Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Stoffe und ihre Reaktionen

Eine Hand schreibt Formeln und chemische Verbindungen für ein Experiment an die Glasscheibe in einem Labor.
Die Chemie liefert für viele Disziplinen wesentliche Grundlagen – sei es in der Pharmazie, in der Kunststoffverarbeitung oder im Baugewerbe.
Foto: Christiane Zenkert

Ich will was machen mit Chemie

Stoffe und ihre Reaktionen

Chemiebaukästen mit Reagenzgläsern, Pipetten und verschiedenen Substanzen. Spannende Experimente und Versuchsanordnungen in der Schule. So manch einer, den das Interesse für Chemie gepackt hat, entscheidet sich für eine der vielfältigen beruflichen Möglichkeiten.

Bei Roland Stadler war es Faszination auf den zweiten Blick. Der 32-Jährige studierte Biologie und Chemie auf Lehramt an der Universität Regensburg. „Ich hatte schon immer ein Faible für Naturwissenschaften, zunächst noch mehr für Biologie. Im Laufe des Studiums fand ich dann Chemie zunehmend interessanter.“ Heute unterrichtet er das Fach am Comenius-Gymnasium in Deggendorf – von der neunten Klasse bis zum Abitur.

„Im Schulfach Chemie geht die Arbeit fachlich natürlich nicht so sehr in die Tiefe wie in der Lehre an der Universität oder der Forschung als Chemiker“, lautet sein Fazit. „Dafür ist die Wissensvermittlung hier sehr breit gefächert und der Blick über den chemischen Tellerrand ist ausdrücklich erwünscht, was ich sehr schätze.“ Fachliche Vertiefungsmöglichkeiten bieten Seminararbeiten und Wahlkurse in der Oberstufe. Schülerinnen und Schülern chemische Zusammenhänge näherzubringen, ist eine der Herausforderungen, denen sich der Lehrer gerne stellt. „Für das Studium entschieden habe ich mich aus Interesse an den Naturwissenschaften. Erst später wurde mir bewusst, dass Wissensvermittlung in erster Linie Arbeiten mit jungen Leuten bedeutet – und das macht mir viel Spaß.“

Versuche anleiten und Lernvideos gestalten

Rund 20 Prozent seiner Unterrichtszeit, schätzt Roland Stadler, entfallen auf praktische Aufgaben, vor allem auf die Vorbereitung von Versuchen. Gerade nimmt er mit einer Schülergruppe am Wettbewerb „Jugend forscht“ teil – zum Thema Herstellung von magnetischen Flüssigkeiten, sogenannten Ferroliquiden. Mit kreativen Ideen bereichert er seinen Unterricht. „Derzeit plane ich, mit meiner zehnten Klasse Bier zu brauen. Und ein Schüler aus der neunten Klasse hat zusammen mit mir ein chemisches Stop-Motion-Märchen verfilmt.“ Als didaktisches Mittel nutzt er auch das Konzept „FlippedClassroom“. „Dafür erstelle ich Lernvideos, die sich die Schüler zu Hause ansehen und deren Inhalt in der Stunde dann nur noch geübt wird.“ Außerdem betreut er Referendare: „Ich helfe den neuen Kolleginnen und Kollegen unter anderem, sich bei der Gestaltung des Unterrichts zu verbessern und in den Beruf hineinzuwachsen.“

Wege in die Chemie

Ein Porträt-Foto von Roland Stadler

Roland Stadler

Foto: Privat

Neben dem Lehrerberuf bieten sich Abiturienten viele weitere Möglichkeiten mit Bezug zum Schulfach Chemie. „Interessierte können sich für eine Ausbildung oder ein Studium in dem Bereich entscheiden“, sagt Stephan Puls von der Agentur für Arbeit Düsseldorf – einer Region, in der viele Chemieunternehmen angesiedelt sind. Angeboten werden duale und schulische Ausbildungen im Bereich Chemie allerdings bundesweit. Dazu zählen unter anderem Chemielaborant/in, Chemisch-technische/r Assistent/in oder Chemikant/in. Mit Medikamenten oder Medizin haben die Berufe Pharmazeutisch-Technische/r Assistent/in (PTA),Pharmakant/in und Medizinisch-technische/r Laboratoriumsassistent/in zu tun.

„Noch vielfältiger sind die Studienmöglichkeiten“, ergänzt der Berufsberater. „Zunächst wäre da die klassische Chemie, die man auf Lehramt oder mit Bachelor-/Masterabschluss studieren kann. Beim Lehramt ist zu beachten, dass in der Regel ein zusätzliches Fach studiert und unterrichtet werden muss.“ Das Lehramtsstudium kann je nach Bundesland unterschiedlich ausgerichtet sein.

Darüber hinaus gibt es spezialisierte Studiengänge oder Schnittstellen-Studiengänge mit Bezug zu anderen Disziplinen. So kann man sich bereits im Bachelorstudium etwa für Bio-, Wirtschafts-, Bau-, Umwelt- oder Lebensmittelchemie entscheiden. „Auch Studiengänge wie Pharmazie und Biotechnologie haben einen hohen Chemieanteil. Eine ingenieurwissenschaftliche Ausrichtung ist ebenfalls möglich, zum Beispiel Verfahrenstechnik, Werkstofftechnik oder Chemieingenieurwesen.“ Hinzu kommen spezielle Studiengänge wie Water Science oder Entsorgungsingenieurwesen sowie duale Studienmöglichkeiten. „Letztere sind aufgrund der hohen Praxisnähe besonders im ingenieurwissenschaftlichen Bereich zu finden“, erklärt Stephan Puls. „Parallel zum Bachelor kann man zum Beispiel einen Ausbildungsabschluss als Verfahrensmechaniker/in erlangen.“ Bei den naturwissenschaftlichen Chemie-Studiengängen indes steht die Forschung im Vordergrund. „Hier ist es daher fast schon Standard, ein Masterstudium und eine Promotion anzuschließen.“

Ein Thema in vielen Branchen

Es wird deutlich, dass die Chemie für viele Disziplinen wesentliche Grundlagen liefert – sei es in der Pharmazie für die Herstellung von Arzneimitteln oder in den Ingenieurwissenschaften für die Entwicklung neuer Materialien. In einigen Branchen wird chemisches Wissen immer wichtiger – besonders in der Kunststoffverarbeitung, im Baugewerbe, im Fahrzeugbau mit seinem steigenden Elektronikanteil sowie in der Elektrotechnik aufgrund des Trends zu Brennstoff- und Solarzellen. Das erläutert die vom Verband der Chemischen Industrie im Jahr 2012 herausgegebene Studie „Die deutsche chemische Industrie 2030“. Entsprechend vielfältig sind die beruflichen Möglichkeiten in der freien Wirtschaft, aber auch in Forschung und Lehre an Hochschulen oder Forschungsinstituten.

Aber wie finden Interessierte den passenden Chemieberuf? „Man sollte systematisch vorgehen und sich unter anderem die Frage stellen, wie man nach dem Studium arbeiten möchte“, sagt Stephan Puls. „Dabei spielen persönliche Neigungen und Fähigkeiten eine Rolle. So setzen Forschung und Labortätigkeiten exaktes Arbeiten und viel Geduld voraus. Arbeit mit gefährlichen Stoffen erfordert Verantwortungsbewusstsein. Ingenieurtätigkeiten verlangen zusätzlich technisches Verständnis und das Lehramt beinhaltet den pädagogischen Umgang mit Schülergruppen.“ Praktika und Gespräche mit Berufsberatern der Arbeitsagenturen können bei der Entscheidungsfindung helfen.

Stabile Lage auf dem Arbeitsmarkt

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Chemieberufen war 2015 leicht rückläufig: Mit rund 289.000 waren es drei Prozent weniger als im Vorjahr. Das teilt Ralf Beckmann vom Team Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit mit. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich kaum verändert und fällt mit rund 9.600 weiterhin sehr gering aus. Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa drei Prozent. Rund 14.000 Stellenangebote wurden im Jahresverlauf gemeldet – fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Das entsprach einem monatsdurchschnittlichen Bestand von 4.000 Stellenangeboten.

Bei den Chemieexperten ist die Entwicklung ähnlich. So sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hier in 2015 leicht auf 39.000 (minus zwei Prozent). Zugleich stieg die Arbeitslosenzahl um ebenfalls zwei Prozent auf 2.700 Arbeitslose. „Bezogen auf die Zahl aller Erwerbspersonen mit einem Studienabschluss der Chemie ergibt sich aber nach wie vor eine sehr geringe Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent“, erläutert Ralf Beckmann. Im Jahresverlauf wurden 1.100 Stellenangebote neu gemeldet, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Im Monatsdurchschnitt standen damit 270 Stellenangebote zur Verfügung. Unter den Chemieexperten sind Chemie- und Pharmaingenieure besonders gefragt, während die Nachfrage nach Chemikern – etwa in der Forschung – eher gering ausfällt.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
Suchwort: Chemie
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer und der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit; hier kannst du nach schulischen Ausbildungen und Studiengängen suchen.
www.kursnet-finden.arbeitsagentur.de

Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI)

www.vci.de

Gesellschaft deutscher Chemiker e.V. (GDCh)

www.gdch.de

Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V. (BAVC)

www.bavc.de

Willst du wissen, welche Studienberufe es in diesem Bereich gibt? Dann schau mal in die abi>> Infomappe 11.1 Biologie, Chemie und Pharmazie in deinem Berufsinformationszentrum (BiZ). Den Online-Katalog zur Auswahl interessanter Mappen gibt es unter www.biz-medien.de/abi

abi>> 27.06.2016

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts