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Geistesblitze und Innovationen

Grabungsstücke
Forschung in unterschiedlichsten Bereichen zielt insbesondere darauf ab, neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Foto: Sonja Trabandt

Ich will was machen mit Forschen und Erfinden

Geistesblitze und Innovationen

Das Rad lässt sich nicht noch einmal neu erfinden, viele andere Dinge hingegen schon. In den beiden miteinander verzahnten Bereichen Forschen und Erfinden sind Kreativität, Fachkenntnisse und Ausdauer gefragt. Die Berufsmöglichkeiten sind entsprechend vielseitig, vor allem auf dem naturwissenschaftlich-technischen Feld.

Den Höhepunkt bildete ein Gespräch mit Angela Merkel: Für ihr Jugend-forscht-Projekt zum Thema Flusspferdknochen wurde Florentine Mostaghimi-Gomi zusammen mit ihrem Mitschüler Ole Keim „für die originellste Arbeit“ ausgezeichnet. Die Bundeskanzlerin überreichte den beiden Gymnasiasten persönlich den Preis im Kanzleramt. „Wir haben, während wir von Pressevertretern gefilmt und fotografiert wurden, Frau Merkel unser Projekt präsentiert und mit ihr über unsere Forschungsergebnisse diskutiert“, berichtet die 19-Jährige.

Aufschlussreiche Flusspferdknochen

Ein Porträt-Foto von Florentine Mostaghimi-Gomi

Florentine Mostaghimi-Gomi

Foto: Privat

Seit ihrem zwölften Lebensjahr nimmt die Schülerin am Jugend-forscht-Wettbewerb teil. „Da ich mich sehr für naturwissenschaftliche Fächer begeistern konnte, hatten mich meine Lehrer auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht.“ Nachdem sie mehrmals engagiert teilgenommen hatte, wurde sie zu einer Forschungsexkursion nach Zypern eingeladen. Dort machten die beiden Projektpartner eine überraschende Entdeckung im Felsgestein: Versteinerungen, die sie als Skelettreste eines Zwergflusspferdes identifizierten. Dieser Fund könnte Hinweise geben, ab wann Säugetiere Zypern besiedelten. Heraus kam das nun prämierte Projekt „Pygmy Hippopotamus – Analyse eines Fossilfundes in Sedimenten des Mittleren Miozäns in Westzypern“.

In ihrer Forschungsarbeit analysierten sie die fossilen Zähne und Knochen, diskutierten mit Experten für Wirbeltierpaläontologie, um dem tatsächlichen Alter des Fundes auf die Spur zu kommen. „Wir arbeiten auch weiterhin an unserem Projekt. Wenn wir das hohe Alter des Fundes tatsächlich eindeutig belegen können, würde dies den bisherigen wissenschaftlichen Kenntnisstand revolutionieren“, erklärt Florentine Mostaghimi-Gomi.

Die beiden Projektpartner überzeugten in allen drei Wettbewerbsrunden: Nach dem Regionalwettbewerb und dem Hamburger Landeswettbewerb gingen sie als Sieger aus dem Bundesfinale in Ludwigshafen hervor. „Motiviert haben mich vor allem der Austausch mit anderen Jugendlichen, die Gemeinschaft, die Wertschätzung und die Unterstützung von allen Seiten“, erzählt Florentine Mostaghimi-Gomi. Die jahrelange Teilnahme und Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Themen hat auch ihre Studienwahl beeinflusst: „Ich möchte gerne Apothekerin werden oder in der Pharmaforschung arbeiten. Daher werde ich ein Pharmaziestudium an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel beginnen.“

Forschen und Erfinden

Ein Porträt-Foto von Dr. Johanna Kowol-Santen

Dr. Johanna Kowol-Santen

Foto: Privat

Junge Forscher wie die beiden Schüler können auch den Grundstein für Erfindungen legen. Forschen und Erfinden indes sind zwei unterschiedliche Bereiche: Während Erfindungen vor allem im naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu finden sind, wird Forschung auch in allen anderen akademischen Fächern betrieben. Das kann auch zu Erfindungen führen, insbesondere aber geht es dabei darum, neue Erkenntnisse zu gewinnen. „Forschung zielt auf die systematische Erschließung neuen Wissens“, erklärt Dr. Johanna Kowol-Santen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). So gewinnt die Grundlagenforschung auf naturwissenschaftlichem Gebiet neue Erkenntnisse über die Struktur der Materie oder die Naturgesetze. In den Geistes- und Sozialwissenschaften geht es zum Beispiel um Erkenntnisse über Gesetzmäßigkeiten menschlichen Verhaltens. „Angewandte Forschung wiederum soll aus diesen Erkenntnissen praxisbezogene Innovationen entwickeln und technische Probleme lösen“, ergänzt die Expertin. „Es geht darum, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen zu erzielen.“ Dabei müssen Forschungsergebnisse jederzeit überprüfbar sein.

Land der Erfinder

Deutschland ist als Land der Erfinder bekannt. Seit Jahren verzeichnet das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA) einen Zuwachs an Patentanmeldungen. Im Jahr 2014 wurde mit 65.958 Patentanmeldungen ein Rekordwert erzielt, der nach Auswertung der Daten 2015 wahrscheinlich noch übertroffen wird. Die internationale Fachmesse iENA (Ideen-Erfindungen-Neuheiten) in Nürnberg bietet den neuen Erfindungen regelmäßig eine Plattform. Aber wie wird man „Erfinder“?

„Bei den meisten Erfindern stand am Anfang nicht der Wunsch, Erfinder zu werden“, sagt Jens Homberg, Berufsberater für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Oldenburg-Wilhelmshaven. „Zumal keine Ausbildung und kein Studium konkret zu diesem Beruf führen.“ Seiner Einschätzung nach bieten vor allem naturwissenschaftlich-technische Studiengänge die beste Grundlage, später vielleicht etwas zu erfinden. „In Frage kommen die klassischen Ingenieurwissenschaften wie Maschinenbau und Elektrotechnik, besonders aber auch Schnittstellenstudiengänge wie Biotechnologie oder Verfahrenstechnik, Chemieingenieurwesen, Pharma- oder Medizintechnik.“

Eine hohe Innovationsquote verzeichnen derzeit zum Beispiel die Nanotechnologien, die regenerativen Energien oder die Genetik. Dort, wo eher anwendungsorientiert studiert wird, kann eine fachlich zum Studium passende Ausbildung eine praxisnahe Basis bieten. Das hat letztlich auch zur großen Vielfalt dualer Ingenieurstudiengänge geführt, in denen häufig auch ein Masterabschluss möglich ist.

Studium und Promotion

Wer forschen will, sollte ein Studium und in der Regel eine Promotion mitbringen – ganz abgesehen von Teamfähigkeit, Ausdauer, Mobilität sowie soliden Englischkenntnissen. Neben forschenden Tätigkeiten an Hochschulen oder Forschungsinstituten gibt es auch Möglichkeiten in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Industrieunternehmen.

Jens Homberg hat noch einen Tipp: „Schülerwettbewerbe wie ‚Jugend forscht‘ bieten eine gute Gelegenheit, sich bereits in der Schulzeit auszuprobieren und zu profilieren – vielleicht auch als Grundlage für ein späteres Stipendium.“ Ob man für ein entsprechendes Studium geeignet ist, kann man mit einem Studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) des Berufspsychologischen Services der Arbeitsagenturen herausfinden.

„Der Arbeitsmarkt für Forscher und Erfinder stellt sich insgesamt positiv dar“, sagt Susanne Lindner vom Team Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „370.000 Menschen waren 2015 als technische Forscher und Entwickler in Unternehmen oder als Wissenschaftler an Universitäten tätig. Das entspricht einem Zuwachs von 15.000 Personen oder vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr.“ Rund 1.300 Stellen waren im Jahresdurchschnitt 2015 bei der Bundesagentur für Arbeit in diesem Berufsfeld gemeldet. Während Stellen für Wissenschaftler an Hochschulen zu 80 Prozent befristet ausgeschrieben sind, gibt es für Forscher und Entwickler außerhalb der Hochschule überwiegend unbefristete Vollzeitangebote. Hier spiegelt sich auch die gute Situation am Arbeitsmarkt für Ingenieure wider.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer und der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

www.stifterverband.org

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

www.dfg.de

Deutsches Institut für Erfindungswesen

www.dieselmedaille.de

Wissenschaftsrat

www.wissenschaftsrat.de

Verein Deutscher Ingenieure (VDI)

www.vdi.de

Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V.

www.vfa.de

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

www.bmbf.de

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)

www.bmwi.de

iENA Fachmesse für Ideen, Erfindungen und Neuheiten

www.iena.de

Stiftung Jugend forscht

www.jugend-forscht.de

abi>> 08.04.2016