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Die eigenen Stärken kennen

Ausbilder zeigt jungem Azubi etwas am PC.
In Praktika können junge Menschen prüfen, ob ihre Vorstellungen mit der Wirklichkeit übereinstimmen.
Foto: Martin Rehm

Studium oder Ausbildung – Interview

Die eigenen Stärken kennen

Dr. Barbara Dorn ist Leiterin der Abteilung Bildung / Berufliche Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Für abi» erläutert sie, worauf es bei der Entscheidung für den richtigen Berufsweg ankommt.

abi>> Frau Dr. Dorn, in welchen Arbeitsbereichen werden Fachkräfte mit einer Ausbildung gebraucht und wo sind Hochschulabsolventen gefragt?

Barbara Dorn: Unternehmen brauchen Absolventen sowohl aus der akademischen wie aus der beruflichen Bildung. Die beiden Bereiche dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden – beziehungsweise sich zu Lasten des jeweils anderen Bildungsbereichs einseitig profilieren. Grundsätzlich gibt es jedoch einen Engpass in den Bereichen MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sowie Gesundheit und Pflege.

abi>> Welche Berufe sind in diesen Bereichen besonders gefragt?

Barbara Dorn: Mit 290.900 fehlenden Fachkräften erreicht die MINT-Lücke einen neuen Rekordstand. Dabei entfällt 66 Prozent des Bedarfs auf den nicht-akademischen Bereich. Die zahlreichen MINT-Initiativen haben in der Vergangenheit für eine deutliche Erhöhung der MINT-Studierendenzahl und damit auch der Absolventenzahl gesorgt. Im Gesundheitsbereich ist der Fachkräftemangel in der Altenpflege am größten. Hier rechnen Studien mit 500.000 fehlenden Vollzeitstellen im Jahr 2030.

abi>> Sollten Arbeitsmarktprognosen in bestimmten Bereichen bei der Berufswahlentscheidung von Jugendlichen eine Rolle spielen?

Barbara Dorn: Um eine gute, stabile und tragfähige Berufswahlentscheidung treffen zu können, müssen sich die jungen Menschen über ihre Interessen, Stärken und Talente im Klaren sein. Des Weiteren ist es wichtig, die Anforderungsprofile von Ausbildung und Studium zu kennen. Nur dann kann man entscheiden, ob der Berufsweg, auch in einem Mangelbereich, zu einem passt.

abi>> Wo gibt es Informationen oder Hilfe für Jugendliche, die noch nicht wissen, ob eine Ausbildung oder ein Studium der richtige Weg für sie ist?

Ein Porträt-Foto von Barbara Dorn

Barbara Dorn

Foto: privat

Barbara Dorn: Neben der Berufsberatung und den Medien der Bundesagentur für Arbeit gibt es regionale Arbeitskreise des Netzwerks SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland, das Schülerinnen und Schüler für den Übergang in die Arbeitswelt stärkt. Hier werden berufsorientierende Veranstaltungen angeboten, Kontakte zu Unternehmen beispielsweise für Praktika hergestellt und Gründungen von Schülerfirmen unterstützt.
Wenn es schon konkretere Ideen gibt, sollten sich die Jugendlichen informieren, ob der Studien- oder eher der Ausbildungsalltag ihren Vorstellungen entspricht. In einem freiwilligen Praktikum oder im Rahmen des Schülerbetriebspraktikums lässt sich das schnell herausfinden.
Außerdem kann es hilfreich sein, mit Menschen zu sprechen, die schon studieren oder in dem eigenen Wunschberuf arbeiten. Sie können viel vom Alltag und ihren Aufgaben und Tätigkeiten berichten.

abi>> Muss man sich zwischen Ausbildung und Studium entscheiden oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

Barbara Dorn: Ein dualer Studiengang ist eine Alternative. Das Studium an einer Hochschule wird dabei um Praxisphasen in einem Unternehmen ergänzt. Am Ende des dualen Studiums verfügen die Absolventen also nicht nur über das theoretische Wissen aus Vorlesungen und Seminaren, sondern kennen auch den Arbeitsalltag in einem Beruf oder einer Branche. Natürlich kann auch nach einer Ausbildung noch ein Studium absolviert werden. Und auch einer Ausbildung nach dem Studium steht nichts im Wege. Der Begriff vom „Lebenslangen Lernen“ ist mittlerweile im Arbeitsleben Normalität und berufliche Weiterbildung, welcher Art auch immer, ein elementarer Bestandteil in der Personalentwicklung.

abi>> 22.01.2018