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Sportliche Aussichten

Aufnahme eines Handballspiels
Wer etwa Handball-Trainer werden will, kann Sportwissenschaften studieren.
Foto: Hans-Martin Issler

Ich will was machen mit Sport – Hintergrund

Sportliche Aussichten

Um sein Geld mit Sport zu verdienen, muss man kein Spitzenathlet sein. In der sportlichen Arbeitswelt tummeln sich auch Ingenieure, Journalisten oder Manager.

Sein Ziel hat Erich Reich klar vor Augen: Er will Handball-Trainer werden. Darauf arbeitet der 23-Jährige hin, seit er mit 14 Jahren angefangen hat, im Verein zu spielen. Schon als Schüler trainierte er eine Jugendmannschaft. Nach dem Abitur entschloss er sich, Sportwissenschaften zu studieren. Ursprünglich schrieb er sich für ein Lehramtsstudium ein – mit Physik als zweitem Fach. „Ich hatte aber Physik nicht als Leistungskurs und merkte, dass mir viel Wissen fehlt.“ Also schwenkte er um und studiert nun im zweiten Semester „reine“ Sportwissenschaften. „Da ich ein klares Ziel vor Augen habe, ist das für mich eine gute Lösung.“

Ein Porträtfoto von Erich Reich

Erich Reich

Foto: privat

„Sportwissenschaften sind immer noch der Klassiker“, sagt Stefan Schweiger, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit in Mannheim. „Dabei gibt es im Bereich Sport sehr viele Möglichkeiten.“ Sucht man unter www.studienwahl.de nach Studiengängen mit Sport, erhält man über 400 Treffer (Stand: Juli 2017). Nach einer Studie, beauftragt vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft, hat der Sport mit einem Anteil von 3,3 Prozent an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung eine ähnliche Bedeutung für die deutsche Wirtschaft wie der klassische Fahrzeugbau. Rund 1,8 Millionen Beschäftige hatten demnach 2008 einen Arbeitsplatz im Sportbereich.

Im engeren Sinn übten laut Team Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit 2016 rund 53.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Sportberuf aus, darunter 36.000 Sportlehrer und Trainer (ohne Lehramt), 12.000 Sport- und Fitnesskaufleute sowie Sportmanager und 5.000 Berufssportler. Gegenüber dem Vorjahr gab es bei diesen Berufen einen spürbaren Beschäftigungszuwachs von fünf Prozent, gleichzeitig ist auch die Arbeitslosenzahl leicht gesunken. Trotz dieser guten Entwicklung ist es für Bewerber nicht unbedingt leicht, eine Anstellung zu erhalten: Viele Bewerber konkurrieren um wenige offene Stellen. Im Sportbereich spielt jedoch auch die Selbstständigkeit eine wichtige Rolle. So waren laut Mikrozensus rund 40.000 Sportlehrer und Trainer selbstständig tätig – das ist fast jeder zweite.

Mehrere Interessen kombinieren

„Wir haben in Deutschland eine weltweit einzigartige Verbands- und Vereinsstruktur – mit vielen Möglichkeiten für sportinteressierte junge Menschen“, sagt Zoia Mahjoubi, Personalreferentin beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Der Verband beschäftigt Sportwissenschaftler ebenso wie Sportökonomen und -soziologen, Verbandskoordinatoren oder -manager. „Es gibt immer mehr interdisziplinäre Berufsfelder.“ Die Verknüpfung von Sport mit anderen Bereichen wie BWL oder Sozialwissenschaften hält Zoia Mahjoubi für „absolut sinnvoll“.

„Bindestrich-Bachelor“ nennt Stefan Schweiger die Studiengänge, die zwei Fachbereiche miteinander kombinieren. Abiturienten, die „etwas mit Sport“ machen wollen, fragt er immer nach weiteren Interessen und Stärken. Finden sie Medienarbeit spannend, käme Sportjournalismus in Frage, interessieren sie sich für Wirtschaft, könnte Sportmanagement eine Möglichkeit sein. „Für Technikbegeisterte ist der Studiengang Sportingenieurwesen vielleicht der richtige.“ Absolventen entwickeln zum Beispiel neue Sport- und Trainingsgeräte. Wer nicht studieren will, für den käme etwa eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann in Frage. „Eins muss man sich klarmachen, wenn man später in diesem Bereich arbeiten will: Es reicht nicht, gut Fußball zu spielen.“

Harte Eignungsprüfung

Mehrere Monate hat sich Erich Reich auf die Eignungsprüfung an der Sporthochschule in Köln vorbereitet. Sie gilt als die schwerste und wird von den meisten Universitäten anerkannt. In fast jeder Sportart wird das Können der Bewerber getestet. „Und man darf nur einmal nicht bestehen“, sagt der Student. Ein enormer Druck. Schließlich gibt es selten Sportler, die gut Fußball spielen, schwimmen und eine Kür am Reck turnen können. Erich Reich bestand.

Entschieden hat sich der 23-Jährige schließlich für ein Studium in Leipzig. Dort sei es familiär, nicht so überlaufen. Auch im Studium müssen die Studierenden mehrere Sportarten wählen. Neben Fuß- und Handball macht Erich Reich derzeit Taekwondo, Leichtathletik und Tennis. Auf seinem Lehrplan steht neben Trainingswissenschaften, Medizin und Psychologie auch die Vertiefung in den Sportarten. „Dabei geht es um Technik, taktische Analysen, Didaktik – darum, wie ich ein Training gestalte.“ Dieser Teil des Studiums macht Erich Reich am meisten Spaß. „Das Praktische liegt mir.“ Deshalb kann er das Studium auch Abiturienten empfehlen, die sich mit Theorie und sturem Büffeln etwas schwertun. „Da kommt man natürlich nicht drumherum, aber es ist machbar.“ Viel wichtiger findet er, dass man Engagement zeigt, auch außerhalb der Uni Kontakte knüpft und Praxiserfahrung sammelt. Er hat ein Jahr lang beim Handballverein SC DHfK Leipzig hospitiert und ein Projekt geleitet, das Grundschülern die Sportart näherbringen will. Und er ist weiter als Trainer tätig.

Wie wichtig Praxiserfahrung ist, betont auch Berufsberater Stefan Schweiger. „Die kann man auch schon vor dem Studium sammeln – etwa mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr bei einem Verein oder in einer Sportschule.“ Das hält auch Zoia Mahjoubi vom DOSB für sinnvoll – „um die Strukturen im Sport kennenzulernen.“ Und um herauszufinden, welcher der vielen Möglichkeiten die richtige für einen ist.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 ausführlichen Berufsbeschreibungen in Text und Bild. (Suchworte: Sport u.a.)

www.berufenet.arbeitsagentur.de/

 

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

 

KURSNET

Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du insbesondere nach schulischen Berufsausbildungen suchen.

www.kursnet.arbeitsagentur.de

 

sport-studieren.de

Auf Sport-studieren.de finden Abiturienten Hilfe bei der Studienwahl: Infos rund um Sportmanagement, Sportwissenschaft, Fitnessökonomie und andere Studiengänge.

www.sport-studieren.de

 

Kölner Sporthochschule auf YouTube

Neben Campusgesprächen und allgemeinen Infos gibt es hier auch Videos zu den Eignungsprüfungen der vergangenen Jahre.
www.youtube.com/user/Sporthochschule

 

Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) e.V.

Auf der Seite des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gibt es zahlreiche Informationen rund um den Sport. Etwa auch zum Thema, wie Spitzensport und Studium vereinbar sind. Unter „Service“ gibt es auch eine Übersicht aktueller Stellenangebote – vom DOSB und anderen Verbänden und Sportvereinen in Deutschland.

www.dosb.de

 

Stiftung Deutsche Sporthilfe

www.sporthilfe.de

 

Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft

www.sportwissenschaft.de

 

Deutscher Sportlehrerverband

www.dslv.de

abi>> 09.08.2017