Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Anstoß für ein neues Leben

Auf dem Foto ist der Schreibtisch eines Sachbearbeiters in einer Agentur für Arbeit zu sehen.
Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen geben Auskunft zu Themen wie Arbeitslosigkeit und Kindergeld.
Foto: Leitao

Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen

Anstoß für ein neues Leben

Zu Hause in Aleppo hatte Mohammad Zaghnoon (23) nicht nur BWL studiert, sondern war auch Fußballprofi. Auf der Flucht vor dem Krieg landete seine Familie schließlich in Koblenz, wo er sehr schnell Deutsch lernte und bald seine Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen beginnt.

Derzeit bereitet sich Mohammad Zaghnoon auf seine Ausbildung im öffentlichen Dienst vor: Anfang 2016 begann er bei der Agentur für Arbeit in Koblenz eine sogenannte Einstiegsqualifizierung. Das ist eine Art Praktikum mit Unterrichtseinheiten, wo er seine Deutschkenntnisse weiter verbessert, aber auch das deutsche Arbeitsrecht kennenlernt und die Arbeit am Computer übt. „Ich hatte erst vorgehabt, in Deutschland zu studieren“, erzählt der 23-Jährige. „Aber als ich von der Ausbildung hörte, dachte ich: Das ist eine große Chance. Für den Ausbildungsplatz bin ich sehr dankbar.“

Ein Foto von Mohammad Zaghnoon

Mohammad Zaghnoon

Foto: privat

Wenn die dreijährige Ausbildung im Herbst richtig losgeht, wird Mohammad Zaghnoon noch sicherer in der deutschen Sprache werden, da er dann Kontakt zu Kunden haben wird. Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen sind meist der Erstkontakt für Ratsuchende in den Agenturen für Arbeit. Sie geben persönlich oder telefonisch Auskunft, nehmen Arbeitslosmeldungen oder Anträge auf Leistungen wie Arbeitslosen- oder Kindergeld entgegen und helfen beim Ausfüllen der Anträge. Dafür müssen sie sich gut mit den geltenden Sozialgesetzen auskennen. Je nach Anliegen entscheiden sie, an welche Kollegen sie die Kunden für die weitere Betreuung vermitteln.

BWL-Studium nach dem Abitur

Mohammad Zaghnoon wuchs in Aleppo auf, besuchte dort die Grundschule und das Gymnasium. „Ich habe den literarischen Zweig absolviert, mit Geschichte, Philosophie und Sprachen“, erzählt er. „Die Schulbücher habe ich oft zum Training mitgenommen.“ Nebenbei war er nämlich Fußballprofi. Er spielte im Erstligaverein Ittihad („Eintracht“) Aleppo und nahm für die syrische Nationalmannschaft am Asia Cup teil.

Nach dem Abitur fing er 2010 an einer privaten Hochschule ein BWL-Studium an. Bald danach begann der Bürgerkrieg, Aleppo geriet zwischen die Fronten. Die Familie traute sich kaum noch aus dem Haus. Eine Granate verletzte Mohammad Zaghnoon an der rechten Hand. Zweimal musste er operiert werden. „Auch darum hatte mein Vater beschlossen, dass wir Syrien verlassen“, berichtet er. „Seine Fabrik und seine Karriere als Fußballtrainer gab er auf.“

Deutsch lernen auf dem Fußballplatz

Vom Libanon fuhr die Familie mit dem Schiff in die Türkei, alle hatten ein Visum. Dann ging es mit dem Bus durch Bulgarien, Rumänien und Ungarn bis nach Deutschland. In Trier beantragte die Familie Anfang 2014 schließlich Asyl.

Als die Anträge im Juni bewilligt wurden, halfen ihnen ein Onkel, der schon seit 20 Jahren in Deutschland lebt, sowie neu gewonnene Freunde eine Wohnung in Koblenz zu finden. Und schon im Oktober begann Mohammad Zaghnoon einen Jugendintegrationskurs der Benedict-Akademie. Dort lernte er nicht nur Deutsch, sondern befasste sich auch mit Themen wie Berufsorientierung, Bewerbung und dem Grundgesetz. „Ein bisschen Deutsch hatte ich mir schon selbst beigebracht“, erzählt er. „Wenn man ein Ziel hat und etwas will, kann man auch mehr dafür arbeiten“, findet er.
Seine Deutschkenntnisse verbesserte er außerdem an der Volkshochschule, an der Rezeption eines Hotels am Bahnhof, wo er neben den Kursen jobbte – und auf dem Fußballplatz, denn dass ein syrischer Profispieler jetzt in Koblenz wohnte, sprach sich bei den Vereinen schnell herum. „Die Sprache lernt man ja nicht, wenn man in seinem Zimmer bleibt“, sagt er. „Man muss rausgehen und mit Leuten sprechen.“ Inzwischen spielt er für den Verein Cosmos Koblenz in der Bezirksliga, und sein Deutsch hat Niveau B2 erreicht.
Auf den Beginn der Ausbildung und die Zukunft in Deutschland freut er sich. „Ich habe von Anfang an hilfsbereite und nette Leute kennengelernt. Ich hoffe, dass ich etwas davon zurückgeben kann.“

<< zurück zu Schritt 1               << zurück zum Überblick

abi>> 31.08.2016