatte ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau in Erwägung gezogen. Doch das allein reichte mir nicht aus – ich wollte gern mehr mit Menschen zusammenarbeiten, statt nur am Schreibtisch zu sitzen. Also bewarb ich mich beim Handelsunternehmen Dänisches Bettenlager um eine Ausbildung als Kauffrau im Einzelhandel inklusive einer Weiterbildung zur Handelsfachwirtin. Diese sogenannte Abiturientenausbildung steht ausschließlich Kandidaten mit Hochschulreife oder Fachhochschulreife offen.

Meine Ausbildung habe ich nach eineinhalb Jahren abgeschlossen, für den Abschluss Fachwirtin benötige ich insgesamt drei Jahre. In dieser Zeit lerne ich einerseits den Handel mit all seinen Facetten kennen. Andererseits erlange ich das Wissen, das ich brauche, um später eine eigene Filiale zu leiten. Alle drei Monate fahre ich für jeweils drei Wochen ins Bildungszentrum nach Springe bei Hannover, wo der theoretische Teil meiner Handelsfachwirt-Weiterbildung stattfindet. Darüber hinaus erwerbe ich bald meinen Ausbilderschein, sodass ich auch selber Auszubildende anlernen kann.

Kundenkontakt und Organisation

Ein Porträt-Foto von Bianca Pohlmann

Bianca Pohlmann

Foto: Melissa Richter

Auf Sylt lerne ich den Verkauf von der Pike auf kennen. Zusammen mit meinen neun Kolleginnen und Kollegen kümmere ich mich unter anderem um die Sauberkeit und Ordnung im Laden. Zu unseren Produkten – vornehmlich Möbel und Matratzen – erhalten wir regelmäßig Schulungen. Das Wissen daraus setzen wir im Alltag ein, etwa wenn wir Kundengespräche führen. Nicht zuletzt schreibe ich Personalpläne. Rund zwei Drittel meiner Arbeitszeit verbringe ich auf der Verkaufsfläche und etwa ein Drittel im Büro, wo ich Bestellungen aufgebe oder aufgrund von Krankmeldungen auch mal spontan die Personalpläne ändern muss.

Einmal im Monat begleite ich einen ganzen Tag lang meinen Filialleiter. Dabei lerne ich vieles über Personalführung oder Buchhaltung: Wie motiviere ich die Mitarbeiter? Wie erreiche ich die gesteckten Umsatzziele? Wie führe ich ein erfolgreiches Geschäft? Diese Kenntnisse werde ich später brauchen, um erfolgreich eine eigene Filiale zu leiten. Wo genau ich später eingesetzt werde, weiß ich noch nicht – das wird sich erst in den nächsten Monaten entscheiden.

Empathisch und kommunikativ

Die größte Herausforderung im Handel sind für mich anspruchsvolle Kunden, die zum Beispiel mit Reklamationen zu uns kommen. In Seminaren lernen wir unter anderem, mit Kritik und angespannten Situationen umzugehen, sodass die Kunden den Laden am Ende hoffentlich mit einem Lächeln verlassen.

Mir gefällt im Handel vor allem die Mischung aus Kundenkontakt und administrativen Aufgaben. Für meine Arbeit muss ich kommunikativ und empathisch sein, mich also gern auf die unterschiedlichsten Menschen einlassen. Außerdem sollte ich mich für die Waren, die wir anbieten, auch wirklich interessieren – ansonsten kann ich sie nicht überzeugend verkaufen.

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Handelsfachwirtin

Typischer Tagesablauf

Bianca Pohlmann arbeitet beim Dänischen Bettenlager auf Sylt. Dort lernt sie die Aufgaben im Einzelhandel kennen.

9 Uhr

Bianca Pohlmann kommt in den Laden, meldet die Kasse an und zählt das Wechselgeld. Dazu kommen saisonal bedingte Aufgaben. Während der Frühlingssaison stellt sie beispielsweise die Gartenmöbel vor den Laden.

9.30 Uhr

Der Laden öffnet. Schon bald warten die ersten Kunden, um sich zu den neuesten Matratzen beraten zu lassen. Bianca Pohlmann erklärt ihnen die Details.

10.30 Uhr

Ein Kunde hat einen Tisch bestellt. Da der Lagerist heute Urlaub hat, muss Bianca Pohlmann selber mit anpacken und den Tisch aus dem Lager holen.

11 Uhr

Die Zentrale in Handewitt hat ein neues Konzept für die Präsentation von Bettwäsche herausgegeben. Bianca Pohlmann räumt daher die Ware um.

12 Uhr

In ihrer einstündigen Mittagspause macht Bianca Pohlmann einen kleinen Spaziergang zum Strand.

13 Uhr

Am Nachmittag ist es im Laden etwas ruhiger, sodass Bianca Pohlmann sich mit Büroarbeit beschäftigen kann. Sie bestellt etwa neue Bettwäsche, da diese fast ausverkauft ist. Außerdem verbucht sie die Lieferscheine und prüft die Bestände.

18 Uhr

Kurz vor Ladenschluss räumt Bianca Pohlmann die Regale auf, staubsaugt den Boden und räumt die Möbel rein.

18.30 Uhr

Als der letzte Kunde das Geschäft verlässt, meldet Bianca Pohlmann die Kasse ab und schließt den Laden – für heute ist Feierabend.

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E-Commerce-Spezialist

Gute Einkaufserlebnisse schaffen

Der Kunde ist König – auch im Onlinehandel. Um die Benutzer der Onlineshops seines Arbeitgebers langfristig zu halten, wertet der E-Commerce-Spezialist Mustafa Aynaoglu (26) große Datenmengen aus und optimiert regelmäßig die virtuellen Läden.

Während seines Studiums an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg beschäftigte sich Mustafa Aynaoglu mit verschiedenen Themen aus den Bereichen Technik und Wirtschaft. Er lernte nicht nur zu programmieren, sondern setzte sich auch mit Onlinemarketing und Suchmaschinenoptimierung auseinander. „Der damals ganz neue Studiengang E-Commerce war an das bisherige Wirtschaftsinformatikstudium angelehnt, erschien mir aber spannender und zukunftsorientierter“, begründet der heute 26-Jährige seine Studienwahl.

Da er sich schon länger für Themen wie Handel oder Internet interessierte, bewarb er sich noch während des Studiums bei seinem heutigen Arbeitgeber, der XXXL Group in Würzburg, als Werkstudent und schrieb dort später auch seine Bachelorarbeit. Heute arbeitet er in der Analyseabteilung der Gruppe, die vor allem Möbel, Wohnaccessoires und Haushaltswaren verkauft.

Daten auswerten, Onlineshops optimieren

Ein Porträt-Foto von Mustafa Aynaoglus

Mustafa Aynaoglu

Foto: Volker Michels

„Im Onlinehandel fallen unzählige Daten an, die ich auswerten muss – etwa zur Zahl der Bestellungen, zum Umsatz in den einzelnen Shops oder dazu, welches Lager welche Waren ausgeliefert hat“, erklärt Mustafa Aynaoglu. Für die verschiedenen Abteilungen, etwa Marketing, Vertrieb oder Controlling, sucht er die gewünschten Daten heraus und bereitet sie so auf, dass die Kollegen sie für ihre Zwecke nutzen können. Zu diesem Zweck entwickelt er eigene Dashboards, also Werkzeuge zur Visualisierung von Daten. Für die Abstimmung, welche Daten in welcher Form gebraucht werden, stehen immer wieder Treffen mit den Abteilungen an.

Eine weitere wichtige Aufgabe des Datenexperten ist es, die Onlineshops seines Unternehmens zu optimieren. „Ich schaue mir zum Beispiel an, an welchen Punkten während des Bestellvorgangs die Nutzer abspringen, und entwickle Vorschläge, wie man diese Hürden entfernen kann. Ich entwerfe einfachere Formulare für den Kaufabschluss oder experimentiere mit den Formulierungen im Suchfeld – also etwa ‚Lieblingsprodukt suchen‘ statt einfach nur ‚Suche‘.“ Seine Vorschläge setzt die IT-Abteilung um. Anschließend prüft Mustafa Aynaoglu, ob die Nutzer positiv reagieren. In einer Filiale der Handelsgruppe führte er zum Beispiel einen Eyetracking-Test durch: Dabei wurde analysiert, wohin auf dem Bildschirm der Blick des Kunden bei der Onlinebestellung als Erstes fällt.

Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt

In Mustafa Aynaoglus Beruf ist es besonders wichtig, technisch immer auf dem neuesten Stand zu sein. „Ich lese dazu Fachliteratur oder Technikblogs und beobachte auch unsere Mitbewerber, also andere Onlineshops.“ Außerdem muss er sich gut mit Zahlen auskennen und gern im Team arbeiten. Der schnelllebige Onlinehandel stellt die Anbieter immer wieder vor neue Herausforderungen, darauf muss sich Mustafa Aynaoglu einstellen und schnell agieren. „Der nächste Shop ist für den Kunden schließlich nur einen Klick entfernt“, weiß der E-Commerce-Spezialist. Daher muss er immer für ein gutes Einkaufserlebnis sorgen, um die Kunden ans Unternehmen zu binden.

Besonders beeindruckt es den 26-Jährigen, wie unterschiedlich sich die einzelnen Benutzer verhalten. „Man glaubt, alle würden so denken wie man selbst, dabei verhalten sich die Kunden oft komplett anders als erwartet.“ Damit bleibt die Arbeit im Onlinehandel für ihn auch in Zukunft spannend.

 

Berufe im Handel – Berufsübersicht

Mehr als nur Verkaufen

Welche Berufsausbildungen und Studiengänge führen in den stationären oder den Onlinehandel?

Berufsausbildungen

Kaufmann/-frau im Einzelhandel

Aufgaben: Verkauf von Konsumgütern wie Bekleidung, Spielwaren, Nahrungsmitteln, Unterhaltungselektronik oder Einrichtungsgegenständen; Beratungsgespräche mit Kunden; Planung des Einkaufs; Warenbestellung; Annahme von Lieferungen; fachgerechte Lagerung; Auszeichnung der Ware; Gestaltung der Verkaufsräume; Planung und Umsetzung von werbe- und verkaufsfördernden Maßnahmen

Mögliche Arbeitgeber: Einzelhandelsunternehmen, z. B. Modehäuser, Baumärkte, Supermärkte, Kaufhäuser, Lebensmittelfachgeschäfte, Tankstellen oder Versandhandel

Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel

Aufgaben: Kauf von Gütern der unterschiedlichsten Branchen bei Herstellern bzw. Lieferanten; Verkauf an Handel, Handwerk und Industrie; kostengünstige Lagerhaltung; reibungsloser Warenfluss; Bestellung von Waren; Warenauslieferung

Fachrichtungen: Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel (Großhandel); Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel (Außenhandel)

Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen nahezu aller Wirtschaftsbereiche

Buchhändler/in

Aufgaben: Kauf, Verkauf und Präsentation von Büchern; Zeitschriften, elektronischen und anderen Medien; Kundenberatung; Organisationsaufgaben

Mögliche Arbeitgeber: Bucheinzelhandel, Buch- und Zeitschriftenverlage, Zwischenbuchhandel, Leihbüchereien, Buchauktionshäuser

Abiturientenausbildungen

Handelsfachwirt/in

Aufgaben: Planung, Koordination, Steuerung und Kontrolle handelsspezifischer Geschäftsprozesse; Rechnungswesen; Vorbereitung von Entscheidungen für die Geschäftsleitung; Mitarbeiterführung

Mögliche Arbeitgeber: Einzelhandelsunternehmen, Groß- und Außenhandelsunternehmen, Handel treibende Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche

Fachwirt/in für Vertrieb im Einzelhandel

Aufgaben: Planung und Steuerung von kunden- und serviceorientierten Vertriebsprozessen; Personalführung und -entwicklung; Analyse von Marktentwicklungen; Entwicklung von Marketingkonzepten

Mögliche Arbeitgeber: Einzelhandelsunternehmen unterschiedlicher Wirtschaftsbereiche, z. B. Textil- und Bekleidungsgeschäfte, Supermärkte oder Möbelhäuser

Studienberufe

Betriebswirt/in (Hochschule) – Handel

Aufgaben: Planung, Organisation und Überwachung der Geschäftsaktivitäten eines Handelsunternehmens

Mögliche Arbeitgeber: Groß- und Einzelhandelsunternehmen, Unternehmen der Handelsvermittlung

Betriebswirt/in (Hochschule) – Logistik

Aufgaben: Planung und Steuerung von Waren- und Informationsströmen; Versorgung von Unternehmen mit Rohstoffen und Material, Informationen, Dienstleistungen und Personal

Mögliche Arbeitgeber: Speditions- und Handelsunternehmen, Industriebetriebe nahezu aller Wirtschaftsbereiche

 

Berufe im Handel – Interview

„Mit BWL-Kenntnissen wäre es einfacher gewesen“

abi>> sprach mit Milena Glimbovski (27), Gründerin und Geschäftsführerin des Supermarkts Original Unverpackt in Berlin.

abi>> Frau Glimbovski, was ist das Besondere an Ihrem Supermarkt-Konzept?

Milena Glimbovski: Wir verzichten dort, wo es möglich ist, auf Plastikverpackungen und verkaufen alles lose oder in Mehrwegverpackungen. Unsere Kunden können ihre eigenen Behälter mitbringen, sodass kein unnötiger Müll entsteht.

Mit unseren Lieferanten mussten wir für viele Produkte eigene Lösungen entwickeln. Unsere losen Produkte kommen zum Beispiel in großen 25-Kilo-Säcken aus Papier bei uns an und werden in Spender umgefüllt. Dabei fällt zwar immer noch ein bisschen Müll an, aber weit weniger als in herkömmlichen Supermärkten.

abi>> Wie kamen Sie auf die Idee, einen so speziellen Supermarkt zu eröffnen?

Ein Porträt-Foto von Milena Glimbovski

Milena Glimbovski

Foto: privat

Milena Glimbovski: Eine Freundin und mich hatte es schon lange genervt, dass wir nach dem Einkaufen immer so viel Müll produziert haben. Wir wollten das gern ändern, sahen aber bei den bestehenden Supermärkten keine Möglichkeit dazu. Also setzten wir uns zusammen, schrieben einen Businessplan, sammelten über Crowdfunding das Startkapital und eröffneten 2014 einen eigenen Laden. Mittlerweile beschäftigen wir 15 Mitarbeiter.

abi>> Hatten Sie berufliche Erfahrung im Handel, bevor Sie sich mit der Idee beschäftigt haben?

Milena Glimbovski: Nein. Ich habe eine Ausbildung als Mediengestalterin gemacht und danach Wirtschaftskommunikation studiert. Zur Zeit der Gründung habe ich mein Studium abgebrochen, um mich nur noch auf unser Geschäft zu konzentrieren. Ich hatte also keinerlei BWL-Kenntnisse – und das war auch das Schwierigste. Wir haben leider erst sehr spät jemanden ins Boot geholt, der sich mit betriebswirtschaftlichen Fragen auskennt. Das hätten wir viel früher machen sollen.

abi>> Was sind für Sie die größten Herausforderungen im Handel?

Milena Glimbovski: Stationärer Einzelhandel ist kein einfaches Geschäft: Man hat hohe Fixkosten und nur niedrige Margen, also Gewinnspannen. Unser Laden hält sich, wir haben viele Stammkunden, aber wir werden es wohl nicht schaffen, weitere Filialen zu eröffnen. Als kleiner Einzelhändler können wir einfach nicht so gute Einkaufspreise bekommen wie die Großen der Branche.

abi>> Glauben Sie, dass sich auch bei den Großen in Sachen Verpackung etwas ändern wird?

Milena Glimbovski: Wir sehen ja jetzt schon Veränderungen: Immer mehr Supermärkte schaffen Plastiktüten ab, und in den Regalen liegen häufiger auch unverpackte Bio-Produkte.

abi>> Was wäre Ihr Rat für jemanden, der sich im Handel selbstständig machen möchte?

Milena Glimbovski: Ich würde ihm raten: Mach dir erst einmal viele Gedanken zu deinem Konzept und absolviere ein Praktikum bei einem Einzelhändler, um zu schauen, ob dir die Arbeit im Handel überhaupt liegt. Erst dann bekommst du eine Idee davon, was auf dich zukommt.

 

Berufe im Handel – Umfrage

Online oder im Laden?

Was bevorzugen junge Menschen heutzutage: Shoppen im Internet oder die gute, alte Fußgängerzone? Und wer kann sich vorstellen, später einmal selbst im Handel zu arbeiten? abi>> hat Schülerinnen und Schüler der Oberstufe befragt.

Nico Laube (19) aus Bremen:

Ein Porträt-Foto von Nico Laube

Nico Laube

Foto: privat

Mit Freunden fahre ich gern mal in eine Shopping Mall, um dort die Geschäfte zu besuchen. Ich mag es, mich beraten zu lassen und die Kleidung direkt im Laden anzuprobieren. Im Internet habe ich zwar mehr Auswahl und oft sind die Sachen günstiger, aber es ist immer ein Problem, die richtige Größe zu wählen. Auch das Umtauschen finde ich in einem Geschäft leichter.

Erfahrung im Einzelhandel habe ich nicht. Ich interessiere mich eher für einen Beruf im Groß- oder Außenhandel. Ich mag es, mich mit Zahlen zu beschäftigen. Außerdem finde ich es spannend, wie internationale Handelswege funktionieren oder was passiert, wenn man an Preisschrauben dreht. Daher möchte ich nach meinem Abitur am liebsten eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann oder zum Industriekaufmann machen. Der Besuch eines Wirtschaftsgymnasiums bereitet mich gut auf einen solchen Beruf vor.

Ray Teller (18) aus Hamburg:

Ein Porträt-Foto von Ray Teller

Ray Teller

Foto: privat

Ich gehe gern in die Stadt zum Einkaufen, vor allem für Kleidung. Ich mag es, die Sachen in den Läden anzufassen und anzuprobieren – das geht ja im Internet nicht. Online bestelle ich allenfalls Schuhe, bei denen ich weiß, dass sie passen, oder CDs.

In meiner Familie ist jeder reihum mit dem Einkauf von Lebensmitteln dran. Auch hier kaufe ich alles im Laden, meist in gehobenen Supermärkten, und wenn es geht in Bio-Qualität.

Für einen Ferienjob habe ich mal in einem Eiscafé an der Theke gearbeitet. Der Kontakt zu den Kunden hat mir Spaß gemacht, aber ich möchte nach dem Abitur lieber Kunst oder Internationale Beziehungen studieren und in einem dieser Bereiche arbeiten. Mit einem Freund hatte ich mal die Idee, einen Fastfood-Laden für Fitness-Food zu eröffnen. Aber da wir uns beide nicht mit BWL auskennen, haben wir unsere Pläne wieder verworfen.

Benedikt Schickan (19) aus Gronau (Leine):

Ein Porträt-Foto von Benedikt Schickan

Benedikt Schickan

Foto: privat

In unserem Ort gibt es einen kleinen Computerladen, in dem ich vor ein paar Jahren als Aushilfe gearbeitet habe. So wurde mein Interesse am Handel geweckt. Allerdings hat mich vielmehr der Onlinehandel angesprochen. Bald darauf habe ich selbst verschiedene Artikel auf Online-Marktplätzen angeboten. Neben der Schule habe ich erste Erfahrungen gesammelt und schließlich meinen eigenen Shop gestartet, in dem ich verschiedene Software-Lizenzen anbiete. Mittlerweile bin ich auch Mitglied im Händlerbund.

Der Onlinehandel ist für mich interessant, weil man zeitlich flexibel ist und selbstverantwortlich arbeitet – daher kann ich das gut mit der Schule kombinieren. Nach dem Abitur werde ich mich zunächst ganz darauf konzentrieren, meinen Shop weiter auszubauen, und in den Folgejahren eventuell parallel studieren.

Auch wenn ich mich viel mit Onlinehandel beschäftige, kaufe ich gern im stationären Handel ein – vor allem Dinge, die ich sofort brauche oder bei denen ich Beratung benötige. Beim Onlineshoppen sehe ich natürlich den Preisvorteil. Daher kaufe ich zum Beispiel Elektronik bevorzugt im Internet.

 

abi» Animation

Einkauf 2.0

Interaktiver Warenkorb statt Einkaufswagen, Paketbote statt selber schleppen, Fair Trade statt Massenware: Der Handel hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert - vor allem der Onlinebereich boomt. Die abi» Animation zeigt dir, welche Möglichkeiten es inzwischen gibt.

 


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Stand: 20.05.2019