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Wege in die internationale Arbeitswelt

Kings College (Cambridge University)
Ein Studium mit Fremdsprachenbezug vermittelt auch Kenntnisse über die Länder, in denen die Sprache gesprochen wird.
Foto: Sonja Trabandt

Ich will was machen mit Fremdsprachen – Hintergrund

Wege in die internationale Arbeitswelt

Ob Englisch, Russisch oder Französisch – in unserer globalisierten Welt sind gute Fremdsprachenkenntnisse wichtig. Dementsprechend werden in vielen Tätigkeitsfeldern Fachkräfte mit hoher Sprachkompetenz gesucht. abi>> zeigt, welche Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten es gibt.

Nach ihrem Abitur wusste Joanna Roth, dass sie Anglistik studieren wollte. Ein Studium auf Lehramt kam für sie zwar nicht infrage, allerdings konnte sie sich vorstellen, Erwachsene zu unterrichten. Der Bachelorstudiengang „Neuere Fremdsprachen und Fremdsprachendidaktik“ an der Justus-Liebig-Universität Gießen war daher genau das Richtige für die heute 25-Jährige. Hierbei erwerben die Studierenden Kenntnisse in mindestens zwei Fremdsprachen und befassen sich mit Kultur und Literatur der Länder, in denen diese Sprachen gesprochen werden. Darüber hinaus werden Kenntnisse der Didaktik vermittelt. Die Absolventen sollen in der Lage sein, im Bereich der nachschulischen Erwachsenenbildung Fremdsprachenwissen auf hohem Niveau zu vermitteln. „Während der Infotage der Uni Gießen erfuhr ich mehr über dieses Studium und dachte sofort, dass die Didaktik-Komponente eine spannende Zusatzqualifikation ist“, erzählt Joanna Roth. „Das Studium ist aufgeteilt in ein Hauptfach und zwei Nebenfächer. Ich wählte Anglistik als Hauptfach, als Nebenfächer hatte ich Englische Didaktik und Spanisch.“ Im Hauptfach standen Sprachpraxis-, Literatur- und Linguistikmodule auf dem Lehrplan, zusätzlich wurden Kenntnisse der Fachdidaktiken vermittelt. Im fünften Semester müssen die Studierenden ein Pflichtsemester im Ausland absolvieren. Joanna Roth verbrachte die Zeit an einer Partneruni in Sydney.

Ein Porträt-Foto von Joanna Roth

Joanna Roth

Foto: privat

Pflicht sind zudem didaktische Praktika bei einem Träger für Erwachsenenbildung. Joanna Roth war am Zentrum für fremdsprachliche und berufsfeldorientierte Kompetenzen (ZfbK) tätig, das an die Uni Gießen angeschlossen ist. „Wir haben die Englischkurse ‚Academic Writing‘ und ‚Writing Skills‘ mitbetreut und durften jeweils zwei Schulstunden selbst unterrichten“, erinnert sie sich.

Nach dem Bachelor möchte die 25-Jährige ein Masterstudium anschließen. „Mein Herz schlägt für die englische Sprache, deshalb habe ich mich bereits für den Studiengang ‚Anglophone Studies‘ beworben. Gerne würde ich auch wieder für längere Zeit ins englischsprachige Ausland gehen.“

Breite Auswahl

Ein Porträt-Foto von Judith Blumenberg

Judith Blumenberg

Foto: privat

Die Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten im Bereich Fremdsprachen sind sehr vielfältig. „Dazu gehören etwa Berufe, in denen eine Fremdsprache im Zentrum steht, wie etwa bei Fremdsprachenkorrespondenten, Übersetzern, Dolmetschern, Sprachwissenschaftlern oder auch im Lehramt“, berichtet Judith Blumenberg, Berufs- und Studienberaterin der Agentur für Arbeit Erfurt. „Dann gibt es inzwischen auch viele Berufe, in denen Fremdsprachenkenntnisse als Zusatzqualifikation eine wichtige Rolle spielen.“

Für klassische Sprachberufe muss in der Regel ein Studium absolviert werden. „Abiturienten sollten sich bei ihrer Studienwahl überlegen, welche Sprache und welcher Kulturraum sie interessiert, ob sie sich lieber mit Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Linguistik befassen oder ob sie Sprachen unterrichten möchten“, empfiehlt die Beraterin. Sprachwissenschaftler – etwa Anglisten oder Romanisten – sind nicht auf ein bestimmtes Berufsziel ausgerichtet, vielmehr bietet sich ein sehr breites Tätigkeitsfeld, welches sich jeder aber erst einmal erschließen muss. „So arbeiten viele in Kultureinrichtungen, in der Forschung, in der Lehre oder als freiberufliche Übersetzer, PR-Berater und Verlagslektoren“, erläutert Judith Blumenberg.

Auch wer eine andere Fachrichtung einschlagen möchte, benötigt heutzutage oft Fremdsprachenkenntnisse – das gilt beispielsweise für Ingenieure, Wirtschaftsexperten oder Absolventen einer dualen Ausbildung im kaufmännischen Segment. „Die freie Wirtschaft wird immer globaler, daher ist es von Vorteil, wenn man sich über seine Muttersprache hinaus ausdrücken kann“, ergänzt die Berufs- und Studienberaterin. In Berufen, in denen Fremdsprachenkenntnisse als Zusatzqualifikation eine wichtige Rolle spielen, sind die Verdienstmöglichkeiten oftmals höher als in klassischen Sprachberufen und auch der Berufseinstieg gelingt in der Regel leichter, weiß Judith Blumenberg. Geistes- und Kulturwissenschaftler hätten es auf dem Arbeitsmarkt schwerer, wenn sie nicht früh genug ein eigenes Profil entwickeln. „Aber wenn sie rechtzeitig praktische Erfahrungen sammeln, persönliche Netzwerke knüpfen und gegebenenfalls Zusatzqualifikationen erwerben, können sie Firmen von ihren Stärken überzeugen.“

Interkulturelles Wissen

Ein Porträt-Foto von Ulrike C. Lange

Ulrike C. Lange

Foto: privat

„Gute Englischkenntnisse allein reichen heutzutage nicht mehr aus“, ergänzt Ulrike C. Lange, stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer, die dem Gesamtverband Moderner Fremdsprachen angehört. „Es ist vorteilhaft, wenn man noch weitere Fremdsprachen beherrscht.“ So sei in den vergangenen Jahren das Angebot an bi- und trilingualen Studiengängen gestiegen. „Französischkenntnisse sind sehr wichtig und hilfreich, da Deutschland und Frankreich ihre Handelsbeziehungen stetig weiter ausbauen.“

Auf dem Arbeitsmarkt haben in den Augen der Expertin Absolventen interdisziplinärer Studiengänge bessere Chancen als reine Sprachwissenschaftler. „Tendenziell werden vor allem Fachkräfte gesucht, die eine Sprache mit Jura, Wirtschaft oder Ingenieurwesen kombiniert haben.“ Auch von Naturwissenschaftlern, die regelmäßig mit internationalen Kollegen zusammenarbeiten, werden heutzutage gute Fremdsprachenkenntnisse erwartet. „In den meisten Tätigkeitsfeldern ist ein interkulturelles Verständnis ebenso wichtig, um beispielsweise in Verhandlungssituationen Missverständnisse zu vermeiden“, betont Ulrike C. Lange. „Fachkräfte können hierfür an speziellen Schulungen teilnehmen.“

Viele Freiberufler

Der Arbeitsmarkt für Sprachwissenschaftler, Übersetzer und Dolmetscher hat sich zwar positiv entwickelt, dennoch ist er nicht unproblematisch. „Die Zahl der Erwerbstätigen ist in den vergangenen Jahren gestiegen – besonders bei den Dolmetschern ist ein Anstieg zu verzeichnen, was auch mit der Flüchtlingszuwanderung zusammenhängen dürfte“, resümiert Ilona Mirtschin vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit. Ein Großteil der Absolventen arbeitet auf selbstständiger Basis, daher spiegeln die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zu Arbeitslosen und gemeldeten Stellen nur einen Ausschnitt wider. „Demnach gab es 2016 insgesamt 4.200 arbeitslose Sprachwissenschaftler und Dolmetscher in Deutschland“, ergänzt Ilona Mirtschin.

Die Zahl der gemeldeten Stellenangebote, die sich explizit an Sprachwissenschaftler und Dolmetscher wenden, bleibt mit knapp 300 Angeboten im Jahr 2016 auf niedrigem Niveau. „Auch aus diesem Grund sind für Berufseinsteiger eine frühzeitige berufliche Orientierung, Flexibilität und Mobilität wichtig, um sich erfolgreich am Arbeitsmarkt zu etablieren“, berichtet Ilona Mirtschin.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ)

Der BDÜ repräsentiert rund 80 Prozent aller organisierten Übersetzer und Dolmetscher in Deutschland.
www.bdue.de

Gesamtverband Moderne Fremdsprachen

Dachverband der deutschen Fremdsprachenverbände
www.gmf.cc

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden
www.daad.org

Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen

www.europaeischer-referenzrahmen.de

abi>> 06.11.2017

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