Gesundheit macht Karriere

Junger Mann sitzt mit einem Bewohner eines Altenheims am Tisch und unterhält sich mit ihm.
Die Altenpflege ist eines von vielen Berufsfeldern in der Gesundheitsbranche.
Foto: Julien Fertl

Berufe in der Gesundheitswirtschaft

Gesundheit macht Karriere

Gesundheitsberufe liegen im Trend – dank zunehmendem Gesundheitsbewusstsein und steigender Lebenserwartung. Jenseits von Arztpraxis und Apotheke bieten Berufe rund um Prävention und Rehabilitation sowie in der Pflege beste Karriereaussichten.

In der Projektgruppe selbstgestALTER der Sozialstation Nordkreis Vechta gGmbH befasst sich die Gerontologin Sarah Bramlage (28) mit Konzepten für Senioren. Gemeinsam mit drei weiteren Gerontologen bereitet sie Workshops vor, erstellt Präsentationen oder treibt die Öffentlichkeitsarbeit voran. Sie erinnert sich noch gut, wie das Projekt anlief: „Gestartet haben wir mit einem Gutachten zur Versorgungs- und Betreuungssituation im Nordkreis Vechta, um dann weitere Schritte zu definieren. Zudem begannen wir, Förderanträge zu schreiben.“

Derzeit befasst sich die junge Frau mit zwei Projekten zur Wohn- und Quartiersentwicklung. „Nach einer circa zweijährigen Bedarfsanalyse sind wir nun im Bereich Netzwerkarbeit aktiv“, erzählt sie. „Wir suchen Kontakt zu Vereinen vor Ort, um die Senioren besser einzubinden, damit sie so lange wie möglich zu Hause bleiben können.“ Außerdem müssen Treffen mit Kommunalvertretern und Projektteilnehmern organisiert und durchgeführt werden.

Mut zu Neuem

Ein Porträt-Foto von Sarah Bramlage

Sarah Bramlage

Foto: privat

Auf den vielseitigen Beruf hat sich Sarah Bramlage mit einem Gerontologie-Studium an der Universität Vechta vorbereitet. Auf dieses wurde sie zufällig aufmerksam: „Mich interessierte der soziale Bereich. Und dann erzählte mir eine Bekannte von dem Studiengang.“ 2011 schloss sie ihr Bachelorstudium ab, 2013 folgte der Abschluss ihres Masterstudiums.

Interessierten rät sie, „Mut zu Neuem“ zu haben. Auch seien strukturiertes und selbstständiges Arbeiten sowie Gestaltungswille und Aufgeschlossenheit wichtig. Für ihren eigenen Werdegang wünscht sie sich, „selbstgestALTER zukunftsfit weiterzuentwickeln“.

Berufe von Therapie bis Technik

Einen hohen Fachkräftebedarf im Alten- und Pflegebereich sieht Tim Frerichs, Berufsberater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Osnabrück. „Verantwortlich dafür sind die alternde Gesellschaft und die erhöhte Mobilität der Kindergeneration“, erklärt er. Da viele junge Menschen für das Studium, die Ausbildung oder den Beruf aus ihrem Heimatort wegziehen, braucht es alternative Konzepte. „Gesucht sind daher auch Fachleute im Pflegemanagement und in der Pflegewissenschaft, um Projekte zu konzipieren und zu koordinieren.“

Darüber hinaus gibt es in der Gesundheitsbranche eine Vielzahl weiterer Berufsbilder. „In den Bereichen Medizin/Therapie/Pflege, Verwaltung/Organisation sowie Technik/IT/Handwerk finden sich sowohl akademische als auch Ausbildungsberufe“, sagt der Berufsberater. „Neben Ärzten und Apothekern gewinnen zunehmend therapeutische Berufe – wie etwa der des Physiotherapeuten – an Bedeutung.“ Auch technische Berufe haben ihren Platz, zum Beispiel der Medizintechnik-Ingenieur, der Orthopädietechnik-Mechaniker, der Hörakustiker oder der Augenoptiker.

Staatsexamen und Berufsfachschule

Schließlich stehen Verwaltungsberufe zur Auswahl: „Typisch sind Studienberufe wie Gesundheitsökonom und -wissenschaftler sowie Ausbildungsberufe wie Sozialversicherungsfachangestellten oder Kaufleute im Gesundheitswesen“, nennt Tim Frerichs Beispiele. Entsprechend vielfältig sind die Ausbildungswege: „Die Branche kennt Staatsexamen-Studiengänge wie Humanmedizin und Pharmazie sowie Bachelor- und Masterstudiengänge in den Ingenieur- oder Wirtschaftsfächern. Berufsfachschulen bieten meist dreijährige Therapeuten- oder Pflegeausbildungen an. Im Handwerk sind wiederum duale Ausbildungen üblich. Wichtig werden interdisziplinäre Weiterbildungen, etwa zu Wirtschaftsthemen für medizinische Berufe, um Karriereperspektiven zu erweitern.“

Vier-Millionen-Boom-Branche

In punkto Arbeitsmarktchancen erläutert Ilona Mirtschin, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit: „Gesucht sind Fachkräfte in der Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege sowie in der Humanmedizin, Pharmazie und Physiotherapie, aber auch in einigen technischen Berufen.“ Zum 30. Juni 2016 arbeiteten fast vier Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Gesundheitswirtschaft. „Diese Zahl entspricht zwölf Prozent der Gesamtbeschäftigtenzahl. Die Branche ist im Vorjahresvergleich mit 3,2 Prozent überdurchschnittlich gewachsen“, ergänzt Ilona Mirtschin.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de/

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
kursnet-finden.arbeitsagentur.de

ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

www.abda.de

APH – Arbeitsgemeinschaft Privater Heime und Ambulanter Dienste Bundesverband e. V.

www.aph-bundesverband.de/index.html

Arbeitgeberverband Pflege e. V.

www.arbeitgeberverband-pflege.de

BerufsVerband Oecotrophologie e. V. (VDOE)

www.vdoe.de

Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e. V.

www.bad-ev.de

Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement [BBGM]

www.bgm-bv.de

Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI)

Themenbereich Innovation und Gesundheitswirtschaft

www.bdi.eu/Gesundheitswirtschaft.htm

Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V.

www.bvitg.de

BVMed – Bundesverband Medizintechnologie e. V.

www.bvmed.de

dbl – Deutscher Bundesverband für Logopädie e. V.

www.dbl-ev.de

Deutsche Gesellschaft für Care und Case Management e. V.

www.dgcc.de

Deutsche Krankenhausgesellschaft e. V.

www.dkgev.de

Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.

www.dve.info

Deutscher Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V.

www.physio-deutschland.de

Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung

www.kzvb.de

Verband digitale Gesundheit (VdigG) e. V.

www.vdigg.de

Verband medizinischer Fachberufe e. V.

www.vmf-online.de

 

Orthopädietechnik-Mechaniker

Handwerk nah am Menschen

Sebastian Roth fertigt Prothesen an, eignet sich Wissen über die menschliche Anatomie an und hat viel Kontakt mit Kunden: Der 27-Jährige absolviert das letzte Jahr seiner Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker mit Schwerpunkt Prothetik.

„Handwerkliches Arbeiten hat mir zwar schon immer Spaß gemacht. Inspiriert durch mein Freiwilliges Soziales Jahr im Sport habe ich aber zunächst ein duales Bachelorstudium in Gesundheitsmanagement abgeschlossen und danach in einem Gesundheitszentrum gearbeitet“, erzählt Sebastian Roth. „Mir fehlte jedoch das Praktische.“ Er recherchierte im Internet nach Alternativen und entschied sich für die Ausbildung zum Orthopädietechnik-Mechaniker. Diese absolviert er am Standort Bad Tölz der Streifeneder Unternehmensgruppe, zu der unter anderem 13 Sanitätshäuser und orthopädische Werkstätten in Bayern gehören.

Vielfältiger Ausbildungsbetrieb

Ein Porträt-Foto von Sebastian Roth

Sebastian Roth

Foto: Alfred Roth

Sein heutiger Arbeitgeber war ihm durch seine vorherige Berufstätigkeit bereits bekannt. „Mir gefiel die Vielfalt der Unternehmensbereiche von der Werkstatt bis zur Klinikbetreuung, sodass ich mich initiativ bewarb“, erinnert sich Sebastian Roth. Nach einer Woche Probearbeit begann er schließlich im Februar 2015 seine Ausbildung. Aufgrund seiner Vorbildung verkürzte sich die Ausbildungszeit von drei auf 2,5 Jahre.

In Bad Tölz kümmern sich eine Meisterin und ein Meister um die Auszubildenden. Die Ausbildungsinhalte bauen aufeinander auf. „Zunächst habe ich mit kleineren Werkstücken wie Bandagen oder Schuheinlagen angefangen. Nach und nach kamen anspruchsvolle Orthesen – also äußere Stützen für Körperteile – und schließlich Prothesen dazu. Letztere ersetzen fehlende Gliedmaßen.“

Zwischen Werkstatt und Kundenbetreuung

Je nach Auftrag unterscheiden sich die Aufgaben des Auszubildenden. „Die Kunden kommen typischerweise mit einem Rezept ihres Arztes in unseren Laden. Anhand dessen fertige ich das benötigte orthopädische Hilfsmittel an. Ich nehme zum Beispiel Gipsabdrücke von Füßen, die ich gegebenenfalls auf Besonderheiten wie Druckstellen prüfe. Manchmal halte ich Rücksprache mit dem behandelnden Mediziner.“ Die Trichterfräse ist sein wichtigstes Werkzeug: „Damit schleife ich beispielsweise eine Einlage so, dass sie genau zur Fußform eines Patienten passt.“

Sebastian Roths Arbeitstag beginnt um 7.30 Uhr, wenn das Ladengeschäft öffnet, und endet um 17 Uhr, freitags um 12.30 Uhr. „Ich kümmere mich um die Kunden, die in den Laden kommen, und arbeite in der Werkstatt. Außerdem besuche ich immobile Patienten vor Ort in einer benachbarten Rehabilitationsklinik.“ Etwa ein Drittel seiner Arbeitszeit verbringt er im Patientenkontakt.

Darüber hinaus besucht er die Berufsschule in München. Der Unterricht findet in Blöcken mit einer Dauer von jeweils drei Wochen statt. „Dort eignen wir uns unter anderem medizinisches Wissen an. Wir lernen vieles über die menschliche Anatomie, den Muskelapparat sowie die verschiedenen Krankheitsbilder, damit wir die ärztlichen Verordnungen verstehen können.“ Dazu kommen Materialkunde und praktischer Unterricht.

Handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen

In Sebastian Roths Beruf sind verschiedene Eigenschaften von Bedeutung, etwa handwerkliches Geschick und eine hohe Frustrationstoleranz, denn nicht immer fällt ein Werkstück auf Anhieb wunschgemäß aus. Außerdem braucht der Azubi gute Kenntnisse in Mathematik sowie eine große Portion Kontaktfreude und Einfühlungsvermögen für den Umgang mit Kunden, die zum Teil schwere körperliche Behinderungen haben. Interessierten rät der 27-Jährige: „Vor der Ausbildungswahl sollte man am besten ein Praktikum in einem Orthopädiemechanik-Betrieb absolvieren, um Erwartungen und Realität abzugleichen.“

Nach seinem Gesellenabschluss möchte Sebastian Roth weiter in seinem Ausbildungsbetrieb bleiben. „Das Unternehmen bietet viele Entwicklungsmöglichkeiten. Vielleicht nehme ich später die Meisterweiterbildung in Angriff. Genauso könnte ich es mir vorstellen, mein im Studium gesammeltes Wissen einzubringen.“

 

Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation

Sportliche Vielfalt

Wie kann man mit Sport gesund bleiben? Wie hilft Bewegung schwerkranken Krebspatienten? Mit diesen und vielen weiteren Fragen befasst sich Jessica Hagmann (22). An der Universität Heidelberg studiert sie im vierten Semester Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation.

„Mir war eine breitgefächerte Ausbildung wichtig, die mir viele Berufsmöglichkeiten eröffnet – und das in Verbindung mit meiner Sportleidenschaft“, begründet Jessica Hagmann ihre Studienwahl. Nach dem Abitur 2014 schnupperte sie zunächst Praxisluft im Rahmen verschiedener Praktika. Im Herbst 2015 begann sie ihr Studium in Heidelberg. „Mich überzeugte zum einen der Ruf der Hochschule“, erläutert sie. „Zum anderen kann ich mich dort weiter in meinen Heimat-Sportvereinen – Hockey und Softball – engagieren.“

Die Eignung für das Studium beweisen

Ein Porträt-Foto von Jessica Hagmann

Jessica Hagmann

Foto: privat

Zugangsvoraussetzung ist neben der Hochschulreife das Bestehen einer obligatorischen Sporteingangsprüfung, die man in Heidelberg oder Köln ablegen kann. Darüber hinaus werden eine bereits abgeschlossene Berufsausbildung sowie außerschulische Aktivitäten wie Trainerscheine bei der Bewerbung berücksichtigt.

Im Studium werden Inhalte in vier Themenbereiche vermittelt: „Sport und Erziehung“, „Sport, Individuum und Gesellschaft“, „Bewegung und Training“ sowie „Körper, Leistung und Gesundheit“. Zu den Fächern gehören neben Sportpsychologie und -pädagogik beispielsweise auch Bewegungswissenschaft oder Sportorthopädie. „Ein weiteres wichtiges Fach ist die Statistik, um sich beispielsweise empirische Arbeitsmethoden für den weiteren Studienverlauf anzueignen“, erklärt Jessica Hagmann. Hinzu kommt ein Praxisteil mit verschiedenen Individual- und Mannschaftssportarten.

Bewegungstherapie und Turnen

Im vierten Semester ihres Bachelorstudiums stehen verschiedene Pflichtkurse auf dem Stundenplan, darunter „Schulung motorischer Fähigkeiten“ oder „Bewegungstherapie bei onkologischen Erkrankungen“. „In Letzterem erfahre ich, wie Bewegung bei Krebserkrankungen helfen kann“, erläutert die 22-Jährige. Im Fach „Organisation und Management im Sport“ lernt sie, Projekte erfolgreich zu organisieren und durchzuführen. Neben medizinisch-orientierten Fächern wie Sportphysiologie hat sie zudem „Turnen“ belegt. „Damit erfülle ich den ersten von insgesamt zwei Pflichtteilen im Fachbereich Individualsport.“

Neben den Lehrveranstaltungen gehören zwei jeweils fünfwöchige Pflichtpraktika zum Studiengang – eines im Bereich Prävention und Rehabilitation, das andere in der Sportwissenschaft. „Mein erstes Praktikum habe ich in der Physiotherapie-Abteilung einer Rehabilitationsklinik absolviert“, erzählt Jessica Hagmann. „Die Universität unterstützt mit Adresslisten bei der Praktikumssuche.“

Am Semesterende folgen Klausuren zu den Vorlesungsinhalten. „Referate oder Hausarbeiten zählen auch zu den Leistungsnachweisen. In den praktischen Fächern finden Demonstrationsprüfungen statt“, ergänzt sie.

Sportliche Begabung und Englischkenntnisse

„Entscheidend für mein Studium sind vielseitige sportliche Begabungen sowie gute Englischkenntnisse – viele Studienpublikationen und manche Vorlesungsinhalte sind in englischer Sprache“, erklärt Jessica Hagmann. „Außerdem wichtig für Gruppenprojekte sind – typisch für den Sportbereich – Teamfähigkeit und Offenheit.“

Nach ihrem Bachelorabschluss im Sommersemester 2018 plant sie zunächst einen Auslandsaufenthalt: „Ich möchte meine Englischkenntnisse verbessern und mehr Lebenserfahrung sammeln. Danach möchte ich ein Masterstudium beginnen.“

 

Case Managerin

Patienten rundum im Blick

Krankenhauspatienten vom ersten Gespräch bis zur Entlassung begleiten – das ist die Aufgabe von Stefanie Houben (28). Sie arbeitet als Case Managerin in der Abteilung für Plastische Chirurgie der Uniklinik RWTH Aachen.

Stefanie Houben steht im intensiven Kontakt mit den Patienten der Klinik: Die 28-Jährige plant, koordiniert und überwacht den Behandlungsablauf. „Ich stelle mich bei allen Patienten der Station vor. Während des stationären Aufenthalts bin ich ihre zentrale Ansprechpartnerin für alle organisatorischen Fragen: von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen über die Gesprächsvermittlung zum Sozialdienst und die Organisation von Transporten bis hin zur Entlassung – ob als Verlegung in ein anderes Krankenhaus, in eine Anschlussheilbehandlung oder ins häusliche Umfeld.“

Jeden Schritt koordinieren

Ein Porträt-Foto von Stefanie Houben

Stefanie Houben

Foto: privat

Die Patienten stellen sich üblicherweise ambulant bei den Ärzten in der Poliklinik vor, die über eine Operation und deren Dringlichkeit entscheiden. „Bei Operationen, die noch am gleichen Tag stattfinden müssen, werde ich sofort aktiv. Ich organisiere einen Bettenplatz und informiere die jeweilige Stationsleitung“, sagt sie.

Patienten mit länger im Voraus planbaren Operationen kommen mit dem OP-Einbestellungsbogen des Arztes von der Poliklinik in Stefanie Houbens Büro. „Anhand des Bogens besprechen wir die nächsten Schritte der stationären Aufnahme und ich erkläre, wie sich der Patient darauf vorbereiten soll“, erläutert die 28-Jährige. „Je nach Fall vereinbare ich ein Gespräch beim Anästhesisten oder stimme weitere Untersuchungen ab, beispielsweise in der Radiologie. Im Bedarfsfall bestelle ich in Abstimmung mit der Poliklinik Prothesen und kontrolliere deren pünktliche Lieferung am OP-Tag. Schließlich lege ich gemeinsam mit dem Oberarzt den OP-Plan fest – einschließlich etwaiger Verschiebungen oder neuer Operationen für jene Patienten, die bereits auf der Station liegen.“

Wichtig für ihre Arbeit sind ein fundiertes Fachwissen und Erfahrung mit den Krankenhausabläufen. „Dazu kommen ein hohes Maß an Organisationstalent, interdisziplinäres Denken sowie soziale Kompetenz und Empathie“, ergänzt sie.

Weiterbildung zur beruflichen Veränderung

Das Berufsbild der Case Managerin lernte Stefanie Houben kennen, als sie 2010 eine Anstellung als Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie in der Aachener Uniklinik bekam. Ihre Ausbildung hatte sie zuvor in einem kleineren Krankenhaus absolviert. „Nach drei Jahren im Beruf stand mir der Sinn nach Veränderung. Ich bewarb mich erfolgreich um ein Weiterbildungsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung und hospitierte zwei Tage im Case Management der Klinik. Der vielschichtige Bereich mit seinen zahlreichen Schnittstellen hat mich sofort interessiert.“

Stefanie Houben entschied sich daraufhin für die neunmonatige Weiterbildung zur Case Managerin an der Katharina-Kasper-Akademie in Gangelt, die sie 2014 mit einem Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC) abschloss. Während der Weiterbildung reduzierte sie ihre Arbeitszeit auf 60 Prozent. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie zunächst als sogenannte „Case-Management-Springerin“ auf verschiedenen Stationen der Uniklinik Aachen. Seit Mai 2017 gehört sie nun fest zum Team der Abteilung Plastische Chirurgie. Ihr gefällt ihr vielseitiger Beruf: „Ich habe den gesamten Behandlungsablauf im Blick. Zudem stehe ich neben der Büroarbeit viel im Kontakt mit der Station und den Patienten.“

 

Berufe in der Gesundheitswirtschaft – Interview

Karriereperspektiven für jedes Talent

Welche Trends bestimmen Arbeitsmarkt und Berufschancen in der Gesundheitswirtschaft? abi>> sprach mit Dr. Jasmina Kirchhoff, Senior Economist im Kompetenzfeld „Öffentliche Finanzen, Soziale Sicherung, Verteilung“ am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln e. V.

abi>> Frau Dr. Kirchhoff, was unterscheidet die Gesundheitswirtschaft von anderen Arbeitsmärkten?

Dr. Jasmina Kirchhoff: Als eine große Querschnittsbranche besteht sie aus vielen Teilbereichen mit einem breiten Spektrum von Berufsbildern – von der Pflege und Patientenversorgung über die industrielle Gesundheitswirtschaft wie Pharma und Medizintechnik bis hin zum Fitness-Sektor. Daher findet quasi jedes Profil eine berufliche Entfaltungsmöglichkeit für seine Talente. Dazu kommt ein überdurchschnittliches Wachstum bei Wertschöpfung und Arbeitsplätzen, selbst in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Nicht zuletzt ermöglicht es der Gesundheitsbereich, mit der eigenen Arbeit einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen, was Berufseinsteigern oft wichtig ist.

abi>> Was sind die Wachstumstreiber der Gesundheitswirtschaft?

Ein Porträt-Foto von Dr. Jasmina Kirchhoff

Dr. Jasmina Kirchhoff

Foto: privat

Dr. Jasmina Kirchhoff: An erster Stelle steht der demografische Wandel. Durch die zunehmend ältere Bevölkerung erhöht sich die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen, was zu einem größeren Bedarf an Fachkräften führt, insbesondere in der Pflege. Gleichzeitig steigt der Bedarf an neuen Arzneimitteln und anderen Gesundheitsprodukten und damit etwa an qualifizierten Fachkräften in der Forschung. Hier kommt der zweite Treiber ins Spiel: der medizinisch-technische Fortschritt, der wiederum die Lebenserwartung erhöht.

abi>> Welche Trends bestimmen derzeit die Branche?

Dr. Jasmina Kirchhoff: Wie überall schaffen Digitalisierung und Automatisierung auch im Gesundheitswesen neue Möglichkeiten – beispielsweise wenn es um effizientere Versorgungsstrukturen geht. Neue Technologien können eine Pflegekraft nicht ersetzen. Sie helfen jedoch, sie von körperlicher Anstrengung oder zeitaufwendiger Verwaltungsarbeit zu entlasten. So bleiben die Menschen länger im Beruf, was angesichts des steigenden Durchschnittsalters der Beschäftigten und der zunehmenden Fachkräfteengpässe entscheidend ist. Gerade in der Administration entwickeln sich neue Berufsbilder, für die oftmals eine akademische Ausbildung gefordert ist. Diese Akademisierung könnte dazu beitragen, dass die Branche für Berufseinsteiger attraktiver wird.

abi>> Was bedeuten diese Trends für die Qualifizierung der Beschäftigten?

Dr. Jasmina Kirchhoff: Mittelfristig gilt es, die bisherigen Ausbildungsmodelle zu überdenken und im Hinblick auf die absehbaren Veränderungen zukunftsfähiger zu machen. In fast allen Gesundheitsberufen werden neue Qualifikationen zunehmend wichtiger. Dazu zählen unter anderem Beratungs- und Selbstmanagementkompetenzen sowie die Fähigkeit, in seinem Arbeitsumfeld mit neuen Technologien umzugehen.

abi>> Wie sehen die Perspektiven der Branche aus?

Dr. Jasmina Kirchhoff: Die Gesundheitswirtschaft wird weiter wachsen. Nicht zuletzt durch neue Technologien entwickeln sich immer mehr interdisziplinäre „ganzheitliche“ Geschäftsmodelle – wenn zum Beispiel Smartphone-Apps Patienten unterstützen, Medikamente richtig einzunehmen. Chancen bietet zudem der zweite, privat finanzierte, Gesundheitsmarkt: beispielsweise in der Prävention oder wenn Unternehmen ein betriebliches Gesundheitsmanagement aufbauen, damit ihre Beschäftigten möglichst lange gesund bleiben. Diese Entwicklungen werden neue Berufsbilder mit interessanten Inhalten schaffen.

 

Berufe in der Gesundheitswirtschaft – Übersicht

Von Altenpfleger bis Zahntechnikerin

Die Gesundheitswirtschaft bietet Beschäftigungsmöglichkeiten für Vertreter der unterschiedlichsten Berufe. abi» hat eine Übersicht zusammengestellt.

Medizin, Therapie, Pflege

Studienberufe

Apotheker/in
Arzneimittelchemiker/in
Arzt/Ärztin
Epidemiologe/Epidemiologin
Gerontologe/Gerontologin
Gesundheitsförderer/-förderin, -pädagoge/-pädagogin
Gesundheits- und Rehabilitationspsychologe/-psychologin
Klinische/r Linguist/in
Klinische/r Psychologe/Psychologin
Motologe/Motologin
Ökotrophologe/Ökotrophologin
Pflegepädagoge/-pädagogin
Pflegewissenschaftler/in
Pharmazeut/in
Sportwissenschaftler/in
Tierarzt / Tierärztin
Zahnarzt/-ärztin

Ausbildungsberufe

Altenpfleger/in
Anästhesietechnische/r Assistent/in
Diätassistent/in
Ergotherapeut/in
Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in
Gesundheits- und Krankenpfleger/in
Hebamme/Entbindungspfleger
Logopäde/Logopädin
Masseur/in und medizinische/r Bademeister/in
Medizinische/r Fachangestellte/r
Medizinisch-technische/r Assistent/in – Funktionsdiagnostik
Medizinisch-technische/r Radiologieassistent/in
Operationstechnische/r Assistent/in
Orthoptist/in
Pharmazeutisch-technische/r Assistent/in
Physiotherapeut/in
Podologe/Podologin
Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r
Zytologieassistent/in

Weiterbildungsberufe

Altentherapeut/in
Dentalhygieniker/in
Diabetesberater/in
Ernährungsberater/in
Fachaltenpfleger/in – z.B. klinische Geriatrie/Rehabilitation
Facharzt/-ärztin – z.B. Allgemeinmedizin (Hausarzt/-ärztin)
Fachkinderkrankenschwester/-pfleger – z.B. Onkologie
Fachkrankenschwester/-pfleger – z.B. Operations-/Endoskopiedienst
Gymnastik- und Tanzpädagoge/-pädagogin – Bewegungstherapie
Pflegedienstleiter/in
Pflegesachverständige/r
Psychologische/r Psychotherapeut/in
Sozialmedizinische/r Assistent/in

Verwaltung, Management

Studienberufe

Betriebswirt/in (Hochschule) – Sozialversicherung
Gesundheitsmanager/in
Gesundheitswissenschaftler/in – Öffentliches Gesundheitswesen
Referent/in – klinische Studien (CRA)

Ausbildungsberufe

Assistent/in – Gesundheits- und Sozialwesen
Assistent/in – Gesundheitstourismus/-prophylaxe
Kaufmann/-frau – Gesundheitswesen
Medizinische/r Dokumentationsassistent/in
Sekretär/in – Gesundheitswesen
Sozialversicherungsfachangestellte/r – z.B. Allgemeine Krankenversicherung

Weiterbildungsberufe

Betriebswirt/in (Fachschule) – Krankenkassen
Betriebswirt/in (Fachschule) – Management im Gesundheitswesen
Fachwirt/in – Gesundheits- und Sozialwesen
Lehrkraft – Schulen im Gesundheitswesen
OP-Manager/in
Praxismanager/in
Qualitätsbeauftragte/r – Gesundheits-/Sozialwesen
Verwaltungsangestellte/r – Krankenkassen, Krankenhäuser, Kliniken

Technik, IT, Handwerk

Studienberufe

Ingenieur/in – Augenoptik
Ingenieur/in – Hörtechnik und Audiologie
Ingenieur/in – Medizintechnik
Medizininformatiker/in
Medizinphysiker/in

Ausbildungsberufe

Augenoptiker/in
Hörakustiker/in
Orthopädieschuhmacher/in
Orthopädietechnik-Mechaniker/in
Zahntechniker/in

Weiterbildungsberufe

Fachradiologietechnologe/-technologin – radiolog. Diagnostik
Fachradiologietechnologe/-technologin - Radioonk.,Dosimetrie
Industriemeister/in – Medizintechnik
Orthopädietechnikermeister/in
Techniker/in – Medizintechnik

 

abi» Quiz

Das Wunder Mensch

Gesundheit ist essenziell und wird im Volksmund oft als das höchste Gut bezeichnet. Kein Wunder, dass zahlreiche Menschen in der Gesundheitswirtschaft arbeiten: Fast sieben Millionen Beschäftigte gehen einem Beruf in der Gesundheitswirtschaft nach und tragen so ihren Teil dazu bei, Krankheiten zu heilen oder zu lindern. Doch wie gut kennst du dich bei diesem Thema aus? Teste dein Wissen im abi» Quiz.

Foto: Nicole Schwab

 


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Stand: 24.08.2019