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Zurück in die Schule

Spielsteine mit aufgedruckten Buchstaben liegen auf einem Holzbrett und bilden das Wort Schule.
Noch einmal die Schulbank drücken: Sonja Giese holt ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach.
Foto: Tim Wraneschnitz

Abitur auf dem zweiten Bildungsweg

Zurück in die Schule

Um sich neue berufliche Perspektiven zu eröffnen, hat sich Sonja Giese entschieden, noch mal die Schulbank zu drücken und ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. Die 31-Jährige besucht daher für drei Jahre das Städtische Abendgymnasium für Berufstätige in München. Hier erzählt sie von ihren Erfahrungen.

Im Nachhinein betrachtet war die Entscheidung, das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen, für mich die richtige. Als Teenager fühlte ich mich einfach noch nicht reif für Gymnasium und Abitur. An die mittlere Reife und ein freiwillig soziales Jahr habe ich zunächst eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin angeschlossen, auch weil ich auf eigenen Beinen stehen und Geld verdienen wollte. Genau diese Unabhängigkeit hielt mich aber auch lange davon ab, erneut die Schulbank zu drücken. Erst meine zweijährige berufliche Weiterbildung zur Fachkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie zeigte mir, wie viel Freude es macht, sich neues Wissen anzueignen und ich erkannte, dass noch vieles möglich ist.

Pauken von 17 bis 21 Uhr

Ein Porträt-Foto von Sonja Giese

Sonja Giese

Foto: Privat

Seit Herbst 2013 hole ich nun in drei Jahren mein Abitur am Städtischen Abendgymnasium für Berufstätige in München nach; im Sommer 2016 trete ich zur Abi-Prüfung an. Anfangs war es eine Umstellung, wieder zu lernen und nach der Arbeit in die Schule zu gehen. Der Unterricht findet an vier – in manchen Klassenstufen auch an fünf – Abenden von 17 bis 21 Uhr statt. Zu den Pflichtfächern gehören Mathematik, Deutsch sowie zwei Fremdsprachen (Englisch und wahlweise Französisch oder Latein). Darüber hinaus stehen auch Biologie, Chemie, Geografie, Wirtschaft und Ethik/Religion auf dem Lehrplan. Aber es werden auch Fächer angeboten, die nicht benotet und freiwillig nach Unterrichtsschluss belegt werden können, etwa Spanisch, Italienisch oder sogar Yoga.

Ganz im Zeichen des Abiturs

Der Unterricht am Abendgymnasium ist kostenlos. Um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren, habe ich die ersten beiden Jahre in Teilzeit in der Anästhesiepflege weitergearbeitet. Dennoch kam es vor, dass mir der Schicht- und Bereitschaftsdienst einen Strich durch die Rechnung machte und ich nicht genügend Zeit zum Lernen hatte oder den Unterricht nicht besuchen konnte. Manchmal war ich auch einfach zu müde. Unsere Lehrer sind allerdings sehr verständnisvoll und sehen es uns nach, wenn wir nicht immer optimal vorbereitet sind. Mittlerweile arbeite ich auf einer Intensivstation. Meine Vorgesetzten sind sehr kulant und unterstützen mich, wo es nur geht. Denn dieses Schuljahr steht ganz im Zeichen des Abiturs. Glücklicherweise muss ich unter der Woche nicht mehr im Schichtdienst arbeiten und bin somit meist pünktlich in der Schule.

Intensive Vorbereitung

Auf das Abitur bereite ich mich im aktuellen Unterricht vor. Außerdem wiederhole ich zu Hause oder in einer Lerngruppe den Stoff der letzten Jahre. Zur Abiturvorbereitung gehört auch das Lösen alter Abiturprüfungen oder das Durcharbeiten von Kompaktliteratur. Zusätzlich schaue ich mir Lernvideos oder englischsprachige Filme an.

Wer sich für das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg entscheidet, sollte auf jeden Fall viel Freude am Lernen mitbringen und wissbegierig sein. Auch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass das Privatleben in dieser Zeit stark einschränkt wird – ein verständnisvolles Umfeld ist hier Gold wert und hilft, schwierige Phasen zu meistern. Jetzt freue ich mich darauf, bald wieder mehr Zeit für mich und die Menschen zu haben, die mir wichtig sind. In meinen Beruf werde ich wieder voll zurückkehren und mich in meinem Bereich weiterbilden. Mir schwebt zum Beispiel ein berufsbegleitendes Studium im Gesundheitsbereich vor.

abi>> 24.03.2016