Ein Feld für Experimentierfreudige

Eine Biologin sitzt an einem Mikroskop.
Für ihre Forschungen brauchen Biologen Mikroskope, mit denen sie Objekte um ein Vielfaches vergrößern und untersuchen können.
Foto: Nancy Heusel

Ich will was machen mit Biologie

Ein Feld für Experimentierfreudige

Die genetische Vererbung von Krankheiten, die Artenvielfalt der Insekten oder das Ökosystem des Regenwaldes: Die Biologie umfasst viele spannende Bereiche. Wer sich in einem Studium oder einer Ausbildung mit der Wissenschaft vom Leben auseinandersetzen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl.

Sebastian Riedelbauch studiert Biologie an der Universität Bayreuth. „Bereits in der Schule hat das Fach durch die vielseitigen und spannenden Teilbereiche mein Interesse geweckt“, erzählt er. Inzwischen steht der 22-Jährige im siebten Semester, kurz vor seinem Abschluss.

 „In den ersten vier Semestern wurde uns grundlegendes Wissen aus zahlreichen Disziplinen wie den Pflanzenwissenschaften, der Mikrobiologie, der Genetik oder der Tierökologie sowie -physiologie vermittelt“, beschreibt er und betont: „Zu fast allen Bereichen gehören auch Praktika, in denen wir das theoretische Wissen aus den Vorlesungen direkt anwenden konnten.“

Ein Porträt-Foto von Sebastian Riedelbauch

Sebastian Riedelbauch

Foto: privat

Daneben erwirbt jeder Studierende Fachkenntnisse aus anderen Naturwissenschaften wie Chemie, Physik oder Mathematik. Ab dem fünften Semester können sie sich für Spezialisierungsmodule entscheiden, um tiefere Einblicke zu gewinnen. „Ich habe mich für Immunologie und Eukaryontengenetik entschieden“, erzählt er. Letzteres beschäftigt sich mit der Genetik der Lebewesen, die einen Zellkern besitzen. „Weil ich mich besonders für Themen aus der Genetik begeistern kann“, berichtet der Student.

Nach dem Bachelorstudium möchte Sebastian Riedelbauch definitiv noch einen Masterabschluss anstreben. „Gerade weil das Bachelorstudium so viele Bereiche abdeckt, ist es schwierig, in der kurzen Zeit tief genug einzutauchen oder auch die eigenen Interessen kennenzulernen, um anschließend ins Berufsleben zu starten“, begründet er seine Entscheidung.

Leidenschaft für das Schulfach

Joachim Bartos von der Agentur für Arbeit Ulm hat in seinem Beratungsalltag häufig mit Abiturienten zu tun, die sich für einen Beruf mit Biologie interessieren, weil sie das Schulfach mögen. „Im Gespräch nähern wir uns dann den konkreten Möglichkeiten, die infrage kommen – denn die Bandbreite dieses Bereichs ist groß“, weiß der Experte.

Biologie umfasst weitaus mehr als die aus dem Schulunterricht bekannten Inhalte. Klassische Disziplinen sind etwa Botanik, Zoologie, Mikrobiologie, Genetik und Ökologie. „Dennoch liegt es für viele nahe, zunächst das allgemeine Biologiestudium ins Auge zu fassen und sich etwa im Masterstudium zu spezialisieren“, ergänzt der Berater für akademische Berufe. Häufig besteht auch die Möglichkeit, sich bereits in einem allgemeinen Biologiestudium zu spezialisieren. „Aber einige Spezialisierungen wie etwa Toxikologie sind erst in einem entsprechenden Master möglich.“

Wissenschaft und freie Wirtschaft

Ein Porträt-Foto von Joachim Bartos

Joachim Bartos

Foto: privat

Absolventen eröffnen sich unter anderem Aufgaben in Lehre und Forschung an Hochschulen oder in den Laboren von Forschungsinstituten sowie wissenschaftliche Tätigkeitsfelder bei Unternehmen der freien Wirtschaft. Die meisten Arbeitgeber erwarten von Berufseinsteigern mindestens den Masterabschluss, für eine Tätigkeit in der Forschung wird in aller Regel eine Promotion vorausgesetzt.

Genauso ist es möglich, Biologie – in Kombination mit einem anderen Fach – auf Lehramt zu studieren. „Auch hier muss man sich auf eine längere Studienzeit einstellen, zumal noch anderthalb bis zwei Jahre für das Referendariat hinzukommen“, gibt Joachim Bartos zu bedenken.

Eine Alternative zum allgemeinen Biologiestudium sind Schnittstellenstudiengänge wie Biotechnologie, Biochemie, Bioinformatik, Biophysik oder Agrarbiologie. Sie werden teilweise auch von Fachhochschulen angeboten. „Auch Studiengänge in den Bereichen Ernährungswissenschaften und Molekulare Medizin sind stark biologisch orientiert“, ergänzt Joachim Bartos.

Genauso vielfältig sind die beruflichen Möglichkeiten: „Biotechnologen etwa sind in der Pharmaindustrie dafür zuständig, Arzneimittel auf biologischem Weg, also aus Zellkulturen, zu entwickeln, während Biochemiker klassischerweise mit chemischen Substanzen forschen“, nennt der Job-Experte typische Beispiele. „Akademiker mit einem Abschluss in Bioinformatik oder beispielsweise Mathematischer Biometrie kennen sich mit Statistik und Modellierung besonders gut aus.“ Biometriker kommen etwa bei der automatischen Identifikation von Personen aufgrund persönlicher Merkmale (z.B. Fingerabdrücke) zum Einsatz. Sie fungieren dabei als Bindeglied zwischen Theorie und Anwendung.

Ausbildung als Alternative

Auch zahlreiche Ausbildungen bereiten auf eine Tätigkeit rund um das Fach Biologie vor. „Dazu gehören insbesondere verschiedene Assistenten- oder Laborantenberufe“, sagt Joachim Bartos und zählt auf: „beispielsweise der Biologielaborant oder der Biologisch-technische Assistent. Sie verrichten die praktische Arbeit und unterstützen die Forscher, indem sie etwa Versuche vorbereiten und durchführen. Und wer sich für die Medizin und den Umgang mit Menschen interessiert, könnte zum Beispiel über eine Ausbildung zum Medizinisch-Technischen Assistenten für Funktionsdiagnostik beziehungsweise Radiologie oder Operationstechnischen Assistenten nachdenken.“ Im Anschluss an eine Ausbildung gibt es mehrere Weiterbildungsmöglichkeiten, etwa die zum Biotechniker.

Grundsätzlich setzt eine Tätigkeit im Berufsfeld Biologie ein Faible für die anderen Naturwissenschaften voraus, also Chemie, Physik und Mathematik. „Auch eine Bereitschaft zum Experimentieren, logisches Denken, Sorgfalt und Geduld sollte man mitbringen“, betont Joachim Bartos. „Im Studium etwa kann Biologie auch bedeuten, tote Tiere sezieren zu müssen oder sich mit Gentechnik auseinanderzusetzen. Davor sollte man also keine Scheu haben.“

Etablierung auf dem Arbeitsmarkt

Auch Biologen profitieren von der allgemein positiven Arbeitsmarktentwicklung, allerdings verhaltener als andere naturwissenschaftliche Fachrichtungen. „Im Jahr 2017 waren 50.000 Biologen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, vier Prozent mehr als im Jahr davor“, sagt Claudia Suttner vom Team Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. „Die Zahl der Arbeitslosen aus dem Bereich ging um neun Prozent zurück. Der Einstellungsbedarf, gemessen an den gemeldeten Arbeitsstellen, war zwar höher als im Vorjahr, verglichen mit anderen Naturwissenschaften ist die Nachfrage nach Biologie-Experten aber gering.“

Ihr Fazit: „Da die Wirtschaftsprognosen für dieses Jahr ebenfalls von einer positiven Entwicklung ausgehen, dürfte sich auch der Arbeitsmarkt für Biologen weiter günstig entwickeln. Eine frühzeitige berufliche Orientierung, Netzwerke, Flexibilität und Mobilität sind dennoch wichtig für eine erfolgreiche Etablierung am Arbeitsmarkt.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Biologie, Bio, Life Sciences etc.)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern. (Suchworte: Biologie, Bio, Life Sciences etc.)
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Ausbildungen suchen.
https://kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Verband für Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin in Deutschland (VBIO)

Informationen aus der Wissenschaft, Veranstaltungstermine und Stellenangebote
www.vbio.de

Berufsvertretung Deutscher Biologen e.V.

Fachinformationen vor allem zu Themen der klassischen Biologie
www.biologenverband.de

Biologie.de

Serviceseite rund um Biologie mit Jobbörse und Firmenverzeichnis
www.biologie.de

Spektrum

Magazin für verschiedene Naturwissenschaften, darunter auch Biologie
www.spektrum.de/biologie

 

Ich will was machen mit Biologie – Übersicht

Forschen, experimentieren, analysieren

Wer etwas mit Biologie machen möchte, hat eine Reihe an Ausbildung- und Studienberufe zur Auswahl. abi>> stellt Möglichkeiten vor, die für Abiturienten besonders interessant sind.

Studienberufe

Biologe/Biologin

  • Zugangsvoraussetzung: abgeschlossenes Studium im Bereich Biologie; häufig wird ein Masterabschluss oder ggf. auch die Promotion erwartet
  • Aufgaben: in der wissenschaftlichen Forschung z.B. Strukturen und Vorgänge bei Menschen, Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen untersuchen; Herstellung pharmazeutischer Erzeugnisse, Produktentwicklung, Qualitätssicherung, Vertrieb und Kundenberatung; Umweltschutz
  • Mögliche Arbeitgeber: Hochschulen und Forschungsinstitute, Unternehmen der Pharma- und Chemieindustrie, Einrichtungen im Gesundheitswesen, botanische und zoologische Gärten und Naturparks, öffentliche Verwaltung wie z.B. Umweltämter

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Biochemiker/in

  • Zugangsvoraussetzung: abgeschlossenes grundständiges Studium im Bereich Biochemie; Führungspositionen, spezialisierte Aufgaben oder Tätigkeiten in Wissenschaft und Forschung erfordern meist ein Masterstudium, ggf. auch die Promotion oder Habilitation.
  • Aufgaben: Chemische sowie physikalisch-chemische Prozesse auf molekularer Ebene untersuchen, Herstellung biochemischer Erzeugnisse, Produktentwicklung, Qualitätssicherung, Beratungswesen
  • Mögliche Arbeitgeber: Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Hochschulkliniken, medizinische Labore, Unternehmen der chemischen, pharmazeutischen und biotechnologischen Industrie, Umweltämter, Ämter zur Lebensmittelüberwachung oder Untersuchungslabors für Lebensmittelhygiene

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Bioinformatiker/in

  • Zugangsvoraussetzung: abgeschlossenes grundständiges Studium der Bioinformatik oder Informatik; Führungspositionen, spezialisierte Aufgaben oder Tätigkeiten in Wissenschaft und Forschung erfordern meist ein Masterstudium, ggf. auch die Promotion oder Habilitation.
  • Aufgaben: Daten biologischer Prozesse und Strukturen mithilfe der Informationstechnologie verarbeiten; an der Schnittstelle zwischen Life Sciences (Biologie, Chemie und Pharmazie) und Informatik tätig sein.
  • Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen der pharmazeutischen oder chemischen Industrie, Software- und Datenbankanbieter für naturwissenschaftliche Anwendungen, EDV-Dienstleister

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Biometriker/in

  • Zugangsvoraussetzung: abgeschlossenes Studium der Biometrie, Biostatistik, Statistik oder Mathematik; Führungspositionen, spezialisierte Aufgaben oder Tätigkeiten in Wissenschaft und Forschung erfordern meist ein Masterstudium, ggf. auch die Promotion oder Habilitation.
  • Aufgaben: Daten, z.B. bei klinischen Studien, erfassen, auswerten und aufbereiten; Erkennungsverfahren und -systeme aufgrund individueller biometrischer Charakteristika entwickeln bzw. optimieren
  • Mögliche Arbeitgeber: Pharmaindustrie, Kliniken, Hochschulen und Forschungsinstitute, Unternehmen, die biometrische Verfahren für Überwachungssysteme oder Zugangskontrollen entwickeln

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Bioniker/in

  • Zugangsvoraussetzung: abgeschlossenes Studium der Bionik; Führungspositionen, spezialisierte Aufgabenstellungen oder Tätigkeiten in Wissenschaft und Forschung erfordern meist ein Masterstudium, ggf. auch die Promotion oder Habilitation.
  • Aufgaben: Eigenschaften und Lösungen der Natur (wie den Lotuseffekt) erforschen und für technische Anwendungen nutzbar machen.
  • Mögliche Arbeitgeber: Unternehmen der Fahrzeugtechnik, im Maschinenbau, in der Medizintechnik, in der Luft- und Raumfahrt, in der Werkstofftechnik, in Forschungsinstituten und maritimen Institutionen, an Hochschulen

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Ausbildungsberufe

Biologielaborant/in

  • Zugangsvoraussetzung: abgeschlossene Berufsausbildung als Biologielaborant/in
  • Aufgaben: Untersuchungen an Tieren, Pflanzen, Mikroorganismen und Zellkulturen vorbereiten und durchführen; Versuchsabläufe beobachten, kontrollieren, protokollieren und die Ergebnisse auswerten
  • Mögliche Arbeitgeber: medizinische und biologische Forschungseinrichtungen; Betriebe der angewandten Medizin, öffentliches Gesundheitswesen, Pharma- und Kosmetikhersteller, Lebensmittelhersteller; Betriebe, die biotechnische Produkte herstellen, Krankenhäuser

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Biologisch-technische/r Assistent/in

  • Zugangsvoraussetzung: abgeschlossene Berufsausbildung als Biologisch-technische/r Assistent/in
  • Aufgaben: Untersuchungen an Tieren, Pflanzen, Mikroorganismen und Zellkulturen vorbereiten und durchführen, Versuchsabläufe beobachten, kontrollieren, protokollieren und die Ergebnisse auswerten.
  • Mögliche Arbeitgeber: Forschungsinstitute, Unternehmen der chemischen oder pharmazeutischen Industrie, Prüf- und Lehranstalten der öffentlichen Verwaltung, Einrichtungen im Gesundheitswesen, Betriebe der Lebensmittelindustrie

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Operationstechnische/r Assistent/in

  • Zugangsvoraussetzung: abgeschlossene Berufsausbildung als Operationstechnische/r Assistent/in oder als Operationstechnische/r Angestellte/r. In Sachsen-Anhalt benötigt man zusätzlich eine entsprechende Berufserlaubnis.
  • Aufgaben: Patienten vor und nach Operationen betreuen, Operationseinheiten vorbereiten und bei Eingriffen assistieren
  • Mögliche Arbeitgeber: Krankenhäuser und Fach- oder Universitätskliniken, ambulante Operationszentren.

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Stand: 19.09.2019