Welcher Weg ist der richtige für mich?

Junger Mann sitzt auf Weggabelung und hält Landkarte in seinen Händen.
Wohin geht mein beruflicher Weg? Viele Jugendliche stehen vor der Frage, ob sie studieren oder sich für eine Ausbildung entscheiden sollen.
Foto: Martin Rehm

Studium oder Ausbildung – Hintergrund

Welcher Weg ist der richtige für mich?

Wie geht es nach dem Abitur weiter? Diese wichtige Frage für sich zu klären, ist gar nicht so einfach. Schließlich geht es nicht nur um die Wahl eines Berufsfeldes, sondern auch um die Überlegung, ob man studieren oder eine Ausbildung machen möchte.

Lara Brumme steht kurz vor dem Abitur. Sie hat Biologie als Leistungskurs und will später in diesem oder einem angrenzenden Fach beruflich tätig werden. „Mich interessieren Umweltwissenschaften – insbesondere erneuerbare Energien – Bionik, aber auch Medizin oder Medizintechnik“, erzählt die 17-Jährige.

Ob sie in einem dieser Bereiche studieren oder eher eine Ausbildung machen möchte, steht für die Schülerin noch nicht fest. „Gerade im medizinischen Bereich gibt es interessante Ausbildungen, etwa zur Anästhesietechnischen, Operationstechnischen oder Medizinisch-technischen Assistentin“, überlegt sie. „Ich kann mir auch gut vorstellen, eine Ausbildung vor dem Studium zu machen. So könnte ich mir beispielsweise mit einer technischen Ausbildung vor einem Medizintechnikstudium schon wichtige Kenntnisse aneignen. Allerdings dauert die Zeit bis zum Berufseinstieg dann noch länger“, wägt sie ab.

Informationen sammeln

Um ihre Entscheidung treffen zu können, informiert sich Lara Brumme im Internet auf Seiten wie www.studienwahl.de, wo Informationen rund um Studiengänge zu finden sind. „Ich unterhalte mich außerdem viel mit meiner Familie oder Freunden über meine Berufswahl“, berichtet sie.

In den Ferien hat die Schülerin bereits eine Infoveranstaltung zum Fach Maschinenbau besucht, nach dem Abitur nimmt sie am Programm des Niedersachsen Technikum teil. Hier können Abiturientinnen mit Interesse an MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) für sechs Monate ausprobieren, ob ein Studium in dem Bereich das Richtige ist. „Einmal in der Woche besuche ich an der Hochschule Erstsemesterveranstaltungen. An den übrigen Tagen lerne ich in einem bezahlten Unternehmenspraktikum das Arbeitsleben in einem MINT-Beruf kennen.“

Mehr Theorie oder mehr Praxis?

Um sich zwischen Studium und Ausbildung entscheiden zu können, sollte man sich fragen, ob man sich lieber theoretisch mit Themen beschäftigt oder man nach der Schule lieber in die Berufspraxis eintauchen möchte. „Im Studium wird auf einem höheren Niveau als in der Schule die wissenschaftliche Theorie aus einem bestimmten Aufgabengebiet vermittelt“, erläutert Reinhard Barginda von der örtlichen Agentur für Arbeit Regensburg. (siehe auch die Studienreportage „Veranstaltungen kompetent planen“) „In einer Ausbildung lernt man dagegen die Praxis von Anfang an mit konkreten und fachlich überschaubaren Inhalten kennen. (siehe auch den Erfahrungsbericht „Das Arbeitsleben kennlernen“)

Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, erst eine Ausbildung zu machen und dann zu studieren – oder umgekehrt. Oft stellt zudem ein Studium mit einem starken Praxisbezug einen sinnvollen Mittelweg zwischen Theorie und Praxis dar. An Hochschulen für angewandte Wissenschaften etwa: „Die Studierenden absolvieren ein zusätzliches Praxissemester und tauchen nicht ganz so tief in die wissenschaftliche Theorie ein wie an der Universität“, erklärt Reinhard Barginda.

Karriere und Einkommen

Bei der Berufswahl lassen sich auch die späteren Karrierechancen berücksichtigen. Akademiker werden eher für Aufgaben in Führungspositionen eingesetzt, die meist mit mehr Gehalt verbunden sind. „Außerdem sind Akademiker statistisch gesehen weniger von Arbeitslosigkeit betroffen“, so der Experte. Allerdings muss man sich überlegen, wie die Studienzeit zu finanzieren ist. (siehe auch den Beitrag „Wie finanziere ich mein Studium?“)

Der Vorteil der Auszubildenden ist hingegen, dass sie schon während ihrer Lehrzeit ein Gehalt bekommen und Kontakte im Unternehmen für den weiteren Berufsweg knüpfen können. Über Weiterbildungsmöglichkeiten wie Meister, Techniker oder Fachwirt kann man auch mit einer Ausbildung in leitende Positionen oder sogar zu einem eigenen Betrieb kommen.

Das duale Studium

Wer die Vorteile beider Qualifizierungsmöglichkeiten vereinen möchte, für den könnte ein duales Studium die richtige Wahl sein. (siehe auch den Beitrag „Zwischen Hochschule und Betriebspraxis“) Hier wechseln sich Theoriephasen an der Hochschule mit Praxisphasen im Betrieb ab. Die Studierenden werden von den Betrieben schon während des Studiums bezahlt und vernetzen sich früh in der Arbeitswelt. Bei ausbildungsintegrierenden Modellen kann man am Ende neben dem Bachelor sogar noch einen Ausbildungsabschluss vorweisen. Allerdings bedeutet diese doppelte Qualifikation auch ein hohes Maß an Arbeitsaufwand.

Beratungen und Tests

„Bei der Vielzahl an Möglichkeiten sollte man die wichtigen Fragen nicht aus dem Blick verlieren“, meint Reinhard Baginda. „Was kann ich? Was kann ich nicht? Was will ich und wofür kann ich mich begeistern?“ Erörtert werden muss auch, ob für den Berufswunsch ein Studium notwendig ist oder ob auch eine Ausbildung zum Ziel führen kann. Berufe wie Arzt, Richter oder Lehrer kann man zum Beispiel nur mit einem Studium ergreifen. Um diese Fragen für sich zu beantworten, gibt es zahlreiche Hilfestellungen.

„In der Studien- und Berufsberatung der Agenturen für Arbeit versuchen wir in Gesprächen die richtige Richtung herauszufinden“, erzählt der Berufsberater. „Die Universitäten und Hochschulen bieten Studienberatungen an und wer sich für eine Ausbildung interessiert, kann Informationen bei der IHK oder den Handwerkskammern bekommen. Außerdem gibt es zahlreiche Studien- und Berufswahlmessen, die mit ihrem breiten Angebot Anregungen liefern können. Praktika können helfen, wenn man den angedachten Weg einmal ausprobieren möchte.“

Eine weitere Möglichkeit, Klarheit über seine eigenen Stärken und Schwächen sowie über die Eignung für bestimmte Studiengänge zu bekommen, bieten Self-Assessment-Tests. (siehe auch den Beitrag „Zuerst der Test, dann die Entscheidung“) Universitäten und Hochschulen bieten Tests in bestimmten Fächern an. Teilweise ist die Teilnahme für die Aufnahme eines Studiums sogar verpflichtend. Auch bei den Agenturen für Arbeit kann man Tests machen. Mit der „Selbsteinschätzung studienrelevanter Personenmerkmale“ (SSP) lässt sich herausfinden, ob man sich aufgrund seiner Persönlichkeitsmerkmale für ein bestimmtes Studium eignet. Der „Studienfeldbezogene Beratungstest“ (SFBT) gibt Aufschluss darüber, ob man für das gewählte Studienfeld die entsprechenden Fähigkeiten aufweist. Beide Tests können vor Ort in einer Agentur für Arbeit durchgeführt werden. Die Anmeldung ist nur über die Berufsberatung möglich. (siehe auch die Übersicht „Studienbezogene Self-Assessments") „Diese Tests sollen keine Vorgaben zur Berufswahl machen, sondern bei der Entscheidung anregen, unterstützen und begleiten“, erklärt Reinhard Barginda. „Sie helfen dabei, strukturiert über die eigenen Fähigkeiten und Motivationen nachzudenken.“

Studium als häufigste Wahl

Zahlen des statistischen Bundesamtes zeigen, dass sich deutlich mehr Abiturienten für ein Studium als für eine Ausbildung entscheiden: Im Jahr 2016 gab es rund 500.000 Studienanfänger, dagegen haben nur knapp 150.000 Abiturienten eine Ausbildung begonnen. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) bestätigt, dass drei Viertel der Abiturienten aus dem Jahrgang 2015 ein Studium gewählt haben. Die beliebtesten Fächer waren dabei Wirtschaftswissenschaften, Maschinenbau und Lehramt. Dabei ist der Anteil dual Studierender weiter gestiegen. Ungefähr ein Fünftel der Abiturienten hat eine Ausbildung aufgenommen. Hier waren laut Statistischem Bundesamt kaufmännische Berufe besonders gefragt.

Der aus diesen Zahlen gewonnenen Befürchtung einer Akademikerschwemme stellt Dr. Malte Sandner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) andere Prognosen entgegen: „Es hat sich gezeigt, dass Akademiker – obwohl es im Zeitverlauf immer mehr von ihnen gibt – immer noch die höchsten Löhne erzielen und am wenigsten von Arbeitslosigkeit betroffen sind“, erklärt der Experte.

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild
www.berufenet.arbeitsagentur.de
JOBBÖRSE der Bundesagentur für Arbeit
www.jobboerse.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Die Berufsbildung der Facharbeiter, Fachangestellten, Gesellen und Meister steht im Mittelpunkt der Forschungs- und Dienstleistungsarbeit des BIBB.
www.bibb.de

AusbildungPlus

Die Plattform des Bundesinstituts für Berufsbildung bietet einen Überblick über duale Studiengänge und Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikationen.
www.ausbildungplus.de

OSA-Portal

Das Portal gibt eine Übersicht über alle deutschsprachigen Self-Assessment-Tests zur Studienorientierung.
www.osa-portal.de

SchuleWirtschaft Deutschland

Netzwerk aus Schulen und Arbeitswelt zur Stärkung von Schülern für den Übergang ins Berufsleben
www.schulewirtschaft.de

 

Studium oder Ausbildung – Erfahrungsbericht Ausbildung

Das Arbeitsleben kennenlernen

Nach dem Abitur stand Konrad Schulte vor der Frage: Studium oder Ausbildung? Schließlich hat er sich für eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Commerzbank in Stuttgart entschieden. Für abi» berichtet der 19-Jährige, warum das für ihn die richtige Wahl war.

Am Ende meiner Schulzeit habe ich mich gefragt, in welche Richtung es nach dem Abitur gehen soll. Dabei war mir schnell klar, dass ich mein Interesse für Wirtschaft zum Beruf machen möchte. Die Entscheidung, ob ich in diesem Bereich ein Studium beginne oder eine Ausbildung mache, hat allerdings länger gedauert.

Bei der Orientierung haben mir gute Gespräche am meisten geholfen, aber auch der Studienfeldbezogene Beratungstest (SFBT) bei der Bundesagentur für Arbeit war aufschlussreich. Meine Entscheidung habe ich dann nach zahlreichen Gesprächen mit meiner Familie und älteren Freunden und Bekannten, die schon studieren oder eine Ausbildung machen, getroffen.

Gegen ein Studium direkt nach dem Abitur sprach für mich, dass ich bei einem möglichen Abbruch ohne Qualifikation dagestanden hätte. Nun mache ich die Ausbildung als Bankkaufmann in der verkürzten Variante von zwei Jahren und habe nach dieser Zeit einen Abschluss in der Tasche und sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten in Aussicht. Für eine Ausbildung sprach außerdem, dass ich nach der langen Schulzeit selbst aktiv werden wollte. Während einer Ausbildung lernt man das Arbeitsleben richtig kennen und kann das theoretische Wissen aus der Berufsschule gleich praktisch anwenden. Außerdem verdiene ich jetzt mein erstes Geld. Das heißt für mich: mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.

Von der Schalterhalle zum Geschäftskunden

Ein Porträt-Foto von Konrad Schulte

Konrad Schulte

Foto: Jacqueline Rosa

In meiner Ausbildung wechseln sich ein mehrwöchiger Praxisteil in der Filiale und ein drei- bis vierwöchiger Blockunterricht in der Berufsschule ab. Dort lernen wir viel über allgemeines Bankwesen, wie beispielsweise das Kreditgeschäft oder den Aktienhandel, aber auch, wie man mit Kunden umgeht. Rechnungswesen, juristische und wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen stehen ebenfalls auf dem Stundenplan.

Berufspraxis sammle ich in Stuttgart in der neuen Flagship-Filiale der Commerzbank. Die Filiale ist der zentrale Anlaufpunkt der Bank, hier finden Kunden für jedes Beratungsthema einen Spezialisten. Davon profitiere ich auch als Auszubildender sehr. Begonnen habe ich im Servicebereich der Filiale, wo man die Kunden begrüßt und kleinere Hilfeleistungen anbietet. Später wurde ich in der Beratung von Privatkunden ausgebildet und habe dort gelernt, mich intensiv mit den Wünschen und jeweiligen Bedürfnissen unserer Kunden zu beschäftigen. Besonders viel Spaß hat mir die Ausbildung im Bereich Firmenkunden gemacht. Hier habe ich spezielles Fachwissen, wie zum Beispiel das wichtige Verständnis für Unternehmensstrukturen, gewonnen.

Die Ausbildung ist sehr abwechslungsreich. Ich finde es klasse, dass ich so viele verschiedene Abteilungen kennenlerne und Einblick in verschiedene Branchen und Märkte bekomme. Auch digitale Tools kommen nicht zu kurz. Außerdem mag ich den Kontakt zu unseren Kunden.

Anschließendes Studium geplant

Ich habe es nicht bereut, nach dem Abitur erst einmal eine Ausbildung zu machen. Trotzdem möchte ich mich nach meinem Abschluss gerne weiterqualifizieren. Ich habe mich daher entschieden, noch BWL zu studieren. Ich denke, dass ich dabei durch meine Ausbildung einige Vorteile haben werde. Zum einen kenne ich die Anwendungsbereiche schon aus der Praxis und zum anderen wird mir – zumindest in den ersten Semestern – mein Wissen aus der Berufsschule sicher weiterhelfen. Bei der Commerzbank gibt es außerdem die Möglichkeit, in den Studienkreis aufgenommen zu werden. Das ist ein studienbegleitendes Programm, bei dem man nach seiner Ausbildung oder einem Praktikum mindestens acht Wochen im Jahr im Konzern weiterarbeitet – entweder am Stück in den Semesterferien oder übers Jahr verteilt an bestimmten Wochentagen.

Kurzum: Für mich war der Weg, nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Bankkaufmann zu machen, die richtige Wahl.

 

Studium oder Ausbildung – Studienreportage

Veranstaltungen kompetent planen

Wer in der Veranstaltungsbranche arbeiten möchte, hat verschiedene Zugangswege zur Auswahl – sowohl Ausbildungen als auch Studiengänge kommen infrage. Katrijn Kornmann (22) hat sich für das Studium des Veranstaltungsmanagements entschieden und ist mit ihrer Wahl sehr zufrieden.

Während ihrer Schulzeit hat Katrijn Kornmann angefangen, sich für das Theaterspielen zu interessieren und ist so auch auf ihren Berufswunsch gestoßen. „Ich habe gemerkt, dass mich die Organisation kultureller Veranstaltungen fasziniert und ich ein Talent dafür habe“, berichtet sie. Zunächst hat sich die Marburgerin in ihrer Heimatstadt über die Möglichkeiten informiert, eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau zu beginnen. „Ich wollte gerne praktisch arbeiten. Allerdings gab es in Marburg keine Ausbildungsstellen“, erzählt die Studentin.

Den Studiengang Veranstaltungsmanagement hat sie dann eher durch Zufall gefunden: „Wir haben in der 12. Klasse das Handbuch ‚Studien- & Berufswahl‘ der Bundesagentur für Arbeit bekommen, in dem alle Studiengänge verzeichnet sind. Hier bin ich beim Durchblättern auf den Bachelorstudiengang Veranstaltungsmanagement an der Hochschule Hannover gestoßen“, erinnert sie sich. „Damals war er allerdings noch dual. Ich musste ein Jahr warten, weil der Studiengang wegen der Umstellung auf ein Vollzeitstudium nicht angeboten wurde, und habe mich dann gleich beworben.“

Mit Herz und Kopf

Ein Porträt-Foto von Katrijn Sophie Kornmann

Katrijn Sophie Kornmann

Foto: Lynn Westenberger

Die Entscheidung für das Studium hat Katrijn Kornmann, die sich mittlerweile im fünften Semester befindet, nicht bereut: „Im Studium kann ich mir die Richtung aussuchen, in die ich gehen will. Dadurch übernehme ich aber auch mehr Verantwortung für mich selbst“, sagt die junge Frau. In den Vorlesungen und Seminaren bekommt sie Kenntnisse zu Themen wie Veranstaltungskonzeption, Veranstaltungstechnik, Projektmanagement, Recht und Wirtschaft, Marketing sowie kommunikative Kompetenzen vermittelt. „Es macht mir viel Spaß, mich wissenschaftlich und kreativ mit den Themen auseinanderzusetzen“, erzählt die 22-Jährige.

Aber auch der praktische Bezug kommt im Studium nicht zu kurz: „Neben kleineren Praxisprojekten gab es im dritten Semester eine 21-wöchige Praxisphase, in der wir unsere erlernten Kenntnisse umsetzen mussten“, erläutert die angehende Veranstaltungsmanagerin. Sie hat ihre Praktika bei einem Cateringbetrieb und als Projektassistentin bei der Musikland Niedersachsen gGmbH, einem gemeinnützigen Kulturbetrieb, absolviert. „Hier habe ich bei der Organisation von Netzwerktreffen, Konferenzen und Workshops für Musikschaffende mitgewirkt. Dazu gehörten die Entwicklung der Veranstaltungskonzepte, die Auswahl der Locations, die Einladung und das Briefing der Moderatoren sowie die Planung des Caterings – und vieles mehr.“

Kreativ und kommunikativ

Im fünften Semester kam die Wahl der Schwerpunkte hinzu. Katrijn Kornmann hat sich für „Messen, Ausstellungen und Kongresse“ sowie ihren Ausgangsbereich „Kunst und Kultur“ entschieden, in dem sie im siebten Semester auch ihre Bachelorarbeit schreiben möchte. „Mir gefällt besonders gut, dass jedes Projekt eine neue Herausforderung ist und man immer wieder kreativ, kommunikativ, aufgeschlossen und flexibel an Themen herangehen muss“, meint die Studentin. „Das sind Charaktereigenschaften, die zu mir passen.“

Nach dem Erreichen ihres Bachelorabschlusses kann sie sich vorstellen, noch einen Masterstudiengang im Bereich Marketing oder Kreativwirtschaft anzuschließen. „Ich habe mich noch nicht entschieden. Vielleicht arbeite ich auch erst einmal im kulturellen gemeinnützigen Bereich und setze Projekte um, die mich begeistern. Während meines Praxissemesters konnte ich hierfür schon wertvolle Kontakte knüpfen“, erzählt sie. „Wohin es mich auch führt, das Studium in Hannover war für mich die richtige Entscheidung.“

 

Studium oder Ausbildung – Interview

Die eigenen Stärken kennen

Dr. Barbara Dorn ist Leiterin der Abteilung Bildung / Berufliche Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Für abi» erläutert sie, worauf es bei der Entscheidung für den richtigen Berufsweg ankommt.

abi>> Frau Dr. Dorn, in welchen Arbeitsbereichen werden Fachkräfte mit einer Ausbildung gebraucht und wo sind Hochschulabsolventen gefragt?

Barbara Dorn: Unternehmen brauchen Absolventen sowohl aus der akademischen wie aus der beruflichen Bildung. Die beiden Bereiche dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden – beziehungsweise sich zu Lasten des jeweils anderen Bildungsbereichs einseitig profilieren. Grundsätzlich gibt es jedoch einen Engpass in den Bereichen MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sowie Gesundheit und Pflege.

abi>> Welche Berufe sind in diesen Bereichen besonders gefragt?

Barbara Dorn: Mit 290.900 fehlenden Fachkräften erreicht die MINT-Lücke einen neuen Rekordstand. Dabei entfällt 66 Prozent des Bedarfs auf den nicht-akademischen Bereich. Die zahlreichen MINT-Initiativen haben in der Vergangenheit für eine deutliche Erhöhung der MINT-Studierendenzahl und damit auch der Absolventenzahl gesorgt. Im Gesundheitsbereich ist der Fachkräftemangel in der Altenpflege am größten. Hier rechnen Studien mit 500.000 fehlenden Vollzeitstellen im Jahr 2030.

abi>> Sollten Arbeitsmarktprognosen in bestimmten Bereichen bei der Berufswahlentscheidung von Jugendlichen eine Rolle spielen?

Barbara Dorn: Um eine gute, stabile und tragfähige Berufswahlentscheidung treffen zu können, müssen sich die jungen Menschen über ihre Interessen, Stärken und Talente im Klaren sein. Des Weiteren ist es wichtig, die Anforderungsprofile von Ausbildung und Studium zu kennen. Nur dann kann man entscheiden, ob der Berufsweg, auch in einem Mangelbereich, zu einem passt.

abi>> Wo gibt es Informationen oder Hilfe für Jugendliche, die noch nicht wissen, ob eine Ausbildung oder ein Studium der richtige Weg für sie ist?

Ein Porträt-Foto von Barbara Dorn

Barbara Dorn

Foto: privat

Barbara Dorn: Neben der Berufsberatung und den Medien der Bundesagentur für Arbeit gibt es regionale Arbeitskreise des Netzwerks SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland, das Schülerinnen und Schüler für den Übergang in die Arbeitswelt stärkt. Hier werden berufsorientierende Veranstaltungen angeboten, Kontakte zu Unternehmen beispielsweise für Praktika hergestellt und Gründungen von Schülerfirmen unterstützt.
Wenn es schon konkretere Ideen gibt, sollten sich die Jugendlichen informieren, ob der Studien- oder eher der Ausbildungsalltag ihren Vorstellungen entspricht. In einem freiwilligen Praktikum oder im Rahmen des Schülerbetriebspraktikums lässt sich das schnell herausfinden.
Außerdem kann es hilfreich sein, mit Menschen zu sprechen, die schon studieren oder in dem eigenen Wunschberuf arbeiten. Sie können viel vom Alltag und ihren Aufgaben und Tätigkeiten berichten.

abi>> Muss man sich zwischen Ausbildung und Studium entscheiden oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

Barbara Dorn: Ein dualer Studiengang ist eine Alternative. Das Studium an einer Hochschule wird dabei um Praxisphasen in einem Unternehmen ergänzt. Am Ende des dualen Studiums verfügen die Absolventen also nicht nur über das theoretische Wissen aus Vorlesungen und Seminaren, sondern kennen auch den Arbeitsalltag in einem Beruf oder einer Branche. Natürlich kann auch nach einer Ausbildung noch ein Studium absolviert werden. Und auch einer Ausbildung nach dem Studium steht nichts im Wege. Der Begriff vom „Lebenslangen Lernen“ ist mittlerweile im Arbeitsleben Normalität und berufliche Weiterbildung, welcher Art auch immer, ein elementarer Bestandteil in der Personalentwicklung.

 

Studium oder Ausbildung – Übersicht

Vorteile auf allen Wegen

Das Abitur ist geschafft. Nun eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten für den Start ins Berufsleben: Ausbildung, Studium oder vielleicht ein duales Studium? abi» hat Argumente für alle drei Wege gesammelt.

Ausbildung

Praktisches Arbeiten: Wer genug vom langen Lernen in der Schule hat und endlich selbst arbeiten möchte, für den ist eine Ausbildung das Richtige. Die praktische Arbeit steht im Vordergrund und Hintergrundwissen aus der Berufsschule kann gleich angewendet werden.

Geld: Auszubildende in Betrieben oder im öffentlichen Dienst bekommen für die Arbeit, die sie leisten, ein Gehalt. Für viele ist dies der erste wichtige Schritt für mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit vom Elternhaus.

Übernahme: Mit einer Ausbildung ist man schon mal „drin“ im Unternehmen und hat meist gute Chancen für eine Übernahme. Durch die Arbeit während der Lehrzeit hat man auch die Möglichkeit, gute Kontakte zu weiteren Arbeitgebern in der Branche zu knüpfen.

Karriere: Mit einem Ausbildungsabschluss hat man viele Möglichkeiten, sich weiterzuqualifizieren. Weiterbildungen, etwa zum Meister oder Techniker, eröffnen die Möglichkeit, in gehobeneren Positionen zu arbeiten oder sogar einen eigenen Betrieb zu führen.

Grundlage fürs Studium: Die praktische Qualifikation bietet eine gute Grundlage für ein Studium, in dem die Theorie vertieft wird. Studierende mit einer Ausbildung wissen dann schon, wo dieses theoretische Wissen zur Anwendung kommt. Häufig besteht auch die Möglichkeit, ein berufsbegleitendes Studium aufzunehmen.

Studium

Intensives Lieblingsfach: Bis zum Abitur sind Kenntnisse in vielen Fächern gefragt. Im Studium kann man sich auf das Fach konzentrieren, das einen wirklich interessiert und sich intensiv damit auseinandersetzen.

Bestimmtes Berufsziel: Wer Arzt, Rechtsanwalt oder Architekt werden möchte, kann dieses Berufsziel nur über ein Studium erreichen. Einige Berufe setzen einen Hochschulabschluss als Qualifikationsgrundlage voraus.

Geld: Akademiker verdienen im Schnitt im Laufe ihres Berufslebens im Schnitt mehr als Fachkräfte mit einem Ausbildungsabschluss. Auch wenn es während des Studiums noch kein Geld gibt, so sind die Aussichten auf mehr Gehalt mit dem Berufseinstieg höher. Der Verdienst ist allerdings auch immer von der jeweiligen Branche abhängig.

Entfaltungsmöglichkeiten: Viele Studierende ziehen aus dem Elternhaus aus, um in einer anderen Stadt ein Studium aufzunehmen und lernen so, auf eigenen Beinen zu stehen und ihren Studienalltag selbst zu organisieren.

Karriere: Verantwortungsvolle Führungspositionen werden meist mit Hochschulabsolventen besetzt. Das Studium stellt somit eine wichtige Qualifikation auf dem Weg nach oben dar.

Eigene Richtung: Da es im Studium mehr Wahlbereiche gibt und die Inhalte nicht so strikt vorgegeben sind, hat man mehr Möglichkeiten, sich selbst auszutesten – und dann die Richtung zu finden, die zu einem passt.

Duales Studium

Theorie und Praxis: Wer gerne praktisch arbeitet, aber trotzdem auf eine intensive theoretische Grundlage nicht verzichten möchte, für den ist das duale Studium eine Alternative. Es bietet die Kombination aus Studium und Praxisphasen, in denen das Wissen gleich zur Anwendung kommt.

Zwei Abschlüsse: Bei ausbildungsintegrierenden Varianten des dualen Studiums können sogar zwei Abschlüsse erlangt werden: der Bachelor an der Hochschule und der Ausbildungsabschluss im Betrieb.

Geld: Während des Studiums erhält man für die praktischen Tätigkeiten im Betrieb ein Gehalt. Nach dem Abschluss sind die Absolventen des dualen Studiums wie Vollzeitstudierende in gehobeneren Positionen gefragt und werden entsprechend gut bezahlt.

Übernahme: Dual Studierende haben durch ihre praktische Ausbildung einen engen Bezug zu ihrem Unternehmen – das sie meist übernimmt. Außerdem können durch die Praxis und die Verbindungen an der Hochschule wertvolle Kontakte zur Branche geknüpft werden.

Allerdings: Die doppelte Ausbildung erfordert auch einen erhöhten Arbeitsaufwand. Das Studium muss in kürzerer Zeit absolviert werden und in den Semesterferien stehen weitere Praxisphasen im Betrieb an. Bis zum Bachelor ist somit ein straffer Zeitplan angesagt.

Die abi>> Übersicht „Studium oder Ausbildung“ gibt es hier als PDF zum Download.

 

Elektrotechnik dual

Zwischen Hochschule und Betriebspraxis

Praktische Erfahrungen sammeln oder doch lieber studieren? Paul Lange (25) wollte beides und entschied sich daher für ein duales Studium – und damit für eine Alternative, die viele Vorteile mit sich bringt, aber auch hohe Arbeitsbereitschaft erfordert.

Paul Lange hatte nach dem Abitur bei der Firma Kunz Elektrotechnik GmbH in Vogtsburg einen Ausbildungsplatz in Aussicht. Sein Ziel, zu studieren, wollte er aber ebenfalls verfolgen. „Da die Firma qualifizierte Ingenieure braucht, bot mir der Geschäftsführer ein duales Studium an“, erinnert er sich. „Dafür hat der Betrieb mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim einen Kooperationsvertrag geschlossen.“

Mittlerweile studiert Paul Lange im fünften Semester Elektrotechnik an der DHBW in Mannheim. Das duale Studium dauert insgesamt drei Jahre, wobei sich Theorie- und Praxisphasen im dreimonatigen Rhythmus abwechseln. „In den Praxisblöcken im Unternehmen habe ich die Gelegenheit, Erfahrungen in verschiedenen Abteilungen zu sammeln und an Projekten mitzuarbeiten“, erzählt der 25-Jährige. Beispielsweise hat er bei der Erneuerung einer Trafostation mitgewirkt oder in einem Winzerkeller ein Energiemanagementsystem eingebaut. „Dadurch lerne ich nicht nur den Unternehmensalltag kennen, sondern erlebe auch, wie man Projekte eigenständig plant und durchführt“, beschreibt der junge Mann.

Theoretisches Wissen anwenden

Ein Porträt-Foto von Paul Lange

Paul Lange

Foto: Christian Höhn

Am dualen Studium schätzt Paul Lange besonders den kontinuierlichen Wechsel zwischen Theorie und Praxis: „Es gefällt mir, praktisch zu arbeiten und das gelernte Wissen im Unternehmen anwenden zu können“, erklärt er. „Nach der Praxisphase freue ich mich dann wieder auf die Hochschule. Hier sind wir in unseren kleinen Kursen zu einer richtigen Gemeinschaft zusammengewachsen und unterstützen uns gegenseitig im Studium“.

Die Hochschule vermittelt den Studierenden die theoretischen Grundlagen der Elektrotechnik, die zum Beispiel Mathematik, Physik, Informatik, Geschäftsprozesse und elektrotechnische Zusammenhänge beinhalten. Nach dem ersten Jahr erfolgte die Wahl einer Vertiefungsrichtung – Paul Lange hat sich für elektrische Energietechnik entschieden. „Im Studium lernen wir die Grundzusammenhänge kennen und verinnerlichen, wie man sich die Lösungen von Problemen selbst erarbeitet“, sagt er und erläutert. „Der technische Fortschritt ist so rasant, dass man in der Lage sein sollte, mit seinem Fachwissen eigenständig weiterzudenken.“

Doppeltes Pensum mit doppelten Vorzügen

Die Kombination aus Theorie und Praxis hat für den Bachelorstudenten viele Vorteile: „Einen unschätzbaren Wert für die Zukunft haben sicherlich die Kontakte, die man während des Studiums in der Branche knüpft“, betont er. „Ein weiterer Vorzug ist, dass während der ganzen Studienzeit vom Praxisunternehmen ein Gehalt bezahlt wird.“

Das duale Studium verlangt Paul Lange aber auch einiges ab. „Wir haben Anwesenheitspflicht in den Vorlesungen und schreiben die Klausuren direkt am Ende jeder Theoriephase. Allerdings wird hierdurch das strukturierte Lernen und zielstrebige Arbeiten gefördert”, berichtet er. Da er in der vorlesungsfreien Zeit im Unternehmen arbeitet, hat er weniger Freizeit als andere Studierende. „Ich würde mich trotzdem immer wieder für das duale Studium entscheiden“, ist er sich sicher.

Wenn er im September 2018 seinen Bachelorabschluss erreicht hat, wird er von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen. „Aufgrund der Praxisphasen sind mir die Strukturen im Unternehmen sehr vertraut. Am liebsten arbeite ich im Kundenkontakt und freue mich darauf, nach dem Studium Berufserfahrung als Ingenieur zu sammeln.“


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Stand: 24.07.2019