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„Die eigenen Ideen verwirklichen“

Ein Drehbuch wird von einer Hand gehalten
Das Drehbuchschreiben ermöglicht, in andere Welten einzutauchen.
Foto: Christof Stache

Andreas Dirr

„Die eigenen Ideen verwirklichen“

Sie sind die Stars im Hintergrund, der Ursprung der Geschichte. Wenn wir Filme sehen, tauchen wir ab in die Gedankenwelt der Autoren. Andreas Dirr ist einer von ihnen. Der 42-Jährige arbeitet als freiberuflicher Drehbuchautor in Berlin.

abi>> Herr Dirr, wie kommt man auf die Idee, Drehbuchautor zu werden?

Andreas Dirr: Während der Schulzeit wollte ich unbedingt Regisseur werden und habe nach verschiedenen Praktika und kleineren Nebenjobs beim Film ein Studium der Theater- und Medienwissenschaften, Psychologie und Geschichte begonnen. Bereits da habe ich in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk als Regisseur meinen ersten eigenen Kurzfilm gedreht, habe aber direkt gemerkt, dass die Arbeit am Set nicht meine Welt ist. Dadurch bin ich zum Dokumentarfilm gekommen und habe nebenher angefangen, Stoffe zu entwickeln. Mir ging es nie primär ums Drehbuchschreiben, sondern vielmehr darum, meine eigenen Ideen aufzuschreiben und dokumentarisch oder auch fiktional zu verwirklichen.

abi>> Wie verlief Ihr Berufseinstieg nach dem Studium?

Ein Porträt-Foto von Andreas Dirr

Andreas Dirr

Foto: privat

Andreas Dirr: Parallel zum Studium habe ich immer wieder Stoffe und Projekte verschiedenen Produktionsfirmen angeboten und dadurch die verschiedensten Leute kennengelernt und Kontakte geknüpft. Später besuchte ich die Drehbuchwerkstatt München, eine Masterclass der Hochschule für Film und Fernsehen München, des Bayerischen Rundfunks und der Bayerischen Staatskanzlei. Hier merkte ich dann, wie sehr es sich auszahlt, bereits Kenntnisse über die Branche zu haben und die Mechanismen zu kennen. Viele Kontakte, die einen damals noch für zu jung und unerfahren hielten, erinnerten sich an meine Arbeit und kamen auf mich zurück.

abi>> Für welche Produktionen haben Sie schon gearbeitet?

Andreas Dirr: Vorwiegend arbeite ich für Serien im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, etwa „Notruf Hafenkante“, „Großstadtrevier“ oder „SOKO Wismar“. Außerdem habe ich auch Primetime-Verfilmungen, wie „Mordkommission Istanbul“, oder verschiedene ZDF-Montagskrimis geschrieben. Zudem laufen nebenbei natürlich auch immer Projekte, die mir persönlich besonders am Herzen liegen und in die ich dann zwangsläufig viel mehr Arbeit investiere. Eines meiner Lieblingsprojekte war die ZDFneo-Serie „Bruder – Schwarze Macht“, die mit Sibel Kekilli und Bjarne Mädel verfilmt wurde. Aktuell entwickle ich eine neue ARD-Vorabendserie, die vermutlich ab 2020 ausgestrahlt wird, sowie eine Serie für Amazon Prime.

abi>> Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?

Andreas Dirr: Grundsätzlich versuche ich, den klassischen Arbeitstag einzuhalten und fahre jeden Morgen ins Büro. Mir ist es sehr wichtig, dass mein Arbeitsplatz von meiner Wohnung getrennt ist. Die meiste Zeit verbringe ich am Schreibtisch und schreibe an meinen Drehbüchern. Natürlich geht aber auch viel Zeit mit Recherche und Drehbesprechungen drauf. Außerdem muss ich mich auch immer darum kümmern, neue Projekte an Land zu ziehen. Grundsätzlich habe ich durch die Freiberuflichkeit viel Freiheit; die richtig zu organisieren und seine Abgabetermine einzuhalten, muss einem aber liegen.

abi>> Was mögen Sie an Ihrem Beruf besonders gerne, und gibt es etwas, das Sie weniger schätzen?

Andreas Dirr: Das Positive ist sicherlich, dass man sich mit jedem neuen Buch in eine neue Welt einarbeiten kann. Man recherchiert und kommt viel mit Leuten in Kontakt. Dadurch lernt man ganz verschiedene Milieus kennen. Anschließend schreibt man ein Drehbuch und schließt damit eine Geschichte für sich in seiner subjektiven Betrachtung rund ab. Später muss man akzeptieren, dass ein Regisseur einen anderen Blickwinkel darauf hat, oder dass ein Produzent auch die Finanzierbarkeit im Auge behält. Dann muss man Kompromisse eingehen. Normalerweise bleibt man als Autor immer bis zur Drehfassung dabei. Dennoch kann es passieren, dass beim Dreh Szenen und Figuren massiv verändert werden, ohne, dass man darüber informiert wird. Das ist oftmals nicht so toll.

abi>> Wie wichtig ist es, in Ihrem Beruf ein Studium oder eine Ausbildung absolviert zu haben?

Andreas Dirr: Ich kenne keinen Autorenkollegen, der nicht studiert hat. Ich glaube, das ist allein deshalb sehr wichtig, weil man im Studium lernt, sich allumfassend in ein Thema einzuarbeiten. Jede Seminararbeit lässt sich mit der Recherche und anschließenden Ausarbeitung mit dem Anfertigen eines Drehbuchs vergleichen. Und ganz wichtig ist: man schreibt! Das Thema ist da dann erstmal zweitrangig. Um einen konkreten Studiengang zu nennen: Natürlich gibt es die Filmhochschulen, die den Studiengang Drehbuch anbieten. In der Praxis macht es meiner Meinung nach aber wenig Unterschied, ob man diesen Weg geht oder einen anderen Studiengang absolviert.

abi>> Welche Fähigkeiten sollte man für den Beruf mitbringen?

Andreas Dirr: Man braucht viel Geduld und eine gewisse Frustrationstoleranz. Zudem muss man loslassen können, was wahrscheinlich das Schwierigste ist. Man muss seine Geschichte zur Umsetzung in fremde Hände geben und das Ergebnis respektieren.

abi>> Was raten Sie jungen Menschen, die Drehbuchautor werden möchten?

Andreas Dirr: Ich persönlich würde jedem raten, so viel zu schreiben, wie er nur kann, und sich dabei für nichts zu schade zu sein. Das ist das essentielle Handwerk. Daily-Formate etwa haben vielleicht nicht den großen Namen, bringen einem für die eigene Entwicklung aber unheimlich viel.

abi>> 21.01.2019