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Zwischen Fiktion und Realität unterscheiden

Mann setzt Modellfigur in ein Modell eines geplanten Hauses.
Viele Berufsbilder erscheinen in Fernsehserien und Filmen sehr attraktiv, unterscheiden sich in der Realität aber oftmals stark von der Fiktion.
Foto: Martin Rehm

Berufsbilder im Fernsehen und in Wirklichkeit: Hintergrund

Zwischen Fiktion und Realität unterscheiden

Physiker werden wie Sheldon, Leonard und Raj in „The Big Bang Theory“ oder Architekt wie Ted in „How I Met Your Mother“? Klingt toll, doch entspricht das Bild, das uns TV-Serien und Filme von Berufen vermitteln, auch der Realität?

Die Zukunftsstimme von Ted Mosby erklingt aus dem Off und leitet das Finale der vierten Staffel der US-Serie „How I Met Your Mother“ mit den Worten ein: „Jeder Architekt hat mal was entworfen, das seinen Weg verändert hat. Bei mir geschah es um den 31. Geburtstag herum. Es war kein Museum, kein Opernhaus, auch kein Wolkenkratzer. Es war etwas anderes.“ Es handelt sich um ein Schnellrestaurant in Form eines Cowboyhuts. Und obwohl der Architekt, der in der Sitcom seinen Kindern erzählt, wie er ihre Mutter kennengelernt hat, keine große Lust auf den Auftrag hat, bastelt er tagelang an einem Entwurf. Als er den potenziellen Kunden schließlich stolz sein Modell präsentiert, lehnen sie es ab. Sie haben sich für ein anderes Architektenteam entschieden.

Aus dem echten Leben

Ein Porträt-Foto von Danny Alexander Lettkemann

Danny Alexander Lettkemann

Foto: raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH

Wettbewerbe, bei denen mehrere Architekten ihre Entwürfe einreichen, sind tatsächlich keine Seltenheit, wie Danny Alexander Lettkemann bestätigt. Der 32-Jährige hat Architektur studiert und arbeitet seit zweieinhalb Jahren im Architekturbüro „raumwerk“ in Frankfurt am Main. „Wenn man viel Arbeit und Herzblut in einen Entwurf gesteckt hat, ist es natürlich frustrierend, wenn er abgelehnt wird.“ Dass ein einzelner Architekt wie Ted Mosby aber einen Auftrag dieses Ausmaßes alleine umsetzen könnte, hält er für unwahrscheinlich.

Er selbst ist für die Ausführungsplanung von Bauvorhaben zuständig; eine von neun Leistungsphasen, in die die Arbeit von Architekten untergliedert wird. Manche Büros bieten alle Leistungen an, andere spezialisieren sich auf bestimmte Leistungsphasen.

Und ist es tatsächlich der Traum eines jeden Architekten, einmal ein Hochhaus oder ein Museum zu bauen? „Klar, da es sich um Gebäude mit speziellen Anforderungen handelt, denen meist viel Beachtung geschenkt wird. Aber auch ein Einfamilienhaus kann spannend sein.“ Danny Alexander Lettkemann plant derzeit ein großes Technikgebäude. „Jedes Gebäude hat seinen Reiz. Schwierig wird es, wenn der Bauherr genau vorgeben möchte, wie das Gebäude auszusehen hat.“ Auch wenn es sich dabei selten um Lokale in Cowboyhut-Form handelt. „Man möchte selbst etwas entwerfen, kreativ sein. Und im Gegensatz zu den Bauherren beschäftigen wir uns mit Baukultur und Bauästhetik. Da bewegt man sich manchmal auf einem schmalen Grat zwischen den Wünschen des Auftraggebers und den eigenen Ideen“, erklärt der 32-Jährige, der vor seinem Studium eine Ausbildung zum Dachdecker absolviert hat.

Die geschützte Berufsbezeichnung „Architekt“ darf er erst führen, wenn er in die Architektenkammer aufgenommen wurde. Ein Ziel, das die meisten Absolventen nach dem Studium verfolgen, da es unter anderem Voraussetzung ist, um sich selbstständig zu machen. Allerdings muss man für die Aufnahme mindestens zwei Jahre Berufserfahrung und diverse Fortbildungen vorweisen können.

Danny Alexander Lettkemann kann sich gut vorstellen, irgendwann sein eigenes Architektenbüro zu gründen. Das überzeichnete Bild von Architekten, das manche Fernsehserien und Filme vermitteln, kann er nicht bestätigen: „Meist fährt der Architekt dort Porsche und wohnt in einem großen Haus, das er selbst entworfen hat. Im wahren Leben wohnen viele Kollegen wie ich auch zu Miete und fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit.“

Was erwartet mich tatsächlich?

Dass sich Jugendliche bei der Berufswahl vom Fernsehen beeinflussen lassen, erlebt Cornelia Wilke von der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder) regelmäßig. „Obwohl die meisten in der Beratung selten direkt äußern, dass ihr Berufswunsch auf ihre Lieblings-TV-Serie zurückgeht, stelle ich manchmal anhand gewisser Formulierungen fest, dass sie sich vom Fernsehen haben inspirieren lassen. Zum Beispiel wenn jemand davon spricht, ‚Profiler‘ zu werden“, berichtet die Berufsberaterin. Für diesen Beruf, der häufig in Krimis auftaucht, braucht es allerdings einige Jahre Berufserfahrung als Polizeibeamter oder Kriminalist.

Ein weiterer Beruf, der ebenfalls seit Jahren stark nachgefragt wird und ebenfalls durch Krimi-Serien bekannt ist, ist der des Gerichtsmediziners. „Dieser Beruf wird mit jeder Menge Spannung und Abenteuer verbunden“, sagt Cornelia Wilke. Daran sei das Fernsehen sicherlich nicht unschuldig. Die Berufsberaterin hält es nicht per se für falsch, sich bei der Berufswahl auch Anregungen in Serien oder Filmen zu holen. „Eine TV-Serie kann durchaus ein Aufhänger sein, sich mit einem bestimmten Berufsfeld zu beschäftigen.“ Man sollte sich aber vor Augen führen, dass solche Formate in erster Linie unterhalten wollen. In der Beratung bespricht sie deshalb mit den Jugendlichen, was genau sie an dem Beruf begeistert, welche Voraussetzungen man dafür erfüllen muss, wie man sich ein realistisches Bild vom Arbeitsalltag machen kann und welche Alternativen es gibt. „Wenn jemand gerne Dingen auf die Spur kommt und akribisch arbeitet, ist Gerichtsmediziner nicht die einzige Möglichkeit. Im Grunde arbeiten alle Naturwissenschaftler im Labor so. Es könnte also beispielsweise auch Grundlagenforschung in Biologie infrage kommen.“

Um herauszufinden, was einen in einem bestimmten Beruf tatsächlich erwartet, empfiehlt Cornelia Wilke Praktika in dem jeweiligen Bereich. „Auch ein Freiwilligendienst wie das FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) kann sinnvoll sein, um einen realistischen Eindruck zu erhalten. Außerdem sollte man Schnuppertage an der Uni nutzen, um eine Vorstellung vom Studium zu bekommen.“ Infos zu Zugangsvoraussetzungen und zum Studienalltag erteilen zum Beispiel die Fachstudienberatungen.

Wie TV-Serien die Berufswahl beeinflussen

Ein Portät-Foto von Volker Gehrau

Volker Gehrau

Foto: privat

„Generell spielen Medien bei der Berufswahl eine wichtige Rolle“, bestätigt Prof. Dr. Volker Gehrau von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Der Kommunikationswissenschaftler untersucht, wie TV-Serien die Berufswahl von Jugendlichen beeinflussen. Das beginnt schon bei der Auswahl der Berufe, die dargestellt werden. „Deutlich überrepräsentiert im deutschen Fernsehen sind Berufe wie Arzt, Tierarzt sowie Gesundheits- und Krankenpfleger. Außerdem sind die Berufsfelder Justiz, Polizei und Sicherheit sowie Medien, Sport, Kunst und Gastronomie stark vertreten. Das liegt auch daran, dass sie sich leicht darstellen lassen: Die Charaktere in Serien treffen sich zum Beispiel häufig in Cafés oder Restaurants, da passen Barkeeper und Kellner gut rein.“ Die Darstellung kritisiert Gehrau insgesamt als zu einseitig. „Eine dramatische Übersteigerung gibt es insbesondere bei Berufen wie Detektiv, Musiker oder Model. Nur wenige Menschen in Deutschland gehen diesen Berufen nach. Bei den Models sind es vielleicht ein paar hundert.“ Kein Wunder, dass die meisten Menschen Models deshalb auch nicht aus ihrem Umfeld, sondern ausschließlich aus dem Fernsehen kennen. Die Effekte der einseitigen Darstellung auf die Berufswahl seien aber nicht allzu groß. „Die meisten Jugendlichen wissen, dass es weitaus mehr Berufe als die genannten gibt.“

Dennoch lässt sich bei beliebten Formaten häufig so etwas wie ein „Tim-Mälzer-Effekt“ beobachten, wie Volker Gehrau es nennt: Als vor einigen Jahren Kochsendungen sehr populär wurden, verzeichnete der Kochberuf einen deutlichen Zuwachs an Attraktivität. „Diejenigen, die viele Formate aus demselben Segment sehen, äußern deutlich häufiger Berufswünsche aus diesem Bereich.“ Doch selten werden im Fernsehen alle Seiten eines Berufs dargestellt: „Dass ein Koch sich auch um das Einkaufen der Zutaten oder das Putzen der Küche kümmern muss, ist nicht zu sehen. Und auch nicht, dass es unter Umständen eine ganze Weile dauert, bis man als Auszubildender selbst kochen darf.“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Grimme-Akademie

Die Grimme-Akademie qualifiziert junge Medienmacher.
www.grimme-akademie.de

abi>> 13.03.2017