Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Das Leben in all seinen Facetten

Biophysikerin steht in einem Labor und nimmt Flüssigkeit mit einer Pipette aus einem Reagenzglas.
Wer etwas mit Biologie machen will, sollte in jedem Fall Interesse an Naturwissenschaften und Technik haben.
Foto: Nicole Schwab

Ich will was machen mit Biologie

Das Leben in all seinen Facetten

Pflanzen, Bakterien, das menschliche Genom: Das Berufsfeld Biologie umfasst viele Bereiche – von der Botanik über die Mikrobiologie bis hin zur Bioinformatik. Wer sich in einem Studium oder einer Ausbildung mit der Wissenschaft vom Leben auseinandersetzen möchte, sollte in jedem Fall ein ausgeprägtes Interesse an Naturwissenschaften mitbringen.

Mit seinem Biologie-Studium an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn ist Marius Franke sehr zufrieden. Das Bachelorstudium sei klar strukturiert, wobei die ersten vier Semester der biologischen Grundausbildung gewidmet sind. „Botanik nimmt dabei einen großen Teil ein“, erzählt der 23-Jährige. Auf dem Studienplan stehen außerdem die Pflichtnebenfächer Physik, Mathematik und Chemie. „Der Lernaufwand ist schon sehr groß“, berichtet Marius Franke, der stellvertretender Vorsitzender der Fachschaft ist. Das Biologiestudium in Bonn ist von Anfang an sehr praxisbezogen. „In den sogenannten Schnippelkursen werden Pflanzen, aber auch Tiere wie Mäuse, Regenwürmer und Forellen aufgeschnitten, unter dem Mikroskop näher betrachtet und schließlich abgezeichnet.“

Ein Porträt-Foto von Marius Franke

Marius Franke

Foto: Annika Voßen

Im derzeitigen fünften Semester muss der Student drei bis vier Wahlpflichtmodule belegen. Er hat sich unter anderem für Genetik entschieden. Anders als in den großen Vorlesungen, in denen auch mal 300 bis 400 Studierende säßen, gäbe es hier mit maximal 15 Teilnehmern eine sehr persönliche Betreuung, lobt Marius Franke. Als weiteres Modul wählte er klassische Zoologie und nahm an einer Exkursion nach Ägypten teil: „Durch Korallenriffe schnorcheln und die Wüstenvegetation untersuchen war eine sehr beeindruckende, lehrreiche Erfahrung.“ Spezialisieren will sich der Student im Master schließlich auf Biochemie: „Damit kann ich in vielen Bereichen arbeiten, in der öffentlichen Forschung oder in Industrieunternehmen.“ In Bonn kann man Biochemie allerdings nicht studieren. „Ich muss also in eine andere Stadt wechseln oder ins Ausland gehen“, ist ihm bewusst.

Master ist üblich

Für den Master entscheiden sich fast alle Studierenden der Biologie, sogar eine Promotion ist empfehlenswert (siehe hierzu den Beitrag „Wo bitte geht’s zum Doktortitel?“). Wichtig zu wissen: Bei einer Promotion arbeitet man häufig nebenher, zum Beispiel an Forschungsprojekten, und erhält ein erstes Gehalt.

Ein Porträt-Bild von Claudia Fichtner und Heiner Nolte

Claudia Fichtner (l.) und Heiner Nolte (r.)

Foto: Annika Voßen

Der Bio-Bachelor ist auf dem Arbeitsmarkt eher wenig gefragt. Das bestätigt Heiner Nolte, Arbeitsvermittler im Team Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Bonn: „Wer lediglich einen Bachelor absolviert, findet unter Umständen sogar schwerer eine Stelle als jemand mit Ausbildung.“ Aus diesem Grund empfiehlt seine Kollegin Claudia Fichtner, die als Studien- und Berufsberaterin arbeitet, einigen Abiturienten zunächst eine Ausbildung, beispielsweise zum Biologielaboranten oder zum Pflanzentechnologen. „So kann man die Praxis kennenlernen und findet vielleicht ohne Studium schon sein zukünftiges Berufsfeld.“ Hinterher sind auch Weiterbildungen möglich, etwa zum Techniker der Fachrichtung Biotechnologie.

Den roten Faden finden

Wer sich für ein Studium entscheidet, kann sich mit dem Bachelorstudiengang Biologie breit aufstellen oder gleich ein spezialisiertes Fach wählen. „Vertiefungsmöglichkeiten gibt es jedoch vor allem im Master. Da ist die Vielfalt groß“, ergänzt Claudia Fichtner. Klassische Disziplinen der Biologie sind Botanik (Lehre vom Pflanzenreich), Zoologie (Lehre vom Tierreich), Mikrobiologie (Lehre von Mikroorganismen wie etwa Bakterien), Genetik (Vererbungslehre) und Ökologie. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Studiengängen, die interdisziplinär ausgelegt sind, wie Bioinformatik, Biomedizin oder Biotechnologie. Als Grundlagenwissenschaft spielt die Biologie darüber hinaus bei weiteren Studiengängen eine große Rolle, etwa in der (Tier-)Medizin, der Pharmazie oder den Agrar- und Ernährungswissenschaften.

Wer etwas mit Biologie machen will, sollte in jedem Fall Interesse an den Naturwissenschaften insgesamt – auch an Mathematik, Chemie und Physik – sowie an Technik mitbringen. Gefragt sind außerdem analytisches Denkvermögen, hohe Frustrationstoleranz, Sorgfalt und gute Englischkenntnisse. Welchen Fachbereich man konkret wählt, ist den Berufsberatern zufolge eine Sache der Neigung und der Leidenschaft: „Man sollte sich einen roten Faden im Studium suchen, sich fragen: Welcher Teilbereich liegt mir am meisten, was interessiert mich?“ Arbeitsmarkt-Prognosen sollten einen nicht abschrecken, vielmehr dazu animieren, auch Alternativen in Betracht zu ziehen, gibt Claudia Fichtner zu bedenken.

Sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen

„Grundsätzlich ist die Situation am Biologie-Arbeitsmarkt etwas verhaltener einzuschätzen als bei anderen naturwissenschaftlichen Fachrichtungen. Es gibt relativ wenige Stellenangebote, die sich direkt an Biologen richten“, erklärt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. „Die Berufsgruppe ist außerdem häufiger als andere Akademikerberufe von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosenquote lag 2015 bei rund 5 Prozent.“ Positiv hervorzuheben sei der Zuwachs an Arbeitsplätzen in den vergangenen Jahren. „Laut Mikrozensus waren 2014 insgesamt rund 37.000 Biologinnen und Biologen in Deutschland erwerbstätig“, bestätigt Ralf Beckmann. Im Jahr 2012 belief sich die Zahl auf lediglich 35.000. Um sich erfolgreich am Arbeitsmarkt zu etablieren, seien eine frühzeitige berufliche Orientierung, Netzwerke, Flexibilität und Mobilität wichtig.

Heiner Nolte hat die Erfahrung gemacht, dass Unternehmen in der Regel Berufserfahrene suchen – Absolventen fällt der Einstieg manchmal entsprechend schwer. Die Anforderungen seien unterschiedlich und in Forschung und Entwicklung andere als in der Produktentwicklung, in der Qualitätskontrolle oder im Marketing. „Ich empfehle Studierenden daher, schon im Studium zu klären, was sie im Anschluss machen wollen und zu überlegen, wie sie diese Ziele erreichen können: Ein Auslands- oder Praxissemester oder ein Kurs über Geoinformationssysteme kann einem vielleicht den entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. Suchworte: Biologie, Bio, Life Sciences etc.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer und der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern. Suchworte: Biologie, Bio, Life Sciences etc.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du nach schulischen Ausbildungen und nach Studiengängen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Verband für Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin in Deutschland (VBIO)

Informationen aus der Wissenschaft, Veranstaltungstermine und Stellenangebote
www.vbio.de

Berufsvertretung Deutscher Biologen e.V.

Fachinformationen vor allem zu Themen der klassischen Biologie
www.biologenverband.de

Biologie.de

Serviceseite rund um Biologie mit Jobbörse und Firmenverzeichnis
www.biologie.de

Spektrum

Magazine für verschiedene Naturwissenschaften, darunter auch Biologie.
www.spektrum.de/biologie

abi>> 25.02.2016