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Noch mal von vorn

Bunte Zahnbürsten in einem Behälter.
Die Ausbildung in einer Praxis ist vielseitig und bietet die Chance, am deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Foto: Frank Pieth

Arbeiten als Zahnmedizinische Fachangestellte

Noch mal von vorn

Somayeh Ahmad Fakhrodin arbeitete in ihrer Heimatstadt Ahwas im Iran zwölf Jahre lang als Zahnmedizinische Fachangestellte. Da sie keinen Berufsabschluss nachweisen kann, beginnt die 35-Jährige in Deutschland von vorne: Seit dem 1. September 2018 macht sie eine Ausbildung in der Zahnarztpraxis Dr. Aneliya und Norbert Schulz in Nürnberg-Altenfurt.

Am Vormittag assistierte Somayeh Ahmad Fakhrodin bei einer Operation: Ein Patient erhielt ein Zahnimplantat. Außerdem hilft sie, Füllungen und Gebissabdrücke vorzubereiten oder Instrumente und Geräte zu reinigen. „Ich liebe diese Arbeit. Sie hat mir schon im Iran großen Spaß gemacht“, erzählt sie. „Die Abläufe in der Zahnarztpraxis, in der ich lerne, sind etwas anders als damals in Ahwas, aber ich habe mich schnell zurechtgefunden.“ Vor allem mit den neuen, modernen Geräten arbeitet sie gerne. „Die größte Hürde sind nicht die Arbeitsabläufe, sondern die deutsche Sprache“, sagt sie. „Insbesondere die Fachbegriffe.“

Seit drei Jahren ist Somayeh Ahmad Fakhrodin in Deutschland. Nach ihrer Ankunft wechselte sie mehrmals die Unterkunft, bis sie schließlich im Raum Nürnberg bleiben konnte. „Ich kam alleine nach Deutschland. Das war am Anfang sehr schwierig für mich. Ich wollte die Sprache schnell lernen, aber das geht nur, wenn man regelmäßig mit Einheimischen spricht“, berichtet sie. Nach sechs Monaten nahm sie an einem Deutschkurs teil, übte zudem mit Büchern und Lernvideos. Über ein Sprachtandem fand sie eine Frau, die Persisch lernen wollte – und sie im Gegenzug beim Deutschlernen unterstützte.

„Ich will eine Ausbildung machen“

Ein Portrait-Foto von Somayeh Ahmad Fakhrodin.

Somayeh Ahmad Fakhrodin

Foto: Larissa Taufer

Als die Beraterin im Jobcenter nachfragte, was Somayeh Ahmad Fakhrodin beruflich machen möchte, wusste diese bereits, dass sie nicht so einfach in ihrem gelernten Beruf arbeiten kann. „Im Iran gibt es keine Ausbildungen mit Zertifikat, in Deutschland schon. Schon in den Aufnahmelagern habe ich von anderen Iranern gehört: In Deutschland braucht man eine Ausbildung. Also sagte ich zur Beraterin: Ich will eine Ausbildung machen.“

Unterstützung erhielt sie in ihrem Vorhaben durch Ingeus, eine Agentur, die Geflüchtete bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt. Dort absolvierte Somayeh Ahmad Fakhrodin den Online-Test Check.Work, der ermittelt, welche beruflichen Kenntnisse jemand mitbringt. Anhand von Bildern und Fachfragen zeigen die Teilnehmer, in welchem Berufsfeld und mit welchen Arbeitsmitteln sie bereits gearbeitet haben. „Mit dem Testergebnis konnte ich nachweisen, dass ich mich mit der Arbeit als Zahnmedizinische Fachangestellte auskenne“, sagt die 35-Jährige. Damit bewarb sie sich schriftlich bei verschiedenen Zahnarztpraxen – zunächst erfolglos.

„Das lag sicherlich an meinen schlechten Deutschkenntnissen. Meine Beraterin bei Ingeus glaubte jedoch an mich und hat auch außerhalb ihrer Arbeitszeit weiter nach einer Ausbildungsstelle für mich gesucht – und mir die Tür zur Zahnarztpraxis Dr. Aneliya und Norbert Schulz geöffnet, die mir eine Chance gegeben haben. Dafür bin ich sehr dankbar“, erzählt sie.

Arbeit wichtig für Integration

Somayeh Ahmad Fakhrodin schaut noch häufig ihren Kolleginnen und den Zahnärzten über die Schulter, um sich mit den Arbeitsabläufen vertraut zu machen. Inzwischen spricht sie häufiger mit den Patienten. „Arbeiten ist wichtig, um sich zu integrieren und die Sprache zu lernen“, lautet ihre Erfahrung. Ihr Deutsch wird von Woche zu Woche besser, sodass sie mittlerweile auch dem Unterricht an der Berufsschule, die sie zweimal wöchentlich besucht, gut folgen kann. „Meine Kolleginnen und Chefs sind geduldig, das nimmt den Druck“, sagt sie erleichtert.

Ihre Ausbildung dauert drei Jahre. Wenn sie gute Leistungen bringt, kann sie auf zwei Jahre verkürzen. Danach möchte sie eine Weiterbildung machen. „Das ist auch etwas, das es im Iran nicht gibt. Ich finde das ganz toll und will diese Chance auf jeden Fall nutzen.“

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abi>> 05.04.2019