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„Interdisziplinäres Arbeiten spielt eine immer größere Rolle“

Verschiedene chemische Stoffe stehen in Flaschen nebeneinander
Interdisziplinäres Arbeiten in der Chemie wird aufgrund komplexer Fragestellungen immer wichtiger.
Foto: Martin Rehm

Interview

„Interdisziplinäres Arbeiten spielt eine immer größere Rolle“

Was tut sich in der Chemiebranche? Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt im Verband der Chemischen Industrie (VCI), erläutert Trends im Gespräch mit abi».

abi >> Herr Dr. Romanowski, welche Zukunftsfelder und Trends zeichnen sich in der Chemiebranche ab?

Ein Porträt-Foto von Gerd Romanowski

Gerd Romanowski

Foto: René Spalek/VCI

Gerd Romanowski: Die Chemiebranche arbeitet verstärkt an den großen Herausforderungen der Zukunft. So erfordern beispielsweise der weltweit steigende Energiebedarf, aber auch die Energiewende in Deutschland neue Konzepte zur ressourcenschonenden und effizienten Erzeugung, Übertragung, Speicherung und Nutzung von Strom. In der Chemie wird daher beispielsweise an leistungsfähigen Batterien oder auch an der Nutzung von regenerativ erzeugtem Strom zur Herstellung von Wasserstoff und anderen Chemikalien geforscht.
Weitere Zukunftsfelder sind die Erweiterung unserer Rohstoffbasis, die Verbesserung der Ressourceneffizienz, Materialforschung und Digitalisierung. Gerade neue Werkstoffe werden dazu beitragen, Lösungen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu entwickeln – zum Beispiel immer effizientere organische Leuchtdioden oder Dünnschichtsolarzellen. Hightech-Werkstoffe wie Carbonfasern oder moderne Klebstoffe gehören ebenso dazu, zum Beispiel für den Automobil- und Flugzeugbau. Auch die Medizintechnik kommt nicht ohne neuartige Materialien aus. Hier stehen neue Arzneimittel und die individualisierte Medizin im Mittelpunkt der Forschung.

abi >> Wie könnten sich diese Entwicklungen auf Berufsbilder und Studiengänge auswirken?

Gerd Romanowski: Interdisziplinäres Arbeiten in der Chemie spielt eine immer größere Rolle. Denn die Komplexität moderner Technologien nimmt weiter zu. Viele Fragen können heute überhaupt nur durch interdisziplinäre Ansätze gelöst werden. Die Ausbildung von Chemikern geht deshalb immer stärker in die Richtung, zusammen mit Nachbardisziplinen, wie Mikrobiologie, Physik, Biologie und Informationstechnik, erfolgreiche Lösungen zu erarbeiten.

abi >> Welche wesentlichen Kenntnisse und Anforderungen werden dabei relevant sein?

Gerd Romanowski: Voraussetzung sind zunächst einmal sehr gute Fachkenntnisse in Chemie und den benachbarten Disziplinen. Gefragt sind aber auch sogenannte Soft Skills. Dazu zählen beispielsweise Teamfähigkeit und soziale Kompetenz. Zudem müssen sich Forscher in fachfremde Themen einarbeiten können. Das setzt eine gute Allgemeinbildung voraus. Zunehmend wichtig für Absolventen naturwissenschaftlicher und technischer Studiengänge ist außerdem ein gutes Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge und Entwicklungen, ohne die heute auch in wissenschaftlich-technischen Bereichen nicht mehr erfolgreich gearbeitet werden kann. Auch gute Fremdsprachenkenntnisse sind ein Muss.

abi>> 27.06.2016