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Mit Beharrlichkeit und langem Atem

Schultafel mit Aufschrift Abitur
Wer gerne studieren oder seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen möchte, kann das Abitur auch später noch nachholen.
Foto: Martin Rehm

Abitur auf dem zweiten Bildungsweg

Mit Beharrlichkeit und langem Atem

Wer gerne studieren oder seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen möchte, jedoch das Abitur auf direktem Weg an der Regelschule nicht erreichen konnte, kann dies im Erwachsenenalter nachholen. Dr. Tobias Funk, Abteilungsleiter Schulen im Sekretariat der Kultusministerkonferenz (KMK) in Berlin, erläutert, welche Möglichkeiten der zweite Bildungsweg bereithält, welche Voraussetzungen es zu beachten gilt und wie sich die „Bildungszeit“ finanzieren lässt.

abi>> Herr Dr. Funk, für wen ist es interessant, das Abitur auf dem sogenannten zweiten Bildungsweg abzulegen? Und wo gibt es Informationen?

Ein Porträt-Foto von Dr. Tobias Funk

Dr. Tobias Funk

Foto: Torsten Heil / KMK

Tobias Funk: Es handelt sich insbesondere um ein Angebot für Berufstätige. Zum Beispiel für Personen, die nach dem Mittleren Schulabschluss zunächst eine Ausbildung absolviert haben, dann aber ihren Bildungsweg fortsetzen, weiter lernen und studieren möchten. Viele ergreifen auch ihre persönliche „zweite Chance“, nachdem sie sich vielleicht auf dem ersten Bildungsweg in der Schule schwergetan haben. Migranten haben mit dem zweiten Bildungsweg die Möglichkeit, sich in Deutschland besser zurechtzufinden und sich auf eine spätere Berufstätigkeit oder ein Studium vorzubereiten.

Informationen rund um den zweiten Bildungsweg finden sich auf den Internetseiten der Kultusministerien sowie auf der Homepage des Sekretariats der Kultusministerkonferenz. In der Regel informieren auch die Weiterbildungsberatungsstellen der Kommunen.

abi>> Und welche Möglichkeiten bestehen, das Abitur auf diese Weise nachzuholen?

Tobias Funk: Zum einen kann man in Abendgymnasien lernen. Dort findet der Unterricht – der Name deutet es an – meist abends statt. Zum anderen gibt es Kollegs, die tagsüber und in Vollzeit auf das Abitur vorbereiten. Laut Statistik der Kultusministerkonferenz besuchten 2014 jeweils rund 16.000 angehende Abiturienten Abendgymnasien und Kollegs. Darüber hinaus gibt es in den einzelnen Ländern verschiedene Angebote der Volkshochschulen oder Fernunterrichtsangebote privater Institute, die in der Regel auf die Nichtschülerprüfung vorbereiten. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit, das Abitur zu erlangen, ohne dafür eine schulische Einrichtung zu besuchen.

abi>> Wie gestaltet sich der Ablauf an Abendgymnasien und Kollegs?

Tobias Funk: Abendgymnasien und Kollegs haben feste Stundentafeln, die in etwa die Fächer abdecken, die auch in der gymnasialen Oberstufe unterrichtet werden. Das Stundenvolumen an Abendgymnasien ist aufgrund der Berufstätigkeit etwas geringer. In allen Schulen finden Aufnahmegespräche statt, in denen nach dem bisherigen Schulabschluss gefragt wird, aber auch persönliche Neigungen und Fähigkeiten erörtert werden, etwa um die richtige Wahl der Fremdsprachen zu treffen. Je nach persönlichen Voraussetzungen kann auch der Besuch eines Vorkurses empfehlenswert sein.

abi>> Und wie läuft die Abiturprüfung ab?

Tobias Funk: Genau wie in einer gymnasialen Oberstufe des ersten Bildungswegs werden an Abendgymnasien und Kollegs im schriftlichen Abitur zentrale Prüfungsaufgaben in – je nach Bundesland – drei oder vier Fächern gestellt. Einzige Ausnahme ist Rheinland-Pfalz, wo die Aufgabenstellung dezentral erfolgt. Zu den schriftlichen Prüfungsfächern kommt eine mündliche Prüfung in einem weiteren Fach hinzu – die Aufgabe hierfür wird selbstverständlich nicht zentral gestellt.

abi>> Und welche Voraussetzungen müssen Bewerber generell erfüllen?

Tobias Funk: Die Voraussetzungen unterscheiden sich je nach Bundesland und Schulform. In der Regel müssen die Vollzeitschulpflicht erfüllt sowie das 19. Lebensjahr erreicht sein. Des Weiteren müssen die Bewerber berufstätig sein, eine vergleichbare Tätigkeit nachweisen oder arbeitssuchend gemeldet sein.

abi>> Wie sieht es mit den Kosten aus? Erhält man finanzielle Unterstützung?

Tobias Funk: Die Angebote an öffentlichen Schulen des zweiten Bildungswegs sind im Gegensatz zu privaten Angeboten kostenlos. Unter bestimmten Voraussetzungen gibt es Unterstützung durch elternunabhängiges BAföG.

abi>> Zu guter Letzt – haben Sie noch spezielle Tipps?

Tobias Funk: Man sollte unbedingt Beharrlichkeit und einen langen Atem mitbringen, denn besonders ein mehrjähriger Schulbesuch neben einer Berufstätigkeit ist anstrengend. Es ist wichtig, sich darauf einzustellen, dass während des Besuchs einer Schule des zweiten Bildungswegs nicht viel Freizeit bleibt. Die persönliche Freizeit ist dann „Bildungszeit“. Die meisten, die diesen Weg einschlagen, sehen diesen Umstand jedoch als Gewinn an – nicht zuletzt weil sie Kontakte zu Menschen knüpfen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer und der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studien- und Promotionsmöglichkeiten sowie internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

KURSNET

Das Portal für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du nach schulischen Ausbildungen und nach Studiengängen suchen.
www.kursnet.arbeitsagentur.de

Kultusministerkonferenz (KMK)

Ständige Konferenz der Kultusminister/Senatoren der Bundesländer
www.kmk.org

Bundesring der Abendgymnasien

Portalseite des Rings der Abendgymnasien in der Bundesrepublik Deutschland e.V.
www.abendgymnasien.com

Bundesring der Kollegs

Homepage des Rings der Kollegs mit nach Bundesländern geordneter Adressliste aller Kollegs in Deutschland
www.bundesring.de

Online-Broschüre „Weiter durch Bildung“ der Bundesagentur für Arbeit

Geben Sie auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit „Weiter durch Bildung“ in das Suchfeld ein.
www.arbeitsagentur.de

abi>> 24.03.2016