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„Das Gefühl kannst du schwer woanders im Leben bekommen“

Skispringer Severin Freund
Severin Freund ist Deutschlands Vorzeigeathlet im Skispringen. Parallel zum Sport baut er sich bereits jetzt ein zweites Standbein auf.
Foto: privat

Severin Freund

„Das Gefühl kannst du schwer woanders im Leben bekommen“

Severin Freund (29) ist Deutschlands erfolgreichster Skispringer seit Sven Hannawald und Martin Schmitt. Neben Gesamtweltcupsieger 2014/15 darf er sich unter anderem Weltmeister und Olympiasieger nennen. Warum er neben dem Sport trotzdem noch studiert, erzählt er im abi>> Interview.

abi>> Severin, bereits als Kind hast du dich durch die Vierschanzentournee für das Skispringen begeistert. Wann war für dich klar, dass du diesen Sport einmal professionell betreiben willst?

Severin Freund: Als ich zur 11. Klasse ins Wintersportinternat nach Berchtesgaden kam, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass ich Profisportler werden möchte. Den Zauber, den das Skispringen ausübt, und den Willen hatte ich natürlich schon vorher gespürt, aber ich musste erst sichergehen, ob sich der finanzielle und zeitliche Aufwand auch wirklich lohnt. Als mir das klar war, machte es Klick und der Erfolg kam.

abi>> Was fasziniert dich am Skispringen?

Ein Porträt-Foto von Severin Freund

Severin Freund

Foto: privat

Severin Freund: Ich bin in die Sportart mehr oder weniger hineingewachsen. Ich hatte immer extrem viel Spaß daran und habe ihn nach wie vor. Die Sportart ist recht speziell, schenkt einem aber unglaubliche Emotionen.

abi>> Apropos Emotionen – welche Gefühle setzt ein Sprung von der Schanze in dir frei?

Severin Freund: Das Gefühl, das du erlebst, wenn du mit 90 km/h von der Schanze abspringst und durch die Luft fliegst, ist einzigartig, das kannst du schwer woanders im Leben bekommen.
Es ist eine extreme Erfahrung, bei der du unglaublich feinfühlig wirst und alles um dich herum intensiv wahrnimmst. Das ist unvergleichlich.

abi>> Wie ließ sich der Schulalltag mit deiner Leidenschaft fürs Skispringen verbinden?

Severin Freund: Nach der Schule ging es für mich meistens erst mal auf die Schanze, während alle anderen ihre Hausaufgaben erledigt und den nächsten Schultag vorbereitet haben. Es fiel mir schwer, mich abends nochmal aufzuraffen und Französisch-Vokabeln zu lernen, wenn meine Freunde Freizeit hatten. Meine Noten wurden schlechter und schließlich bin ich auf das Internat nach Berchtesgaden gewechselt. Dort lief dann alles strukturierter ab. Nach dem Unterricht gab es eine Trainingseinheit und abends eine gemeinschaftliche Lernzeit. Da motiviert man sich viel leichter. Ich hatte mehr Zeit, verpassten Stoff aufzuholen und konnte Klausuren nachschreiben, wenn ausreichend Zeit dafür war – beispielsweise auch in den Ferien.

abi>> Wie sieht dein Tagesablauf heute aus?

Severin Freund: Im Sommer mache ich viel Athletiktraining zu Hause in München oder bin auf der Schanze in Oberstdorf. Außerdem besuche ich Lehrgänge mit der Mannschaft. Dann haben wir morgens und nachmittags je eine Trainingseinheit. Zwischendurch verbringe ich viel Zeit mit dem Videostudium. Im Winter stehen viele Wettkämpfe an – da ist es besonders wichtig, dem Körper nach einem intensiven Training ausreichend Regenerationszeit zu geben.

abi>> Du konntest bereits mehrere Titel erringen. Welcher bedeutet dir persönlich am meisten?

Severin Freund: Der Gesamtweltcup! Den bewerte ich sportlich am höchsten, weil man über einen längeren Zeitraum konstant sein muss. Über die ganze Saison werden äußere Faktoren wie beispielsweise Glück weitgehend egalisiert. Ich hatte in meiner Karriere wenig konkrete Ergebnisziele, die ich erreichen wollte, aber wenn es eines gab, dann war es der Gesamtweltcup. Das zu schaffen, war etwas ganz Besonderes. Dennoch hat jeder Erfolg seine eigene Geschichte und ist auf seine Weise besonders.

abi>> Was sind deine persönlichen Ziele für die Zukunft?

Severin Freund: Als erstes möchte ich wieder gesund werden und die Verletzung, die ich mir im Training zugezogen habe, auskurieren, damit ich in der nächsten Saison wieder einsteigen kann. Ich möchte später einmal sagen können, dass ich mich während dieser Phase bestmöglich für die Zukunft aufgestellt habe. Mein Ziel ist es, wieder auf mein altes Niveau zu kommen und an meine bisherigen Erfolge anzuknüpfen. Dabei möchte ich mir treu bleiben. Dazu gehört auch, im richtigen Moment abzuspringen und meine Karriere als Profisportler zu beenden.

abi>> Und wie stellst du dir deine Zukunft jenseits des Skispringens vor?

Severin Freund: Konkrete Pläne habe ich noch keine, da ich mich im Moment zu 100 Prozent auf meine Karriere als Sportler konzentriere. Wenn das Kapitel Skispringen einmal vorbei ist, möchte ich mich mit derselben Motivation meiner späteren Arbeit widmen, wie auch immer die aussehen mag. Schön wäre es natürlich, wenn ich beruflich den Bezug zum Sport nicht verliere.

abi>> Seit 2008 studierst du an der Hochschule Ansbach den Studiengang „International Management“, der explizit für Spitzensportler konzipiert ist. Ein zweites Standbein neben dem Sport ist dir schon jetzt wichtig, oder?

Severin Freund: Ja, sehr. Es war für mich nie eine Frage, ob ich studieren will, sondern viel mehr eine Selbstverständlichkeit, dass ich mit meinem Abitur etwas anfange. Man weiß nie, wann die sportliche Karriere vorbei ist. Daher ist es gut, sich frühzeitig noch andere Optionen offenzuhalten.

abi>> Was machst du zum Ausgleich neben Studium und Skispringen?

Severin Freund: Ich habe kein abgefahrenes Hobby neben dem Skispringen. Dafür fehlen mir Zeit und Muße. Ich bin viel in München unterwegs, gehe gerne ins Kino, schaue Serien, lese mal ein Buch, koche und genieße die Zeit mit Familie und Freunden – eigentlich ganz normale Dinge.

Über Severin Freund

Severin Freund wurde am 11.05.1988 in Freyung geboren. Mit sechs Jahren begann er mit dem Skisprungtraining. 2003 nahm er erstmals als Kadermitglied der DSV-Mannschaft am Continental-Cup teil, konnte sich dort aber nicht etablieren. Nach seinem Abitur im Jahr 2007 wurde er in den Weltcup-Kader berufen und gehört ihm seitdem fast durchgehend an. 2014/15 gewann er den Gesamt-Weltcup im Skispringen und wurde außerdem Weltmeister von der Großschanze in der Einzelkonkurrenz sowie mit dem Mixed-Team. Bereits im Jahr zuvor konnte er den Weltmeistertitel im Skifliegen sowie den Olympiasieg mit der Mannschaft erringen. Derzeit ist Severin Freund aufgrund eines Kreuzbandrisses zu einer Pause gezwungen und kann daher nicht an den Olympischen Spielen in Pyeongchang teilnehmen.

 

Er lebt mit seiner Frau Caren in München und studiert seit 2008 „Internationales Management“ an der Hochschule Ansbach.

abi>> 08.12.2017