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Welcher Weg ist der richtige für mich?

Junger Mann sitzt auf Weggabelung und hält Landkarte in seinen Händen.
Wohin geht mein beruflicher Weg? Viele Jugendliche stehen vor der Frage, ob sie studieren oder sich für eine Ausbildung entscheiden sollen.
Foto: Martin Rehm

Studium oder Ausbildung – Hintergrund

Welcher Weg ist der richtige für mich?

Wie geht es nach dem Abitur weiter? Diese wichtige Frage für sich zu klären, ist gar nicht so einfach. Schließlich geht es nicht nur um die Wahl eines Berufsfeldes, sondern auch um die Überlegung, ob man studieren oder eine Ausbildung machen möchte.

Lara Brumme steht kurz vor dem Abitur. Sie hat Biologie als Leistungskurs und will später in diesem oder einem angrenzenden Fach beruflich tätig werden. „Mich interessieren Umweltwissenschaften – insbesondere erneuerbare Energien – Bionik, aber auch Medizin oder Medizintechnik“, erzählt die 17-Jährige.

Ob sie in einem dieser Bereiche studieren oder eher eine Ausbildung machen möchte, steht für die Schülerin noch nicht fest. „Gerade im medizinischen Bereich gibt es interessante Ausbildungen, etwa zur Anästhesietechnischen, Operationstechnischen oder Medizinisch-technischen Assistentin“, überlegt sie. „Ich kann mir auch gut vorstellen, eine Ausbildung vor dem Studium zu machen. So könnte ich mir beispielsweise mit einer technischen Ausbildung vor einem Medizintechnikstudium schon wichtige Kenntnisse aneignen. Allerdings dauert die Zeit bis zum Berufseinstieg dann noch länger“, wägt sie ab.

Informationen sammeln

Um ihre Entscheidung treffen zu können, informiert sich Lara Brumme im Internet auf Seiten wie www.studienwahl.de, wo Informationen rund um Studiengänge zu finden sind. „Ich unterhalte mich außerdem viel mit meiner Familie oder Freunden über meine Berufswahl“, berichtet sie.

In den Ferien hat die Schülerin bereits eine Infoveranstaltung zum Fach Maschinenbau besucht, nach dem Abitur nimmt sie am Programm des Niedersachsen Technikum teil. Hier können Abiturientinnen mit Interesse an MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) für sechs Monate ausprobieren, ob ein Studium in dem Bereich das Richtige ist. „Einmal in der Woche besuche ich an der Hochschule Erstsemesterveranstaltungen. An den übrigen Tagen lerne ich in einem bezahlten Unternehmenspraktikum das Arbeitsleben in einem MINT-Beruf kennen.“

Mehr Theorie oder mehr Praxis?

Um sich zwischen Studium und Ausbildung entscheiden zu können, sollte man sich fragen, ob man sich lieber theoretisch mit Themen beschäftigt oder man nach der Schule lieber in die Berufspraxis eintauchen möchte. „Im Studium wird auf einem höheren Niveau als in der Schule die wissenschaftliche Theorie aus einem bestimmten Aufgabengebiet vermittelt“, erläutert Reinhard Barginda von der örtlichen Agentur für Arbeit Regensburg. (siehe auch die Studienreportage „Veranstaltungen kompetent planen“) „In einer Ausbildung lernt man dagegen die Praxis von Anfang an mit konkreten und fachlich überschaubaren Inhalten kennen. (siehe auch den Erfahrungsbericht „Das Arbeitsleben kennlernen“)

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, erst eine Ausbildung zu machen und dann zu studieren – oder umgekehrt. Oft stellt zudem ein Studium mit einem starken Praxisbezug einen sinnvollen Mittelweg zwischen Theorie und Praxis dar. An Hochschulen für angewandte Wissenschaften etwa: „Die Studierenden absolvieren ein zusätzliches Praxissemester und tauchen nicht ganz so tief in die wissenschaftliche Theorie ein wie an der Universität“, erklärt Reinhard Barginda.

Karriere und Einkommen

Bei der Berufswahl lassen sich auch die späteren Karrierechancen berücksichtigen. Akademiker werden eher für Aufgaben in Führungspositionen eingesetzt, die meist mit mehr Gehalt verbunden sind. „Außerdem sind Akademiker statistisch gesehen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen“, so der Experte. Allerdings muss man sich überlegen, wie die Studienzeit zu finanzieren ist. (siehe auch den Beitrag „Wie finanziere ich mein Studium?“)

Der Vorteil der Auszubildenden ist hingegen, dass sie schon während ihrer Lehrzeit ein Gehalt bekommen und Kontakte im Unternehmen für den weiteren Berufsweg knüpfen können. Über Weiterbildungsmöglichkeiten wie Meister, Techniker oder Fachwirt kann man auch mit einer Ausbildung in leitende Positionen oder sogar zu einem eigenen Betrieb kommen.

Das duale Studium

Wer die Vorteile beider Qualifizierungsmöglichkeiten vereinen möchte, für den könnte ein duales Studium die richtige Wahl sein. (siehe auch den Beitrag „Zwischen Hochschule und Betriebspraxis“) Hier wechseln sich Theoriephasen an der Hochschule mit Praxisphasen im Betrieb ab. Die Studierenden werden von den Betrieben schon während des Studiums bezahlt und vernetzen sich früh in der Arbeitswelt. Bei ausbildungsintegrierenden Modellen kann man am Ende neben dem Bachelor sogar noch einen Ausbildungsabschluss vorweisen. Allerdings bedeutet diese doppelte Qualifikation auch ein hohes Maß an Arbeitsaufwand.

Beratungen und Tests

„Bei der Vielzahl an Möglichkeiten sollte man die wichtigen Fragen nicht aus dem Blick verlieren“, meint Reinhard Baginda. „Was kann ich? Was kann ich nicht? Was will ich und wofür kann ich mich begeistern?“ Erörtert werden muss auch, ob für den Berufswunsch ein Studium notwendig ist oder ob auch eine Ausbildung zum Ziel führen kann. Berufe wie Arzt, Richter oder Lehrer kann man zum Beispiel nur mit einem Studium ergreifen. Um diese Fragen für sich zu beantworten, gibt es zahlreiche Hilfestellungen.

„In der Studien- und Berufsberatung der Agenturen für Arbeit versuchen wir in Gesprächen die richtige Richtung herauszufinden“, erzählt der Berufsberater. „Die Universitäten und Hochschulen bieten Studienberatungen an und wer sich für eine Ausbildung interessiert, kann Informationen bei der IHK oder den Handwerkskammern bekommen. Außerdem gibt es zahlreiche Studien- und Berufswahlmessen, die mit ihrem breiten Angebot Anregungen liefern können. Praktika können helfen, wenn man den angedachten Weg einmal ausprobieren möchte.“

Eine weitere Möglichkeit, Klarheit über seine eigenen Stärken und Schwächen sowie über die Eignung für bestimmte Studiengänge zu bekommen, bieten Self-Assessment-Tests. (siehe auch den Beitrag „Zuerst der Test, dann die Entscheidung“) Universitäten und Hochschulen bieten Tests in bestimmten Fächern an. Teilweise ist die Teilnahme für die Aufnahme eines Studiums sogar verpflichtend. Auch bei den Agenturen für Arbeit kann man Tests machen. Mit der „Selbsteinschätzung studienrelevanter Personenmerkmale“ (SSP) lässt sich herausfinden, ob man sich aufgrund seiner Persönlichkeitsmerkmale für ein bestimmtes Studium eignet. Der „Studienfeldbezogene Beratungstest“ (SFBT) gibt Aufschluss darüber, ob man für das gewählte Studienfeld die entsprechenden Fähigkeiten aufweist. Beide Tests können vor Ort in einer Agentur für Arbeit durchgeführt werden. Die Anmeldung ist nur über die Berufsberatung möglich. (siehe auch die Übersicht „Studienbezogene Self-Assessments") „Diese Tests sollen keine Vorgaben zur Berufswahl machen, sondern bei der Entscheidung anregen, unterstützen und begleiten“, erklärt Reinhard Barginda. „Sie helfen dabei, strukturiert über die eigenen Fähigkeiten und Motivationen nachzudenken.“

Studium als häufigste Wahl

Zahlen des statistischen Bundesamtes zeigen, dass sich deutlich mehr Abiturienten für ein Studium als für eine Ausbildung entscheiden: Im Jahr 2016 gab es rund 500.000 Studienanfänger, dagegen haben nur knapp 150.000 Abiturienten eine Ausbildung begonnen. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) bestätigt, dass drei Viertel der Abiturienten aus dem Jahrgang 2015 ein Studium gewählt haben. Die beliebtesten Fächer waren dabei Wirtschaftswissenschaften, Maschinenbau und Lehramt. Dabei ist der Anteil dual Studierender weiter gestiegen. Ungefähr ein Fünftel der Abiturienten hat eine Ausbildung aufgenommen. Hier waren laut Statistischem Bundesamt kaufmännische Berufe besonders gefragt.

Der aus diesen Zahlen gewonnenen Befürchtung einer Akademikerschwemme stellt Dr. Malte Sandner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) andere Prognosen entgegen: „Es hat sich gezeigt, dass Akademiker – obwohl es im Zeitverlauf immer mehr von ihnen gibt – immer noch die höchsten Löhne erzielen und am wenigsten von Arbeitslosigkeit betroffen sind“, erklärt der Experte.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de
JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.
www.bibb.de

AusbildungPlus

Die Plattform des Bundesinstituts für Berufsbildung bietet einen Überblick über duale Studiengänge und Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikationen.
www.ausbildungplus.de

OSA-Portal

Das Portal gibt eine Übersicht über alle deutschsprachigen Self-Assessment-Tests zur Studienorientierung.
www.osa-portal.de

SchuleWirtschaft Deutschland

Netzwerk aus Schulen und Arbeitswelt zur Stärkung von Schülern für den Übergang ins Berufsleben
www.schulewirtschaft.de

abi>> 22.01.2018