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„Im wahrsten Sinne des Wortes Lebenswichtiges tun“

Aufnahme von zwei Rettungsassistenten im Einsatz
Leben retten: Notfallsanitäterinnen und -sanitäter arbeiten oft in extremen Situationen.
Foto: Mathias Lange

Interview

„Im wahrsten Sinne des Wortes Lebenswichtiges tun“

Ein typischer Blaulichtberuf ist der Notfallsanitäter. Wer diesen Beruf ergreift, möchte in der Regel etwas Sinnstiftendes tun – wie der ehemalige TV-Moderator Tobias Schlegl. Doch worauf muss man sich in der Ausbildung und im Job einstellen? abi>> hat mit Dr. Rudolf Seiters, ehemals Bundesinnenminister und Vizepräsident des Deutschen Bundestages und jetzt Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), darüber gesprochen.

abi>> Herr Dr. Seiters, im Sommer 2016 sorgte der Moderator Tobias Schlegl für Schlagzeilen. Er kündigte an, seine Karriere beim Fernsehen zu beenden und Notfallsanitäter zu werden. Die Ausbildung hat er inzwischen beim Deutschen Roten Kreuz begonnen. Was halten Sie von dieser Entscheidung?

Rudolf Seiters: Wir freuen uns über jeden neuen motivierten Mitarbeiter. Wenn er außerdem noch prominent ist wie Tobias Schlegl, führt das vielleicht dazu, mehr Aufmerksamkeit für den Beruf des Notfallsanitäters zu gewinnen und dafür, wie verantwortungs- und anspruchsvoll diese Tätigkeit ist.

abi>> Ausschlaggebend war für Tobias Schlegl, dass er „etwas gesellschaftlich Relevantes“ machen wollte, wie er gegenüber dem Magazin Stern sagte. Diesem prominenten Beispiel könnten nun viele folgen. Begrüßt das Deutsche Rote Kreuz diese Möglichkeit oder könnte das auch zu einer Verklärung des Berufes führen?

Rudolf Seiters: Die Arbeit für Menschen in Not ist etwas gesellschaftlich Relevantes. Insofern kann es nicht falsch sein, wenn ein Mensch diesen Beruf ergreift. Eine Verklärung befürchte ich nicht. Die Anforderungen an Notfallsanitäter sind allerdings hoch. Dies wird Herr Schlegl während seiner dreijährigen Berufsausbildung sicher feststellen.

abi>> Birgt eine solch radikale berufliche Veränderung für Menschen, die aus einem völlig anderen Bereich kommen, nicht einige Fallstricke?

Rudolf Seiters: Solch einen beruflichen Wechsel vollzieht man ja nicht einfach so. Spätestens nach dem Bewerbungsverfahren weiß ich, worauf ich mich einlasse. Dazu gehört das selbstständige Arbeiten im Team – auch in Extremsituationen, zu jeder Tages- und Nachtzeit, bei jedem Wetter und in jeder Umgebung. Ebenso ist die Fähigkeit erforderlich, wieder abschalten zu können. Sonst kann man diese verantwortungsvolle Arbeit auf die Dauer nicht machen.

abi>> Trotz aller Herausforderungen: Was sind die schönen Seiten dieses Berufes?

Rudolf Seiters: Mir wird von vielen Mitarbeitern unserer Rettungsdienste immer wieder gesagt, dass sie ihre Arbeit sehr gern machen – eben weil sie das Gefühl haben, etwas im wahrsten Sinne des Wortes Lebenswichtiges zu tun. Sie sehen jeden Tag, wie wichtig ihr Einsatz ist. Und sie bekommen oft sofort eine entsprechende Rückmeldung von Betroffenen und ihren Angehörigen. In dieser Unmittelbarkeit ist das ja nicht bei vielen Tätigkeiten so.

abi>> Wie ist die dreijährige schulische Ausbildung zum Notfallsanitäter aufgebaut?

Rudolf Seiters: Den Auszubildenden werden in erster Linie fachliche, persönliche, soziale und methodische Kompetenzen vermittelt, damit sie eigenverantwortlich und teamorientiert arbeiten. Die Ausbildung gliedert sich in einen schulischen, einen klinischen und einen praktischen Teil. Oft erfolgt zu Beginn die Ausbildung zum Rettungssanitäter in einem Umfang von 520 Stunden. Das ermöglicht den frühzeitigen praktischen Einsatz im Rettungswagen.

abi>> Welche Voraussetzungen sollte man für diesen Beruf erfüllen?

Rudolf Seiters: Jeder Bewerber sollte die richtige Motivation mitbringen, den Menschen in extremen Situationen helfen zu wollen, egal woher sie kommen, wer sie sind – das ist die wichtigste Voraussetzung. Bewerber müssen 18 Jahre oder älter sein, über einen Schulabschluss (vorausgesetzt wird laut dem BERUFENET in der Regel ein mittlerer Bildungsabschluss) und ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge verfügen. Wichtig ist auch die gesundheitliche Eignung. Auf der Homepage www.retter-werden.de finden Interessierte weitere Infos.

abi>> Welche beruflichen Perspektiven haben Notfallsanitäter?

Rudolf Seiters: Sie können sich vielfältig weiterqualifizieren: in der Ausbildung als Praxisanleiter, in der Leitung und Führung des Rettungsdienstes, als Disponent auf Leitstellen oder als Desinfektor. Daneben werden auch einschlägige Studiengänge angeboten.

abi>> 20.03.2017