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Über Praktika in die Ausbildung

Auf dem Foto ist die Nahaufnahme einer nostalgischen Kamera zu sehen.
Die Ausbildung zum Fotografen dauert drei Jahre.
Foto: Julien Fertl

Ausbildung zum Fotografen

Über Praktika in die Ausbildung

Vor vier Jahren kam Yemen Akkad aus dem syrischen Aleppo nach Deutschland. Seit August 2018 macht der 24-Jährige eine duale Ausbildung in seinem Wunschberuf Fotograf beim Fotostudio Picture People in Nürnberg.

 

Sechs Hunde sollen auf das Foto. Sie alle müssen auf einer Couch still sitzen. „Das war schwierig“, erzählt Yemen Akkad und lacht. „Das Shooting hat fast drei Stunden gedauert und ich habe um die 450 Fotos gemacht. Am Ende haben wir zehn Fotos gefunden, die waren der Hammer.“ Die Kundin war glücklich – und er auch. Inzwischen weiß er, wie er für gute Stimmung während der Aufnahmen sorgen kann. „Ein dreijähriges Mädchen hatte zum Beispiel überhaupt keine Lust fotografiert zu werden. Da habe ich ihr versprochen, dass wir auf den letzten Fotos Konfetti streuen, wenn sie mitmacht.“ Es funktionierte.

Das Foto zeigt den Auszubildenden mit Kamera im Fotostudio.

Yemen Akkad

Foto: privat

Das Fotostudio, in dem Yemen Akkad ausgebildet wird, ist auf Porträtfotografie spezialisiert: für Bewerbungen, von Familien, Paaren oder auch Tieren. Der angehende Fotograf hat mittlerweile Erfahrung mit allen Themen, er kümmert sich selbstständig um Hintergründe, Requisiten, Beleuchtung und Kameraeinstellungen. Außerdem bearbeitet er Bilder und druckt sie aus. Einmal im Monat ist er eine Woche lang an der Berufsschule und besucht Fächer wie Bildgestaltung, Aufnahmetechnik und Kommunikation. „In der Schule lerne ich zum Beispiel auch etwas über Produktfotografie und erfahre, wie ich mich über Körperhaltung und Auftreten präsentiere“, sagt er.

Von Aleppo nach Passau

Fotograf ist Yemen Akkads Wunschberuf. Seine Eltern betreiben in Aleppo ein Fotostudio, wo er arbeitete. Allerdings studierte er auch Biologie an der Universität. „Eine Ausbildung oder ein Studium zum Fotografen gibt es in Syrien nicht, daher habe ich mich für ein anderes Fach entschieden. Ein Hochschulabschluss verleiht berufliche Sicherheit“, erklärt er.

Als er Gefahr lief, in die syrische Armee eingezogen zu werden und in den Krieg ziehen zu müssen, entschloss sich Yemen Akkad, das Land zu verlassen. Zu Fuß passierte er im Frühjahr 2015 die türkische Grenze. Drei Monate lang arbeitete er in der Türkei, sah dort jedoch keine Perspektive für sich. Gemeinsam mit Freunden machte er sich auf den Weg nach Deutschland, setzte mit dem Boot nach Griechenland über, reiste mit Bahn, Bus sowie zu Fuß über Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich bis nach Passau, wo er sich bei der Polizei meldete.

In Bayern wurde er in verschiedenen Unterkünften untergebracht, bis er schließlich im Raum Nürnberg eine Wohnung fand. Ein Jahr dauerte es, bis Yemen Akkad eine Aufenthaltserlaubnis erhielt. Während dieser Zeit konnte er keiner Ausbildung oder Arbeit nachgehen. „Ich habe die Zeit genutzt, um Deutsch zu lernen, zum Beispiel mit YouTube-Videos“, erinnert er sich. Als über seinen Aufenthalt entschieden war, vermittelte das Jobcenter ihm einen Integrationskurs, wo er auch ein Deutschzertifikat auf B2-Niveau erwarb.

Persönlich bei Betrieben vorstellen

Eine große Hilfe war zudem eine Arbeitsvermittlung, die auf Geflüchtete spezialisiert ist. „Die Mitarbeiter haben mir geholfen, einen Lebenslauf zu erstellen und Bewerbungen zu schreiben“, sagt Yemen Akkad. Auch die beiden mehrwöchigen Praktika, die er bei einem Fotostudio und einem Verlag in Nürnberg absolvierte, kamen über Ingeus zustande. „Im Verlag habe ich Produkte fotografiert, aber auch die Redakteure zu Außenterminen begleitet“, erzählt er. Einen guten Rat erhielt er von seiner Betreuerin: „Sie meinte, ich soll mich persönlich bei Ausbildungsbetrieben vorstellen, weil ich eine sympathische Art habe.“ Auf diese Weise konnte er bei Picture People sofort überzeugen – kurz danach startete er in die dreijährige Ausbildung.

Die will Yemen Akkad auf jeden Fall erfolgreich beenden. Danach kann er sich vorstellen, als angestellter oder freier Fotograf zu arbeiten. Auch ein Designstudium kommt infrage. „Ich hatte das Glück, dass ich immer nette Leute getroffen habe, die mir geholfen haben. Ich fühle mich integriert, obwohl ich immer wieder merke, dass ich anders ticke als die Deutschen.“

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abi>> 02.04.2019

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