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Was die Gesellschaft bewegt    

Eine Frau sieht sich verschiedene Diagramme an.
Durch die Erhebung und Auswertung von Daten können gesellschaftliche Entwicklungen beobachtet werden.
Foto: Martin Rehm

Ich will was machen mit Gemeinschafts- und Sozialkunde

Was die Gesellschaft bewegt    

Ob Politik, Demografie oder Migration – das Fach Gemeinschafts- und Sozialkunde behandelt Themen rund um das gesellschaftliche Zusammenleben. Wer sich in der Schule gerne mit den unterschiedlichen Fragestellungen auseinandergesetzt hat, für den können die beruflichen Optionen, die das Fach bietet, interessant sein.

Die Bandbreite an Möglichkeiten ist vielfältig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Gemeinschafts- und Sozialkunde thematisch mehrere Bereiche umfasst: Sozialwissenschaften, Politik, Wirtschaft und Recht. Man sollte sich also vorab überlegen, in welcher Sparte das größte persönliche Interesse liegt, und ob man sich lieber praxisorientiert oder wissenschaftlich-theoretisch mit den verschiedenen Themen auseinandersetzen möchte.

Gesellschaftliche Entwicklungen beobachten

Letzteres ist zum Beispiel der Fall, wenn es um die Auswertung und Interpretation von Daten geht. Michael Hümmer, Berater für akademische Berufe der Agentur für Arbeit Fürth, erklärt: „Wer gesellschaftliche Entwicklungen beobachten oder in den Bereich Marktforschung gehen möchte, kann sich für einen sozialwissenschaftlichen Studiengang wie Soziologie oder Politologie, aber auch für BWL oder Wirtschaftspsychologie entscheiden.“ Zudem bieten sich Kommunikationswissenschaft, Anthropologie – die Wissenschaft vom Menschen und seiner Entwicklung – oder Ethnologie (Völkerkunde) an. Potenzielle Arbeitgeber sind unter anderem Hochschulen oder (Markt-)Forschungsinstitute wie die Gesellschaft für Konsumforschung.

Bei ausgeprägtem Interesse an wirtschaftlichen Themen ist auch ein klassisches Studium der Betriebswirtschafts- oder Volkswirtschaftslehre eine Option. Damit kann man operativ in Unternehmensbereichen arbeiten, die einen sozialwissenschaftlichen Bezug haben wie Personalwesen oder Marketing. Wenn man sich dagegen gerne mit rechtlichen Fragestellungen beschäftigt, ist es möglich, Jura oder Rechtswissenschaften zu studieren oder spezialisierte Studiengänge wie Wirtschaftsrecht oder Sozialrecht zu wählen.

Hier bietet sich auch die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen, etwa zum Rechtsanwalts- oder Notarfachangestellten. Weitere Ausbildungsberufe mit Bezug zu Sozialwissenschaften und Wirtschaft sind der Sozialversicherungs- oder Verwaltungsfachangestellte und der Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung.

Mit Menschen arbeiten

Für Medienaffine mit sozialwissenschaftlichem Studienabschluss kann der Bereich Redaktion und Öffentlichkeitsarbeit interessant sein. Wer dagegen gerne unterrichtet, gibt im Fach Gemeinschafts- und Sozialkunde – das je nach Bundesland auch Gemeinschaftskunde, Sozialkunde, Gesellschaftslehre oder Politik und Wirtschaft heißt – das Wissen an die Schüler weiter. Hierzu muss in der Regel noch ein weiteres Fach studiert und unterrichtet werden.

Zusätzliche Berufschancen ergeben sich auch aus der aktuellen Migrationssituation. „Wer sich theoretisch mit dem Thema Migration auskennt und praktische Instrumente der Integration anwenden kann, ist gerade im Zuge der Flüchtlingsthematik sehr gefragt“, sagt Michael Hümmer. Hier gebe es beispielsweise Beschäftigungsmöglichkeiten bei Einrichtungen, die Integrations- und Weiterbildungsmaßnahmen anbieten, oder als Sachbearbeiter in Ausländerbehörden. So hat etwa das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 2015 aufgrund der steigenden Asylantragszahlen 1.000 neue Stellen geschaffen und wird voraussichtlich auch 2016 großen Bedarf an Fachkräften haben. Gesucht wird Personal für alle Laufbahnen, vor allem aber für den mittleren Dienst.

Um im öffentlichen Dienst arbeiten zu können, muss man in der Regel eine entsprechende Ausbildung absolviert haben oder an der Hochschule des Bundes beziehungsweise der Länder für öffentliche Verwaltung studieren. Hier gibt es zahlreiche Studiengänge, von der Allgemeinen bis zur Sozial- und Steuerverwaltung.

Interesse an Zahlen, Daten und Statistik

Die Fähigkeiten, die man für einen Beruf mit Gemeinschafts- und Sozialkunde mitbringen sollte, hängen vom Einsatzfeld ab. In der empirischen Forschung ist Interesse an Zahlen und IT wichtig, denn hier werden große Datenmengen erhoben und mit Statistikprogrammen ausgewertet. Auch im Marketing sollte man mit Zahlen umgehen können, etwa um Budgets planen zu können. In den Medien ist neben Textkompetenz für die elektronische Weiterverarbeitung von Texten ebenfalls ein gewisses Maß an Technikverständnis gefragt. Im beruflichen Umgang mit Menschen spielen Neugierde und Empathie eine große Rolle, aber auch objektives Urteilsvermögen, wenn es darum geht, Recht und Gesetz anzuwenden. Eine Affinität zu Rechtsfragen sollte man vor allem für eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst haben.

Um zu überprüfen, ob man die notwendigen Kompetenzen und Interessen mitbringt, sind praxisnahe Erfahrungen sinnvoll. Im Bereich Gemeinschafts- und Sozialkunde gibt es neben Praktika die Möglichkeit eines Freiwilligen Jahres in der Politik oder eines Freiwilligen Sozialen Jahres. Und natürlich unterstützt auch die Berufsberatung bei der Entscheidungsfindung.

Bedarf im öffentlichen Dienst

So groß die Bandbreite der Tätigkeitsfelder, so unterschiedlich sind dem Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit zufolge die beruflichen Chancen. Beispiel: öffentlicher Dienst. Die knappe Haushaltslage habe zusammen mit Effizienzsteigerungen durch den Einsatz moderner IT im Verlauf des letzten Jahrzehnts zu einem insgesamt rückläufigen Personalstamm geführt. Dennoch ist in Zukunft ein gewisser Bedarf an jungen Fachkräften wahrscheinlich, da derzeit schon fast jeder dritte Beschäftigte über 55 Jahre alt ist.

Der Arbeitsmarkt für Soziologen hat sich in den letzten Jahren kaum verändert. Nach Angaben in „Gute Bildung – gute Chancen: Der Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker“ lag die Arbeitslosenquote – bezogen auf alle Erwerbstätigen mit einem Abschluss in der Soziologie – zwischen vier und fünf Prozent. Eine ähnlich niedrige Quote von fünf Prozent weist die Studie auch für Politologen aus. Zudem wird deutlich: Wer einen Abschluss in Gesellschaftswissenschaften wie Soziologie oder Politik hat, sollte sich breit aufstellen: Generell gibt es nämlich wenige Stellenangebote, die sich explizit an Soziologen oder Politologen richten.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Sozialkunde, Soziologie)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Deutsche Gesellschaft für Soziologie

www.soziologie.de

Deutsche Vereinigung für politische Wissenschaft

www.dvpw.de

Bund Deutscher Juristen

www.bunddeutscherjuristen.org

Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte e.V.

www.bdvb.de

Stellenportal Öffentlicher Dienst

www.bund.de

 

abi>> 30.12.2015