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Trends aus Forschung und Entwicklung

Granulat
Kautschuk und Kunststoff sind Teil unseres Alltags. Die flexible Einsatzfähigkeit macht die beiden Stoffe so beliebt.
Foto: Ria Kipfmüller

Ich will was machen mit Kautschuk oder Kunststoff: Forschung und Entwicklung

Trends aus Forschung und Entwicklung

Sie sind leicht und flexibel und lassen sich nahezu überall einsetzen – von der Lebensmittelindustrie bis zur Medizintechnik: Die Rede ist von Kunststoff und Kautschuk. Drei Experten geben Einblick in aktuelle Forschungstrends und Berufsbilder der Branche.

Ob Smartphone, Tablet, Autoreifen, Zahnbürste, Neoprenanzug oder Wasserflasche: Kunststoffe und Kautschuk begegnen uns überall im täglichen Leben. Es sind ihre Eigenschaften, die sie so beliebt machen. Wo früher beispielsweise vor allem Metall eingesetzt wurde, wird heute mehr und mehr mit Kunststoff gearbeitet, der als flexibel und vielseitig gilt. „Ein Flugzeug zum Beispiel wird durch den Einsatz von Kunststoff leichter und verbraucht weniger Treibstoff“, erklärt Ralf Olsen, Geschäftsführer von pro-K, dem Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff e. V.

Auch die Verpackungsindustrie ist ein Markt, der stetig wächst. Bei Verpackungen denken viele als Erstes an Plastikmüll und Umweltverschmutzung – ein attraktives Berufsfeld? Laut Ralf Olsen kann Kunststoff auch Umweltprobleme lösen: „In der Forschung und Entwicklung werden beispielsweise Lösungen gesucht, mit denen Lebensmittel länger haltbar gemacht und besser transportiert werden können. Damit weniger Essen im Müll landet. Und das Recycling wurde quasi von der Kunststoffindustrie erfunden“, erläutert der Experte. „Momentan arbeitet die Kunststofftechnik zum Beispiel an Kunststoffen aus der Natur, sogenannten Biokunststoffen, und Kunststoffen, die aus CO2 gewonnen werden. Beides kann helfen, in Zukunft ohne Öl auszukommen“, erklärt Prof. Christian Bonten, der das Institut für Kunststofftechnik der Universität Stuttgart leitet.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit

In der Kautschukindustrie spielt die Umweltverträglichkeit der Produkte ebenfalls eine wichtige Rolle. „Ein großer Anwendungsbereich von Kautschuk sind Fahr- und Flugzeuge. Einerseits schützen die Schläuche und Dichtungen die Umwelt vor schädlichen Flüssigkeiten und Gasen. Andererseits reduzieren optimierte Hochleistungsreifen Lärm, Materialabrieb und Kraftstoffverschwendung“, erklärt Boris Engelhardt, Geschäftsführer des wdk Wirtschaftsverbands der deutschen Kautschukindustrie e. V. „Und ein großer Teil der Ausgangsstoffe der Kautschukindustrie sind nachwachsende Rohstoffe.“

Kein Wunder, dass im Bereich Kautschuk viel geforscht wird. „Zu verstehen, wie man die Funktionsweise und die Zerstörungsmechanismen von Gummibauteilen mit Hilfe von Computer-Rechenmodellen simulieren kann, ist aktuell eine der großen wissenschaftlichen Herausforderungen in der Branche“, weiß Boris Engelhardt. Das Ziel dabei ist es unter anderem, die Widerstandsfähigkeit und Lebensdauer vorherzusagen. „Parallel wird viel Engagement darauf verwendet, die in der Kautschukproduktion eingesetzten Stoffe nachhaltig zu produzieren und weiterzuentwickeln. Naturkautschuk aus Asien, Afrika und Südamerika ist und bleibt einer der wesentlichen Rohstoffe. Folgeprodukte aus Mineralöl haben aber einen ebenso großen Stellenwert.“

Nahezu grenzenlose Ideen

Ein Porträt-Foto von Christian Bonten

Prof. Christian Bonten

Foto: privat

Auch in der Medizintechnik kommen zunehmend Kunststoffe zum Einsatz. Den Ideen der Forscher sind kaum Grenzen gesetzt. „In der Kunststoffverarbeitungstechnik arbeiten wir unter dem Stichwort ‚Industrie 4.0‘ gerade an der digitalen Vernetzung verschiedener Maschinen und Geräte, um unter anderem individualisierte Massenprodukte zu ermöglichen. Es wäre doch schön, wenn in Zukunft jeder sein Smartphonegehäuse auf Wunsch designen und bestellen könnte“, meint Christian Bonten von der Uni Stuttgart. Das erfordere keine neuen Lehrpläne an Hochschulen und in der dualen Ausbildung. „Die bisherigen Berufe können die bevorstehenden Herausforderungen sehr gut meistern."

Chemie, Ingenieurwissenschaften und Physik – das sind laut Boris Engelhardt die Berufsfelder, aus denen die Fach- und Führungskräfte der deutschen Kautschukindustrie kommen. „Keine neuen Berufsbilder, aber immer wieder neu ausgerichtete Tätigkeitsschwerpunkte bestimmen hier das Bild. Daneben gibt es in der Branche Fachleute mit wirtschaftswissenschaftlichem oder kaufmännischem Hintergrund. Die Expertinnen und Experten spezialisieren sich erst spät in ihrer Hochschulausbildung und bringen in der Regel ein breites Fachwissen mit.“ In Deutschland gibt es einige wenige Fachbereiche und Fakultäten mit einem Kautschuk-Schwerpunkt – dann oft gekoppelt mit Kunststoff-Studiengängen. Wer bereits einen Hochschulabschluss besitzt, kann an der Leibniz Universität Hannover einen einjährigen berufsbegleitenden Weiterbildungsstudiengang in Kautschuktechnologie absolvieren.

International arbeiten

Ein Porträt-Foto von Ralf Olsen.

Ralf Olsen

Foto: pro-K

Teamfähigkeit, sehr gute Englischkenntnisse, die Bereitschaft international zu arbeiten – das sind laut Boris Engelhardt neben fundiertem Fachwissen wichtige Voraussetzungen für einen Start in der Kautschukindustrie. „Fast alle Unternehmen sind außerhalb Deutschlands aktiv, oft auch global. Wenn man während des Studiums – oder schon während der Schulzeit – über den Tellerrand hinausgeschaut hat, ist das perfekt.“ Künftige Berufseinsteiger können sich in der Kunststoffindustrie über gute Zukunftsaussichten freuen. „Und zwar sowohl diejenigen, die eine akademische Laufbahn wählen als auch jene, die sich für eine berufliche Ausbildung entscheiden. Beide haben gute Entwicklungsmöglichkeiten“, betont Ralf Olsen von pro-K.

abi>> 16.01.2017