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Mit Dreisatz oder komplexen Zahlen

Jemand bedient einen Taschenrechner und macht sich dabei Notizen.
Berufe mit Mathematik erfordern Ausdauer und logisches Denken.
Foto: Martin Rehm

Ich will was machen mit Mathematik

Mit Dreisatz oder komplexen Zahlen

Wer im Mathematikunterricht zur Höchstform aufläuft, gerne knobelt und Beweise führt, könnte das Fach auch beruflich anvisieren. Eine Ausbildung oder ein Studium mit Mathematik kann das Sprungbrett in interessante und vielfältige Aufgabenbereiche sein.

Ob an der Kasse im Supermarkt, in der Architektur oder an der Börse: In nahezu allen Lebensbereichen spielen Zahlen, Stochastik, Algebra oder Geometrie in irgendeiner Form eine Rolle. Zunehmend setzen auch Abiturientinnen und Abiturienten auf das Hauptfach. „Das Interesse an Berufen mit Mathe wächst“, stellt Rolf Dörr fest, Berater für Abiturienten und Hochschüler bei der Arbeitsagentur Mönchengladbach. Um unter den vielen Zugangswegen den passenden zu finden, hinterfragt er gemeinsam mit Interessierten zunächst, wie groß die Leidenschaft für Zahlen tatsächlich ist. Denn es gibt Berufe, in denen Mathematik zentral ist und solche, wo sie als Hilfswissenschaft dient und als Grundkompetenz erwartet wird. „Für ein reines Mathematikstudium sollten sich nur ‚Mathe-Cracks‘ entscheiden. Alternativ gibt es zahlreiche Studiengänge und mehrere Ausbildungen, bei denen man viel rechnet – aber eben nicht nur“, sagt der Berufsberater.

„Mathematiker sind gefragt“

Ein Porträt-Foto von Rolf Dörr

Rolf Dörr

Foto: Privat

Die Studienmöglichkeiten, bei denen Mathematik im Zentrum steht, reichen vom reinen Mathematikstudium bis hin zu Spezialisierungen wie Technomathematik, Wirtschaftsmathematik oder Statistik, die sich häufig auch als Masterstudium anbieten. Die Absolventen können in unterschiedlichen Bereichen tätig werden. „Mathematiker sind an Hochschulen und in der Forschung sowie in der freien Wirtschaft gefragt“, sagt Rolf Dörr. „In Frage kommen besonders Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnik, genauso wie Versicherungen, Banken, Markt- und Meinungsforschungsinstitute oder Unternehmensberatungen.“

Wer das Fach anderen näherbringen möchte, kann sich für ein Lehramtsstudium entscheiden. Hier wird Mathematik in Kombination mit mindestens einem weiteren Fach studiert. Unabhängig von der gewählten Schulform ist die Begeisterung für die Materie ebenfalls Voraussetzung. „Viele meinen, dass man beim Grundschullehramt ausschließlich mit der leichteren Mathematik zu tun hat. Das ist ein Trugschluss, denn wer Mathe unterrichtet, muss die Mathematik in ihrer Gesamtheit verstehen“, gibt der Berufsberater zu bedenken.

In vielen anderen Studiengängen dient Mathematik vor allem als Hilfswissenschaft, wobei die Grenzen oftmals fließend sind. „So nimmt die Mathematik in den ersten Semestern eines Informatikstudiums großen Raum ein, was oft unterschätzt wird“, erklärt der Berufsberater. „Und auch in den Ingenieurwissenschaften geht der Mathe-Anteil häufig über Grundlagen hinaus.“ Wer praktisch orientierte Fragestellungen mithilfe mathematischer Methoden lösen möchte, für den kommen anwendungsorientierte Studiengänge wie Elektrotechnik, Maschinenbau oder Bauingenieurwesen infrage. Daneben gibt es Studienfächer, die Abiturienten nicht unbedingt mit Mathematik in Verbindung bringen, die aber dennoch einen Matheanteil aufweisen. Dazu zählen Psychologie und Soziologie, Betriebs- und Volkswirtschaftslehre sowie naturwissenschaftliche Studiengänge wie Physik, Chemie, Biologie, Pharmazie und Medizin.

MATSE & Co.: Ausbildung als Alternative

Wer sich anstelle eines Studiums für eine Ausbildung mit Mathematik entscheidet, kann beispielsweise Mathematisch-technische/r Software-Entwickler/in (MATSE) werden. Der Abschluss eröffnet unter anderem Wege in Ingenieurbüros, IT-Firmen oder die Automobilbranche. Außerdem spielt Mathematik in IT-Berufen wie Fachinformatiker/in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung eine große Rolle. Aber auch Bank-, Büro- und Industriekaufleute, Groß- und Außenhandelskaufleute oder Kaufleute für Versicherungen und Finanzen sollten den Umgang mit Zahlen beherrschen.

Die Interessen und Fähigkeiten, die Abiturienten für einen Beruf mit Mathematik mitbringen sollten, liegen mehr oder minder auf der Hand: logisches Denkvermögen und auch Ausdauer, die Wege zu mathematischen Lösungen oftmals erfordern. Hinzu kommen Kompetenzen, die vom jeweiligen Bereich abhängen. So sollte ein Lehrer mit Menschen umgehen können, während im Maschinenbau technisches Verständnis besonders wichtig ist.

Offen für viele Bereiche

Die analytischen Kompetenzen von Mathematikern sind in vielen Tätigkeitsfeldern gefragt. Berufseinsteigern bieten sich also gute Perspektiven. „Allerdings richten sich nur sehr wenige Stellenangebote explizit an Mathematiker“, weiß Susanne Lindner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Vielmehr arbeiten Mathematikabsolventen in verschiedenen Berufsfeldern, in denen sie ihre analytischen Fähigkeiten einsetzen können.

Für die Mathematisch-technischen Softwareentwickler (MATSE) zeigt sich derzeit ein uneinheitliches Bild. Im Jahr 2014 zählte die Beschäftigtenstatistik der BA hier rund 16.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und damit einen Zuwachs von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig ist aber die Arbeitslosigkeit unter den MATSE-Fachkräften gestiegen und die Stellenmeldungen sind leicht zurückgegangen.

Wer noch unsicher ist, ob er für einen Beruf mit Mathematik geeignet ist, kann seine Fähigkeiten testen – und das bereits während der Schulzeit. Hier helfen zum Beispiel die Arbeitsagenturen mit einem studienfeldbezogenen Beratungstest (SFBT) weiter. Vor Studienbeginn loten manche Hochschulen außerdem die Fähigkeiten vorab aus. „In Baden-Württemberg grundsätzlich oder in Nordrhein-Westfalen etwa an der RWTH Aachen ist ein Eignungstest Pflicht“, zählt Rolf Dörr auf. „Außerdem kann ein Mathevorkurs vor Studienbeginn vorausgesetzt werden; ein solcher Kurs ist aber auch freiwillig durchaus sinnvoll. Eine weitere Möglichkeit ist ein Schnupperstudium.“ Oder man kann seine Fähigkeiten bei der Mathematik-Olympiade unter Beweis stellen, die jährlich bundesweit veranstaltet wird.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild (Suchwort: Mathematik)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen. (Suchwort: Mathematik)
www.kursnet.arbeitsagentur.de

JOBBÖRSE

Die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

www.mathematik.de

Ein Angebot der Deutschen Mathematiker-Vereinigung.
www.mathematik.de

Deutsche Mathematiker-Vereinigung e. V.

Das Portal der Deutschen Mathematiker-Vereinigung bietet Informationen rund um die Mathematik.
www.dmv.mathematik.de

Mathematik-Olympiaden

Ein bundesweiter Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 3 bis 13 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.
www.mathematik-olympiaden.de

abi>> 26.11.2015