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Den Klimaschutz voranbringen

Sonne und Wolken am Himmel
Im Rahmen der immer wichtiger werdenden Thematik rund um den Klimaschutz sind in den vergangenen Jahren viele neue Berufsfelder entstanden.
Foto: Elizaveta Shlosberg

Berufe im Klimaschutz – Hintergrund II

Den Klimaschutz voranbringen

„Klimaberufe“ spielen eine zunehmend wichtigere Rolle. Wer sich beruflich in diesem Tätigkeitsbereich verwirklichen möchte, dem stehen je nach Interessen und Fähigkeiten mehrere Möglichkeiten offen.

Der Eingang in der Berliner Mönchsstraße Nr. 8 fällt gleich ins Auge: „KlimaWerkstatt“ steht in grünen Buchstaben über großen Fenstern. Hier werden Bürger und Unternehmen dabei unterstützt, Energie und Ressourcen zu sparen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen – vom Coffee-to-go-Becher über die Umrüstung von Gebäuden mit Solaranlagen bis hin zur Elektromobilität. Es handelt sich um ein Projekt der Leitstelle für Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Bezirksamt Spandau. „Ein weiteres großes Ziel liegt darin, Nachhaltigkeit und Klimaschutz innerhalb unserer Verwaltung voranzubringen“, erklärt Angelika Haaser. „Denn das Berliner Energiewendegesetz sieht vor, dass wir bis zum Jahr 2030 klimaneutral sind.“ Als Klimaschutzmanagerin im Bezirksamt Spandau koordiniert die 27-Jährige nicht nur entsprechende Maßnahmen und Veranstaltungen, sondern ist auch Ansprechpartnerin für Mitarbeiter und Öffentlichkeit. „Das bedeutet viel Schreibtischarbeit und Recherche und beinhaltet außerdem die Kommunikation mit anderen Ämtern“, beschreibt sie ihre Aufgaben. „Intern fängt es unter anderem schon damit an, die Kollegen darauf aufmerksam zu machen, dass die Drucker über Nacht ausgeschaltet sein sollten.“ Darüber hinaus ist sie zum Beispiel für die Entwicklung eines Maßnahmenplans zur Organisation einer klimaneutralen Verwaltung für den Bezirk zuständig, verfasst und verschickt entsprechende Infomaterialien und organisiert Workshops. In der Behörde hat sie ihr eigenes Büro und stimmt sich mit ihrer für die Leitstelle zuständigen Chefin ab.

Spezialisierung im Bachelor und Master

Ein Porträt-Foto von Angelika Haaser

Angelika Haaser

Foto: privat

Für diese Aufgaben qualifizierte sich Angelika Haaser mit dem Bachelorstudium „Waldwirtschaft und Umwelt“ an der Universität Freiburg sowie einem Masterabschluss in Nachhaltigkeitswissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg. „Der Klimaschutz ist eine große Herausforderung, daher hatte ich mich für Umweltwissenschaften im Allgemeinen interessiert“, erklärt sie. „Durch ein Praktikum im Studium und meine Masterarbeit zum Thema ‚Kommunale Klimaschutzkonzepte und Masterpläne‘ bin ich dann in diesen Bereich gekommen.“ Direkt nach dem Hochschulabschluss konnte sie im Bezirksamt Spandau starten. „Als Berufseinsteigerin möchte ich nun einige Fortbildungen machen, zum Beispiel im technischen Bereich.“

Auch in den anderen Bundesländern spielen „Klimaberufe“ zunehmend eine Rolle. „Das Thema Umwelt ist für viele Jugendliche ein erstrebenswertes, attraktives und sinngebendes Arbeitsfeld“, bestätigt Joachim Zak, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Stuttgart. Doch obwohl viele später in diesem Bereich arbeiten möchten, haben sie sich nicht unbedingt schon mit konkreten Studienangeboten auseinandergesetzt. Deshalb gilt es hier zunächst, Interessen und Fähigkeiten zu erörtern, zum Beispiel mit der Frage: Was verbindest du persönlich mit dem Schlagwort beziehungsweise Arbeitsfeld Umwelt? Kannst du dir eher vorstellen, dich mit der globalen Erderwärmung und drohenden Klimakatastrophen zu beschäftigen? Oder möchtest du biologisches und biotechnologisches Wissen anwenden und damit die Nutzung und Mehrung von nachwachsenden Rohstoffen vorantreiben? Interessiert dich Elektromobilität oder – ganz aktuell – das Thema Emissionsschutz, Stichwort Feinstaub oder Fahrverbot für Dieselfahrzeuge?

„Grüne“ und allgemeinere Studiengänge

„Ziel ist es, einzugrenzen, ob beim Ratsuchenden die Interessen eher in eine soziopolitische, naturwissenschaftliche, technische oder eine ganz andere Richtung gehen“, erläutert der Berater. „Darauf aufbauend geht man schließlich auf relevante Studiengänge ein, zum Beispiel ,Meteorologie und Klimatologie‘ an der Universität Freiburg für Abiturienten mit naturwissenschaftlichem Interesse. Oder ,Umweltschutztechnik‘ an der Universität Stuttgart für diejenigen, die sich erst einen breiteren Einblick verschaffen möchten, da hier von Abfallwirtschaft über Luftreinhaltung bis hin zu Fahrzeug- und Motorentechnik verschiedene Themengebiete angeboten werden. Viele Studierende wählen diesen Weg, damit sie besser entscheiden können, welche Richtung sie im Master einschlagen.“

Seine Aufgabe als Berater sieht Joachim Zak auch darin, die Vielfalt der Möglichkeiten aufzufächern. „Wer sich erst neu mit dem Thema Umwelt beschäftigt, weiß häufig nicht, dass inzwischen in nahezu allen Fächergruppen der Aspekt Umwelt, Klima oder Energie aufgegriffen wird. So gibt es nicht nur die technischen und naturwissenschaftlichen Umweltstudiengänge, wie die oben genannten, sondern auch Umweltmanagement, Umweltbildung oder sogar Umweltinformatik.“ Wichtig sei es, auch Studiengänge einzubeziehen, die in der Studiengangbezeichnung nicht das Wort Umwelt oder Ökologie beinhalten. „Klassisches Beispiel: Für die Weiterentwicklung der E-Mobilität werden in hohem Umfang Absolventen elektrotechnischer Studiengänge gesucht.“

Die passenden Voraussetzungen

Welche Voraussetzungen man für ein Studium rund um Klimaschutz mitbringen sollte, hängt von den Studieninhalten ab. „Sind sie eher ingenieurwissenschaftlich ausgerichtet, sollte der künftige Studierende über gute Mathematikkenntnisse verfügen, da diese zum Handwerkszeug der Ingenieurwissenschaften gehören. Zudem sind fundierte naturwissenschaftliche Kenntnisse von Vorteil. Diese Lücken erst im Studium zu schließen, ist meist schwierig, da einem wenig Zeit bleibt.“ Genauso sieht es nach Einschätzung des Berufsberaters etwa beim Umweltmanagement aus. „Wer ökologische Aspekte mit ökonomischen in Zusammenhang bringen möchte, sollte mit Zahlen umgehen können und vor Statistiken nicht zurückschrecken.“ Grundsätzlich, lautet sein Tipp, sollten Interessierte sich zu ihren Fragen rund um Ausbildung oder Studium mit einem Berufsberater der örtlichen Agentur für Arbeit oder einem Studienberater der favorisierten Hochschule austauschen. „Das trägt wesentlich zu einer reflektierten Entscheidung bei.“

„Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz sind wichtige Aufgaben, die in Gesellschaft und Arbeitswelt mehr und mehr Beachtung finden“, bestätigt Ralf Beckmann vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Es gibt aber keine umfassende Statistik, die ausweist, wie viele Menschen mit ihrer Arbeit zum Klimaschutz beitragen. Das liegt auch daran, dass man auf ganz vielfältige Weise Umwelt und Klima schützen kann. Da wären zum Beispiel Ingenieure, die Maschinen mit geringstmöglichem Energieverbrauch und Schadstoffausstoß entwickeln. Auch Mechatroniker oder Elektroniker für Maschinen und Antriebstechnik schützen unser Klima, wenn sie Filteranlagen bauen und warten.“ Insgesamt ist die Arbeitsmarktsituation in den Berufsfeldern Maschinenbau, Mechatronik und Elektronik nach seiner Einschätzung sehr gut. „Die Arbeitslosigkeit ist gering und die Nachfrage nach Fachkräften hoch. Die Zahl der Beschäftigten in ausgesprochenen Umweltschutzberufen wie zum Beispiel Klimamanager oder Klimaforscher ist dagegen sehr klein. Entsprechend werden nur wenig freie Stellen angeboten.“

abi>> 04.09.2017