Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Karriereperspektiven für jedes Talent

Taschenrechner liegt neben einer Gesundheitskarte und einem Stift auf einem Tisch.
Die Digitalisierung hat längst auch die Gesundheitsbranche erreicht und sorgt für viele neue Möglichkeiten und Arbeitsplätze.
Foto: Martin Rehm

Berufe in der Gesundheitswirtschaft – Interview

Karriereperspektiven für jedes Talent

Welche Trends bestimmen Arbeitsmarkt und Berufschancen in der Gesundheitswirtschaft? abi>> sprach mit Dr. Jasmina Kirchhoff, Senior Economist im Kompetenzfeld „Öffentliche Finanzen, Soziale Sicherung, Verteilung“ am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln e. V.

abi>> Frau Dr. Kirchhoff, was unterscheidet die Gesundheitswirtschaft von anderen Arbeitsmärkten?

Dr. Jasmina Kirchhoff: Als eine große Querschnittsbranche besteht sie aus vielen Teilbereichen mit einem breiten Spektrum von Berufsbildern – von der Pflege und Patientenversorgung über die industrielle Gesundheitswirtschaft wie Pharma und Medizintechnik bis hin zum Fitness-Sektor. Daher findet quasi jedes Profil eine berufliche Entfaltungsmöglichkeit für seine Talente. Dazu kommt ein überdurchschnittliches Wachstum bei Wertschöpfung und Arbeitsplätzen, selbst in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Nicht zuletzt ermöglicht es der Gesundheitsbereich, mit der eigenen Arbeit einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen, was Berufseinsteigern oft wichtig ist.

abi>> Was sind die Wachstumstreiber der Gesundheitswirtschaft?

Ein Porträt-Foto von Dr. Jasmina Kirchhoff

Dr. Jasmina Kirchhoff

Foto: privat

Dr. Jasmina Kirchhoff: An erster Stelle steht der demografische Wandel. Durch die zunehmend ältere Bevölkerung erhöht sich die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen, was zu einem größeren Bedarf an Fachkräften führt, insbesondere in der Pflege. Gleichzeitig steigt der Bedarf an neuen Arzneimitteln und anderen Gesundheitsprodukten und damit etwa an qualifizierten Fachkräften in der Forschung. Hier kommt der zweite Treiber ins Spiel: der medizinisch-technische Fortschritt, der wiederum die Lebenserwartung erhöht.

abi>> Welche Trends bestimmen derzeit die Branche?

Dr. Jasmina Kirchhoff: Wie überall schaffen Digitalisierung und Automatisierung auch im Gesundheitswesen neue Möglichkeiten – beispielsweise wenn es um effizientere Versorgungsstrukturen geht. Neue Technologien können eine Pflegekraft nicht ersetzen. Sie helfen jedoch, sie von körperlicher Anstrengung oder zeitaufwendiger Verwaltungsarbeit zu entlasten. So bleiben die Menschen länger im Beruf, was angesichts des steigenden Durchschnittsalters der Beschäftigten und der zunehmenden Fachkräfteengpässe entscheidend ist. Gerade in der Administration entwickeln sich neue Berufsbilder, für die oftmals eine akademische Ausbildung gefordert ist. Diese Akademisierung könnte dazu beitragen, dass die Branche für Berufseinsteiger attraktiver wird.

abi>> Was bedeuten diese Trends für die Qualifizierung der Beschäftigten?

Dr. Jasmina Kirchhoff: Mittelfristig gilt es, die bisherigen Ausbildungsmodelle zu überdenken und im Hinblick auf die absehbaren Veränderungen zukunftsfähiger zu machen. In fast allen Gesundheitsberufen werden neue Qualifikationen zunehmend wichtiger. Dazu zählen unter anderem Beratungs- und Selbstmanagementkompetenzen sowie die Fähigkeit, in seinem Arbeitsumfeld mit neuen Technologien umzugehen.

abi>> Wie sehen die Perspektiven der Branche aus?

Dr. Jasmina Kirchhoff: Die Gesundheitswirtschaft wird weiter wachsen. Nicht zuletzt durch neue Technologien entwickeln sich immer mehr interdisziplinäre „ganzheitliche“ Geschäftsmodelle – wenn zum Beispiel Smartphone-Apps Patienten unterstützen, Medikamente richtig einzunehmen. Chancen bietet zudem der zweite, privat finanzierte, Gesundheitsmarkt: beispielsweise in der Prävention oder wenn Unternehmen ein betriebliches Gesundheitsmanagement aufbauen, damit ihre Beschäftigten möglichst lange gesund bleiben. Diese Entwicklungen werden neue Berufsbilder mit interessanten Inhalten schaffen.

abi>> 02.10.2017