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Ausbildung und Studium in Deutschland

Auf dem Foto ist eine Gruppe Studierender zu sehen, die gemeinsam in einer Hochschulbibliothek sitzt und lernt.
Studium oder Ausbildung? Beides ist in Deutschland möglich. Wer sich für ein Studium entscheidet, lernt gemeinsam mit Kommilitonen.
Foto: Julien Fertl

Schritt 1

Ausbildung und Studium in Deutschland

Wie funktioniert eigentlich das Bildungssystem in Deutschland? Wie läuft eine Ausbildung ab, was kannst du studieren? Hier bekommst du einen Überblick, welche Möglichkeiten du hast und welche Voraussetzungen du erfüllen musst.

In Deutschland herrscht Schulpflicht. Sie beginnt ungefähr mit dem sechsten Lebensjahr und dauert – je nach Bundesland – meistens neun bis zehn Jahre. Gute Leistungen vorausgesetzt, kannst du aber noch weiter zur Schule gehen und nach insgesamt zwölf oder dreizehn Jahren das Abitur machen – zum Beispiel auf einem Gymnasium oder einer Gesamt- oder Gemeinschaftsschule mit Oberstufe. Damit hast du die allgemeine Hochschulreife erreicht, die dich für den Besuch aller Hochschulen qualifiziert. 

Mit dem Abitur kannst du aber nicht nur studieren, sondern auch eine Ausbildung machen. Für die meisten Ausbildungen wird kein bestimmter Schulabschluss vorausgesetzt. Jedoch hat man mit dem Abitur einen Abschluss vorzuweisen, mit dem man bei Unternehmen in der Regel sehr gute Chancen hat.

Ausbildung

Grundsätzlich dauert eine qualifizierte Ausbildung durchschnittlich drei Jahre. Es gibt zwei Arten von Ausbildungen in Deutschland:
In einer dualen Ausbildung lernst du einerseits im Unternehmen das praktische Arbeiten. Wenn du zum Beispiel eine handwerkliche Ausbildung machst, erfährst du dort, wie du mit welchen Werkzeugen umgehen musst. In einer kaufmännischen Ausbildung lernst du etwa den Umgang mit bestimmten Computerprogrammen oder wie du dich gegenüber Kunden verhältst. Das ist aber nur die eine Hälfte, die andere ist die Berufsschule. Dort lernst du die Theorie zu deinem Beruf – zum Beispiel Mathematik, Englisch, Wirtschaft oder Recht, immer bezogen auf deinen Beruf.

In manchen Ausbildungen arbeitest du drei Tage in der Woche im Unternehmen, an den anderen beiden Tagen gehst du in die Berufsschule. Bei anderen Ausbildungen bist du abwechselnd für mehrere Wochen im Unternehmen und an der Berufsschule. Weil du im Unternehmen mitarbeitest, erhältst du eine Ausbildungsvergütung, die mit jedem Ausbildungsjahr steigt.

Die schulische Ausbildung findet vor allem an einer Berufsfachschule statt. Typische Berufe mit schulischer Ausbildung sind zum Beispiel Gesundheits- und Krankenpfleger, Ergotherapeut, Erzieher, Medizinisch-technischer Assistent oder Fremdsprachenkorrespondent. Berufserfahrung sammelst du hier vor allem in Praktika. Du bekommst meist kein Geld für deine Ausbildung. Um sie zu finanzieren, kannst du nebenbei arbeiten oder deine Familie unterstützt dich. Oder du prüfst, ob der Staat dich fördern kann, zum Beispiel über Schüler-BAföG

Nebras Nassar (25) macht eine Ausbildung zum Tourismuskaufmann für Privat- und Geschäftsreisen.
>> zur Reportage
Mohammad Zaghnoon (23) wird gerade auf die Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen vorbereitet. >> zur Reportage

Studium

Willst du studieren, musst du dich zuerst an der gewünschten Hochschule für den gewünschten Studiengang bewerben – das kannst du meist über die Homepage tun. Das ist zweimal im Jahr möglich, zum Wintersemester (Oktober bis März) und zum Teil auch zum Sommersemester (April bis September).

Viele Studienfächer sind sehr beliebt, das heißt, es gibt mehr Bewerber als Studienplätze. In diesem Fall müssen die Hochschulen auswählen, wen sie zum Studium zulassen. Es gibt Studiengänge, die an jeder Hochschule zulassungsbeschränkt sind (bundesweit). Das heißt, für die Studiengänge steht nur eine bestimmte Zahl von Studienplätzen zur Verfügung, zum Beispiel bei Medizin und Pharmazie. Andere Studiengänge sind nur an manchen Hochschulen zulassungsbeschränkt (örtlich), an anderen zulassungsfrei. Je nachdem gelten verschiedene Fristen, zu denen du dich bewerben musst. Auch musst du je nach Studiengang und Hochschule unterschiedliche Voraussetzungen erfüllen, um zugelassen zu werden.

Die meisten Studiengänge, die man direkt nach dem Abitur aufnehmen kann, schließen mit einem Bachelor ab. Daneben gibt es Studiengänge mit Staatsexamen (zum Beispiel Medizin und Jura) und selten Studiengänge, in denen man einen Diplom- oder Magisterabschluss erwirbt. Bachelorstudiengänge dauern in der Regel sechs bis acht Semester (drei bis vier Jahre). Viele Studierende machen danach noch den Master, der noch einmal zwei bis vier Semester dauert (ein bis zwei Jahre).

Das Studium ist in Deutschland kostenlos – außer du besuchst eine private Hochschule. An staatlichen Hochschulen musst du nur einmal im Semester einen Beitrag für die Verwaltung und gegebenenfalls eine Fahrkarte bezahlen. Wie viel das ist, bestimmt die Hochschule. Manche verlangen 50 Euro, andere 300 Euro.

Damit sie Miete und Essen bezahlen können, arbeiten viele Studierende nebenbei, zum Beispiel in der Gastronomie oder in Callcentern. Außerdem kannst du die staatlich geförderte Finanzierungshilfe BAföG beantragen. Das ist ein monatlicher Zuschuss, den du unter bestimmten Umständen bekommen kannst – zum Beispiel, wenn deine Familie dich nicht finanzieren kann. Die Hälfte dieses Geldes musst du nach dem Studium zurückzahlen. Die andere Hälfte bekommst du geschenkt. (Mehr zum Thema Studienfinanzierung gibt es unter finanzen.abi.de.)

Ayat Alkadri (28) studiert International Management an der Technischen Hochschule Deggendorf. >> zur Reportage

... und was noch?

Es gibt auch noch eine besondere Ausbildungsform: das duale Studium. Dabei absolvierst du eine Ausbildung oder Praxisphasen in einem Unternehmen und studierst parallel. Es gibt zwei Formen: die eine kombiniert Ausbildung und Studium, hierbei erhalten Absolventen zwei Abschlüsse. Die andere sieht Studium und Praxisphasen in einem Unternehmen vor, am Ende gibt es einen Hochschulabschluss. Duale Studiengänge dauern zwischen drei und viereinhalb Jahren. (Mehr zum Thema duales Studium liest du unter duales-studium.abi.de.)

Sara Manzari (33) beginnt bald ihr duales Studium an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. >> zur Reportage

 

Wenn du die Schulzeugnisse aus deinem Heimatland mitgebracht hast, kannst du sie in Deutschland anerkennen lassen (Mehr zur Anerkennung in Schritt 4: Was ist mein Zeugnis wert?). Wenn sich dabei herausstellt, dass du hier noch nicht studieren darfst, kannst du das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen. Das kannst du auf Abendgymnasien oder Kollegs machen. (Mehr zum Thema „Abitur auf dem zweiten Bildungsweg“ gibt es im Beitrag „Mit Beharrlichkeit und langem Atem“.)

Und auch wenn du qualifiziert bist, musst du natürlich trotzdem erst die deutsche Sprache lernen. Das kannst du zum Beispiel in einem Sprachkurs, den dir die Agentur für Arbeit oder das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vermittelt. Auch viele Hochschulen bieten Sprachkurse an und haben außerdem zusätzliche Plätze in ihren Studienkollegs und anderen Vorbereitungskursen geschaffen. Je nach Hochschule dauert ein Studienkolleg zwischen sechs und zwölf Monaten.

Mehr Info

Anlaufstellen und wichtige Links

 abi>> Portal

Rubrik "Studim": studium.abi.de

- Was studieren?

- Wo studieren?

- Wie studieren?

Rubrik "Ausbildung": ausbildung.abi.de

 

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abi>> 31.08.2016