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„Die Leute fangen an, einem das zu glauben“

Ein Porträt-Foto von Timur Bartels
Timur Bartels hat als Schauspieler schon viele verschiedene Rollen gespielt. Jede erfordert eine andere sprachliche Ausgestaltung.
Foto: privat

Timur Bartels

„Die Leute fangen an, einem das zu glauben“

Im TV ist er als Alex im „Club der roten Bänder“ oder als Kriminalkommissar in „Die Spezialisten – Im Namen der Opfer“ zu sehen, in der Zeichentrickserie „Wickie und die starken Männer“ spricht er Gunnar: Der Schauspieler Timur Bartels (21) erläutert im Interview, welche Bedeutung die deutsche Sprache für seinen Beruf hat.

abi>> Timur, wie wichtig ist die Sprache als Arbeitsmedium für dich als Schauspieler?

Timur Bartels: Sprache ist einer der wichtigsten Faktoren bei meiner Arbeit. Das Schöne am Beruf des Schauspielers ist, dass er so abwechslungsreich ist. Das betrifft auch die Sprache. Ich habe gleichzeitig für „Club der roten Bänder“ einen 15-jährigen schwerkranken Jugendlichen und für „Die Spezialisten“ einen 23-jährigen Kriminalkommissar gespielt. Da muss man sich auf unterschiedliches Deutsch einstellen. Das kann ganz anders sein, als man es im Alltag sprechen würde.

abi>> Hast du Einfluss darauf, was du in den Rollen sagen darfst, oder lernst du nur das Vorgegebene auswendig?

Ein Porträt-Foto von Timur Bartels

Timur Bartels

Foto: privat

Timur Bartels: Es gibt Leseproben, bei denen wir Schauspieler Änderungsvorschläge machen dürfen. Das ist manchmal durchaus nötig. Wenn beispielsweise ein 60-jähriger Drehbuchautor eine Rolle für einen 18-Jährigen schreibt, ergänzen wir Ausdrücke in der aktuellen Jugendsprache, damit die Figur authentisch ist.

abi>> Wie wichtig ist die Sprache beim Vermitteln von Emotionen?

Timur Bartels: Die Sprache ist elementarer Bestandteil in meinem Beruf. Deshalb haben wir Sprechunterricht, um sie richtig einzusetzen. Wenn man beispielsweise am Ende der Sätze die Stimme senkt und einen deutlichen Punkt setzt, ist das ein Zeichen von Sicherheit. Die Leute fangen dann an, einem das zu glauben, was man erzählt.

abi>> Ist es für dich leichter, deine Rollen in deiner Muttersprache, also auf Deutsch, als in einer Fremdsprache zu spielen?

Timur Bartels: Für mich ist es einfacher, auf Deutsch zu arbeiten. Die englische Sprache beispielsweise fühlt sich ganz anders an. Wenn man außerdem Erfahrungen aus dem eigenen Leben nachspüren und wieder hochholen will, denkt man ja auch auf Deutsch, weil man es in dieser Sprache erlebt hat.

abi>> Wie setzt man die mündliche und die Körpersprache ein?

Timur Bartels: Wichtig ist, dass man weiß, warum man in der Rolle etwas sagt. Soll sich das Gegenüber in mich verlieben oder gibt es gerade Streit? Dann kommt die Körpersprache und die Art, wie man etwas sagt, ganz automatisch. Das lernt man im Schauspielunterricht. Das Schauspielern ist ein Handwerk, das man erlernen und in dem man sich immer verbessern kann. Selbst Leute wie Al Pacino haben noch Lehrer.

abi>> Setzt man die Sprache beim Synchronisieren anders ein als beim Drehen?

Timur Bartels: Die zusätzliche Schwierigkeit beim Synchronisieren ist, dass man dem anderen Schauspieler oder der Zeichentrickfigur gerecht werden möchte. Außerdem steht man in einem schwarzen Studio und nicht in einer Filmkulisse. So ist es noch schwieriger, sich hineinzuversetzen und durch die Sprache die Rolle zum Leben zu erwecken.

abi>> 26.06.2017