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Ausbildung oder Studium in Deutschland

Eine Frau schreibt mit Kreide auf eine Tafel.
Studium oder Ausbildung? Beides ist in Deutschland möglich. Wer sich für ein Studium entscheidet, lernt gemeinsam mit Kommilitonen.
Foto: Martin Rehm

Schritt 1

Ausbildung oder Studium in Deutschland

Was braucht man, um in Deutschland zu studieren? Und was genau ist eigentlich eine Ausbildung? Wie läuft diese ab? Und was ist ein duales Studium? Hier bekommst du einen Überblick, welche Möglichkeiten du hast und welche Voraussetzungen du jeweils erfüllen musst.

In Deutschland herrscht Schulpflicht. Sie beginnt ungefähr mit dem sechsten Lebensjahr und dauert – je nach Bundesland – meistens neun bis zehn Jahre. Gute Leistungen vorausgesetzt, kannst du aber noch weiter zur Schule gehen und nach insgesamt zwölf oder dreizehn Jahren das Abitur machen – zum Beispiel auf einem Gymnasium oder einer Gesamtschule beziehungsweise Gemeinschaftsschule mit Oberstufe. Damit hast du die allgemeine Hochschulreife erreicht, mit der du an einer Fachhochschule oder Universität studieren darfst. (Weitere Informationen im Beitrag „Schulsysteme der Bundesländer“)

Mit dem Abitur kannst du aber nicht nur studieren, sondern auch eine Ausbildung machen. Für die meisten Ausbildungen wird kein bestimmter Schulabschluss vorausgesetzt. Jedoch hat man mit dem Abitur einen Schulabschluss, mit dem man bei Unternehmen in der Regel sehr gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz hat.

Ausbildung?

Eine Ausbildung dauert zwischen einem und dreieinhalb Jahren, meistens aber drei Jahre. Es gibt zwei Arten von Ausbildungen in Deutschland:

In einer dualen Ausbildung lernst du im Unternehmen das praktische Arbeiten. Wenn du zum Beispiel eine handwerkliche Ausbildung machst, erfährst du dort, wie du mit welchen Werkzeugen umgehst. In einer kaufmännischen Ausbildung lernst du etwa den Umgang mit bestimmten Computerprogrammen oder wie du dich gegenüber Kunden verhältst. Die Theorie zu deinem Beruf lernst du im Fachunterricht in der Berufsschule – zum Beispiel Mathematik, Englisch, Wirtschaft oder Recht.

In manchen Ausbildungen arbeitest du drei Tage in der Woche im Unternehmen und gehst an den anderen beiden Tagen in die Berufsschule. Bei anderen Ausbildungen bist du abwechselnd für mehrere Wochen im Unternehmen und an der Berufsschule. Weil du im Unternehmen mitarbeitest, erhältst du eine Ausbildungsvergütung, das heißt du wirst vom Unternehmen bezahlt. Die Vergütung steigt mit jedem Ausbildungsjahr. In Deutschland gibt es rund 330 duale Ausbildungsberufe.

Die schulische Ausbildung findet vor allem an einer Berufsfachschule statt. Typische Berufe mit einer schulischen Ausbildung sind zum Beispiel Gesundheits- und Krankenpfleger, Ergotherapeut, Erzieher, Medizinisch-technischer Assistent oder Fremdsprachenkorrespondent. Berufserfahrung sammelst du dabei vor allem in Praktika. In den meisten schulischen Ausbildungen bekommst du kein Geld. Um sie zu finanzieren, kannst du nebenbei arbeiten oder deine Familie unterstützt dich. Oder du prüfst, ob der deutsche Staat dich fördern kann, zum Beispiel über Schüler-BAföG.
Ausbildungen beginnen meistens am 1. August oder 1. September, manchmal auch am 1. Februar oder am 1. April. Bewerben solltest du dich früh. Manche Unternehmen suchen bereits eineinhalb Jahre vor Ausbildungsstart nach geeigneten Kandidaten. Bei anderen kommt man auch wenige Monate oder Wochen vorher noch unter.

Yemen Akkad (24) lässt sich in seinem Wunschberuf ausbilden. Er wird Fotograf. >> zur Reportage

 

Somayeh Ahmad Fakhrodin (35) muss von vorne beginnen und macht eine Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. >> zur Reportage

Studium?

Wenn du studieren willst, musst du dich zuerst für den gewünschten Studiengang bewerben. Möglich ist eine Bewerbung nur zweimal im Jahr. Meistens muss sie für einen Studienstart zum Wintersemester (Dauer: Oktober bis März) bis Mitte Juli bei der Hochschule eingegangen sein. Wenn du zum Sommersemester (Dauer: April bis September) mit deinem Studium anfangen willst, musst du dich in der Regel bis Mitte Januar bewerben.

Viele Studienfächer sind sehr beliebt, das heißt, es gibt mehr Bewerber als Studienplätze. In diesem Fall müssen die Hochschulen auswählen, wen sie zum Studium zulassen. Es gibt Studiengänge, die an jeder Hochschule zulassungsbeschränkt sind (bundesweit). Das heißt, für die Studiengänge steht nur eine bestimmte Zahl von Studienplätzen zur Verfügung, zum Beispiel bei Medizin und Pharmazie. Für diese bewirbst du dich zentral über das Portal www.hochschulstart.de der Stiftung für Hochschulzulassung.

Andere Studiengänge sind nur an manchen Hochschulen zulassungsbeschränkt (örtlich), an anderen zulassungsfrei. Für örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge bewirbst du dich direkt bei der Hochschule und/oder über www.hochschulstart.de. Je nach Studiengang und Hochschule musst du unterschiedliche Voraussetzungen erfüllen, um zugelassen zu werden. Informiere dich am besten auf der Webseite der jeweiligen Hochschule, welche das sind.

Die meisten der fast 9.500 grundständigen Studiengänge, die man direkt nach dem Abitur aufnehmen kann, schließen mit einem Bachelor ab. Daneben gibt es Studiengänge mit Staatsexamen (zum Beispiel Medizin) und selten Studiengänge, in denen man einen Diplom- oder Magisterabschluss erwirbt. Bachelorstudiengänge dauern in der Regel sechs bis acht Semester. Viele Studierende machen danach noch den Master, der noch einmal zwei bis vier Semester dauert.
Das Studium ist in Deutschland kostenlos – außer du besuchst eine private Hochschule. An staatlichen Hochschulen musst du nur einmal im Semester einen Beitrag für die Verwaltung und gegebenenfalls eine Fahrkarte bezahlen. Wie viel das ist, bestimmt die Hochschule. Manche verlangen 50 Euro, andere 300 Euro. Verschiedene Hochschulen erlassen oder übernehmen die Gebühren für Verwaltung, Fahrkarte, Prüfungen oder Deutschkurse, um Geflüchtete zu unterstützen.

Damit sie Miete und Essen bezahlen können, arbeiten viele Studierende nebenbei, zum Beispiel in der Gastronomie. Außerdem kannst du die staatlich geförderte Finanzierungshilfe BAföG beantragen. Das ist ein monatlicher Zuschuss, den du unter bestimmten Umständen bekommen kannst – zum Beispiel, wenn deine Familie dich nicht ausreichend finanziell unterstützen kann. Die Hälfte dieses Geldes musst du nach dem Studium zurückzahlen. Die andere Hälfte bekommst du geschenkt. Verschiedene Stiftungen und Organisationen bieten außerdem Stipendien speziell für Geflüchtete an. (Mehr zum Thema Studienfinanzierung gibt es unter finanzen.abi.de.)

Pouria Noie (27) studiert aktuell Medieninformatik an der Technischen Hochschule in Nürnberg. >> zur Reportage

Oder beides zusammen?

Es gibt auch noch eine besondere Ausbildungsform: das duale Studium. Dabei absolvierst du eine Ausbildung oder Praxisphasen in einem Unternehmen und studierst gleichzeitig. Es gibt zwei Formen: die eine kombiniert Ausbildung und Studium, die Absolventen erhalten also einen Ausbildungs- und einen Studienabschluss. In der anderen Variante sind Praxisphasen in einem Unternehmen fest eingeplant, am Ende erwirbt man aber nur einen Hochschulabschluss. Duale Studiengänge dauern zwischen drei und viereinhalb Jahren. (Mehr zum Thema duales Studium liest du unter duales-studium.abi.de.)

Sawasan Alobied (29) bereitet sich an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) auf ein Studium der Wirtschaftsinformatik vor.  >> zur Reportage

 Voraussetzungen

Wenn du die Schulzeugnisse aus deinem Heimatland mitgebracht hast, kannst du sie in Deutschland anerkennen lassen (Mehr zur Anerkennung in Schritt 4: Was ist mein Zeugnis wert?). Wenn sich dabei herausstellt, dass du hier noch nicht studieren darfst, kannst du das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen. Das kannst du an Abendgymnasien oder Kollegs machen.

Und auch wenn du qualifiziert bist, musst du natürlich trotzdem erst die deutsche Sprache lernen. Das kannst du zum Beispiel in einem Sprachkurs, in den dich die Agentur für Arbeit oder das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) schicken. Auch viele Hochschulen bieten Sprachkurse an und haben außerdem zusätzliche Plätze in ihren Studienkollegs und anderen Vorbereitungskursen oder Orientierungsprogrammen (z.B. Schnupperstudium) geschaffen, um Geflüchtete auf die Aufnahme eines Studiums vorzubereiten. Je nach Hochschule dauert ein Studienkolleg zwischen sechs und zwölf Monaten.

Mehr Info

Anlaufstellen und wichtige Links

 abi>> Portal

Rubrik "Studim": studium.abi.de

- Was studieren?

- Wo studieren?

- Wie studieren?

Rubrik "Ausbildung": ausbildung.abi.de

 

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abi>> 05.04.2019