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Kulturelles Fingerspitzengefühl gefragt

Eine junge Frau schreibt arabische Schriftzeichen an die Tafel eines Seminarraums.
Als Teilgebiet der Orientalistik beschäftigt sich die Arabistik mit der arabischen Sprache, Literatur und Kultur.
Foto: Daniel Löb

Ich will was machen mit Fremdsprachen

Kulturelles Fingerspitzengefühl gefragt

Russisch, Spanisch oder doch lieber Chinesisch? Deutsche Hochschulen bieten zahlreiche Studiengänge für Sprachenfans. Neben der Sprache stehen meist die Kultur und Literatur des jeweiligen Landes im Vordergrund.

Kyrillische Buchstaben, ein anderer Sprachbau als im Deutschen, viele Zischlaute – auf den ersten Blick wirkt Russisch schwer zu erlernen. „Aber es ist eine Sprache wie jede andere auch. Je mehr Übung man hat, umso leichter wird es“, sagt Tony Müller. Der Bachelorstudent spricht aus eigener Erfahrung. Bereits in der Schule belegte er Russisch als Wahlfach und absolvierte die erste Stufe des TRKI-Tests. Dieses Zertifikat ist ein international anerkannter Nachweis über russische Fremdsprachenkenntnisse. Mittlerweile studiert er Russistik mit Philosophie im Nebenfach an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Russischkenntnisse sind keine Voraussetzung für das Studium. Stattdessen gibt es die Möglichkeit, zu Beginn einen Vorbereitungskurs zu belegen. Im Laufe des Studiums erreicht man dann verschiedene Sprachniveaus. „Man wird Schritt für Schritt an die Sprache herangeführt. Nach dem Vorbereitungskurs wird dann in den Veranstaltungen, vor allem in der Sprachpraxis, mehr und mehr in der Zielsprache gesprochen.“
Gemeinsam organisieren die Studierenden regelmäßig Theateraufführungen auf Russisch und haben einen russischen Chor gegründet, in dem auch Tony Müller singt. „Da unser Fach nicht so stark nachgefragt ist wie beispielsweise Anglistik oder Romanistik, sind unsere Hörsäle weniger überfüllt und es ist leichter, an ein Stipendium zu kommen. Wir haben ein sehr persönliches Verhältnis zu unseren Dozenten, das schätze ich sehr“, sagt der 22-Jährige, der nach seinem Studium gerne einen Russisch-Master anschließen will.

Ein Porträt-Foto von Tony Müller

Tony Müller

Foto: Privat

Mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes DAAD war Tony Müller bereits in Tscheljabinsk. Nun fährt er privat nach St. Petersburg, um dort humanitäre Hilfe zu leisten. Im Herbst nimmt er in Moskau am Deutsch-Russischen Jugendparlament teil. „Die Reisen bieten eine tolle Möglichkeit, verschiedene Organisationen kennenzulernen, die auch als spätere Arbeitgeber infrage kommen.“

Mehr als Vokabeln lernen

Fremdsprachenkenntnisse sind heute in sehr vielen Berufen gefragt. „Oft sind sie keine Kernkompetenz, sondern sprachliches Mittel, um sich mit ausländischen Kunden oder Mitarbeitern verständigen zu können“, sagt Martina Ibold, Beraterin für akademische Berufe der Agentur für Arbeit in Duisburg. So erwarten beispielsweise viele Industrieunternehmen, Reisebüros und Reiseveranstalter, Hotels mit internationalem Gästeaufkommen, Logistikunternehmen oder Unternehmen des Groß- und Außenhandels gute Kenntnisse in den gängigen Fremdsprachen. Aber auch Ingenieure und Naturwissenschaftler müssen sich in internationalen Teams mit Kollegen aus aller Welt verständigen können. „Englisch ist die Nummer Eins, Französisch und Spanisch folgen danach. Gern gesehen sind zum Beispiel auch Russisch, Polnisch oder Chinesisch, da viele Unternehmen wichtige Handelsbeziehungen zu den entsprechenden Ländern unterhalten. Hier ist außerdem kulturelles Fingerspitzengefühl gefragt, da die Umgangsformen und das Kommunikationsverhalten je nach Kulturraum ganz verschieden sein können.“

Ein Porträt-Foto von Lars Schüler

Lars Schüler

Foto: Privat

Die Auswahl an fremdsprachlichen Studiengängen ist groß und reicht von Anglistik, Romanistik, Slawistik und Niederländisch über Sinologie bis hin zu Latein. Mit dem Schulunterricht haben sie jedoch wenig zu tun, Vokabeln pauken und Grammatik lernen sind nur ein Teil des Studiums. „Meist stehen die Literatur des jeweiligen Sprachraums, die Sprachentwicklung und landeskundliche Fragen im Mittelpunkt“, sagt Martina Ibold. Die meisten europäischen Sprachen können auch auf Lehramt studiert werden. „Wer eine Fremdsprache ohne Lehramtsabschluss studiert, ist gefordert, sich idealerweise schon während des Studiums über Praktika und Zusatzqualifikationen den Arbeitsmarkt zu erschließen.“ Eine weitere Möglichkeit ist ein Dolmetscher- oder Übersetzerstudium. Ausbildungsberufe, in denen die Anwendung einer Fremdsprache im Mittelpunkt steht, sind zum Beispiel Fremdsprachenkorrespondent, kaufmännischer Assistent beziehungsweise Wirtschaftsassistent im Bereich Fremdsprachen sowie schulisch ausgebildeter Übersetzer oder Dolmetscher. Auch Wirtschafts- und Ingenieurstudiengänge bieten gute Möglichkeiten, Fremdsprachen zu integrieren. Neben Studienfächern wie „Business Administration“ und „International Management“, die Lehrveranstaltungen mit hohem Fremdsprachenanteil beinhalten, gibt es auch bi- oder trinationale Studiengänge mit Studienphasen im Ausland und Doppelabschlüssen an der deutschen und ausländischen Partnerhochschule. Ob ein Beruf mit Sprachen das Richtige für einen ist, kann man zum Beispiel während eines Auslandsaufenthalts herausfinden.

„Die Wahrscheinlichkeit, eine Anstellung in einem europäisch oder global operierenden Unternehmen zu bekommen, ist heutzutage sehr hoch. In diesen Betrieben stehen viele Beschäftigte in einem engen schriftlichen und mündlichen Kontakt mit ihren ausländischen Kolleginnen und Kollegen“, sagt Lars Schüler vom Fachverband Moderne Fremdsprachen Niedersachsen. „Wichtig für einen Beruf mit Fremdsprachen ist die Einsicht, dass die andere Sprache beziehungsweise Kultur manchmal andere Wege geht, und das Vermögen, diese Wege gehen zu wollen und zu können – zum Beispiel beim für die englischsprachige Kultur typischen Smalltalk.“

Den Berufseinstieg durch Zusatzqualifikationen erleichtern

„Insgesamt hat sich der Arbeitsmarkt für Sprachwissenschaftler zwar positiv entwickelt, er stellt sich aber dennoch nicht unproblematisch dar“, sagt Susanne Lindner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der erwerbstätigen Sprachwissenschaftler ist im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 165.800 gestiegen. Dabei ist vor allem die Zahl der abhängig Beschäftigten gewachsen (plus 14 Prozent). Die Zahl der selbstständigen Sprachwissenschaftler ist zwar rückläufig, dennoch ist nach wie vor knapp jeder Fünfte als Selbstständiger tätig. „Auch wenn die Einsatzfelder für Sprachwissenschaftler vielfältig sind, fällt der Berufseinstieg häufig nicht ganz leicht, da sich nur wenige Stellenangebote ausdrücklich beispielsweise an Anglisten oder Romanisten richten“, erklärt die Arbeitsmarktexpertin. Die Arbeitslosigkeit fällt daher insbesondere in der ersten Zeit nach dem Studium bei Sprachwissenschaftlern höher aus als in anderen Fachrichtungen. „Eine frühzeitige berufliche Orientierung sowie zusätzliche Qualifikationen wie zum Beispiel betriebswirtschaftliche Kenntnisse und einschlägige Praktika sind deshalb besonders wichtig für den erfolgreichen Berufseinstieg.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Fremdsprachen)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: Fremdsprachen)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Lernbörse exklusiv

Die Lernbörse der Bundesagentur für Arbeit bietet u.a. Lernmedien zu Sprachen wie Englisch und Französisch und eine Lerneinheit zu interkultureller Kompetenz für zahlreiche Länder wie zum Beispiel China. Nach Abschluss der Lerneinheiten kann man sich ein Zertifikat ausdrucken, das beispielsweise für Bewerbungsunterlagen genutzt werden kann.
www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/BuergerinnenUndBuer-ger/Weiterbildung/ELearning/LERNBOeRSEexklusiv/index.htm

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BÜ)

Der Verband informiert über die zwei unterschiedlichen Berufsbilder und bietet eine Übersicht über aktuelle Stellenangebote.
www.bdue.de

Deutscher Akademische Austauschdienst (DAAD)

Der DAAD fördert Auslandsaufenthalte von Studierenden.
www.daad.de

abi>> 21.09.2015