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Dank Berufserfahrung ins Studium

Ein Mann arbeitet im Labor am Mikroskop.
Mit einer Ausbildung und entsprechender Berufserfahrung ist es auch ohne allgemeine Hochschulreife oder einem anderen Abschluss möglich, ein Studium aufzunehmen.
Foto: Swen Reichhold

Studieren ohne Abitur - Hintergrund

Dank Berufserfahrung ins Studium

Wer kein Abitur oder einen anderen Abschluss mit Hochschulzugangsberechtigung hat, kann über den sogenannten „dritten Bildungsweg“ trotzdem studieren. Hierfür sind Berufserfahrung oder eine Aufstiegsfortbildung Voraussetzung.

Nach seinem Realschulabschluss hat Paul Flerlage im elterlichen Betrieb eine Ausbildung zum Maurer gemacht. Anschließend absolvierte er Weiterbildungen zum Maurermeister und zum geprüften Betriebswirt bei der Handwerkskammer – mit dem Ziel, später den Betrieb seines Vaters zu übernehmen. „Vorher wollte ich aber mein fachliches Wissen erweitern“, berichtet der 23-Jährige. „Ich bewarb mich daher an der Fachhochschule Münster für ein Bachelorstudium zum Bauingenieur mit Vertiefung Konstruktiver Ingenieurbau.“ Um einen der Studienplätze zu erhalten, musste Paul Flerlage seinen Meisterbrief einreichen und eine schriftliche Bewerbung verfassen. Durch seine Berufsausbildung und den Meister fühlte sich der Student gut auf die fachlichen Inhalte des Studiums vorbereitet. „Nur in Mathematik fehlte mir das Abiturwissen.“ Wenn die Noten stimmen, möchte er ein Masterstudium an seinen Bachelor anschließen.

Immer mehr Studierende ohne Abitur

Ein Porträt-Foto von Paul Flerlage

Paul Flerlage

Foto: privat

Viele Hochschulen erkennen die Meister-, die Fachwirt- und die Technikerprüfung als gleichwertig zur allgemeinen Hochschulreife an. „Man kann sich das Studienfach aussuchen, auch fachfremde Fächer sind möglich“, erklärt Dr. Sigrun Nickel, Leiterin Hochschulforschung beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE).

Ein weiterer Weg zum Studium ohne Abitur führt über eine abgeschlossene Berufsausbildung plus – je nach Bundesland – zwei bis drei Jahre Berufserfahrung. „Mit diesen Voraussetzungen kann man gemäß seinem Beruf fachgebunden studieren“, sagt Sigrun Nickel. „Die zulassende Hochschule prüft jedoch, ob der Kandidat studierfähig ist.“ In manchen Bundesländern müssen die Berufserfahrenen etwa eine Eignungsprüfung oder ein Probestudium von zwei Semestern absolvieren. Die meistgewählten Fächer sind Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, an zweiter und dritter Stelle stehen die Ingenieur- und die Gesundheitswissenschaften.

Ein Porträt-Foto von Dr. Sigrun Nickel

Dr. Sigrun Nickel

Foto: privat

Insgesamt nutzen nach Angaben des CHE bundesweit rund 60.000 Studierende diese Möglichkeit des Studiums. Rund 65 Prozent der Studienanfänger ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung entschieden sich laut CHE im Jahr 2017 für ein Studium an einer Fachhochschule beziehungsweise einer Hochschule für angewandte Wissenschaften. Die meisten belassen es beim Bachelor, nur ein Zehntel der Absolventen schließt den Master an. „Die Zahl der Studierenden ohne Abitur liegt derzeit bei rund drei Prozent aller Studienanfänger“, weiß Sigrun Nickel. „Die Zahlen steigen stetig, aber sehr langsam an. An den Berufsschulen wird bisher nur wenig über diese Möglichkeit informiert.“

Berufliche Möglichkeiten ausloten

Zu der Frage, wie viele Studierende ohne Abitur das Studium vorzeitig abbrechen, gibt es laut der Leiterin Hochschulforschung keine gesicherten Erkenntnisse. „Es kommt unter anderem darauf an, mit welcher Motivation und welchen Voraussetzungen ein Berufserfahrener ohne Abitur ein Studium aufnimmt“, ergänzt Dr. Paul Stallmeister, Berater für akademische Berufe und Berufsorientierung an der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Wer nur wegen der besseren Verdienstaussichten studiert, aber nicht gerne lernt, werde in einem Studium kaum erfolgreich sein. Sein Tipp: Wenn man sich nicht sicher ist, ob man den Leistungsanforderungen im Studium gerecht wird, lässt sich zum Beispiel unter https://studicheck.nrw, www.osa-portal.de oder in studienfeldbezogenen Beratungstests der Agenturen für Arbeit die Studierfähigkeit für bestimmte Fächer testen. Auch die Fachstudienberater an den Hochschulen können weiterhelfen.

Zu den Berufsaussichten für Absolventen des dritten Bildungsweges kann Paul Stallmeister wenig sagen, weil die Zahl der Abgänger zu klein für eine valide Statistik sei. Schaut man sich jedoch die Aussichten für dual Studierende an, die ja Praxiserfahrungen mit Theorie verbinden, so ist zu erkennen, dass gerade bei Berufen in der Produktion, der Produktionsplanung und -aufsicht oder der Qualitätsüberwachung praktische Kenntnisse sehr nützlich sind. Auch in den Bereichen Wartung, Instandhaltung und Inbetriebnahme sind Akademiker mit praktischem Wissen gefragt. „Vor der Aufnahme eines Studiums sollte man seine beruflichen Möglichkeiten prüfen, um das Risiko von Enttäuschungen zu verringern“, rät Paul Stallmeister.

Weitere Informationen

berufsfeld-info.de

Infoportal der Bundesagentur für Arbeit mit einem Überblick und Reportagen zu verschiedenen Berufswelten.
berufsfeld-info.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationsangebot der Hochschulrektorenkonferenz über alle deutschen Hochschulen, deren Studienangebot und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Hochschulrektorenkonferenz

www.hrk.de

Centrum für Hochschulentwicklung

www.che.de

Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung GmbH

www.dzhw.eu

Stiftung für Hochschulzulassung

www.hochschulstart.de

Portal von CHE „Studieren ohne Abitur“

www.studieren-ohne-abitur.de

Informationsportal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Kultusministerkonferenz zum „Deutschen Qualifikationsrahmen“ (DQR)

www.dqr.de

abi>> 29.04.2019