Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

„Beim Songschreiben packe ich mein Herz aus“

Sängerin LEA im Profil
Mit ihren gefühlvollen Texten trifft sie den Nerv der Zeit: Lea-Marie Becker alias LEA hat sich als Singer-Songwriterin einen Namen gemacht.
Foto: Four Music

LEA

„Beim Songschreiben packe ich mein Herz aus“

Ihr erster Song „Wo ist die Liebe hin?“ hat 2,7 Millionen Klicks bei YouTube erreicht, nun startet sie mit ihrem Debütalbum „Vakuum“ und der ersten Single-Auskopplung „Leiser“ durch: Die deutsche Singer-Songwriterin LEA (25) spricht mit abi» über ihre Karriere als Musikerin, über das Touren – und wie sie bei all dem Trubel noch ihr Studium unterbekommt.

abi>> LEA, wie kamst du zur Musik?

LEA: In meiner Familie wird viel Musik gemacht. Mein Vater ist Musiktherapeut, deshalb konnte ich als Kind viele Instrumente ausprobieren. Mit sechs Jahren habe ich beschlossen, Klavier spielen zu lernen – ich hatte mich einfach in den Klang verliebt. Nach einer No-Angels-Phase als Acht- bis Zehnjährige (lacht) entdeckte ich die Genres Indie und Alternative für mich. Besonders begeistert mich zum Beispiel die australische Sängerin Sia mit ihrer wundervollen Stimme.

abi>> Wie kamst du dann auf die Idee, ein eigenes Musikvideo bei YouTube zu veröffentlichen?

LEA: „Wo ist die Liebe hin?“ war mein erster fertiger Song, davor hatte ich nur Skizzen von Liedtexten verfasst. An der Schule machte meine Klasse dann zufällig einen Videokurs. Ich schnappte mir kurz danach eine Freundin und bat sie, mich in der großen Pause in unserem Musiksaal zu filmen. Ich spielte am Klavier und sang. In einem Durchlauf haben wir das Video abgedreht – keine Schnitte, keine Effekte – und dann online gestellt. Das ist mittlerweile mehr als zehn Jahre her. Ich wollte einfach testen, was Fremde zu meinem Lied sagen.

abi>> Und wie waren die Reaktionen?

LEA: Überwiegend positiv! Besonders gefreut habe ich mich – und das ist auch heute noch so – über persönliche Nachrichten: Da nimmt sich jemand die Zeit, um mir Feedback zu geben oder mir zu schreiben, dass er oder sie sich in meinem Lied total wiedererkennt. Das ist toll. Doch ebenso toll fand ich es als damals 15-Jährige, mich ausloggen und mein normales Leben weiterführen zu können. Heute schaue ich mir die YouTube-Kommentare nur selten an, denn sie sind oft sehr durcheinander und manchmal – sagen wir – wenig konstruktiv.

abi>> Wie ging es für dich nach deinem ersten YouTube-Hit weiter?

Ein Porträt-Foto von LEA

LEA

Foto: Four Music

LEA: Ich schrieb weiter Songs, veröffentlichte alle sechs bis sieben Monate neue Videos und baute so mein Repertoire aus. Aber mir war gleichzeitig wichtig, erst einmal herauszufinden, was ich im Leben erreichen will, bevor ich einer musikalischen Karriere nachging. Ich machte Abitur und reiste danach für ein halbes Jahr nach Argentinien. Dort betreute ich in einem sozialen Projekt Kinder und Jugendliche nach der Schule, gab ihnen zum Beispiel Klavierunterricht. Ich ging bewusst alleine, ohne eine Freundin. Natürlich war ich dann manchmal einsam. Aber ich lernte, diesen Schmerz auszuhalten, selbst klarzukommen – und daran zu wachsen.

abi>> Diese Einsamkeit, aber auch die erste Liebe, der erste Herzschmerz, die Kraft für neue Erlebnisse und die Reiselust – deine Songs handeln von sehr persönlichen Themen. Was möchtest du mit deiner Musik ausdrücken?

LEA: Beim Songschreiben packe ich mein Herz aus. Das macht mich verletzbar, aber so kann ich meine Erfahrungen und Gefühle verarbeiten. Ich schreibe in erster Linie für mich und freue mich dann riesig, wenn andere Menschen berührt sind von meiner Musik und sich verstanden fühlen.

abi>> Deine YouTube-Videos werden millionenfach geklickt, du hast einen Plattenvertrag ergattert und dein Debütalbum „Vakuum“ herausgebracht, arbeitest mit bekannten Künstlern wie Glasperlenspiel oder Mark Forster zusammen und bist gerade auf Tour: Wie ist das Leben als erfolgreiche Musikerin denn so?

LEA: Gerade bin ich jeden Tag woanders, Touren bringt super viel Abwechslung. Ich treffe jede Menge Künstler und lerne von ihnen. Im Sommer spiele ich auf mehreren Festivals, da freue ich mich total drauf! Und wenn ich live spiele, die Gefühle der Leute in ihren Gesichtern ablesen kann und sie meine Texte mitsingen – dann weiß ich wieder, warum ich das mache! Ich kann nicht sagen, wo ich in zwei Jahren stehen werde, aber das ist okay. Ich mache einfach mein Ding solange es geht.

abi>> Und was gehört eher zur Kehrseite deines Berufs?

LEA: Gerade während der Touren bin ich wenig zu Hause und sehe meine Familie und Freunde nur selten. Das fällt mir manchmal sehr schwer.

abi>> Neben deiner Musikkarriere studierst du in Hannover im Bachelor Musik und Sonderpädagogik – wie bekommst du beides unter einen Hut?

LEA: Natürlich kann ich nicht so viel Zeit ins Studium investieren wie ein Vollzeit-Studierender. Vor fünf Jahren habe ich mein Studium angefangen, mittlerweile alle Kurse belegt und müsste nun „nur noch“ meine Bachelorarbeit schreiben. Dass ich durch den Abschluss einen Plan B haben werde – oder auch Plan F oder G (lacht) –, finde ich gut. Außerdem wollte ich nicht auf das typische Studi-Leben verzichten, das macht nämlich mega Spaß.

abi>> Wie geht es musikalisch für dich weiter?

LEA: Nach der Festival-Saison und einigen Zusatzshows im August möchte ich im Herbst oder Winter – wenn alles gutgeht – ein neues Album produzieren.

abi>> Was können deine Fans vom zweiten Album erwarten?

LEA: Ich möchte noch mehr musikalisch aus mir rausgehen. Mein Debütalbum „Vakuum“ ist ein innerer Dialog: Ich stelle mir viele Fragen, die wichtig sind, aber unbeantwortet bleiben. Mit dem zweiten Album möchte ich dagegen mehr zu den Menschen sprechen.

Über LEA

LEA ist 25 Jahre alt, stammt aus Kassel und heißt mit bürgerlichem Namen Lea-Marie Becker. Im Alter von 15 Jahren veröffentlichte sie auf YouTube ein Video ihres ersten selbstverfassten Songs „Wo ist die Liebe hin?“ – bis heute wurde das Video 2,7 Millionen Mal geklickt. Die Singer-Songwriterin ergatterte nach dem Abitur einen Plattenvertrag beim Label Four Music und veröffentlichte 2016 ihr Debütalbum „Vakuum“. Die Single „Leiser“ schaffte es auf Platz 13 der deutschen Single-Charts. Das deutsche DJ-Duo „Gestört aber GeiL“ brachte 2017 einen Remix von LEAs Song „Wohin willst du?“ heraus und erreichte Platz 11 in den deutschen Charts.
Live-Erfahrung sammelte sie bereits als Support-Act, etwa für Glasperlenspiel, Seven und Fabian Römer. Noch bis Ende des Jahres ist sie mit ihrem Debütalbum „Vakuum“ auf der „Fahrtwind-Tour“ und auf Festivals in ganz Deutschland unterwegs.

abi>> 02.05.2018