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Mittler zwischen den Kulturen

Dolmetscher-Kabinen
Auf internationalen Konferenzen sorgen Dolmetscher dafür, dass sich Menschen aus unterschiedlichen Ländern miteinander verständigen können.
Foto: Alex Becker

Ich will was machen mit Dolmetschen und Übersetzen

Mittler zwischen den Kulturen

Dolmetscher und Übersetzer spielen für die Verständigung eine wichtige Rolle, wenn sich Gesprächspartner aus verschiedenen Ländern kommunizieren wollen oder Schriftstücke in eine andere Sprache übertragen werden sollen. Viele Wege führen in diese Berufe – nur eine Sprache gut zu sprechen, reicht nicht aus.

Englisch, Spanisch, Italienisch, Deutsch – Martina Dethlefs springt mühelos zwischen den Sprachen hin und her. Das muss sie auch, denn ihr Arbeitgeber ist die Europäische Kommission in Brüssel, die Dolmetscher aus sämtlichen Mitgliedsländern der EU beschäftigt. „Mein Job ist sehr vielfältig“, berichtet sie. „Mal geht es in einem Ausschuss um Getreidemärkte, ein anderes Mal um die europäische Krankenversicherungskarte, oder wir fahren im Team zu Ministerratstagungen ins Ausland. Ich muss mich daher ständig in neue Themengebiete einarbeiten und neues Vokabular lernen.“

Denkweisen übermitteln

Ein Porträtfoto von Martina Dethlefs

Martina Dethlefs

Foto: Privat

Bei den Sitzungen dolmetscht sie simultan, also zeitgleich mit dem gesprochenen Wort – von der Fremdsprache ins Deutsche. Ein Job, der sehr viel Konzentration erfordert und deshalb zeitlich begrenzt ist. Um nicht abgelenkt zu werden, sitzt sie in einer schalldichten Kabine; die deutschsprachigen Teilnehmer hören sie über Kopfhörer. „Mir macht die Arbeit viel Spaß, weil man als Dolmetscherin nicht nur Wörter übersetzt, sondern auch Denkweisen der verschiedenen Kulturen übermittelt“, erklärt die 30-Jährige. Sie ist schon immer gern gereist und hat sich deshalb für ein Philologie-Studium in Italienisch und Spanisch an der Humboldt-Universität zu Berlin entschieden. Anschließend absolvierte sie ein Masterstudium in Konferenzdolmetschen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und durchlief erfolgreich den Akkreditierungstest für Freiberufler, die am Europäischen Gerichtshof, bei der Europäischen Kommission und beim Europäischen Parlament arbeiten wollen. Mittlerweile ist sie als Beamtin bei der Kommission fest angestellt.

Nicht nur internationale Institutionen sind auf Sprachtalente wie Martina Dethlefs angewiesen. „Im Zeitalter der Globalisierung kommt mittlerweile kaum ein Unternehmen mehr ohne professionelle Übersetzungs- oder Dolmetscherdienste aus“, sagt Reiner Heard, Vorsitzender von ATICOM, dem Fachverband der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher. „Es geht zum Beispiel um internationale Vertragsverhandlungen, um die Übertragung von technischen Dokumentationen, Verträgen, Urkunden, Betriebsanleitungen oder Werbebroschüren in andere Sprachen. Auch bei Gerichtsverhandlungen, Konferenzen oder Staatsbesuchen sind Dolmetscher unersetzlich.“

Allerdings werden mittlerweile in vielen Berufen und Positionen Fremdsprachkenntnisse vorausgesetzt – was sich wiederum auf die Nachfrage an Dolmetschern und Übersetzern auswirkt. Eine sehr wichtige Rolle spielt ihre Arbeit jedoch für den technischen Bereich: Über zwei Drittel des Übersetzungsaufkommens entfallen darauf. Außerdem sind Dolmetscher und Übersetzer – entweder fest angestellt oder freiberuflich – für Auftraggeber aus Verwaltung oder Verlagswesen sowie für Vermittlungsagenturen oder Übersetzungsbüros tätig.

Große Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt

Im Jahr 2013 waren laut dem Statistischen Bundesamt rund 39.000 Personen als Dolmetscher und Übersetzer tätig, etwa 41 Prozent davon als Angestellte. „Die Arbeitslosigkeit in diesem Berufsfeld ist im Jahr 2014 leicht gestiegen. Durchschnittlich waren rund 2.500 Dolmetscher und Übersetzer arbeitslos gemeldet. Die Zahl der Stellenmeldungen ist mit knapp 400 im Laufe des Jahres vergleichsweise gering“, sagt Susanne Meßmann, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist groß, „denn die Berufsbezeichnungen Dolmetscher und Übersetzer sind nicht geschützt – jeder kann sich so nennen“, weiß Dr. Paul Stallmeister, Berufsberater für Abiturienten bei der Arbeitsagentur Ahlen/Münster. „Wer als Freiberufler nicht nur auf dieses Pferd setzen möchte, kann die sprachliche Qualifikation mit einem zweiten beruflichen Standbein kombinieren, zum Beispiel einer kaufmännischen Ausbildung.“

„Feste Stellen sind rar“, bestätigt André Lindemann, Präsident des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ). „Mehr als die Hälfte aller Dolmetscher und Übersetzer arbeitet freiberuflich. Dazu benötigen sie unternehmerische Fähigkeiten.“ Während der Ausbildung kämen diese Kompetenzen oft zu kurz, daher sollte man sich das Wissen zur Selbstständigkeit – wie Marketing, Kalkulation, Angebotserstellung, Preisverhandlungen oder Rechnungsstellung – durch entsprechende Schulungen selbst aneignen, empfiehlt der Experte.

Die Verdienstmöglichkeiten, so André Lindemann, seien in der jeweiligen Behörde beziehungsweise im Unternehmen sind André Lindemann zufolge von der Größe des dortigen Sprachdienstes abhängig sowie von den tariflichen Regelungen. Bei Führungspositionen könne allerdings auch schon mal eine außertarifliche Bezahlung in Frage kommen.

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abi>> 15.06.2015