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Über Modellversuch an die Hochschule

Junger Mann steht vor einem Bücherregal und liest in einem Buch.
Für manche Berufe ist ein Hochschulstudium Pflicht. Zum Glück gibt es verschiedene Wege, um studieren zu können.
Foto: Nicole Schwab

Studieren ohne Abitur

Über Modellversuch an die Hochschule

Dank seiner Ausbildung konnte Florian Stresing im Rahmen eines Modellversuchs in Hessen ohne Abitur ein Studium aufnehmen. Hier berichtet der 27-Jährige von seinen Erfahrungen:

Nach meinem Realschulabschluss auf dem zweiten Bildungsweg habe ich zwei Jahre das Berufskolleg I und II in Baden-Württemberg besucht und die Fachhochschulreife erlangt. Anschließend habe ich eine dreijährige Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen gemacht und danach zwei Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Allerdings fühlte ich mich in der Versicherungsbranche nicht so richtig wohl. Ich mache Musik und organisiere Konzerte. Daher wollte ich gern im Bereich Veranstaltungsmanagement studieren. Mittlerweile war ich jedoch von Baden-Württemberg nach Hessen gezogen, wo die Fachhochschulreife aus Baden-Württemberg nicht anerkannt wurde.

Beratung an der Hochschule

Ein Porträt-Foto von Florian Stresing

Florian Stresing

Foto: privat

Ich ließ mich an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), die meinen Wunschstudiengang Eventmanagement und -technik anbietet, beraten. Hier hörte ich das erste Mal von dem hessischen Modellversuch. Hier wird beruflich Qualifizierten, die ihre Berufsausbildung mit mindestens 2,5 beendet haben, auch ohne weitere Berufserfahrung und Zugangsprüfung der Hochschulzugang ermöglicht. Da ich meine Ausbildung mit der Note 1,0 abgeschlossen hatte, bewarb ich mich mit meinem Ausbildungszeugnis, Schulzeugnis und Lebenslauf bei der THM und bekam die Zusage.

Mittlerweile bin ich im zweiten Semester. Vor allem in Mathematik und Physik hatte ich einiges aufzuholen, was meine Kommilitonen erst vor Kurzem an der Schule gelernt haben. Teilweise konnte ich auf meine Kenntnisse aus dem Berufskolleg zurückgreifen, aber das meiste musste ich mir in Eigeninitiative aneignen. Ich habe zum Glück eine gute Lerngruppe gefunden. Und auch meine Dozentin hat sich viel Zeit genommen und mir vieles erklärt. In den anderen Fächern fangen alle Studierenden von null an, da waren die Voraussetzungen für alle gleich.

Unterstützungsangebote annehmen

Ich bin jetzt 27 Jahre alt und merke schon den Unterschied zu meinen Kommilitonen, die frisch aus der Schule kommen. Es gibt aber auch einige ältere, die ebenfalls erst eine Ausbildung gemacht haben. Wenn man mit der richtigen Einstellung auf die Leute zugeht, ist der Altersunterschied kein Problem. Ich wohne nicht mehr zu Hause und will auch nicht mehr finanziell von meinen Eltern abhängig sein. Deshalb habe ich einen Nebenjob auf 450-Euro-Basis als Veranstaltungshelfer angenommen und unterstütze bei Konzerten dabei, die Technik aufzubauen. Darüber hinaus bekomme ich elternunabhängiges BAföG. Dies wurde mir gewährt, weil ich ein Studium gewählt hatte, das nicht in Zusammenhang mit meiner Ausbildung steht. Diesen Hinweis bekam ich von der Beratung des Allgemeinen Studierendenausschusses an der Hochschule.

Allen, die ebenfalls ohne Abitur studieren wollen, empfehle ich: Nehmt so viele Beratungs- und Unterstützungsangebote wie möglich in Anspruch. Sucht aktiv Hilfe, sei es bei Dozenten oder bei Beratungsstellen an der Hochschule. Auch wenn der technische Teil meines Studiums sehr anspruchsvoll ist, bin ich froh über meine Entscheidung. Mein Nebenjob in der Veranstaltungstechnik hat mir gezeigt, dass ich später wohl lieber im Veranstaltungsmanagement arbeiten möchte. Aber wer weiß: Vielleicht mache ich nach dem Bachelorabschluss noch ein Masterstudium.“

abi>> 29.04.2019