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Vom Lieblingsfach zum Wunschberuf

Der Pfeil eines Kompasses zeigt auf Deutschland.
Erdkunde zählt zu Lena Schulzes Lieblingsfächern. Sie kann sich vorstellen, nach dem Abitur auch beruflich mit Erdkunde zu tun zu haben.
Foto: Ann-Kathrin Hörrlein

Schulfächer und Berufswahl

Vom Lieblingsfach zum Wunschberuf

Viele, die zum Beispiel Erdkunde, Französisch oder Geschichte in der Schule zu ihren Favoriten zählen, fragen sich: Kann man ein Studium oder eine Berufsausbildung nach dem Lieblingsfach aussuchen? Dabei heißt es planvoll vorgehen – dann eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten.

Für Lena Schulze*, die die Jahrgansstufe 12 einer Gesamtschule besucht, rückt das Abitur immer näher. Darüber, wie es anschließend weitergehen soll, hat sich die 17-Jährige schon reichlich Gedanken gemacht. Um ihre Interessen, Stärken und die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten weiter auszuloten, sucht sie Unterstützung bei Anke Hahn, Berufs- und Studienberaterin der Arbeitsagentur Aachen.

Leistungskurs = Studienfach?

Ein Porträtfoto von Anke Hahn.

Anke Hahn

Foto: privat

„Vielleicht etwas mit Erdkunde“, schlägt die Schülerin zu Beginn des Beratungsgesprächs vor. Das Fach findet sie toll und hat es als Leistungskurs gewählt. Doch was genau ihre Begeisterung hervorruft, kann sie nicht so recht greifbar machen. Die Beraterin hakt nach: Sind es die verschiedenen Länder und Themen, beispielsweise Wirtschaftssysteme – also geografische Aspekte –, die die Schülerin interessieren? Oder reizt sie eher die Beschäftigung mit geologischen Aspekten wie die Zusammensetzung der Erdkruste? „Erdkunde beziehungsweise die entsprechenden Studienfächer Geografie und Geologie sind ein weites Feld, sodass man Schwerpunkte setzen muss“, erklärt Anke Hahn. Oft stellt sie bei ihren Beratungen fest, dass Schüler sich darüber noch nicht im Klaren sind. „Viele meinen, das Studium gestalte sich inhaltlich wie das Schulfach. Doch Schulfächer lassen sich nicht eins zu eins auf Studien- oder Ausbildungsberufe übertragen.“ Auch wenn Schüler dazu neigen, Fächer zu studieren, die ihnen in der Schule Freude und gute Noten gebracht haben, gilt es zu bedenken, dass sich die beruflichen Tätigkeiten inhaltlich mitunter stark vom Schulfach unterscheiden.

Eine Ausnahme aber gibt es, wie Anke Hahn erläutert: „Lehrer beschäftigen sich konkret mit den Inhalten des jeweiligen Schulfachs. Wer bereits als Schüler Gefallen an dem umfassenden Stoff und der Unterrichtspraxis gefunden hat, für den könnte ein Lehramtsstudium das Passende sein.“ Zu beachten ist jedoch, dass die Rolle des Lehrers mit völlig anderen Anforderungen verbunden ist als die des Lernenden. „Bei Interesse sollte man sich also unter anderem fragen, ob man gern Referate hält und einem der Umgang mit Menschen liegt“, ergänzt die Berufsberaterin.

Über den Tellerrand schauen

Sind die beruflichen Vorstellungen wie die der 17-Jährigen noch vage, ermuntert Anke Hahn, den Blick über den Tellerrand zu wagen und andere Fächer einzubeziehen. „In Lena Schulzes Fall liegt ein weiterer Schwerpunkt auf Fremdsprachen – die lassen sich gut mit Erdkunde-Themen kombinieren, zum Beispiel bei Aufgaben im Fremdenverkehr.“ Hier empfiehlt die Berufsberaterin den Blick in die Praxis: sich bei der nächsten Touristeninformation ein Bild von den Aufgaben machen, wie sie etwa Kaufleute für Tourismus und Freizeit ausüben. Oder, falls es doch ein Studium werden soll, an Hochschulvorlesungen teilnehmen und sich mit Studierenden unterhalten, die sich etwa für das Fach Geografie entschieden haben. „In derart breit gefächerten Gebieten wie Erdkunde findet man oft erst durch praktische Erfahrungen seine persönliche Richtung.“

Außerdem gibt Anke Hahn Ratsuchenden nützliche Tools an die Hand: „Die Beiträge der Rubrik ,Ich will etwas machen mit … Schulfächer‘ auf abi.de beleuchten bestimmte Schulfächer und die damit in Zusammenhang stehenden beruflichen Möglichkeiten. Nützlich ist außerdem die Schulfachsuche im abi>> Portal. Sie ermöglicht es Schülern, konkret nach Schulfächern zu suchen und alle Beiträge zu erhalten, die damit in Verbindung stehen.“ 

Speziell in der Studienberatung empfiehlt die Beraterin sogenannte Studierfähigkeit-Tests. Diese werden von einigen Hochschulen sogar verpflichtend vorausgesetzt. „Junge Menschen sollen neben ihren Neigungen die Frage reflektieren, inwieweit ihre Fähigkeiten zum gewünschten Studiengang passen“, rät sie.

Ein stabiles Fundament schaffen

Zudem können weitere Faktoren nach Einschätzung von Anke Hahn bei der Berufswahl wegweisend sein. „Zum Beispiel Hobbys, bei denen man Erfolgserlebnisse hatte. Eine Rolle spielt außerdem, wie man sich seine Arbeitsumgebung vorstellt.“ Also fragt sie Lena Schulze, ob es ihr zum Beispiel liegen würde, als Geologin viel unterwegs zu sein oder ob sie sich eher kaufmännische Bürotätigkeiten vorstellen könnte. „Eine wesentliche Rolle spielt auch die eigene Lebensplanung, also ob sich Beruf und Familie gut vereinbaren lassen sollten oder ob Einkommen besonders wichtig ist.“ Bei alldem sollten gerade junge Menschen sich aber nicht zu sehr unter Druck setzen. „Es geht nicht darum, gleich den ‚Beruf fürs Leben‘ zu finden, sondern zunächst um ein stabiles Fundament. Danach kann es weitergehen und es können dann noch neue Richtungen eingeschlagen werden.“

* Name von der Redaktion geändert


Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.
www.bibb.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

abi>> 08.12.2016