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„Es gibt kein Rezept für gute Jobangebote“

Ein Porträt-Foto von Tom Wlaschiha
Tom Wlaschiha ist unter anderem durch seine Rolle des Jaqen H'ghar in der Erfolgsserie "Game of Thrones" bekannt. Wie es für ihn weitergeht, verrät er in einem Gespräch mit abi>>.
Foto: André Röhner

Tom Wlaschiha

„Es gibt kein Rezept für gute Jobangebote“

Der deutsche „Game of Thrones“-Star Tom Wlaschiha erzählt von seiner Karriere im internationalen Filmgeschäft.

abi>> Ihr Durchbruch im internationalen Filmgeschäft gelang Ihnen mit der Rolle des Jaqen H’ghar in „Game of Thrones" (GoT) – wie kommt man an so ein Spitzen-Engagement?

Tom Wlaschiha: Meine Entscheidung, mir eine Agentur in England zu suchen, war anfangs meiner Unzufriedenheit über die Jobangebote hier in Deutschland geschuldet. Ich wollte ein zweites Standbein haben, und auch in London hat es zwei Jahre gedauert, in denen ich unzählige Treffen und Castings hatte, bis ich die ersten kleineren Engagements bekam. Eine gute Agentur ist im besten Fall ein Türöffner und guter Begleiter, aber keine Arbeitsgarantie. Als ich für die zweite Staffel GoT gecastet wurde, war die Serie in Europa noch völlig unbekannt, und niemand konnte den heutigen weltweiten Erfolg absehen. Das Castingangebot kam über meine Agentur und ich habe dann, wie heute üblich, eine Szene zu Hause auf Video aufgenommen und an die Produktion geschickt. Nach einem persönlichen Treffen mit den Produzenten wurde mir die Rolle angeboten.

abi>> Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Rollen aus?

Ein Porträt-Foto von Tom Wlaschiha

Tom Wlaschiha

Foto: André Röhner

Tom Wlaschiha: Ich glaube, das Wichtigste bei jedem Beruf ist, dass man unbedingt das liebt, was man tut und darin eine Erfüllung findet, unabhängig davon, wie Erfolg von Außenstehenden definiert wird. Man muss auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, unabhängig von flüchtigen Faktoren wie Ruhm und Bekanntheitsgrad glücklich sein zu können. Jeder kreative Beruf ist sehr unsicher, genau wie der Geschmack des Publikums. Als Schauspieler möchte ich anspruchsvolle und möglichst unterschiedliche Rollen spielen, mit Leuten zusammenarbeiten, die ihr Handwerk verstehen, um selbst immer besser zu werden. Ich suche nach guten Drehbüchern. Da spielt es erstmal überhaupt keine Rolle, ob das ein kleiner Studentenfilm oder eine große internationale Produktion ist. Man lernt überall dazu, wichtig ist, dass man überhaupt arbeitet.

abi>> Nun haben Sie eine große Rolle in der US-amerikanischen Serie "Tom Clancy's Jack Ryan" bekommen. Läuft es nach dem GoT-Erfolg von allein?

Tom Wlaschiha: Mir werden definitiv mehr und größere Rollen angeboten, was natürlich auch damit zu tun hat, dass Film und Fernsehen ein Geschäft sind und man als Schauspieler vom Bekanntheitsgrad lebt. Es gibt aber kein Rezept für gute Jobangebote. Ich glaube, dass es nicht schadet, wenn man versucht, sich selbst ab und zu von außen zu betrachten und realistisch einzuschätzen, wo man steht und wie andere Leute einen sehen. Außerdem glaube ich, dass man Risiken eingehen, sich bewusst der Unsicherheit aussetzen und ins kalte Wasser springen muss. Ich bin vor einigen Jahren eine längere Zeit nach London gezogen, einfach weil ich das Gefühl hatte, dort sein zu wollen. Ich habe auch schon gute und gutbezahlte Engagements gekündigt, ohne einen anderen Job in Aussicht zu haben, weil ich mich nicht zu hundert Prozent gefordert gefühlt habe. Meine Arbeit erfordert eine große Flexibilität, zeitlich und räumlich, was nicht immer schön und einfach ist, wenn man monatelang in fremden Städten in Hotelzimmern wohnt.

abi>> Was bedeutet es, in internationalen Teams zu arbeiten?

Tom Wlaschiha: Die Arbeit an einem Filmset ist weltweit ähnlich, den einzigen Unterschied macht das jeweilige Budget aus. Für mich persönlich war es immer reizvoll, international zu arbeiten, weil ich Sprachen schon immer mochte und auch gern viel unterwegs bin. Die Arbeitssprache an den meisten Filmsets im Ausland ist natürlich Englisch.

abi>> In welchen Ländern haben Sie bisland gedreht?

Tom Wlaschiha: Ich war allein im vergangenen Jahr zum Arbeiten in China, Kolumbien, den USA und mehreren europäischen Ländern, teils für Monate, manchmal nur für einige Tage. Das ist wahnsinnig interessant, da man neben dem Dreh auch freie Tage hat und Städte und Länder kennenlernt, ist aber natürlich nicht so gut für meine persönliche Ökobilanz.

abi>> Was raten Sie jungen Menschen, die eine internationale Karriere anstreben?

Tom Wlaschiha: Es kann nicht schaden, wenn man sich selbst realistisch einschätzen kann, seine Stärken kennt und an seinen Schwächen arbeitet. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass es Entscheidern gefällt, wenn man weiß, was man will und für das Erreichen der Ziele bereit ist, auch bestimmte Opfer zu bringen.

Über Tom Wlaschiha

Tom Wlaschiha, geboren 1973 in Dohna, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Seit 1995 ist er regelmäßig im deutschen Fernsehen zu sehen, etwa in den Serien „Berlin Falling“ und „Das Boot“. 2001 spielte er erstmals auch in internationalen Produktionen, so in der Serie „Crossing Lines“. Sein Durchbruch gelang ihm mit einer Rolle in der HBO-Erfolgsserie „Game of Thrones“.

abi>> 26.11.2018