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Knobeln und Beweise führen

Junger Mann posiert auf dem Campus der Universitaet Augsburg vor Wandtafel mit mathematischen Formeln.
Mathematiker haben vielseitige Berufsmöglichkeiten, die etwa vom Lehramt bis zur Arbeit in der freien Wirtschaft reichen.
Foto: Johannes Simon

Ich will was machen mit Mathematik

Knobeln und Beweise führen

Algebra, Geometrie, Stochastik: Für alle, die sich schon während der Schulzeit am liebsten mit Zahlen, Grafiken und Wahrscheinlichkeiten beschäftigen, kann eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich Mathematik genau das Richtige sein. Dabei sind die beruflichen Wege vielseitiger, als viele meinen.

Auch für Chiara Fend war Mathematik das Lieblingsfach in der Schule. „In der Oberstufe habe ich an Modellierungswochen des Felix-Klein-Zentrums für Mathematik in Kaiserslautern teilgenommen. Ich habe gemerkt, dass es bei Mathe um viel mehr als Rechnen geht und in vielem ein bisschen davon steckt. Damit stand mein Studienwunsch fest“, erinnert sich die 21-Jährige. Sie schrieb sich für den Bachelorstudiengang Mathematik an der Technischen Universität (TU) Kaiserslautern ein und hat inzwischen das vierte Semester erreicht.

Programmieren und Modellieren

Ein Porträt-Foto von Chiara Fend

Chiara Fend

Foto: privat

Nachdem sich das erste Studienjahr hauptsächlich um das Vertiefen mathematischer Grundlagen dreht, gibt es ab dem dritten Semester verschiedene Wahlmöglichkeiten. „Ich habe zum Beispiel die Module Differentialgleichungen, Vektoranalysis, Topologie, Zahlentheorie, Funktionalanalysis sowie Maßtheorie belegt“, zählt Chiara Fend auf. Hinzu kommen Kenntnisse der praktischen Mathematik, wo es darum geht, Probleme aus Wissenschaft und Technik mittels mathematischer Verfahren zu lösen. „Hier konnte ich drei der vier Vorlesungen zu Computeralgebra, Optimierung, Stochastik und Numerik wählen.“

Mit Beginn des dritten Studienjahrs erfolgt für die Studentin nun schließlich die Spezialisierung auf einen der großen Themenbereiche Algebra, Analysis & Stochastik, Technomathematik oder Wirtschaftsmathematik. „Nach dem Bachelorabschluss möchte ich dann mit dem Masterstudiengang Mathematics International hier an der TU Kaiserslautern beginnen. Anschließend kann ich mir vorstellen, in die Forschung zu gehen und wahrscheinlich auch zu promovieren“, blickt Chiara Fend in die Zukunft.

Vielseitige Perspektiven

Man muss kein Ausnahmetalent wie der Bonner Mathematik-Professor Peter Scholze sein, der kürzlich mit der Fields-Medaille einen der begehrtesten Preise seines Fachs erhielt, um in der Mathematik Fuß zu fassen. Dennoch stellt sich für interessierte Abiturienten die Frage, welche beruflichen Einsatzfelder es rund um die Mathematik gibt und welche persönlichen und fachlichen Voraussetzungen sie für ein entsprechendes Studium oder eine betriebliche oder schulische Ausbildung mitbringen sollten.

Die Antwort kennt Reinhard Krämer von der Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens. „An den deutschen Hochschulen gibt es neben dem klassischen Studium der Mathematik noch weitaus mehr Angebote“, weiß der Berufsberater. „Dazu gehören etwa Angewandte Mathematik, Biomathematik, Finanzmathematik, Wirtschaftsmathematik, Technomathematik oder Statistik.“

Mathematik als Kern- oder Basiskompetenz

Ein Porträt-Foto von Reinhard Krämer

Reinhard Krämer

Foto: privat

Studierende der Mathematik erlernen Methoden, um alle möglichen Phänomene und Probleme abstrakter, naturwissenschaftlicher, technischer oder wirtschaftlicher Art in der Sprache der Mathematik zu erfassen und zu lösen. „Daraus resultieren vielseitige berufliche Perspektiven in Wissenschaft und Lehre, Forschung und Entwicklung, Informationstechnik und Telekommunikation, Logistik und Verkehr, im Banken- und Versicherungswesen, in der Unternehmensberatung sowie im Lehramt“, erklärt Reinhard Krämer.

Außerdem seien mathematische Kenntnisse in vielen weiteren Studiengängen und Berufen unverzichtbar, wie der Berufsberater erläutert: „Das Spektrum reicht von den mathematischen Grundlagen der Informatik, der Naturwissenschaften wie Physik, Chemie oder Biologie sowie der ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Disziplinen wie Maschinenbau, Elektrotechnik oder Betriebswirtschaftslehre bis zu den statistischen Methoden der Psychologie, Politologie und Soziologie.“

Aber auch in verschiedenen betrieblichen und schulischen Ausbildungsberufen werden gute mathematische Kenntnisse verlangt. „Zum Beispiel in den IT-Berufen Fachinformatiker, IT-System-Elektroniker, IT-System-Kaufmann und Informatikkaufmann. Ähnliches gilt für Geomatiker, die geografische Daten erheben und digital verarbeiten, Mathematisch-technische Assistenten oder Auszubildende in den Laborberufen. Darüber hinaus sind auch in handwerklichen, technischen und kaufmännischen Ausbildungsberufen mathematische oder zumindest rechnerische Grundfertigkeiten Voraussetzung.“

Problemlöser sind gefragt

Wer sich für ein Mathematikstudium interessiert, sollte Freude an logischem, abstraktem Denken und Begeisterung für die stringente Beweisführung mathematischer Sätze mitbringen. „Mathematik kann als eine Art Hochleistungssport betrachtet werden, der Geduld, Hartnäckigkeit, Konzentrationsfähigkeit und Präzision erfordert“, fasst Reinhard Krämer abschließend zusammen. Zahlreiche Wettbewerbe, wie etwa der Bundeswettbewerb Mathematik, bieten vorab die Möglichkeit das eigene Talent und Interesse zu testen.

Wie gut die Arbeitsmarktchancen in der Mathematik sind, unterstreicht Claudia Suttner vom Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit: „Der Arbeitsmarkt ist sehr aufnahmefähig, weil die analytischen Kompetenzen von Mathematikern und Statistikern in vielen Tätigkeitsfeldern gefragt sind. Rund 111.000 Erwerbstätige verfügten 2016 über einen Studienabschluss in Mathematik oder Statistik. Das waren über ein Drittel mehr als zehn Jahre zuvor. Die Arbeitslosigkeit ist mit einer Arbeitslosenquote um die drei Prozent sehr gering.“

Allerdings richten sich nur sehr wenige Stellenangebote explizit an Mathematiker. Im Laufe des Jahres 2017 wurden insgesamt nur knapp 700 Stellenangebote gemeldet. Kennzeichnend sei deshalb, dass ein Großteil der Mathematiker in den Berufsfeldern Lehre und Forschung, Unternehmensführung und -organisation, Informations- und Kommunikationstechnik oder technische Entwicklung und Produktion arbeite. „Es empfiehlt sich daher flexibel zu sein und bereits frühzeitig im Studium Praxisluft zu schnuppern“, betont Claudia Suttner. „Hierzu bieten sich Projekte an der Hochschule und Kooperationen mit Unternehmen oder die Mitarbeit als Praktikant oder Werkstudent an.“

Weitere Informationen

berufsfeld-Info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit zu Ausbildung, Studium und Weiterbildung
www.berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchwort: Mathematik)
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. (Suchwort: Mathematik)
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Bundeswettbewerb Mathematik

www.mathe-wettbewerbe.de/bwm/

Deutsche Mathematiker-Vereinigung e.V.

www.mathematik.de

Mathematik-Olympiade

www.mathematik-olympiaden.de

 

abi>> 03.10.2018