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Schön wie nie

Frau beim Schminken einer Kundin.
So breit gefächert wie die Produktpalette sind auch die Berufe in der Schönheitsbranche.
Foto: Axel Jusseit

Ich will was machen mit Beauty

Schön wie nie

Das tägliche Bad in Eselsmilch – schon Kleopatra legte der Legende nach viel Wert auf Schönheitspflege. Mittlerweile gibt es eine schier unüberschaubare Palette an Kosmetik- und Pflegeprodukten. Und auch die Auswahl an Berufen in diesem Feld ist vielschichtiger, als einige zunächst annehmen, und eröffnet Abiturienten interessante Möglichkeiten.

Um diese Vielfalt weiß auch Nadine Bieg. Die 34-jährige Chemikerin ist bei Weleda für die Qualitätskontrolle zuständig. Nach ihrem Chemiestudium an der Fachhochschule Aalen hat sie sich für das Naturkosmetikunternehmen als Arbeitgeber entschieden, da ihr der nachhaltige Umgang mit der Natur und der Einsatz natürlicher Inhaltsstoffe wichtig sind.

Ein Porträt-Foto von Nadine Bieg

Nadine Bieg

Foto: Privat

In der Niederlassung in Schwäbisch Gmünd kümmert sich die Chemikerin um die Qualitätsprüfung, -beurteilung und -sicherstellung von einzelnen Inhaltsstoffen sowie gesamten Produkten. Es handelt sich dabei vor allem um Pflegeprodukte wie Gesichtscremes, Duschgels oder Körperlotionen. In der Naturkosmetik gelten hohe Standards, die regelmäßigen Prüfungen unterzogen werden müssen. Nadine Bieg kontrolliert und bewertet die Analyseergebnisse ihres Laborteams, das Stoffproben auf spezifische Eigenschaften, den Reinheitsgehalt und vorgeschriebene Grenzwerte hin untersucht. „Auch die Erstellung und Aktualisierung der Prüfvorschriften sowie die Schulung der Mitarbeiter gehören zu meinen Aufgaben“, ergänzt sie.

Kosmetika ohne Tierversuche

Nicht selten werden sie und ihre Kollegen vor Herausforderungen gestellt, da das Wachstum von Pflanzen Wetter- und Klimaschwankungen unterliegt und nicht jeder natürliche Rohstoff immer in gleichem Maße verfügbar ist. „Damit muss man sich bereits im Zuge der Produktentwicklung auseinandersetzen“, erklärt die Chemikerin. Naturkosmetik unterscheidet sich in diesem Punkt von der Produktion konventioneller Kosmetik, bei der auch chemisch erzeugte Konservierungs- und Duftstoffe eingesetzt werden dürfen.

Bevor Kosmetikprodukte in den Handel kommen, werden sie auf Wirksamkeit und Verträglichkeit getestet. Seit 2009 sind in der EU Kosmetika verboten, die an Tieren erprobt wurden. „Dermatologische Tests erfolgen beispielsweise im Rahmen von Studien zu bestimmten Inhaltsstoffen, die das herstellende Unternehmen prüfen und auswerten muss. Außerdem stellen sich Probanden Hautkliniken oder testenden Instituten zur Verfügung“, erklärt Bernard Sterz, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Bundesberufsverbands der Fachkosmetiker/-innen in Deutschland e.V. (BfD).

Breite Palette an Berufen

Die Berufe, welche sich mit der Schönheit und der Gesundheit des Menschen befassen, sind ebenso wie die Produktpalette breit gefächert. Daher sollten Interessierte sich mit der Frage auseinandersetzen, in welchem Tätigkeitsfeld sie arbeiten möchten, rät Jens Homberg, Berufsberater der Agentur für Arbeit Oldenburg-Wilhelmshaven: „Möchte ich später unmittelbar am Menschen arbeiten? Oder ziehe ich es vor, Produkte zu entwickeln, die in der Schönheitsbranche zum Einsatz kommen?“

Gerade letzteres Tätigkeitsfeld halte, so der Berufsberater, für Studieninteressierte das größte Angebot bereit: zum Beispiel Bachelorstudiengänge wie Kosmetologie an der Universität Osnabrück, „Technologie der Kosmetika und Waschmittel“ an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe (siehe auch die Studienreportage „Kein Schminkkurs für Fortgeschrittene“) oder Chemietechnik in Pirmasens beziehungsweise Lebensmitteltechnologie in Neubrandenburg. „Diese Studiengänge bieten Kosmetik als möglichen Schwerpunkt an“, weiß der Berufsberater. Auch im Studiengang Lebensmittelchemie kann man sich über Lebensmittel hinaus mit sogenannten Waren des täglichen Bedarfs, wozu unter anderem Kosmetika zählen, auseinandersetzen. An der Universität Hamburg findet man den Bachelorstudiengang Kosmetikwissenschaft sowie den Master of Science oder einen Master of Education mit dem Ziel, Berufsschullehramt im Bereich Körperpflege anzuschließen. Des Weiteren sind – gerade für die Herstellung und Entwicklung von Kosmetikprodukten – die Studiengänge Biologie, Biochemie oder Chemie interessant.

Um zu erfahren, ob man sich für ein naturwissenschaftliches Studium eignet, empfiehlt Jens Homberg den Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) für Naturwissenschaften, der vom berufspsychologischen Service der Agenturen für Arbeit angeboten wird.

Die Arbeit mit und an den Menschen

Wer nicht studieren möchte, sich aber für die Produktherstellung interessiert, kann beispielsweise eine Ausbildung zum Chemielaboranten absolvieren. Dieser Ausbildungsberuf ist, laut Jens Homberg, sehr gefragt bei Abiturienten. Auch Drogist/in steht hoch im Kurs; diese Fachkräfte sind im Verkauf tätig. Eine weitere Option stellt eine Ausbildung zum Maskenbildner dar.

Ein klassischer Ausbildungsberuf im Beauty-Sektor mit engem Kontakt zu Menschen ist Kosmetiker. Wer aber glaubt, dass es dabei nur um Schminken geht, der irrt. „Der Beruf setzt voraus, dass Kosmetiker in Dermatologie und weiteren naturwissenschaftlichen Fächern umfassend ausgebildet sind“, erklärt Bernard Sterz vom BfD. Allerdings gibt es viele Ausbildungen mit unterschiedlicher Dauer sowie unterschiedlichen Kosten und Abschlüssen. „Der Verband empfiehlt Ausbildungen, die mindestens ein Jahr dauern und 1.200 Unterrichtsstunden beinhalten.“

Die Arbeit als Kosmetiker bedingt eigenverantwortliches Arbeiten und engen Kundenkontakt. „Wer sich für diesen Beruf interessiert, dem rate ich zu Praktika, um zu testen, ob einem das Arbeiten mit und an den Menschen tatsächlich liegt“, sagt Jens Homberg. Und Bernard Sterz fügt hinzu: „Wer eine gute Ausbildung genossen hat, dem stehen viele Türen offen. Zum Beispiel im Wellness-Bereich, auf Kreuzfahrtschiffen, in Haut- und Schönheitskliniken oder in der Praxis eines Hautarztes. Mit einer entsprechenden Zusatzausbildung können Kosmetiker in Laboren oder bei der Entwicklung von kosmetischen Behandlungsgeräten eingesetzt werden.“

Produktion von Kosmetika – die Domäne der Chemiker

„Der Wirtschaftszweig rund um die Herstellung von Seifen, Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegemitteln und Duftstoffen ist mit etwa 40.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ein kleinerer Zweig der insgesamt über 300.000 Beschäftigten zählenden Chemieindustrie“, erläutert Christian Mackenrodt, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. Gefragt seien neben Chemikern, zu denen unter anderem Chemie- und Pharmatechniker sowie chemisch-technische Laboranten zählen, auch Maschinenbau- und Betriebstechniker und Berufe in der Unternehmensorganisation. Für Auszubildende ist die Chemiebranche ebenfalls attraktiv. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass im Jahr 2014 von 4.500 gemeldeten Ausbildungsstellen gerade mal zwei Prozent unbesetzt blieben.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Kosmetik).
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen (Suchwort: Kosmetik).
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit

www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Bundesverband deutscher Kosmetiker-/innen e.V.

www.bdk-kosmverb.de

Bundesberufsverband der Fachkosmetiker/-innen in Deutschland e.V.

www.bfd-ev.com

Fachverband Wellness, Beauty und Gesundheit e.V.

www.wellness-fachverband.de

Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V.

www.ikw.org

Verband der Chemischen Industrie e.V.

www.vci.de

abi>> 14.12.2015