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Afrikanischer Star aus Baden-Baden

Ein Foto von Sabrina Herr alias Deena
Plötzlich Popstar in Uganda - die gebürtige Baden-Badenerin singt unter dem Künstlernamen Deena in der Landessprache Luganda und begeistert ihre Fans.
Foto: Julia Merkle

Deena - Interview

Afrikanischer Star aus Baden-Baden

Deena (24) heißt eigentlich Sabrina Herr, stammt aus Baden-Baden und hat schon immer gerne Musik gemacht. 2013 wurde sie dann in Ostafrika von einem Musikmanager entdeckt, der sie über Nacht zum Star machte.

abi>> Als deutsche Musikerin bist du in Uganda berühmt. Wie kam es dazu?

Deena: Ich habe nach dem Abitur ein Freiwilligenjahr in Ruanda verbracht und bin von dort aus nach Uganda gereist. Abends in einer Bar in Kampala gab es eine offene Bühne und meine Freunde überredeten mich, Gitarre zu spielen und zu singen. Mein heutiger Musikmanager saß damals im Publikum. Er kam noch an dem Abend auf mich zu, fragte mich, woher ich komme und was ich hier mache. Ein Jahr später hatte er die Idee, dass ich ein Lied auf Luganda, der ugandischen Landessprache, singen könnte. „Mumulete“ hieß der Song, von dem wir ein Video ins Internet stellten. Der Clip wurde zu einem viralen Hit und bereits am nächsten Morgen kamen Anfragen für Fernseh- und Radiointerviews sowie Auftritte.

abi>> Was bedeutet „Mumulete“ und was hat der Song mit dir zu tun?

Deena: „Mumulete“ heißt „Bring ihn zu mir“. Es ist ein sehr sehnsüchtiger Song, der sich darum dreht, was ich am meisten vermisse. Der Song ist gefüllt mit Metaphern und Bildern, die unter anderem das Thema Liebeskummer humorvoll aufgreifen. Auch ich kenne – wie wahrscheinlich jeder – solche Situationen, in denen man Dinge schmerzlich vermisst, ob es die Liebe, ein Freund oder die Familie ist.

abi>> Wie hast du dich gefühlt, als du quasi über Nacht zum Internetstar wurdest?

Deena: Ich hatte den Song aus Spaß aufgenommen und nicht geplant, beruflich Musik zu machen. Mein Manager hatte mich zwar vorgewarnt, aber ich hatte überhaupt nicht mit dem Erfolg gerechnet. Deshalb war ich sehr überrascht und sicherlich auch ein wenig überfordert mit der Situation. Es fühlte sich an, als sei etwas explodiert. Und ohne zu wissen, wie ich reingekommen war, steckte ich plötzlich mittendrin. Es hat aber auch viel Spaß gemacht!

abi>> Zu diesem Zeitpunkt hattest du schon dein Bachelorstudium der Sozialen Arbeit begonnen. Warum hast du dich trotzdem dafür entschieden, die Musik zu deinem Beruf zu machen?

Deena: Nach dem Erfolg von „Mumulete“ musste schnell ein Vertrag aufgesetzt werden. Aber es hat noch ein ganzes Jahr gedauert, bis ich mich innerlich darauf eingestellt hatte, Berufsmusikerin zu sein. Es ist schön, wenn man den ganzen Tag lang das machen darf, was einem gefällt. Ich betrachte diese Chance als ein großes Geschenk, das nur sehr wenige Leute bekommen. Manchmal beschert einem das Leben einfach Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat. Es wäre verrückt, sie dann nicht anzunehmen. Also habe ich mich neben meinem Studium für die musikalische Karriere entschieden – obwohl die natürlich auch Schattenseiten mit sich bringt: Es ist etwas anderes, ob man sich aussuchen kann, wie und wann man Musik macht oder ob man es plötzlich tun muss. Und die Popindustrie ist einfach superanstrengend.

abi>> Wie sieht denn ein typischer Tag bei dir aus?

Deena: Ich habe viele Termine; häufig kommen spontane Verpflichtungen dazu und so ist der Alltag sehr hektisch. Ich bin viel im Auto unterwegs, um von einem Termin zum nächsten zu fahren. Die Tätigkeiten sind bunt: Manchmal geht es morgens um 10 Uhr mit einem Interviewtermin los, dann besprechen wir im Teammeeting die nächste Woche und abends steht ein Auftritt an. Die Videodrehs, die ich am meisten mag, sind am anstrengendsten: Drehtage beginnen häufig morgens um 6 Uhr, ins Bett komme ich meist erst um 3 oder 4 Uhr. Diese Arbeitszeiten sind sehr herausfordernd. Ich höre nie auf zu arbeiten, auch nicht an den Wochenenden und Feiertagen, denn irgendwas ist immer zu tun. Es ist als Musiker sehr schwer, den Beruf von Privatem zu trennen, gerade wenn man selbstständig ist. Ich mache ja auch privat gerne Musik!

abi>> Wie hat sich dein Alltag verändert, seit du berühmt bist?

Deena: In Kampala kann ich nicht mehr an alle Orte gehen. Manchmal wird es unangenehm, wenn ich mich auf größeren Märkten oder in der Stadtmitte aufhalte, weil sich Menschentrauben bilden und ich ständig angeschaut werde. Die größere Veränderung erlebe ich aber dadurch, dass ich viel arbeite und wenig Freizeit habe.

abi>> Welche Herausforderungen bringt dein Job außerdem mit sich?

Ein Porträtfoto von Deena

Sabrina Herr alias Deena

Foto: Julia Merkle

Deena: Es ist anstrengend, immer 100 Prozent zu geben. Und fast jeden Tag stecke ich in neuen Situationen – in Interviews werden mir schwierige Fragen gestellt, bei Studioaufnahmen stoße ich an meine musikalischen Grenzen, bei Auftritten muss ich mich auf das jeweilige Publikum einstellen. Dabei lerne ich viel und entwickle mich ständig weiter.

abi>> Erlebst du auch lustige Momente?

Deena: Ja, besonders lustig waren die ersten Auftritte. Die Ugander waren so überrascht, teilweise sogar schockiert, weil ich als weiße Frau auf Luganda singe, dass sie völlig vergessen haben zu applaudieren. Ich dachte erst, dass keiner mich mag, bis mir mein Manager sagte, es sei super gelaufen.

abi>> Du hast inzwischen auch in Deutschland auf der Bühne gestanden. Fühlt sich das anders an als in Uganda?

Deena: Nein. Man muss sich immer neu auf das Publikum einstellen, weil es überall anders ist. Aber ich habe mich gefreut, dass meine Musik auch hier ankommt.

abi>> Worin siehst du den Grund für deinen musikalischen Erfolg in Uganda?

Deena: Viele Musiker singen auf Englisch, machen internationale Musik. Ich schwimme gegen den Strom, indem ich von weit her komme, aber in der Landessprache singe und mich so mit der ugandischen Kultur identifiziere. Dazu kommt, dass ich hart arbeite und ein gutes Team an meiner Seite habe.

abi>> Machst du ugandische Musik?

Deena: Ich nenne mein Genre gerne Afrofusion: Einige Songs sind ugandisch, andere ost- oder südafrikanisch, wieder andere nur mit einem Afrobeat unterlegt und manche gehen mehr in Richtung Dancehall. Aber alle meine Songs haben auch einen westlichen Einfluss. Privat höre ich übrigens verschiedene Genres – von Oper bis zu Heavy Metal gibt es vieles, was mich begeistert.

abi>> Was sollte man deiner Meinung nach mitbringen, wenn man einen hohen Bekanntheitsgrad und anhaltenden Erfolg im Internet erlangen will?

Deena: Geduld und gute Laune. Und manchmal muss man weitermachen, obwohl man keine Lust hat. Ich bin ehrgeizig und habe trotzdem manchmal einfach keinen Bock mehr. Zum Glück habe ich dann mein Team an der Seite, das mir sagt: „Es ist nicht schlimm, jeder hat mal eine schlechte Zeit. Wir bekommen das schon wieder hin.“ Das nimmt mir viel Last von den Schultern.

abi>> Die letzten vier Monate hast du in Deutschland verbracht, um ein Buch zu schreiben. Wovon handelt es?

Deena: Zum einen erzählt das Buch meine Geschichte, wie ich in die ugandische Musikindustrie eingestiegen bin. Zum anderen vermittle ich dabei ein neues Bild von diesem afrikanischen Land. Das ist mir wichtig, weil viele Leute in Deutschland denken, in Afrika gäbe es nur Krieg, Armut und Wüste.

abi>> Neben dem anstrengenden Job als Musikerin schreibst du gerade deine Bachelorarbeit. Welche weiteren Pläne und Wünsche hast du für die Zukunft?

Deena: Ich möchte, dass alles so weitergeht wie bisher und dass ich weiter Spaß an der Musik haben werden. Alles andere ist offen.

Über Sabrina Herr alias Deena

Sabrina Herr wurde 1993 in Baden-Baden geboren, wo sie mit ihren beiden Brüdern aufwuchs. Schon mit fünf Jahren spielte sie Flöte, später war sie in verschiedenen Orchestern, Chören und in einer Band aktiv. Im August 2012 verbrachte sie ein Jahr als Freiwillige in einem Straßenkinderprojekt im ostafrikanischen Ruanda. Während einer Reise in die Hauptstadt des Nachbarlandes Uganda lernte sie den Musikmanager kennen, der sie später mit einem Internethit über Nacht berühmt machen sollte. Zuvor begann sie ihr Studium in Deutschland, nutzte aber jede Gelegenheit, um nach Uganda zu reisen. 2015 brachte sie dann ihren ersten Hit „Mumulete“ heraus, inzwischen singt sie auch auf anderen ostafrikanischen Sprachen. Mittlerweile ist sie nicht nur in Uganda ein Star, sondern auch in einigen Nachbarländern. Deenas erstes Musikvideo zum Song „Mumulete“ wurde auf YouTube veröffentlicht, wo man heute zahlreiche weitere Videos von ihr wie „Kankuleke“, „Gwe Anamponya“, „Mama“ und „Aktion Tym“ findet.

abi>> 25.10.2017