Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Exotische Fälle wie bei „Dr. House“

Mann assistiert mit Kollegen bei einer Herz-Operation.
Arzt- und Krankenhausserien zeigen meistens nur einen kleinen Teil der täglichen Arbeit.
Foto: Johannes Simon

Berufsbilder im Fernsehen und in Wirklichkeit: Berufsreportage

Exotische Fälle wie bei „Dr. House“

Arztserien erfreuen sich bei Fernsehzuschauern seit Jahren großer Beliebtheit. Assistenzärztin Dr. Sevenai Ohdah (34) hat früher auch gerne welche geschaut – und weiß heute, wo der Unterschied zum echten Berufsalltag von Medizinern liegt.

„Grey’s Anatomy“, „Dr. House“, „Scrubs“, „In aller Freundschaft“ – Arztserien zählen zu den Dauerbrennern im Fernsehen und erfreuen sich bei den Zuschauern seit Jahren großer Beliebtheit. Kein Wunder: Kaum eine Folge kommt ohne Spannung und Dramatik, knifflige Fälle oder große Emotionen aus. Im Berufsalltag der Serienärzte scheint es täglich um Leben und Tod zu gehen. Auch Dr. Sevenai Ohdah hat sich gerne Serien wie „General Hospital“ und „Emergency Room“ angesehen. Die 34-Jährige arbeitet am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf als Assistenzärztin im Bereich Allgemeine und Interventionelle Kardiologie und weiß, dass der Klinikalltag nicht nur aus Action und Adrenalin besteht.

Praktika für Einblicke in die Realität

Ein Porträt-Foto Sevenai Ohdah

Sevenai Ohdah

Foto: privat

„Auch wir bekommen sehr spannende Fälle rein, aber die Serien vermitteln nicht, was sonst noch alles zu diesem Beruf gehört: Wir arbeiten nicht nur mit den Patienten, sondern forschen, schreiben Briefe, studieren Patientenakten und Literatur.“ Exotische Fälle, wie sie beispielsweise in jeder Folge der US-Serie „Dr. House“ gelöst werden und für die es fast schon Detektivarbeit bedarf, gebe es wirklich. „Aber in der Realität konzentriere ich mich als Ärztin nicht nur auf einen Fall, sondern bearbeite eine Vielzahl von Fällen parallel und betreue mehrere Patienten gleichzeitig. Und ich gehe auch nicht zu den Patienten nach Hause und nehme dort Proben, wie es bei ‚Dr. House‘ oft zu sehen ist“, erzählt Sevenai Ohdah.

Die Assistenzärztin hält es keinesfalls für eine schlechte Idee, sich bei der Berufsorientierung auch von Fernsehserien leiten zu lassen. „Sie zeigen durchaus die vielen Facetten des Berufs und dass die Arbeit viel zwischenmenschlichen Kontakt mit sich bringt.“ Sie empfiehlt jedoch, sich im Rahmen von Praktika oder Schnuppertagen an der Uni einen genaueren Einblick in das Berufsfeld und das Studium zu verschaffen. Auch sie hat verschiedene Wege genutzt, um sich zu informieren. „Während meiner Schulzeit habe ich Praktika bei Ärzten absolviert. Außerdem war ich bei der Berufsberatung, habe mir Infomaterial besorgt und mir an der Uni Medizin-Vorlesungen angehört.“ Nach dem Abi bewarb sie sich an der Universität in Hamburg und erhielt schließlich einen Platz für Medizin. „Auch ein Praktikum in einer Klinik kann sich lohnen, da bekommt man ebenfalls einen guten Einblick.“

Den Klinikalltag muss man mögen

Was im Fernsehen manchmal untergeht, ist die hohe Arbeitsbelastung. Dort sind die meisten Ärzte zwar mit vollem Einsatz dabei – was es allerdings bedeutet, zu arbeiten, wenn andere frei haben, wird selten dargestellt. „Man macht mehr Überstunden als in manchen anderen Berufen – Notfälle kann man eben nicht vorhersehen. Ich habe zu Beginn auch unterschätzt, wie arbeitsintensiv der Beruf ist“, gibt die Assistenzärztin zu. Dennoch ist es für sie selbstverständlich, dass sie erst in den Feierabend geht, nachdem einem Patienten mit akuten Beschwerden geholfen wurde oder sie die Betreuung an jemand anderen übergeben konnte. „Und der Schichtdienst beispielsweise hat auch Vorteile. Ich kann am Vormittag Erledigungen machen, wenn andere arbeiten müssen. Außerdem ist es jedem selbst überlassen, ob man in einer Klinik oder einer Praxis arbeiten möchte, wo die Arbeitszeiten moderater sind.“ Und längst nicht jede Schicht sei stressig. „Ich mag den Klinikalltag. Und wenn ich sehe, dass es jemandem durch meine Arbeit besser geht, dann ist das sehr erfüllend.“

abi>> 07.03.2017