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„Wer offen für viele Bereiche ist, hat gute Chancen“

Detail: Studentin untersucht ein Armmodell mit dem Ultraschallsensor.
Eine der derzeit innovativsten Branchen, in der auch Physiker gefragt sind, ist die Medizintechnik.
Foto: Axel Jusseit

Interview

„Wer offen für viele Bereiche ist, hat gute Chancen“

Im Interview zeichnet Dr. Udo Weigelt, Vorstand für Industrie, Wirtschaft und Berufsfragen bei der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), Trends im Bereich Physik nach und nennt entsprechende Qualifikationen, die Berufseinsteiger mitbringen sollten.

abi>> Herr Dr. Weigelt, wie stellt sich derzeit der Arbeitsmarkt für Physiker/innen dar?

Udo Weigelt: Nach der Arbeitsmarktstudie für Physiker der DPG von 2013 sowie aktuellen Erkenntnissen ist ungefähr ein Viertel der Hochschulabsolventen im Erwerbsberuf Physiker tätig. Das bedeutet, so viele haben unmittelbar mit Physik zu tun und arbeiten beispielsweise an Forschungsinstituten oder Hochschulen. Die verbleibenden drei Viertel gehen in die freie Wirtschaft, haben dort etwa in Branchen wie Maschinenbau oder Elektronik mit Forschung und Entwicklung zu tun oder sind in ganz anderen Berufsgebieten tätig.

abi>> Zeichnen sich Bereiche ab, in denen Physiker/innen zunehmend gefragt sind?

Udo Weigelt: Die Gewichtung, die ich beschrieben habe, ist nach wie vor ziemlich konstant, jedoch sieht es in den einzelnen Branchen unterschiedlich aus. So sorgte vor einigen Jahren etwa der Boom von Smartphones für eine erhöhte Nachfrage an Physikern in diesem Bereich. Was künftig kommt, lässt sich schwer vorhersagen. Das derzeit innovativste Gebiet, in dem auch Physiker gefragt sind, ist die Medizintechnik.

abi>> Was sollten Absolventen im Bereich Physik grundsätzlich mitbringen?

Ein Porträt-Foto von Dr. Udo Weigelt

Dr. Udo Weigelt

Foto: privat

Udo Weigelt: Von einem Physiker wird in jedem Fall eine ausgeprägte methodische Vorgehensweise erwartet, etwa beim Lösen von Problemen. Der Vorteil eines Physikstudiums liegt darin, dass man sehr viel Methodik lernt. Gleiches gilt für logisches Denken. Denn zum Verständnis der Physik braucht es fundiertes Wissen in Mathematik. Dies wiederum lässt sich in vielen Berufen anwenden. Ich selbst bin zum Beispiel inzwischen Patentanwalt. Genauso gibt es Physiker, die als Unternehmensberater oder bei Banken arbeiten.

abi>> Gibt es Qualifikationen, die man unbedingt vorweisen sollte?

Udo Weigelt: Ein absolutes Muss ist gutes Englisch als Sprache der Wissenschaft und Wirtschaft. Zudem erwarten Arbeitgeber von Physikern in der Regel einen Masterabschluss, in bestimmten Positionen gegebenenfalls eine Promotion. Wichtig sind darüber hinaus soziale Kompetenzen. Außerdem muss man präsentieren können und sollte daher schon während des Studiums, auch wenn es nicht gefordert ist, möglichst viele Vorträge halten.

abi>> Welche Tipps würden Sie Physik-Absolventen für einen erfolgreichen Berufseinstieg mit auf den Weg geben?

Udo Weigelt: Wer begeistert von dem Fach ist, kann die Sache relativ entspannt angehen. Die Arbeitslosigkeit von Akademikern bewegt sich in der Physik auf niedrigem Niveau. Man sollte sich allerdings nicht darauf versteifen, in einem ganz speziellen Gebiet arbeiten zu wollen – dann ist die Zahl der Jobs begrenzt. Wer jedoch offen für die zahlreichen Möglichkeiten ist, hat gute Chancen.

abi>> 15.08.2016