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Der Berg bleibt

Ein voller Hörsaal der Uni Erlangen-Nürnberg
Volle Hörsäle wird's vor allem in beliebten Studiengängen auch weiterhin geben.
Foto: Martin Rehm

Doppelte Abiturjahrgänge

Der Berg bleibt

Das Gröbste ist geschafft. Im Wintersemester 2013/14 hat Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsstärkste Bundesland, seinen doppelten Abiturjahrgang an die Hochschulen geschickt – nur noch Schleswig-Holstein entlässt nächstes Jahr zwei Abiturjahrgänge auf einmal. Die Studierendenzahlen werden in den kommenden Jahren trotzdem kaum zurückgehen. abi» gibt einen Überblick.

Obwohl fast alle Bundesländer die Umstellung auf das achtjährige Gymnasium, kurz G8, bereits hinter sich haben, wird es an deutschen Hochschulen in der nächsten Zeit kaum ruhiger werden: „Wir gehen nicht davon aus, dass die Studierendenzahlen wieder großartig zurückgehen werden. Der Studienberg wird bleiben“, sagt Professor Dr. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Das hat mehrere Gründe: Die hohen Studienanfängerzahlen sind nicht nur auf die doppelten Abiturjahrgänge zurückzuführen. Dem Bildungsbericht 2014 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zufolge tragen auch die steigende Quote der Studienberechtigten und die hohe Studierneigung zu einem wachsenden Andrang an den Hochschulen bei. Die Studienanfängerquote, die angibt, wie viel Prozent eines Geburtsjahrgangs tatsächlich ein Studium aufnehmen, liegt aktuell bei deutlich über 50 Prozent. Außerdem ist auch die Zahl der ausländischen Studierenden kontinuierlich gestiegen.

Zusätzliche Studienplätze

Nach aktuellen Vorausberechnungen der Kultusministerkonferenz (KMK) wird es im Jahr 2016 um die 504.000 Studienanfänger geben. Zwar soll den Prognosen zufolge die Zahl bis 2025 wieder auf circa 465.000 Studienanfänger sinken, doch damit liegt die Quote noch immer höher als im Jahr 2010 vor den doppelten Abiturjahrgängen (ca. 445.000 Studienanfänger).

Um die vielen Studierenden irgendwie aufzufangen, wurde der Hochschulpakt 2020 zwischen Bund und Ländern geschlossen. Der sichert den Hochschulen zusätzliches Geld zu, um beispielsweise neue Seminarräume zu schaffen oder mehr Lehrpersonal einzustellen. Ursprünglich hatte der Pakt zwei Phasen und eine Laufzeit bis 2015. Mit der dritten Phase, die bis 2023 läuft, sollen über den Hochschulpakt in den kommenden Jahren nun bis zu 760.000 zusätzliche Studienplätze finanziert werden.

Trotz aller Hilfe gab es bislang bei einigen Studiengängen Engpässe: „Teure Studienplätze wie etwa für Medizin konnten die Hochschulen kaum zusätzlich zur Verfügung stellen“, gibt Horst Hippler zu bedenken. Trotzdem: Ohne den Hochschulpakt hätten die Hochschulen den Ansturm der Studierenden nicht bewältigen können, ist sich der HRK-Präsident sicher.

Nur die Ruhe!

Denn es hat sich einiges getan an den Unis: So wurden zusätzliche Räume angemietet, Mensen erweitert oder neue Wohnheime errichtet. In Münster gibt es eine Arbeitsgruppe („Das Brett“), die frei werdende Häuser, beispielsweise alte Truppenunterkünfte, aufkauft und an Studierende vermietet. In Nordrhein-Westfalen wurden sogenannte „Vorziehprofessoren“ eingestellt: „Professuren, die eigentlich erst in ein paar Jahren neu auszuschreiben sind, wurden bereits vorzeitig besetzt, um die Kapazitäten für Lehre zu verdoppeln“, erklärt Horst Hippler. Bund, Länder und Hochschulen haben also viel getan, um den Studienanfängern ein gutes Studium zu ermöglichen.

Und trotzdem mussten Studierende mit Einschränkungen rechnen und werden dies auch zukünftig: „Es wird fachlich und regional weiterhin Engpässe bei der Vergabe von Studienplätzen geben“, vermutet Joachim Zak, Berufsberater für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Stuttgart. Das könnte volle Vorlesungssäle, Warteschlangen in der Mensa, Seminare an ungewöhnlichen Orten und wenig freie und günstige Wohnungen bedeuten.

Hier und da wird es auch vorkommen, dass die Zulassungsvoraussetzungen verschärft werden. In Panik geraten muss man deswegen aber nicht. „Unerreichbar scheinende Studiengänge können mit entsprechender Strategie oft noch realisiert werden“, weiß Joachim Zak (Tipps dazu gibt es in der Checkliste). Und auch Horst Hippler rät zur Gelassenheit: „Man sollte sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. In jedem Fall sollten eigene Fähigkeiten und Neigungen bei der Studienwahl im Vordergrund stehen.“

Von G8 zu G9

Volle Kraft zurück?

Nachdem das achtjährige Gymnasium nahezu flächendeckend eingeführt wurde, streben einige Bundesländer wieder eine Verlängerung auf neun Jahre an oder stellen es den Schulen frei, beide Varianten parallel anzubieten. Ein Überblick:

Baden-Württemberg: Derzeit läuft ein Modellversuch mit 44 G9-Schulen.

Bayern: 47 Gymnasien starteten im Schuljahr 2015/16 mit einem zweijährigen Pilotversuch (der sogenannten „Mittelstufe Plus“), der neun Schuljahre vorsieht.

Hessen: Hier besteht eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 für kooperative Gesamtschulen (seit 2008) sowie für Gymnasien (seit 2013).

Niedersachsen: Zum Schuljahr 2015/16 erfolgte eine flächendeckende Umstellung auf G9. G8 bleibt als Option für leistungsstarke Schüler erhalten.

Schleswig-Holstein: 11 Gymnasien haben wieder auf G9 umgestellt, 4 Gymnasien bieten G8 und G9 parallel an.

Quellen: Kultusministerkonferenz (Stand: Mai 2014)
und Bayerisches Kultusministerium (Stand: März 2015)

 

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „Finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland recherchieren.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebot und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Hochschulstart

Portal für die Bewerbung um bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge sowie örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge, die am Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV) teilnehmen.
www.hochschulstart.de

Kultusministerkonferenz (KMK)

Ständige Konferenz der Kultusminister/Senatoren der Bundesländer
www.kmk.org

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

Freiwilliger Zusammenschluss der staatlich und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland
www.hrk.de

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

www.bmbf.de

 

abi>> 11.11.2015