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„Man muss mit Leidenschaft dabei sein“

Ein Foto von Ivo Kortlang
Ivo Kortlang hatte schon als Jugendlicher Auftritte in TV-Serien. Seit 2015 spielt er Toni in der Serie „Club der roten Bänder“.
Foto: Marie Schmidt

Ivo Kortlang – Interview

„Man muss mit Leidenschaft dabei sein“

Schauspieler ist für viele ein Traumberuf. Aber wie gelingt eigentlich der Berufseinstieg? Und wo liegen die Herausforderungen? Im abi>> Interview gibt Ivo Kortlang Antworten auf diese und weitere Fragen. In der erfolgreichen Fernsehserie „Club der roten Bänder“ spielt der 22-Jährige eine der Hauptrollen.

abi>> Wann hast du gemerkt, dass die Schauspielerei dich interessiert?

Ivo Kortlang: In der sechsten Klasse haben wir „Die Zauberflöte“ aufgeführt und ich habe Papageno gespielt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Zufällig war eine Freundin von mir damals schon bei einer Schauspiel-Agentur. Sie sagte: ‚Ivo, mach das doch auch!‘ Meine Mutter hat mich dann bei einer Agentur angemeldet und mit elf Jahren hatte ich mein erstes Projekt: Ich habe im Hochschulabschlussfilm einer jungen Regisseurin mitgespielt.

Später, während des Abis, habe ich mir überlegt, wohin meine Reise gehen soll. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon einiges gedreht. Da habe ich mich gefragt, ob ich das die nächsten Jahre machen möchte. Die Antwort war ganz klar „Ja!“ – also habe ich von diesem Zeitpunkt an meine ganze Energie und Leidenschaft da reingesteckt.

abi>> Du hast schon als Jugendlicher erste Fernsehrollen bekommen. Wie hast du aber das Handwerk gelernt?

Ivo Kortlang: Als Kind und Jugendlicher war alles noch intuitiv. Das ging ganz gut – als Kind kann man seine Gefühle unbefangener herauslassen. Wenn es aber um Rollen für Heranwachsende oder Erwachsene geht, muss man das Handwerk beherrschen. Während des Drehs von „Bibi & Tina 2“ hatte ich einen Coach. Es hat mir sehr geholfen, zusammen mit ihr eine Szene zu analysieren oder an Techniken zu arbeiten. Deswegen habe ich nach dem Abitur viele Seminare und Workshops besucht und viel mit Coaches gearbeitet.

abi>> Machst du das immer noch?

Ivo Kortlang: Ja, vor einem Dreh treffe ich mich mit einem Coach. Ich habe das Drehbuch dabei und wir sprechen es durch: Was ist das für eine Rolle, welche Lebensziele hat die Person und wo geht jede einzelne Szene hin? Auch wenn wir nichts spielen, ergeben sich dennoch viele kleine Tricks, die ich beim Dreh anwenden kann.

abi>> Seit 2015 spielst du bei „Der Club der roten Bänder“ mit. Wie kam es dazu?

Ein Porträtfoto von Ivo Kortlang

Ivo Kortlang

Foto: Marie Schmidt

Ivo Kortlang: Nach dem Abitur bin ich für einen Winter nach Palästina gegangen, um dort ehrenamtlich zu arbeiten. Währenddessen habe ich über meine Agentur eine Einladung für ein Vorsprechen zum „Club der roten Bänder“ bekommen. Ich fand das Konzept toll und bin extra eine Woche früher zurückgeflogen.

Eigentlich wurde ich für eine andere Rolle gecastet – für die des Alex. Das ist ganz lustig, weil Timur Bartels, der heute Alex spielt, damals für die Rolle des Toni vorgesprochen hatte. Jedenfalls hatte ich eine Szene zugeschickt bekommen und musste diese vorspielen. Einen Monat nach dem Vorsprechen habe ich die Zusage bekommen, aber eben für Toni.

abi>> Toni hat das Asperger-Syndrom. Welche Herausforderungen birgt diese Rolle?

Ivo Kortlang: Mir ist immer wichtig zu sagen, dass das in meinen Augen keine Krankheit ist. Für mich ist das einfach ein Anderssein. Als Autist nimmt Toni seine Umgebung anders wahr als andere Menschen. Ich habe mir deswegen eine eigene Welt gebaut. Ich lasse meine Wahrnehmung als Ivo los und denke mich in die Welt von Toni. Da spielen zum Beispiel Farben oder gewisse Gegenstände eine wichtige Rolle. Die irritieren mich als Toni und ich analysiere sie. Da ich oft gar nicht weiß, wie das Set in einer Szene genau aussieht, kann ich tatsächlich gut auf bestimmte Situationen reagieren und damit spielen.

abi>> Wie sieht dein Alltag als Schauspieler aus?

Ivo Kortlang: Aktuell nimmt der Dreh zu „Club der roten Bänder“ etwas mehr als vier Monate pro Jahr in Anspruch. Letztes Jahr kamen noch andere Projekte dazu, sodass ich fast sieben Monate durchgearbeitet habe. Das war ziemlich anstrengend. Danach hatte ich allerdings ziemlich lange Drehpause und frei.

abi>> Wie läuft ein Drehtag ab?

Ivo Kortlang: Die Drehtage können sehr unterschiedlich sein. Das macht den Beruf auch so spannend. Manchmal werde ich um halb fünf morgens abgeholt. Manchmal haben wir einen Nachtdreh und manchmal fange ich erst um 13 Uhr an. Beim „Club der roten Bänder“ zum Beispiel werde ich so gegen 6 Uhr abgeholt und wir fahren zum Set. Dort geht es zunächst in die Maske, dann zum Kostüm – und kurz danach beginnt schon die erste Probe.

abi>> Der Beruf des Schauspielers klingt oft sehr glamourös, mit roten Teppichen, Fotoshootings und Fans. Was aber sind die anstrengenden Seiten deines Jobs?

Ivo Kortlang: Mir macht dieser Beruf so viel Spaß, dass es nur in den wenigsten Fällen wirklich anstrengend wird – etwa, wenn das Drehbuch nicht rechtzeitig fertig ist und ich in der Nacht noch Text lernen muss. Manchmal sind die Drehtage sehr lang und ich kann abends nur noch Zähne putzen und ins Bett fallen. Dann habe ich keine Zeit für mich selbst. Das ist aber total wichtig, weil man sich in diesem Beruf jeden Tag emotional verausgabt.

abi>> In welcher Serie oder in welchem Film würdest du gern einmal mitspielen?

Ivo Kortlang: Ich hätte Lust auf einen Film oder eine Serie, die in den 1920er-Jahren spielt. Der Zeitgeist ist toll, mit tollen Kostümen.

abi>> Wie siehst du deine berufliche Zukunft?

Ivo Kortlang: Schauspielerei ist einer der unvorhersehbarsten Jobs. Ich schaue aber sehr zuversichtlich in die Zukunft. Ich habe eine gute Agentur und hatte in den vergangenen Jahren gute Projekte. Dadurch lerne ich immer neue Leute kennen. So stehen die nächsten Jahre unter einem guten Stern.

abi>> Welche Tipps würdest du anderen jungen Menschen geben, die sich für diesen Beruf interessieren?

Ivo Kortlang: Geht ins Theater, schaut viele Kinofilme und beschäftigt euch mit diesem Handwerk. Seht euch an, was verschiedene Leute machen und welche Techniken sie anwenden. Es ist kein einfaches Business, man muss mit totaler Leidenschaft dabei sein.

Über Ivo Kortlang

Ivo Kortlang (geb. 1994) hatte schon als Jugendlicher Auftritte in den Fernsehserien „SOKO München“ und „Großstadtrevier“ und spielte im Kinofilm „Ameisen gehen andere Wege“ mit. Außerdem arbeitete er als Synchronsprecher für verschiedene Filmprojekte.

2013 bekam er seine erste größere Rolle: Das Drama „Von jetzt an kein Zurück“ des Regisseurs Christian Frosch erzählt von Ruby und Martin, die sich im Jahr 1967 ineinander verlieben und gemeinsam abhauen wollen. Dann aber werden sie von ihren Eltern in Erziehungsheime gesteckt.

Ein Jahr später machte Ivo in Berlin sein Abitur und war in „Die Kleinen und die Bösen“ mit Christoph Maria Herbst sowie in Detlev Bucks „Bibi & Tina – Voll verhext!“ zu sehen. Während des Abiturs war er für Dreharbeiten viel unterwegs, bekam von seiner Schule aber eine Sondergenehmigung – allerdings unter der Auflage, alles nachzuholen, was er während seiner Abwesenheit verpasste.

Seit 2015 spielt Ivo in der Serie „Club der roten Bänder“ mit. 2016 wurden er und die anderen Darsteller mit dem Ensemblepreis des Deutschen Schauspielerpreises ausgezeichnet.

 

Über den „Club der roten Bänder“

„Club der roten Bänder“ ist eine Serie des Fernsehsenders VOX. Sie handelt von sechs Jugendlichen, die aus jeweils unterschiedlichen Gründen eine längere Zeit im Krankenhaus verbringen müssen. Die sechs werden beste Freunde. Ivo Kortlang spielt Anton – oder kurz „Toni“. Die anderen Hauptfiguren sind Leo (gespielt von Tim Oliver Schultz), Jonas (Damian Hardung), Emma (Luise Befort), Alex (Timur Bartels) und Hugo (Nick Julius Schuck).

Die Geschichten sind fiktiv, basieren aber auf den tatsächlichen Erlebnissen des spanischen Autors Albert Espinosa. Als Jugendlicher erkrankte er an Knochenkrebs und verarbeitete dies später in dem Buch „Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt“ – die Vorlage für die katalanische TV-Serie „Polseres vermelles“, auf der auch „Club der roten Bänder“ basiert.

Seit 2015 wurden zwei Staffeln ausgestrahlt; im Herbst 2017 soll die dritte und letzte Staffel starten. „Club der roten Bänder“ wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter 2016 und 2017 mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Serie“. 2016 gab es den Grimme-Preis in der Sparte „Kinder & Jugend“.

abi>> 07.06.2017