Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Plan B

Detailaufnahme von Büchern in einem Regal.
Um in Deutschland Medieninformatik zu studieren, sind ausreichende Sprachkenntnisse Voraussetzung.
Foto: Thomas Starke

Studium der Medieninformatik

Plan B

Pouria Noie (27) stammt aus Gorgan, einer Stadt im Norden des Irans. Aktuell studiert er Medieninformatik an der Technischen Hochschule in Nürnberg.

Das Studium sieht der 27-Jährige als „zweite Chance“. Bereits in Teheran hat er einen Bachelorabschluss gemacht – in Grafikdesign. Allerdings konnte er nicht im Iran bleiben: Sein Vater war zum Christentum konvertiert und bereits auf der Flucht. Auch Pouria Noie war christlich erzogen worden. Als er deswegen dann auch bedroht wurde, beschloss er, ebenfalls das Land zu verlassen. Über die Türkei und Griechenland kam er im April 2016 schließlich nach Deutschland, wo sein Vater bereits auf ihn wartete.

Sein eigentlicher Plan war, in Deutschland als Grafikdesigner zu arbeiten. „Ich habe es ein Jahr lang versucht, aber immer nur Absagen bekommen“, erinnert sich Pouria Noie. Davon ließ er sich aber nicht entmutigen und griff zu Plan B: ein weiteres Studium. Sein Interesse an Informatik wollte er mit den Kenntnissen aus seinem abgeschlossenen Studium kombinieren und entschied sich deshalb für Medieninformatik an der Technischen Hochschule Nürnberg. Für die Zulassung musste er die Sprachprüfung „telc Deutsch C1 Hochschule“ bestehen und sein Bachelorzeugnis von der Hochschule anerkennen lassen.

Der Studiengang Medieninformatik ist zulassungsbeschränkt. Da Pouria Noie seinen Bachelorabschluss im Iran aber mit der Note 2,0 abgeschlossen hatte, war ihm der Studienplatz in Nürnberg schließlich sicher und er konnte zum Wintersemester 2018/19 ins Studium starten. „Mir gefällt es, logisch zu denken und zu überlegen, wie man ein Programm schreiben kann“, erzählt er. „Auch die Kombination aus Informatik und Medien ist super.“ Allerdings sei das Studium auch sehr fordernd: „Ich muss jeden Tag sofort anfangen zu lernen, sobald ich zu Hause bin. Sonst kriege ich das nicht hin.“ Eine große Hürde für ihn ist dabei die Sprache. Die Art des Studiums mit Vorlesungen und Seminaren unterscheide sich zwar nicht von seinem Studium im Iran, aber „das Niveau ist höher“.

Nebenjob gesucht

Ein Portrait-Foto von Pouria Noie.

Pouria Noie

Foto: privat

Und es gibt noch eine zweite Hürde: Da Pouria Noie bereits ein abgeschlossenes Studium hat, bekommt er kein BAföG. Bis zum negativen Bescheid vom BAföG-Amt hat es aber eine Weile gedauert und so musste der Student sich nach seinem Studienstart dann noch Gedanken darüber machen, wie er das Ganze eigentlich finanzieren will. „Aufgrund der Sprachprobleme brauche ich mehr Zeit für die Vor- und Nachbereitung meines Studiums“ meint er. Einen Nebenjob bekommt er da nur schwer unter. Aber irgendwie muss es einfach gehen und deshalb ist Pouria Noie seit kurzem stolzer Werkstudent bei Siemens.

In Deutschland fühlt er sich wohl. Allerdings bedauert er es, dass er nur sehr wenig Kontakt mit seinen deutschen Kommilitonen hat. „Ich bin der einzige Ausländer im Studiengang“, erzählt er. „Es ist schwer, deutsche Freunde zu finden.“ Seine Zukunft sieht er trotzdem in Deutschland: „Wenn ich das Studium beendet habe, möchte ich gerne arbeiten, vielleicht in Köln oder Hannover“, überlegt er. Dort gefällt es ihm besser als in Süddeutschland.

<< zurück zu Schritt 1

abi>> 05.04.2019

weitere beiträge

  • zu BERUFE.TV (Öffnet sich in neuem Fenster)
  • zu den abi>> Podcasts