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Nicht nur für digitale Nerds

Illustration einer social networking cloud.
Digitale Talente finden in den Medien vielfältige Berufsperspektiven.
Foto: Daria Schreiber

Berufe in den digitalen Medien

Nicht nur für digitale Nerds

Berufe wie etwa den des Social-Media-Managers hätte es vor YouTube, Facebook, Pinterest und Co. nicht gegeben. So haben die digitalen Medien neue Anforderungen und Jobs kreiert, die sich nicht ohne Weiteres auf die analoge Welt übertragen lassen. Die Einsatzbereiche sind vielfältig und bieten interessante Berufsperspektiven für Abiturienten, die in diesen Bereich einsteigen wollen.

Das neue Outfit im Internet shoppen, die Lieblingsserie im ICE streamen oder sich den Weg zur Arbeit mit Smartphone-Spielen verkürzen – unser Alltag ist voll von digitalen Medien, verfügbar zu jeder Zeit, an (fast) jedem Ort. In der Online-Welt konkurrieren Verlage und Unternehmen besonders intensiv um die Aufmerksamkeit ihrer Kunden, die Abos abschließen, E-Books herunterladen oder den Webshop besuchen sollen, denn die Ablenkung im Internet ist groß.

Das weiß auch Sarah Formann, die seit einem Jahr als Content-Managerin bei „Deine Tür“ arbeitet. Der Leipziger Hersteller vertreibt sein Produktsortiment, zu dem auch Zargen, Klinken oder Türstopper gehören, ausschließlich über einen Webshop. Doch wie lenkt man seine Kunden dorthin? „Meine Aufgabe ist es, mir interessanten Content zu überlegen und diesen so weit wie möglich zu streuen, damit die Kunden auf unseren Webshop aufmerksam werden“, berichtet sie. Dafür lässt sie sich von Blogs, Wohnzeitschriften oder Werbung inspirieren. „Gerade sind Landhäuser, Vintage-Möbel und Shabby Chic ein großes Thema, das wir aufgreifen, indem wir speziell Landhaustüren aus unserem Sortiment präsentieren. Dafür habe ich eine Landingpage auf unseren Webshop angelegt, auf der die Kunden zusätzlich Tipps bekommen, wie sie ihr Zuhause noch gemütlicher gestalten können“, erklärt die 27-Jährige. Von der Ideenfindung über die Auswahl des Informationskanals bis hin zum Briefen der Grafiker, die für das passende Bildmaterial sorgen – Sarah Formann realisiert alles aus einer Hand.

Geschichten statt Produkte verkaufen

Ein Porträt-Foto von Sarah Formann

Sarah Formann

Foto: Golden Eyes Fotostudio Leipzig

Viele Produkte werden nur unterschwellig wahrgenommen, vor allem wenn wir sie tagtäglich benutzen. „Gerade weil Türen sehr unauffällig sind, muss man ihnen ein Gesicht verleihen und eine Geschichte dazu erzählen“, weiß die Content-Managerin. Postet sie auf Pinterest das Foto einer speziell laminierten Tür, dann schreibt sie zum Beispiel auch einen kurzen Text darüber, dass das Modell besonders robust ist. „Wenn etwa Dreijährige auf ihrem Roller dagegen fahren, ist das kein Problem“, sagt die 27-Jährige, die das Unternehmen auch auf Kanälen wie Facebook oder YouTube im Gespräch hält.

Besonders stolz ist sie auf den ersten Werbespot der Firma, den sie gemeinsam mit einer Agentur realisiert hat und nun auch online verbreiten kann. Neben solchen besonderen Projekten sind aber oft auch Routineaufgaben angesagt, wie etwa die mehr als 6.000 Produktbeschreibungen im Webshop zu pflegen. Bevor ihre Stelle vor einem Jahr neu geschaffen wurde, hatte einer der drei Geschäftsführer den Content-Bereich betreut. „Das wurde irgendwann zu umfangreich. Mittlerweile besteht unser Content-Team aus drei Personen“, sagt sie.

Ein Betätigungsfeld mit vielen Facetten

Aus dem Handel, aber auch der Medienbranche und anderen Wirtschaftszweigen sind digitale Medien nicht mehr wegzudenken. So rapide sie sich verbreitet haben, so schnell ist die Auswahl entsprechender Ausbildungen, Studiengänge und Weiterbildungen gewachsen, weiß Jens Homberg, Berufs- und Studienberater bei der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven. „Man kann sich aus verschiedenen Perspektiven mit digitalen Medien beschäftigen: Sie gestalten als Mediengestalter Digital und Print, Medieninformatiker, Mediendesigner oder Informatiker, sie vermarkten als Medienkaufmann Digital und Print oder als Medienmanager, die Hardware entwickeln als Medientechniker oder sie mit Inhalten füllen als Onlineredakteur, Content-Manager, Social-Media-Manager oder Bildredakteur.“ Des Weiteren kann man sich mit ihrem Einfluss auf Kinder und Jugendliche beschäftigen, etwa als Medienpädagoge.

Nach einer Ausbildung seien auch Weiterbildungen möglich, wie etwa zum Medienfachwirt Digital. Ebenso sind Spezialisierungen gefragt: „Fraud-Analysten beschäftigen sich beispielsweise mit den stark zunehmenden Bedrohungen von Daten und Netzwerken“, weiß Jens Homberg. 

Interesse an Medien ist nur der Anfang

Wer einen digitalen Medienberuf ins Auge fasst, sollte vorher erkunden, welche Perspektive einem besonders zusagt, rät Jens Homberg. „Ein Studium der Medienwirtschaft oder des Medienmanagements setzt eben nicht nur das Interesse an Medien, sondern auch für Betriebswirtschaftslehre voraus“, gibt der Berufsberater zu bedenken.

Sarah Formann ist der Berufseinstieg mit einem Bachelorabschluss in Kommunikations- und Medienwissenschaften gelungen und auch ihr Nebenjob war relevant: „Als Werkstudentin habe ich bei den Leipziger Stadtwerken alle Bereiche der Unternehmenskommunikation kennengelernt, davon profitiere ich immer noch“, sagt sie.

Beschäftigungsstatistiken für Content-Manager gibt es zwar noch nicht, blickt man aber auf die für Redakteure und Journalisten, kann von einem starken Wettbewerb die Rede sein. „400 gemeldete Stellen für den Print- und Online-Bereich im vergangenen Jahr sind vergleichsweise wenig und lassen auf große Konkurrenz schließen. Für den Berufseinstieg sollte man ein hohes Maß an Engagement, Durchhaltevermögen und Eigeninitiative mitbringen“, sagt Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit.

Ähnlich sieht es bei den Verlags- und Medienkaufleuten aus. 2015 waren rund 31.000 von ihnen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, dazu kommen rund 8.000 Selbstständige. In den vergangenen Jahren zeige sich die Beschäftigung stabil, allerdings seien keine Zuwächse zu verzeichnen, berichtet Ralf Beckmann. Die Nachfrage nach Fachkräften sei in diesem Bereich mit rund 200 gemeldeten Stellen gering. In der Medienbranche stark nachgefragt sind hingegen immer mehr Fachleute, die technisches Know-how mitbringen.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: z.B. Content-Manager/in, Medienkaufmann/-frau Digital und Print, Medieninformatik, Onlineredakteur/in)

www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Medien- und IT-Berufe 2016

Der jährlich erscheinende Ratgeber informiert über Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten und gibt Tipps für den Berufseinstieg. Auch wenn die Metropolregion Hamburg im Fokus steht, liefert das Handbuch einen guten Einstieg ins Thema und kann als E-Paper heruntergeladen werden.
www.kwb.de/kwb/pages/index/p/1031

Bitkom

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien informiert auf seiner Webseite unter dem Menüpunkt Themen > Standort Deutschland > Bildung und Arbeit über die digitalen Trends in der Berufswelt.
www.bitkom.org

Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW)

Als zentrale Interessenvertretung für Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen versteht sich der BVDW. Wer sich über Entwicklungen und Trends in der Branche informieren möchte, findet auf dessen Internetseite unter dem Menüpunkt „Events“ einen Terminkalender mit bundesweiten Veranstaltungen.
www.bvdw.org

Bundesverband Medien und Marketing (BVMM)

Der BVMM ist ein Netzwerk von Unternehmen, Experten und Hochschulen, mit dem Schwerpunkt auf digitale Medien in der Medien- und Marketinglandschaft.
www.bvmm.org

abi>> 14.11.2016

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